Tag : Hallen-DM

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Dortmund, 28.02.2026

Newcomer & Herausforderungen

Köln, 3. März

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Tage lang lud Dortmund Athleten wie Fans in die Helmut-Körnig-Halle ein. Zum 15. Mal fanden dort die Deutschen Hallenmeisterschaften statt – die Stadt im Ruhrgebiet ist ein Ort, der sich für die Ausrichtung nationaler Leichtathletik-Titelkämpfe längst bewährt hat. Da kam die Nachricht vorab nicht verwunderlich: Die Wettkämpfe am Samstag wie Sonntag werden vor ausverkauftem Hause stattfinden. Und die Halle war durchaus gut gefüllt, am zweiten Wettkampftag aber wohl doch weniger als am dritten. Das lag vielleicht auch daran, dass zum einen der öffentliche Nahverkehr streikte und zum anderen am Abend nur wenige Meter entfernt das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München stattfand. Das machte sich leider auch negativ bemerkbar: Insbesondere die Parkplatzsituation vor Ort war – sagen wir es mal so: nicht ideal. Die Leichtathletik stand im Vergleich zum Fußball hinten an. Am Sonntag, dem dritten Wettkampftag, war dieses Problem nicht gegeben – und auch die Atmosphäre in der Halle war besser. Was auch daran lag, dass Läufer Max Thorwirth einmal mehr einen Stimmungsblock imitierte. Dieser zündete das Publikum an – und dieses wiederum durfte etwa den neunten Hallentitel von Weitsprung-Ass Malaika Mihambo, den dritten 400-Meter-Coup von Youngster Johanna Martin und das erste Hochsprung-Gold von Falk Wendrich (im Alter von 30 Jahren) bejubeln.
Es sind bei der diesjährigen Hallen-DM neben ein paar Ausnahmeleistungen, allen voran durch Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, insbesondere vergleichsweise unbekannte Namen, die für Aufsehen sorgen. Im gleichen Atemzug muss man auch festhalten, dass in mehreren Disziplinen höchstens mittelmäßige Leistungen geboten wurden – ein Negativbeispiel ist etwa der Stabhochsprung der Männer. Dafür hat sich mit Peter Osazee im Dreisprung ein Newcomer behauptet, der eines Tages eine einseitige Disziplin vielleicht etwas durchmischen kann. Im Sprint der Männer war es eng wie selten, im Hürdensprint der Frauen hat Marlene Meier die Erwartungen erfüllt. Und Sprint-Youngster Philina Schwartz hat in Dortmund ohnehin gezeigt: Ihre Leistungen der vergangenen Wochen waren kein Zufall. Es ist eine Freude, der 19-Jährigen beim eine Freude, der 19-Jährigen beim Sprinten zuzuschauen!

