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Merlin Hummel (GER, Eintracht Frankfurt e.V.) feiert mit seiner Trophäe bei den World Athletics Ultimate Championships i

Foto: IMAGO / Beautiful Sports

Es braucht ein anderes neu

Köln, 15. September

Liebe Leserinnen und Leser,
der Merlin hat’s gemacht! Hammerwerfer Merlin Hummel sichert sich nach WM- und EM-Silber seinen ersten Sieg bei internationalen Meisterschaften und krönt in Budapest eine für ihn abermals starke Saison. Er ist nun ein „Ultimate Champion“. Der Hammer! Oder? Diese Frage stellt sich weniger mit Blick auf den Sieg des deutschen Wurf-Asses als vielmehr mit Blick auf das neue Format. Ultimate Championships. Versprochen wurden vom Weltverband World Athletics im Vorfeld drei Tage Spitzenleichtathletik auf Top-Niveau: neu inszeniert, kompakt, so gut dotiert wie kein Wettkampf zuvor in der Sportart. 150.000 Dollar kassieren Hummel und Co. für ihre Siege – das ist tatsächlich der Hammer. Zumindest im Kosmos der Leichtathletik bedeuten solche Summen in Sachen Prämien eine ziemliche Steigerung. Doch längst nicht alle hatten überhaupt die Chance, in der ungarischen Hauptstadt bei dieser WM 2.0 dabei zu sein. Hierbei geht es nicht darum, dass in den Disziplinen nur ausgewählte Athletinnen und Athleten starten durften, sondern vielmehr um die Tatsache, dass gewisse Disziplinen gar nicht im Programm auftauchten. Etwa der Diskuswurf oder das Kugelstoßen. „Da aus World Athletics inzwischen World Running geworden ist, werde ich nun meine Saison beenden“, übte beispielsweise die niederländische Diskuswurf-Europameisterin Jorinde van Klinken berechtigte Kritik.

Das Konzept der Veranstaltung zielte darauf ab, neue Zielgruppen zu erreichen – den Sport neu zu inszenieren. Und ja: Show-Elemente, Stadion-Look mit schwarzem Innenraum und dröhnende Bässe waren durchaus imponierend. Die Darstellung des Gebotenen wird dadurch schlicht zeitgemäßer und attraktiver – um eine Zukunft zu wahren, braucht es hier und da immer mal Veränderungen. Den vor längerer Zeit begonnenen Trend hin zur Eventisierung von Sportveranstaltungen darf auch die Leichtathletik nicht ignorieren – und verglichen mit der Gigantismus-Fußball-WM in diesem Sommer sind die Ultimate Championships dann doch nur ein ziemlich kleines Event gewesen. Und: Während Gianni Infantino im Fußball darauf setzt, immer mehr (zu viele) Nationen zu den globalen Meisterschaften einzuladen, ist ein großflächiger Verzicht auf zahlreiche Namen, die Teil der Sportart Leichtathletik sind, keinesfalls besser. Das Wort „Seelenlos“ geisterte in Budapest entsprechend herum – und trifft es mitunter auf den Punkt. Straffere Programme, neue Konzepte …? Ja, bitte! Aber bitte alle Disziplinen integrieren.

Alexander Dierke