Tag : Mondlandung

2026 TCS London Marathon

Nie da gewesene Dimensionen

Köln, 28. April

Liebe Leserinnen und Leser,
der Schwerpunkt dieser Ausgabe war redaktionell eigentlich schon fertig. Als Brücke zwischen Hallensaison und dem vollumfänglichen Start des Freiluftjahres wollten wir noch einmal auf die Überflieger des Winters zurückblicken. Also auf jene Namen wie Keely Hodgkinson, Cooper Lutkenhaus und Marlene Meier. Die Frage, die im Raum stand: Wie sind ihre Leistungen mit Blick auf den Sommer einzuordnen und was ist ihnen umgerechnet an der freien Luft zuzutrauen. Doch dann der Knall. Kaum zu beschreibende Kräfte, eine Leistung, die so schnell wohl nicht zu wiederholen ist, ein Einschlag mit Wums. Als Neil Armstrong einst im Jahr 1969 als Teil der „Apollo 11“-Mission als erster Mensch den Mond betrat, war das ein Meilenstein gigantischen Ausmaßes. Elf weitere Personen betraten den Trabanten seitdem, der letzte von ihnen 1972. Doch das ist nun Geschichte: Die nächste Mondlandung steht in den Büchern. Die Mondlandung des Marathons. Als erster Mensch überhaupt bleibt der Kenianer Sabastian Sawe in London unterhalb der Zwei-Stunden-Marke! Dass der 31-Jährige damit die komplette Leichtathletik-Ausgabe auf den Kopf stellt, ist das kleinste Problem.
Es ist vielmehr ein Vorstoß in Dimensionen, wie sie lange nicht vorstellbar waren. Zumindest unter erlaubten Bedingungen, schließlich hat Eliud Kipchoge dieses Kunststück mit unzulässigen Hilfsmitteln ja schon vollbracht. Doch ganz oben blieb es beim Namen Kelvin Kiptum. Dem nur wenige Monate nach seinem 2023 aufgestellten Weltrekord (2:00:35 h) auf tragische Weise bei einem Autounfall verstorbenen Athleten war die Durchbrechung der Zwei-Stunden-Marke am ehesten zugetraut worden. Doch der Meister ist nun Sawe. 421 Mal hat er 100 Meter in 16,9–17,0 Sekunden zurücklegt! Das ist schlicht unfassbar, genau wie der daraus resultierende neue Weltrekord von 1:59:30 Stunden. Doch die Geschichte ist damit ja noch nicht beendet. Denn bei seiner Premiere bleibt Yomif Kejelcha ebenfalls unterhalb der Barriere von zwei Stunden – wem bitte kann man erzählen, dass das dennoch weder einen Weltrekord noch den Sieg bedeutet. Dank Sabastian Sawe! Und auch der im London drittplatzierte Jacob Kiplimo bleibt unterhalb der bisherigen Bestmarke. Ein ganz großes Stück Laufgeschichte!

Alexander Dierke