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Erfurt Indoor, 13.02.2026

Im Rampenlicht

Köln, 24. Februar

Liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder so weit: Die Deutschen Hallenmeisterschaften ­ stehen bevor und damit die nationale Abrechnung des Winters. Ich persönlich freue mich immer, wenn die Titelkämpfe in Dortmund ausgetragen werden, denn das Interesse an der Leichtathletik ist dort jedes Mal aufs Neue zu spüren. Das ist wichtig für die Sportart, ausverkaufte Zuschauerränge tun nicht zuletzt den Athletinnen und Athleten gut. Auch wenn die Kapazität in der Helmut-Körnig-Halle natürlich begrenzt ist. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, das Interesse der breiten Bevölkerung scheint aber weiterhin mäßig zu sein – auch 2026 wird es nur einen Bruchteil von der Hallen-DM im linearen Fernsehen zu sehen geben.
Das ist schade. Denn es stehen sehr wohl einige spannende Entscheidungen auf dem Programm. Dass auch ohne einen Start von Gina Lückenkemper die 60 Meter eine besondere Attraktion darstellen, ist übrigens auch an der ARD nicht vorbeigegangen: Wenn Youngster Philina Schwartz am Samstagabend um ihren ersten nationalen Titel im Aktivenbereich kämpft, wird das live im TV übertragen. Die 18-Jährige ist eine der – bislang – größten deutschen Gewinnerinnen des Winters. Die fünf schnellsten 60-Meter-Zeiten dieses Jahres gehen auf ihr Konto, das macht sie zur Favoritin für Dortmund. Doch es gilt auch, Erfahrungen zu sammeln und mit dem Rampenlicht umgehen zu können. Eine Herausforderung. „Ehrlich gesagt mag ich es eigentlich nicht so gerne, im Mittelpunkt zu stehen“, sagt Schwartz vor wenigen Wochen im Leichtathletik-Interview. Doch bei ihr wird hingeschaut werden – das ist Anerkennung für ihre starken Vorleistungen. Solche konnten große Namen wie Weitsprung-Ass Malaika Mihambo und Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye bislang nur bedingt zeigen. Vor allem mit Blick auf den Sommer wird es spannend sein, zu beobachten, wie Mihambo und Ogunleye im Moment der ersten Reifeprüfung auftreten.
Im Hochsprung hingegen darf sich auf das nächste Duell zwischen Christina Honsel und Imke Onnen gefreut werden, der Männersprint verspricht aufgrund der Vorleistungen von Owen Ansah, Kevin Kranz, Yannick Wolf und Co. einen echten Fight um den Meistertitel. Für den Hürdensprint der Frauen gilt das ohnehin. Es sind 2026 mal nicht (nur) die Lückenkempers und Mihambos, denen die ganz große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Leipzig, 18.02.2024 Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) auf dem Sprung zum Deut

Noch immer einzigartig!

Köln, 20. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
das erste nationale Highlight der Saison bot reichlich Gesprächsstoff. Die Hallen-DM in Leipzig konnte durchaus als eine Art Reifeprüfung für die Athleten und die deutsche Leichtathletik angesehen werden, war es schließlich im Kollektiv der erste Wettkampf seit den Weltmeisterschaften in Budapest. Na ja, zumindest fast, denn längst nicht alle deutschen Stars waren in der sächsischen Metropole dabei. Der Fokus gilt schließlich dem Sommer, das machte auch DLV-Sportdirektor Dr. Jörg Bügner deutlich: Olympia ist das, was zählt. Es war zudem auch durchaus interessant zu sehen, wie die Fans die Leichtathletik annehmen würden. Die Hütte, oder besser gesagt die Arena in Leipzig war ausverkauft, die Menschen sind dort auch weiterhin verrückt nach ihrer Sportart. Im TV blickte man bis auf wenige Highlights am Sonntag hingegen in die Röhre. Sicher, das liegt auch am dominanten Wintersport, aber etwa im vergangen Jahr ließ sich eine Übertragung der Titelkämpfe unter dem Hallendach auch noch umsetzen. Bei dieser Hallen-DM blieb so nur ein verbandseigener Stream. Nicht die beste Werbung für die gebeutelte Sportart. Dabei hat die Reifeprüfung durchaus einige Erkenntnisse geliefert. Beispielsweise, dass etwa im Stabhochsprung gerade nur viel Mittelmaß zu sehen ist. Oder über so manche Laufdistanzen ebenfalls nicht das ganz große Niveau erreicht wird. Aber auch, dass es weiterhin Rekorde, Comebacks und Youngster-Coups zu bestaunen gibt. Und es sind die Geschichten von Marius Probst, Jean Paul Bredau, Malaika Mihambo, Gesa Krause, Rosina Schneider, Johanna Martin und Co., welche diesen Sport so einzigartig machen. Und einem dann doch ein gutes Gefühl geben. Wenngleich, aber das ist ja ohnehin klar, der deutschen Leichtathletik noch viel Arbeit bevorsteht.

