Tag : Mohamed Abdilaahi

260321 Keely Hodgkinson of Great Britain competes in women™s 800 meter semi-final during the 2026 World Athletics Indoor

Ernüchterung und Zuversicht

Köln, 31. März

Liebe Leserinnen und Leser,
das war’s. Ein letztes Mal ging es mit reichlich Tempo die Eingangs- und Ausgangsgeraden hinunter, noch einmal wurde hoch wie weit gesprungen. Oder anders ausgedrückt: Mit den Hallen-Weltmeisterschaften in Torun ist die Indoor-Saison auch offiziell zu Ende gegangen. Highlights gab es in der polnischen Stadt so einige – seien es der Siebenkampf-Weltrekord durch Simon Ehammer, die 800-Meter-Show von Keely Hodgkinson oder jene Glanzleistungen der beiden Youngster Cooper Lutkenhaus (800 Meter) und Jordan Anthony (60 Meter). Internationale Namen haben die globalen Titelkämpfe geprägt – wieder einmal. Denn aus deutscher Sicht waren diese in Summe durchaus ernüchternd. Trotzt eines im Vergleich zu den Vorjahren größeren Teams blieb die Delegation des Deutschen Leichtathletik-Verbands ohne Edelmetall. Ein schwaches Zeugnis, auch wenn eine solche Bilanz unter dem Hallendach nur eine gewisse Aussagekraft besitzt. Schließlich waren bis auf Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye keine absoluten deutschen Topstars in Torun am Start. Doch einen längst gewonnenen Eindruck bestätigte das dort gebotene dennoch einmal mehr: Der DLV ist davon abhängig, dass seine Besten (in diesem Falle Ogunleye) im entscheidenden Moment ihr Leistungspotenzial voll und ganz ausschöpfen. Was andernfalls passiert, wurde einem Outdoor als Extremfall bei den Weltmeisterschaften 2023 gezeigt. Nun also Mund abputzen und weitermachen. Die Europameisterschaften im Sommer sind das, was wirklich zählt. Auf europäischer Ebene sind mehr als eine Handvoll Medaillen Pflicht. Zugleich muss weiterhin alles daran gesetzt werden, in zahlreichen Disziplinen die Lücken zu den Weltbesten kleiner werden zu lassen.
Positiv aufzufassen ist da, was zwei deutsche Athleten unlängst schon draußen gezeigt haben. Während Amanal Petros seinen deutschen Rekord beim Berliner Halbmarathon einmal mehr verbessert, gelingt Mohamed Abdilaahi in den USA ein beinahe noch größeres Kunststück. Nach 29 Jahren knackt der 27-Jährige auf der Bahn über 10.000 Meter die zweite Bestmarke von Dieter Baumann. Diesem nimmt er mit seiner Zeit von 26:56,58 Minuten im Vergleich gar umgerechnet 152,25 Meter ab. Ein Vorstoß in neue Dimensionen sowie ein weiteres starkes Stück des Mannes, der nun fünf deutsche Rekorde innehat. Es sind Leistungen wie die von Abdilaahi und Petros, die einen dann doch wieder zuversichtlich stimmen.

Alexander Dierke

Diamond League Monaco  2025

Geduld zahlt sich aus

Köln, 15. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
als Mohamed Abdilaahi beim Diamond-League-Meeting in Monte- Carlo nach 12:53,63 Minuten die Ziellinie überquert, ist eine kleine deutsche Sensation perfekt. Der Athlet von Cologne Athletics hat gerade den nationalen Rekord über 5.000 Meter geknackt – eine Bestmarke, die zuvor seit dem Jahr 1997 zusammen mit dem Namen Dieter Baumann in der deutschen Bestenliste verankert war. Baumann – eine DLV-Ikone. Rund um die Neunzigerjahre auch international tonangebend und nicht zuletzt 1992 Olympiasieger. Über exakt jene 5.000 Meter. Dass der heute 60-Jährige zeitnah von „seinem“ Thron gestoßen werden würde – darauf hatte nicht wirklich etwas hingedeutet. Das derzeitige Niveau hierzulande ist – so schien es – schlicht nicht ausreichend. Der beste derzeit aktive deutsche Langstreckler über die Distanz fand sich in Person von Abdilaahi wieder.

Doch auch dessen persönliche Bestzeit lag noch vor wenigen Tagen knapp neun Sekunden oberhalb der Marke von Dieter Baumann (12:54,70 min). „Es kamen mir ganz kurz die Tränen, ganz ehrlich. Aber ich konnte sie zurückhalten“, untermauert der gebürtige Mönchengladbacher im Interview mit der ARD den Stellenwert seines Auftritts im Fürstentum. Denn es ist in erster Linie natürlich ein Triumph für den 26-Jährigen selbst: ein Athlet, der früh in seiner Karriere ein großes Talent offenbart. Eines, das bei Abdilaahi zwar auch in den Folgejahren unbestritten ist, das er aber nur dann und wann zeigen kann. Auch Fehleinschätzungen begleiten seinen Weg in den vergangenen Jahren. So setzt er 2024 beispielsweise darauf, sich über ausreichend viele Weltranglistenpunkte für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Ein Unterfangen, das schiefgeht. Die Norm für die diesjährigen Weltmeisterschaften hat er hingegen nun in der Tasche. Selbstreflektierend merkt er bei Sport1 an, man dürfe nicht aufgeben, „sondern man sollte seine eigene Entwicklung einfach genießen und geduldig abwarten. Irgendwann zahlen sich die vielen Kilometer aus.“ Das gilt in dieser Saison für gleich mehrere DLV-Athleten. Denn nach Hindernisläufer Frederik Ruppert und Mittelstreckler Robert Farken ist er schon der dritte deutsche Läufer, der 2025 eine Langzeit-Bestmarke knackt. Geduld zahlt sich aus. „Es geht voran in der deutschen Leichtathletik, vor allem im Laufbereich“, meint Abdilaahi. Er und seine beiden Lauf-Kompagnons liefern Argumente dafür.

Alexander Dierke