Tag : Europameisterschaften

GBR, Leichtathletik, Athletics, European Athletics Championships 2026, Leichtathletik Europameisterschaft 2026, Birmingham 2026, 09.08.2026

Weltklasse gefordert

Köln, 1. September

Liebe Leserinnen und Leser,
die Saison 2026 biegt so langsam, aber sicher auf die Zielgeraden ein. Ein wenig Zeit ist seit dem Ende der Europameisterschaften inzwischen vergangen – seitdem wurde unter anderem in der Diamond League (Weltrekordshow in Zürich) und beim Internationalen Stadionfest noch einmal Leichtathletik auf Top-Niveau geboten. Und es folgen ja noch das Diamond-League-Finale in Brüssel (4. bis 5. September) sowie die Premierenausgabe der Ultimate Championships in Budapest (11. bis 13. September). Letztere soll sich als Zukunftsformat der Sportart beweisen, eine WM 2.0 nur mit den Besten der Besten. Attraktivität ist das Stichwort – nur bekommt das Event vorab wenig Aufmerksamkeit. Wer dabei sein wird, klärt sich final erst nach dem Finale der Diamond League – neben den Diamond-Siegern sind auch Weltmeister- und Olympiasieger qualifiziert. Aufgefüllt wird das Teilnehmerfeld mit den stärksten Namen der Weltrangliste.

Europameister sind nicht qualifiziert. Es soll ein anderes Niveau herrschen, könnte man meinen. Das trifft es vielleicht auf den Punkt, wenn es darum geht, die deutschen Leistungen von Birmingham einzuordnen. Auch mit etwas Abstand lässt sich sagen, dass sich das DLV-Team insgesamt stark präsentiert hat. Das gilt nicht nur für diejenigen, die sich mit Gold belohnt haben. Oder aber für jene Namen, die einen Platz auf dem Podium ergattern konnten. Auch sonst haben vor allem der Lauf- und Wurfbereich sowie die Mehrkämpfer überzeugt. Hier wurden besonders viele Top-Acht-Platzierungen eingefahren – insbesondere bei den Männern stimmt die Entwicklung auf der Bahn. Dafür geht die Tendenz im Sprungbereich in die falsche Richtung – hier wurde auf der Insel keine Medaille gewonnen. Auch weil die Medaillen-Dauerabonnentin Malaika Mihambo dieses Mal leer ausging. Doch man darf nicht nur von der Ausnahme-Weitspringerin abhängig sein. Die Breite macht’s – das ist auch eine der Erkenntnisse, die man gewinnt, wenn man die EM-Auftritte genauer unter die Lupe nimmt. Es braucht genügend starke Namen pro Disziplingruppe, um auf Weltbühne wieder richtig konkurrenzfähig zu sein. Die Grundlagen dafür müssen von früh auf gelegt werden – sprich schon im Nachwuchsbereich. Und natürlich spielt das Thema Förderung immer wieder eine Rolle.

Alexander Dierke

27th European Athletics Championships - Birmingham 2026: Day Four

Leichtathletik ist geil

Köln, 18. August

Liebe Leserinnen und Leser,
die Realitätsfrage ist eine, die in der deutschen Leichtathletik in den vergangenen Jahren gerne gestellt wird. Lange Zeit (nach außen hin) weniger von denen da drinnen (Verband), als vielmehr von jenen im Außen – sprich Journalisten, Experten etc. Die Leichtathletik gehört zu eben diesen Medien, die seit der WM 2022 in Eugene oder spätestens den medaillenlosen globalen Titelkämpfen 2023 in Budapest viel kritisiert haben. Als Fachmagazin sollte das so sein. Gleichermaßen sollten Leistungen aber auch anerkannt werden. Realitätsfrage: Hier ordnet Dr. Jörg Bügner nach diesen Europameisterschaften in Birmingham inzwischen sehr wohl realistisch ein, was geboten wurde. Ein Unterschied zu Verbandsäußerungen der Vergangenheit. Der wichtigste Unterschied zu den Bilanzen der letzten Jahre sind aber die Medaillen, die in dieser verzeichnet sind. Und dafür sind die deutschen Athletinnen und Athleten verantwortlich. 21 Mal Edelmetall. Sechsmal Gold. Zehnmal Silber. Fünfmal Bronze. Das ist stark.

