Tag : Merlin Hummel

Leichtathletik Weltmeisterschaften 2025 in Tokyo

Danke, Ende

Köln, 16. Dezember

Liebe Leserinnen und Leser,
kennen Sie das? Wenn am Ende eines Jahres die Weihnachtsfeiertage bevorstehen und man sich noch einmal ganz besonders Gedanken um seine Liebsten macht? Womit kann man Familie und Freunden eine Freude machen – und vor allem: Welche Worte möchte man diesen noch einmal mitteilen? Ich persönlich bin ein Freund davon, an die wichtigsten Menschen in meinem Umfeld Grußkarten zu verteilen, darin enthalten: Rückblicke, Emotionen, herzliche Wünsche. Und der Rest ist dann doch privat! Beschäftigen wir uns nun lieber einmal damit, ein paar Worte an und über die Liebe zu verlieren, die wir alle teilen: die Leichtathletik. Ganz speziell natürlich die nationale – samt all jenen Athletinnen und Athleten, die diese Sportart zu so etwas Einzigartigem machen. Erst die Persönlichkeiten und Geschichten eines jeden Einzelnen machen die Leichtathletik lebendig. Mit dieser Auffassung sind wir auch unseren Leichtathletik-Jahresrückblick der etwas anderen Art angegangen. Das Ergebnis lesen Sie ab Seite sechs.
Doch jetzt wirklich noch einmal Fokus auf die deutsche Leichtathletik. Rein sportlich. Was würde man über diese in einer Karte verlieren wollen? Zunächst einmal, dass es nach Jahren der Tristesse wieder bergauf geht mit ihr. Das Tief von 2023 scheint überwunden zu sein, der im Vorjahr angedeutete Aufwärtstrend hat sich bislang als ein solcher bestätigt. Das liegt primär an den fünf in Tokio gewonnenen WM-Medaillen. Aber auch an Glanzleistungen über das Jahr hinweg. Angefangen bei Mehrkämpfer Till Steinforth, der im Winter bei Hallen-EM und Hallen-WM zweimal eine Bronzemedaille gewann, über die nationalen Laufrekorde von Frederik Ruppert, Mohamed Abdilaahi, Robert Farken und Co. bis hin zu erzielten persönlichen Bestleistungen von Weltklasseformat. Denken Sie an Julian Weber und Christina Honsel. Doch die Gesamtbilanz bleibt dennoch ambivalent. Denn von den genannten High-Performern konnte bei der WM keiner eine Medaille gewinnen. Vor allem aber sind im Sprint- und Laufbereich weiterhin große strukturelle Schwächen auszumachen. Nur viermal war Deutschland hier in Tokio unter den Top Acht vertreten. Auch im Sprungbereich war die Ausbeute dürftig. Doch lassen Sie uns positiv aufhören: Die deutsche Leichtathletik hat sich stabilisiert. Und: Der Weg zurück in die erweiterte Weltspitze muss langfristig, strukturell und international gedacht werden.
Abschließend bleibt mir nun noch, mich bei Ihnen für die uns 2025 gegenübergebrachte Treue zu bedanken. Im Namen unserer Redaktion wünsche ich Ihnen besinnliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch in das Jahr 2026.

Alexander Dierke

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Tokyo 25, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 16.09.2025,