 

Alexander Dierke

 

Gemischte Gefühle

Köln, 21. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
zur 70. Ausgabe der Deutschen Hallenmeisterschaften waren nach fast drei Jahren endlich wieder Zuschauer ohne Beschränkungen zugelassen. Insgesamt 8.000 Fans begleiteten die Wettkämpfe der Athleten an beiden Tagen in Dortmund und konnten sich als Fazit im Wesentlichen zwei Punkte notieren: Auf der einen Seite waren zahlreiche Top-Athleten in unterhaltsamen Finals vertreten, die meist eher durch Konstanz als durch Klasse überzeugten. Eine der Ausnahmen war Konstanze Klosterhalfen, die mit ihrem Auftritt über die 3.000 Meter die Halle elektrisierte. Auf der anderen Seite waren es aber insbesondere auch die Titelkämpfe der Newcomer: Jolanda Kallabis, Louise Wieland und Aleksandar Askovic waren Teil einer Riege, die in ihren Disziplinen den Favoriten die Show stahlen.

Die deutsche Leichtathletik beginnt, neue Gesichter hervorzubringen – das sorgt zunächst für ein positives Gefühl. Der Blick auf diese jungen Athleten gibt Hoffnung, doch auch die Überraschungen in der Helmut- Körnig-Halle konnten eines nicht vertuschen: die im internationalen Vergleich häufig höchst mittelmäßigen Leistungen. Ein Problem, welches mit dem Stichwort „Eugene“ wohl bestens umschrieben werden kann und sich nicht erst seit dem vergangenen Sommer durch die deutsche Leichtathletik zieht. Die Stimmung bedarf Besserung, das geht über die Umstrukturierung beim DLV hinaus – die Leichtathletik muss für die Sportler in vielerlei Hinsicht attraktiver gemacht werden. Die Erfolge der Athleten bei der Hallen-DM soll das nicht schmälern, waren doch zahlreiche persönliche Erfolgsgeschichten dabei. Schauen wir nun, wer dem ein weiteres Kapitel bei der Hallen-EM in Istanbul hinzufügen kann.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Leipzig, 26.02.2022 60m Finale der Frauen; Deutsche Leichtathletik-Hallen

Appetit auf mehr!

Köln, 14. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
die Leichtathletik ist gänzlich aus ihrem Winterschlaf erwacht. Sie hat uns bereits mit dem ein oder anderen Schmankerl verzückt, obwohl die großen Highlights der Hallensaison in den nächsten Wochen noch folgen. Zwei Wochen nach den Deutschen Meisterschaften in Dortmund (18. und 19. Feb- ruar) stehen die Europameisterschaften in Istanbul (2. bis 5. März) an.

Nach intensiver Vorbereitung zeigten sich zahlreiche Athletinnen und Athleten bei den Meetings in Boston, New York, Torun, Dortmund, Erfurt und Berlin in bestechender Form. Ein Name ragte dabei einmal wieder besonders heraus: Malaika Mihambo. Die „Leichtathletin des Jahres 2022“ gewann den Weitsprungwettbewerb beim 10. ISTAF Indoor Berlin. Dass sich die Weltmeisterin von Eugene am kommenden Wochenende auch zum sechsten Mal zur Deutschen Hallenmeisterin krönt, scheint schon vor dem Wettkampf in Stein gemeißelt zu sein.

Die Fans in der Hauptstadt durften sich darüber hinaus an der einzigen Flug-Show von Armand Duplantis auf deutschem Boden in diesem Jahr erfreuen. Dabei war der schwedische Superstar seiner Konkurrenz erneut weit voraus. Beinahe mühelos stellte „Mondo“ eine neue Meeting-Bestmarke auf – auch wenn der 23-jährige Ausnahmeathlet an diesem Abend bei dem Versuch scheiterte, den Weltrekord von 6,21 Metern zu knacken.

Das alles macht Appetit auf mehr. Freuen wir uns jetzt auf den folgenden nationalen und internationalen Höhepunkt der Hallensaison!

 

Robin Josten