Lange hat deutsche Leichtathletik nicht mehr so viel Spaß gemacht wie bei dieser EM. Vor allem ob der Namen, die hinter diesen Medaillen stecken. Denn längst nicht alle dieser Namen hatte man vorab als Kandidaten auf Gold, Silber oder Bronze auf dem Zettel. In Breite ist wieder mehr möglich. Allen voran im Laufbereich hat eine starke Entwicklung stattgefunden. Aber das Niveau ist dennoch noch nicht über überall stabil – Baustellen bleiben genug. Zumal die Leistungen im kommenden Jahr auf Weltbühne bestätigt werden müssen. Erst recht 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Doch es ist positives mitzunehmen: Die Breite hat sich – nun ja – verbreitert. Bessere Trainingsgruppen, Trainingsinput aus dem Ausland, ein gutes Teamgefüge. Zumeist zumindest. Lea Meyer ließ unmittelbar nach einem Sturz im Hindernisfinale ihrem Frust freien Lauf, entschuldigte sich später aber auch öffentlich bei Gesa Krause, die ins Zentrum ihrer Kritik geraten war. Ein großer Ehrgeiz kann (in Teilen) auch hilfreich sein: Etwa Karl Bebendorf zeigte sich mit Hindernisbronze in keiner Weise zufrieden. Es gibt also erfreuliche Aspekte rund um die deutsche Leichtathletik zu nennen. Dass man zusammensteht, untermauert Smilla Kolbe. Die 800-Meter-Läuferin positioniert sich in einem Interview klar gegen Rassismus: „Ich habe so viele tolle Leute, die mich supporten. Aber ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin.“ Sie erwarte einen solchen Respekt allen Athletinnen und Athleten gegenüber. Wichtiges Statement!

Alexander Dierke

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships 2025, Weltmeisterschaft 2025, Tokio 2025, 14.09.2025

Premieren, Ziele, Hoffnungen

Köln, 4. August

Liebe Leserinnen und Leser,

1.645 Athletinnen und Athleten leben in den kommenden Tagen einen europäischen Traum. Denn ab dem 10. August starten sie endlich: die 27. kontinentalen Meisterschaften. Erstmals gehen diese in Großbritannien über die Bühne. Eine Premiere. Und auch unter den 1.645 zur Teilnahme berechtigten Leichtathleten finden sich so manche neue Namen – Premiere, die zweite. Ein Name, der in den Debütisten auftaucht, dürfte den ein oder anderen durchaus verwundern. Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer erlebt in Birmingham tatsächlich die ersten Europameisterschaften seiner Karriere. Zumindest im Aktivenbereich. Wenige Stunden vor Druckabgabe dieses Hefts haben wir ihn noch in Leverkusen getroffen. Im Interview zeigt er sich selbstbewusst – und fühlt sich gut vorbereitet für Birmingham.

Letzteres ist ohnehin das, was zählt. Aus deutscher Sicht ist die Ausgangslage gemischt. Manche Überflieger vergangener Jahre tun sich diese Saison schwer. Dafür sind die Läufer umso stärker unterwegs. Speziell im Männerbereich sind deutsche Laufmedaillen im Prinzip Pflicht. Zu gut waren eben jene Frederik Rupperts, Mohamed Abdilaahis und Co. im Jahr 2026 unterwegs. Da darf man schon mal auf den großen Wurf hoffen, zumal das DLV-Team mit 116 Athletinnen und Athleten im Vergleich zur EM 2024 (113) noch einmal ein paar Namen mehr umfasst. Spannend zu sehen sein wird auch, wie sich jene Protagonisten schlagen, die zuletzt so ihre Probleme hatten. Sprinterin Gina Lückenkemper ist angeschlagen und läuft den Erwartungen hinterher. Weitsprung-Ass Malaika Mihambo hat die Goldmedaille bei der DM zuletzt verpasst – allerdings auch schon einen Sieben-Meter-Sprung rausgehauen. Speerwerfer Julian Weber und Hochspringerin Christina Honsel konnten nur wenige Wettkämpfe bestreiten, ihr Saisoneinstieg war dafür jeweils umso stärker. Und beim deutschen Sprint-Überflieger des Jahres 2026, Owen Ansah, muss man sehen, inwiefern ihn der Wirbel rund um eine verpasste Dopingkontrolle belastet. In Bochum-Wattenscheid war dies kürzlich gar nicht der Fall. Natürlich sind aber auch weitere Disziplinen interessant: Hürdensprint, 800 Meter, Diskuswurf, Mehrkampf. Aber machen Sie sich während der Titelkämpfe einfach selbst ein Bild davon, wer Ihnen am meisten zusagt. Die gute Nachricht: ARD und ZDF berichten im Free-TV erneut umfangreich von den Europameisterschaften.