Besondere Verbindung

Köln, 2. Dezember

Liebe Leserinnen und Leser,
was war das für ein starkes Jahr von Hammerwerfer Merlin Hummel. Dass er reichlich talentiert ist, hat der 23-Jährige bereits in den Vorjahren angedeutet – nicht zuletzt wurde der Vize-U23-Europameister von 2023 in der Vorsaison Vierter bei den Europameisterschaften in Rom. Wer schon im Alter von 15 Jahren einen vier Kilogramm schweren Hammer auf eine Weite von 70,04 Metern zu befördern weiß, der muss mit großen Fähigkeiten ausgestattet sein. Eine Begabung, die in der zurückliegenden Wettkampfperiode bei den Aktiven erstmals so richtig belohnt wird: 82,77 Meter als neue persönliche Bestleistung – auf seine bisherigen Top-Weite (79,25 m; 2024) hat Hummel über drei Meter draufgepackt. Nicht irgendwo, sondern bei den Weltmeisterschaften in Tokio. Abgeliefert im – ob der Chancen, mit denen er in den Wettkampf ging – größten Finale seiner bisherigen Laufbahn. Das wurde mit der Silbermedaille belohnt. Merlin Hummel ist in die Weltspitze aufgestiegen. „Wenn ich an dieses Jahr denke, bekomme ich sofort Gänsehaut“, sagt der sympathische Athlet im exklusiven Leichtathletik-Interview. Er verkörpert Dankbarkeit für das, was er erlebt hat – und auch für die langjährige Ausbildung durch seinen Jugendtrainer Martin Ständner. Wenige Tage vor unserem Interview kam es zum Bruch zwischen dem Duo, das perfekt zueinander zu passen schien. Harte Vorwürfe wurden öffentlich, doch Hummel möchte nicht auf Konfrontationskurs gehen, merkt nur an, man solle nicht alles glauben, was in den Medien geschrieben wird. Er hat eine klare Vorstellung, was er in Zukunft noch erreichen will – da geistert nicht zuletzt die Zahl 85 in seinem Kopf herum. Und der zukünftig für Eintracht Frankfurt startende Hammerwerfer hat etwa dank einer eigens entwickelten App ein tiefes Verständnis für den Umgang mit seinem engsten Gefährten: dem Hammer. Nach oben hin setzt er sich weitentechnisch keine Grenzen, er weiß, welche Stellschrauben bei ihm noch nicht so ganz zusammenpassen. Es gehe in diesem Winter etwa darum, „den Eingang noch näher an die Perfektion zu bringen“, weil er glaube, „dass dort das größte Potenzial liegt“. Wenn man Merlin Hummel so zuhört, dann merkt man: Da ist ein Athlet, der wirklich für seine Sportart brennt. Das hat man nicht zuletzt in der Saison 2025 auch bei jedem seiner Wettkämpfe beobachten können.

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaft, Die Finals, 03.08.2025

Starke Kulisse

Köln, 5. August

Liebe Leserinnen und Leser,
diese Deutschen Meisterschaften in Dresden werden in Erinnerung bleiben. Das liegt am Gesamtpaket in der Landeshauptstadt Sachsens – als Teil der „Finals 2025“ tragen die Titelkämpfe in der Leichtathletik zu einem starken Sportfest bei. Und vor allem die Stimmung ist im Heinz- Steyer-Stadion einzigartig. Weil am Wochenende über 10.000 begeisterte Zuschauer vor Ort sind, weil diese DM nicht nur einmal von engen Duellen lebt und weil so manche Newcomer und Rückkehrer auf sich aufmerk- sam machen. Aber die Atmosphäre ist auch einzigartig ob der Kulisse vor Ort, was auch darin begründet liegt, dass Langstreckler Maximilian Thorwirth im Vorfeld der DM eine starke Idee hatte: Die Schaffung eines Stimmungsblocks. Als Capo heizt er diesen im Stadion ein, die Unterstützung für die Athletinnen und Athleten ist von den Rängen so groß wie lange nicht. Das wird etwa deutlich, als Lokalmatador Karl Bebendorf über 3.000 Meter Hindernis zu Gold läuft und im Ziel von seinen Gefühlen überwältigt – seine Mutter liegt mit einer Krebserkrankung im Sterben – gefeiert wird.

In sportlicher Hinsicht werden einem in Dresden noch ein paar mehr Highlights geboten. Die männlichen Diskuswerfer untermauern, wie stark sie als Kollektiv in diesem Jahr sind. Hammerwerfer Merlin Hummel zeigt seine Dominanz, während Hürdenläuferin Eileen Demes mit Meisterschaftsrekord glänzt. Bei den Männern setzt ihr Disziplinpartner, Newcomer Owe Fischer Breiholz, seinen Höhenflug fort. Das gilt auch für 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe, die mit einer beeindruckenden Souveränität zu ihrem ersten DM-Titel läuft. Klug und abgeklärt sind die Auftritte der deutschen Rekordler Robert Farken und Mohamed Abdilaahi.

Doch bei all den lobenden Worten muss auch mit einer gewissen Prise Realität auf die Deutschen Meisterschaften geblickt werden. Ja, es gab einige individuelle Erfolgsgeschichten und international konkurrenzfähige Leistungen. Und ja, die großen Favoriten wie Gina Lückenkemper, Yemisi Ogunleye oder Malaika Mihambo haben sich die Titel gesichert. Doch in vielen Disziplinen war das Niveau im Weltvergleich betrachtet mäßig. Etwa im Sprint, Kugelstoßen und Weitsprung. Oder aber im Stabhochsprung und Speerwurf. Auch Leistungssprünge in einzelnen Disziplinen werden wieder einmal deutlich.

Alexander Dierke