Köln, 28. Juli
Liebe Leserinnen und Leser,
das waren sie also – die 126. Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik. Rund 14.000 Fans sind an beiden Tagen im Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid vor Ort. Das hat man gespürt. Die Stimmung wurde nationalen Titelkämpfen gerecht, in dieser Form wünscht man es sich für die Sportart. Vor allem wurde mit der Kulisse aber bewiesen, dass sich durchaus wieder zahlreiche Menschen dafür interessieren, wer sich die nationalen Meriten schnappt – und wer die Tickets für die anstehenden Europameisterschaften löst. Letzteres ist zahlreich geschehen, wobei natürlich so manche Hochkaräter schon vorab EM- und Leistungsbestätigungsnorm erfüllt hatten. Aber eben nicht alle. Und auch nicht jedem vermeintlichen Überflieger ist das im Herzen des Ruhrgebiets gelungen. So muss beispielsweise Hochspringerin Imke Onnen ihren Flug nach Birmingham stornieren. Zwar hat sie mit übersprungenen 1,98 Meter schon im vorangegangenen Sommer die Norm von European Athletics deutlich erfüllt und belegt im Qualifikationsranking des europäischen Verbands gar Rang sieben, doch in dieser Saison konnte sie aufgrund von Beschwerden kaum Wettkämpfe bestreiten. Die fällige Leistungsbestätigungsnorm des DLV (1,89 m) hat sie auch in der Lohrheide nicht erreicht. So muss eine starke deutsche Athletin in zwei Wochen nun zu Hause bleiben. Es darf jeder selbst beurteilen, ob die Leistungsbestätigungsnorm in solchen Fällen Sinn macht. Onnen hat 2025 acht Wettkämpfe mit einem Resultat von mindestens 1,90 Meter beendet, inklusive der PB von 1,98 Meter. Aber wo es Enttäuschte gibt, gibt es auf der anderen Seite natürlich auch glückliche Protagonisten. So ist der Sport. Im Hochsprung hat sich die erst 19-jährige Dorothea Gantert sensationell zur Deutschen Meisterin gekürt. Ihre Entwicklungsgeschichte ist noch außergewöhnlicher – und gipfelt nun vorerst in ihrer ersten EM-Teilnahme. Die echten Überflieger des Sommers wie Frederik Ruppert, Robert Farken und Owen Ansah haben ihre Form in Bochum-Wattenscheid jedenfalls bestätigt. Dennoch waren es insgesamt Titelkämpfe auf eher mäßigem sportlichen Niveau. Unschön war angesichts der tollen Atmosphäre auch, dass die Siegerehrungen auf einer kleinen Bühne im Stadionumfeld abgehalten wurden – so kam es im DM-Zeitplan zwar nicht zu Verzögerungen, doch den Siegerinnen und Sieger wurde die Ehrung vor großer Kulisse genommen.

Alexander Dierke