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaften, Die Finals, Wattenscheid, 25.07.2026

Knallharte Entscheidungen

Köln, 28. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
das waren sie also – die 126. Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik. Rund 14.000 Fans sind an beiden Tagen im Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid vor Ort. Das hat man gespürt. Die Stimmung wurde nationalen Titelkämpfen gerecht, in dieser Form wünscht man es sich für die Sportart. Vor allem wurde mit der Kulisse aber bewiesen, dass sich durchaus wieder zahlreiche Menschen dafür interessieren, wer sich die nationalen Meriten schnappt – und wer die Tickets für die anstehenden Europameisterschaften löst. Letzteres ist zahlreich geschehen, wobei natürlich so manche Hochkaräter schon vorab EM- und Leistungsbestätigungsnorm erfüllt hatten. Aber eben nicht alle. Und auch nicht jedem vermeintlichen Überflieger ist das im Herzen des Ruhrgebiets gelungen. So muss beispielsweise Hochspringerin Imke Onnen ihren Flug nach Birmingham stornieren. Zwar hat sie mit übersprungenen 1,98 Meter schon im vorangegangenen Sommer die Norm von European Athletics deutlich erfüllt und belegt im Qualifikationsranking des europäischen Verbands gar Rang sieben, doch in dieser Saison konnte sie aufgrund von Beschwerden kaum Wettkämpfe bestreiten. Die fällige Leistungsbestätigungsnorm des DLV (1,89 m) hat sie auch in der Lohrheide nicht erreicht. So muss eine starke deutsche Athletin in zwei Wochen nun zu Hause bleiben. Es darf jeder selbst beurteilen, ob die Leistungsbestätigungsnorm in solchen Fällen Sinn macht. Onnen hat 2025 acht Wettkämpfe mit einem Resultat von mindestens 1,90 Meter beendet, inklusive der PB von 1,98 Meter. Aber wo es Enttäuschte gibt, gibt es auf der anderen Seite natürlich auch glückliche Protagonisten. So ist der Sport. Im Hochsprung hat sich die erst 19-jährige Dorothea Gantert sensationell zur Deutschen Meisterin gekürt. Ihre Entwicklungsgeschichte ist noch außergewöhnlicher – und gipfelt nun vorerst in ihrer ersten EM-Teilnahme. Die echten Überflieger des Sommers wie Frederik Ruppert, Robert Farken und Owen Ansah haben ihre Form in Bochum-Wattenscheid jedenfalls bestätigt. Dennoch waren es insgesamt Titelkämpfe auf eher mäßigem sportlichen Niveau. Unschön war angesichts der tollen Atmosphäre auch, dass die Siegerehrungen auf einer kleinen Bühne im Stadionumfeld abgehalten wurden – so kam es im DM-Zeitplan zwar nicht zu Verzögerungen, doch den Siegerinnen und Sieger wurde die Ehrung vor großer Kulisse genommen.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften; Dresden, 03.08.2025 Gina Lückenkemper (SCC Berlin) auf den 200m; Deutsche Leich

So manche Fragen

Köln, 21. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
wenige Tage vor den Deutschen Meisterschaften steht die nationale Leichtathletik aufgrund einer anderen Thematik unter besonderer Beobachtung. Ausgerechnet einem der Besten dieses Sommers wird von der NADA vorgeworfen, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Die Rede ist von Owen Ansah. Der Sprinter wurde vor seinem Abflug zum Diamond-League-Meeting in Monaco von einem Kontrolleur „überrascht“. Aufgrund von Zeitstress und der körperlich bedingten fehlenden Möglichkeit, unmittelbar eine Dopingprobe abzugeben, fand kein Test statt. Eine spätere Abnahme am Flughafen sei nicht möglich gewesen. Gleichermaßen seien ihm keine Konsequenzen aufgezeigt worden – der Umstand sei in dem Moment akzeptiert worden. So schildert es Ansah selbst. Die NADA hingegen spricht im Nachgang von einer Verweigerung. Natürlich ist das Dopingthema in der Leichtathletik durchaus eine große Nummer, doch in diesem Fall spricht erst einmal vieles dafür, dass Owen Ansah in seiner Stellungnahme die Wahrheit geschildert hat. Wenngleich man auch sagen muss, dass er in der Situation möglicherweise klüger hätte reagieren müssen. Es gab in der Vergangenheit schon so manche ähnliche Fälle, die teils jahrelange Sperren nach sich gezogen haben. Entscheidend sein wird die Beurteilung des Ablaufs der Kontrolle. Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Fragen schnell geklärt werden – auch mit Blick auf die Europameisterschaften. Zunächst aber stehen nun die nationalen Titelkämpfe in Bochum-Wattenscheid an. Mit Owen Ansah. Doch er ist bei Weitem nicht der Einzige, der unter Beobachtung steht. Vor allem über die Mittel- und Langstreckendistanzen wird es spannend zu sehen sein, wie sich etwa Frederik Ruppert, Florian Bremm, Mohamed Abdilaahi und Robert Farken schlagen. Auch Weitsprung-Ass Malaika Mihambo hat sich zuletzt rechtzeitig für die heiße Saisonphase leistungstechnisch zurückgemeldet. Zudem freue ich persönlich mich darauf, Julian Weber nach seinem Comeback wieder dabei zuzuschauen, wie er seinen Speer durch die Lüfte katapultiert. Und natürlich leben so manche Disziplinen auch in diesem Jahr von engen Duellen – teils sind sogar Drei- oder Vierkämpfe um die Meriten zu erwarten. Kurzum: Endlich DM! Danach EM-Nominierung, dann Birmingham.

Alexander Dierke

Malaika Mihambo (LG Kurpfalz, Germany), Long jump women (Weitsprung Frauen), ITA, Leichtathletik, Athletics, European At

Gemischte Gefühle

Köln, 18. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,

das waren spannende Tage in Rom. Just vor dem Beginn der Fußball-EM haben auch die Leichtathleten bei ihren kontinentalen Titelkämpfen bewiesen, dass sie für fesselnde und mitreißende Wettkämpfe sorgen können. Einmal mehr kann man sagen, wenn man diesen Gedanken auf große Meisterschaften bezieht – die Geschehnisse im „Stadio Olympico” wurden mit hohem Interesse verfolgt und bescherten den TV-Sendern starke Quoten. Zu schade, dass dieser Trend seit Jahren eben nur bei EM, WM und Olympia auszumachen ist. Apropos Olympische Spiele. Die sind das ganz große Ziel der Athleten – Rom war vorab eine ruhmreiche Etappe auf dem Weg dorthin. Aus deutscher Sicht wurden es bei eben jener „Generalprobe” nach der mageren Bilanz der ersten Tage dann doch noch elf Medaillen. Allen voran Malaika Mihambo hat mit ihrem Gold-Triumph gezeigt, dass mit ihr in knapp anderthalb Monaten zu rechnen ist. Auch Julian Weber darf man auf dem Zettel haben. Doch darüber hinaus ist der gewonnene Gesamtein- druck kein guter, wenngleich es sowohl Medaillenüberraschungen als auch individuelle Erfolgserlebnisse zu bestaunen gab. Ein zwölfter Rang im Medaillenspiegel – auf europäischer Ebene wohlgemerkt – kann nicht zufriedenstellend sein und führt zu dem Fazit, das die deutschen Leistungen auch gegen die Elite dieses Kontinents derzeit in der Breite nicht ausreichen.
Eine „kleine Trendumkehr“, wie sie DLV-Sportvorstand Dr. Jörg Bügner vernommen hat, ist für mich nur schwer auszumachen. Aber: Sollten Malaika Mihambo, Julian Weber und (der in Rom nicht anwesende) Leo Neugebauer in Paris Edelmetall gewinnen, lässt sich die Sicht Bügners vielleicht doch noch teilen. Als Nächstes stehen nun die Deutschen Meisterschaften in Braun- schweig an. Dort können sich die national Besten noch einmal für die Spiele empfehlen – und müssen das teilweise auch.

 

Alexander Dierke

 

Leichtathletik-Europameisterschaften; Rom, 09.06.2024 Christina HONSEL (GER) freut sich während des Hochsprung-Finals de

Hinter den Erwartungen

Köln, 11. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
just bei Fertigstellung der neuen Leichtathletik-Ausgabe hat Hindernisläufer Karl Bebendorf am Abend des vierten EM-Tags noch sensationell Bronze gewonnen. Es ist die erste deutsche EM-Medaille in dieser Disziplin seit 26 Jahren. Bei den Frauen sah die Ausgangslage über die 3.000 Meter Hindernis im Vorfeld anders aus: Gesa Krause sorgte in den vergangenen Wochen für ein fulminantes Comeback nach ihrer Babypause. Eine Favoritin auf Edelmetall war sie als vorab europäische Jahresbeste also allemale, dieser Rolle dann aber auch wirklich gerecht zu werden gebührt große Anerkennung. Dass ihr zwischenzeitlich für einen kurzen Moment Gold zugesprochen wurde – der DLV legte Protest gegen einen „Schrittfehler“ der französischen Siegerin Alice Finot ein – ist eine andere Geschichte. Aber so viel sei gesagt: Auch mit deutscher Brille ist es im Sinne des Sports, dass die Disqualifikation Finots rückgängig gemacht wurde. Aus Sicht des deutschen Verbands möchte man jedoch natürlich möglichst erfolgreich in der italienischen Hauptstadt abschneiden (im Gepäck der „Salto Nullo“ des Vorjahres aus Budapest, aber auch 16 Medaillen bei der Heim-EM 2022 in München). Doch, es ist nach absolvierten zwei Drittel der Wettbewerbe ein „Möchte“, das man sich auf die Fahne schreibt. Denn es läuft – man könnte fast zynisch sagen – wieder einmal nicht. Lediglich vier Einzelmedaillen (nebst Bebendorf und Krause gewannen Marathonläufer Amanal Petros und Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye jeweils Bronze) und zwei Team-Erfolgen im Marathon (Silber Frauen, Bronze Männer) können auf europäischer Ebene nach vier Tagen nicht der Anspruch sein. Individuelle deutsche Erfolgsgeschichten gibt es sehr wohl abermals, aber bis dato eben auch zu viele Enttäuschungen. Allen voran im Diskuswurf und Hochsprung der Frauen. Endgültig abgerechnet wird nach sechs Tagen – schauen wir mal, was noch folgt.

 

Alexander Dierke

 

European Championships Munich22; Leichtathletik, 21.08.2022 Julian Weber (GER) - European Championships Munich22 am 21.0

Erste Bewährungsprobe

Köln, 28. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
am letzten Mai-Wochenende wurde es noch einmal heiß: Zahlreiche Top-Meetings lockten nationale wie internationale Stars vor dem Ende des Nominierungszeitraums für die Europameisterschaften in die Stadien. Im Fight um Normen haben vor allem auch deutsche Athleten überzeugt – so konnten etwa Torben Blech, Lea Meyer und Shanice Craft gar den Richtwert für die Olympischen Spiele erfüllen. Kein schlechter Zeitpunkt, wenige Tage vor dem Startschuss im Rom. Denn das Ziel aus Sicht des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist dort natürlich klar: Man möchte an die Medaillenausbeute bei der EM 2022 (16 x Edelmetall) anschließen und allgemein für einen Aufwärtstrend sorgen. Denn wenngleich es aktuell nur schwer vorstellbar ist, dass es gelingen könnte, besser abzuschneiden als vor zwei Jahren in München, so ist eine ähnliche Performance durchaus realistisch. Sprint-Titelverteidigerin Gina Lückenkemper rangiert in der europäischen Bestenliste aktuell etwa auf Rang drei, ebenso ist Julian Weber derzeit im Weltvergleich positioniert. Und das trotz eines verletzungsbedingt späten Einstiegs in die Saison. Doch der Speerwerfer fühlt sich einfach gut, wie er im exklusiven Interview in der neuen Leichtathletik-Ausgabe verrät. Und dann steht da in seiner Disziplin ja auch noch 90-Meter-Youngster Max Dehning parat, der den globalen Vergleich vor der EM gar anführt. Ohnehin sind es Newcomer wie er, Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye oder Weitspringer Simon Batz, die unbekümmert auftreten und in Rom für die ein oder andere Überraschung sorgen könnten. Ganz so schlecht sieht es aus deutscher Sicht auf europäischer Ebene dann also nicht aus. Im Zweifelsfall gilt ohnehin, einfach mal abwarten und schauen, was kommt. Positiv zu bewerten ist auf jeden Fall schon jetzt, dass die öffentlich-rechtlichen im TV über 20 Stunden der Titelkämpfe live übertragen werden. Es ist Werbung für unsere Sportart, die man gerne sieht!

 

Alexander Dierke

 

European Championships Munich22; Leichtathletik, 17.08.2022 Sophie Weissenberg (GER) - European Championships Munich22

EM als Signalwirkung?

Köln, 14. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
verspüren Sie auch schon Vorfreude auf die anstehenden Europameisterschaften? Nur noch knapp drei Wochen sind es, bis am 7. Juni in Rom die kontinentalen Titelentscheide beginnen. Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht! Die Enttäuschungen der WM in Budapest sind inzwischen beinahe ein Dreivierteljahr her, Zeit also, den Blick auf die Zukunft zu richten. Wenn man dieser Tage mit deutschen Athleten spricht, ist zu spüren, dass sie alle gewillt sind, es in dieser Saison besser zu machen als in der Vergangenheit. Wenngleich eine ausreichende Motivation der DLV-Sportler wohl nie das Problem war. Anders sieht es in puncto Fokussetzung aus. Es ist irgendwo verständlich, dass in einem Jahr wie diesem die Olympischen Spiele im Mittelpunkt stehen – schließlich wollen in Paris alle Athleten bestmöglich performen. Doch die EM kann zuvor einen wichtigen Beitrag zur Stimmung in der nationalen Leichtathletik-Welt beitragen. Denken Sie doch noch mal zurück an München 2022: Was war das für eine Euphorie, die entfacht wurde – nur zwei Wochen nach dem Desaster in Eugene. Bei mir ist die Vorfreude auf diese bevorstehende EM jedenfalls groß, und ich hoffe durchaus auf eine Signalwirkung. Ein wenig Werbung in eigener Sache würde der Leichtathletik sicherlich nicht schaden. Bereits ordentlich auf sich aufmerksam gemacht hat Siebenkämpferin Sophie Weißenberg. Im vergangenen Jahr landete die sympathische Athletin in Budapest auf Rang sieben – und war damit eine der besten Deutschen bei der WM. Doch seitdem ist viel passiert. Im Herbst entschied sich Weißenberg zu einer Fuß-OP und kämpfte sich über den Winter im Training Stück für Stück zurück. Nun ist die 26-Jährige bereit für die Saison. Vor Rom geht es für sie am kommenden Wochenende nach Götzis, nach Rom soll dann auch ihre Reise in Paris enden. Was das für sie bedeuten würde, verrät sie im Interview in der aktuellen Leichtathletik-Ausgabe.

 

Alexander Dierke