Tag : Robert Farken

(SP)FRANCE-PARIS-ATHLETICS-DIAMOND LEAGUE 2026?

Jagd auf Uralt-Rekord

Köln, 7. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin mir sicher, der ein oder andere von Ihnen erinnert sich noch an das Jahr 1983. Es war in München, wo man Zeuge eines besonderen Moments wurde: Die Tschechoslowakin Jarmila Kratochvilova lief über 800 Meter in 1:53,28 Minuten zu einem neuen Weltrekord. Persönlich betrachtet war das weit vor meiner Zeit – und doch ist mir diese Bestmarke bestens bekannt. Wie wohl den allermeisten Leichtathletik-Fans. Denn das damalige Resultat Kratochvilovas ist auch heute noch – 43 Jahre später – die gültige Allzeitbestmarke. Wenngleich es immer wieder auch Zweifel an dem damaligen Rennen gab, zeigt das, wie besonders die Leistung war. Kratochvilova selbst haben wir kürzlich für ein seltenes Interview zu sprechen bekommen: Die heute 75-Jährige betont, ihre Zeit seit das Ergebnis harten Trainings gewesen. Vor allem aber ist sie der Meinung, dass die Tage als Inhaberin des ältesten bestehenden Leichtathletik-Weltrekords bald gezählt sind. Verantwortlich dafür ist eine Schweizerin. Audrey Werro stellt derzeit die Laufwelt auf den Kopf, steigert sich kontinuierlich und kommt der historischen Marke immer näher. 52 Hundertstelsekunden fehlen Werro noch, in einer Saison, die mit den Europameisterschaften noch ein großes Highlight bereit hält. Und: Werro ist überzeugt, dass sie den Weltrekord auslöschen und ihren Namen verewigen kann. Dabei ist die 22-Jährige keinesfalls die typische Spitzenathletin. Noch immer trainiert sie in ihrem Heimatort in der Schweiz, auf ihren Coach vertraut sie seit Jugendtagen. Ein gängiges Modell in der Schweiz – das Früchte trägt, wie Werro im Exklusiv-Interview verrät. Ihre starken Auftritte im Jahr 2026 fügen sich aber auch in ein Gesamtbild: Allen voran in den Laufdisziplinen sind in dieser Saison teils bemerkenswerte Entwicklungen zu bestaunen. Besonders die deutschen Läufer tragen gehörig dazu bei. Zuletzt ist es Robert Farken, der beim Diamond-League-Meeting in Eugene seinen deutschen Rekord über die Meile verbessert. Seine PB liegt nun bei 3:47,76 Minuten. Hoffentlich können die Athletinnen und Athleten des DLV solche Leistungen auch in Birmingham auf die Strecke bringen!

Alexander Dierke

2025-03-06 European Athletics Indoor Championships Day One

Finale (für die, die wollen)

Köln, 17. März

Liebe Leserinnen und Leser,
Fokus fürs Finale: Die Hallensaison 2026 befindet sich wenige Meter vor der Ziellinie. Zumindest für die 14 Athletinnen und Athleten, die den Deutschen Leichtathletik-Verband bei den Indoor-Weltmeisterschaften im polnischen Torun vertreten werden. Für alle anderen gilt schon jetzt: voller Fokus auf die Freiluftsaison. Weit entfernt ist diese ohnehin nicht mehr, bereits Anfang Mai stehen die ersten Meetings auf dem Programm. Nicht zuletzt die Diamond League startet schon am 8 Mai. Natürlich sind Vorbereitungspläne individuell, genau wie Ziele für eine Saison. Traditionell haben internationale Meisterschaften unter dem Hallendach für viele Leichtathletik-Stars nicht denselben Stellenwert wie kontinentale oder globale Titelkämpfe im Stadion. Mit den Europameisterschaften im britischen Birmingham steht da in diesem Sommer kein unbedeutendes Event an, aus deutscher Sicht bieten sich in Europa zudem erhöhte Medaillenchancen. So kommt es, dass zahlreiche Athletinnen und Athleten von vorneherein eine Teilnahme an der Hallen-WM ausgeschlossen haben, um intensiv auf die Freiluftsaison hinarbeiten zu können. Etwa im Sprintbereich ist das der Fall. Obwohl es mehrere Normerfüller für Torun gab, ist nur eine Sprinterin im DLV-Aufgebot zu finden. Für diese ist das aber umso besonderer: Philina Schwartz, Aufsteigerin dieses Winters, wird erstmals das Nationaltrikot tragen. Und dass auch die Meisterschaften unter dem Hallendach einen besonderen Stellenwert besitzen können, beweist Hochspringerin Imke Onnen. Die direkte Norm konnte sie in den zurückliegenden Wochen nicht erfüllen, im Rankingsystem fehlte ihr jedoch nur ein Platz für eine Qualifikation. Zum Zeitpunkt der Deutschen Hallenmeisterschaften hoffte sie auf Absagen anderer – ein Wunsch, der erhört wurde. So ist Onnen nun eine der 14 deutschen Namen für den Abschluss dieses Winters. Ohnehin ist es 2026 einmal mehr spannend, einen genaueren Blick auf die Athletin von Cologne Athletics zu werfen. Nachdem sie ihre persönliche Bestleistung in der Vorsaison auf 1,98 Meter steigerte und sich fest unter den Weltbesten etablierte, wechselte sie vor dem laufenden Jahr ihren Trainer und schloss sich einer internationalen Trainingsgruppe an. Eine Neuausrichtung im Alter von 31 Jahren. Über die Beweggründe für diesen Schritt haben wir am Rande der Hallen-DM gesprochen.

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaft, Die Finals, 03.08.2025

Starke Kulisse

Köln, 5. August

Liebe Leserinnen und Leser,
diese Deutschen Meisterschaften in Dresden werden in Erinnerung bleiben. Das liegt am Gesamtpaket in der Landeshauptstadt Sachsens – als Teil der „Finals 2025“ tragen die Titelkämpfe in der Leichtathletik zu einem starken Sportfest bei. Und vor allem die Stimmung ist im Heinz- Steyer-Stadion einzigartig. Weil am Wochenende über 10.000 begeisterte Zuschauer vor Ort sind, weil diese DM nicht nur einmal von engen Duellen lebt und weil so manche Newcomer und Rückkehrer auf sich aufmerk- sam machen. Aber die Atmosphäre ist auch einzigartig ob der Kulisse vor Ort, was auch darin begründet liegt, dass Langstreckler Maximilian Thorwirth im Vorfeld der DM eine starke Idee hatte: Die Schaffung eines Stimmungsblocks. Als Capo heizt er diesen im Stadion ein, die Unterstützung für die Athletinnen und Athleten ist von den Rängen so groß wie lange nicht. Das wird etwa deutlich, als Lokalmatador Karl Bebendorf über 3.000 Meter Hindernis zu Gold läuft und im Ziel von seinen Gefühlen überwältigt – seine Mutter liegt mit einer Krebserkrankung im Sterben – gefeiert wird.

In sportlicher Hinsicht werden einem in Dresden noch ein paar mehr Highlights geboten. Die männlichen Diskuswerfer untermauern, wie stark sie als Kollektiv in diesem Jahr sind. Hammerwerfer Merlin Hummel zeigt seine Dominanz, während Hürdenläuferin Eileen Demes mit Meisterschaftsrekord glänzt. Bei den Männern setzt ihr Disziplinpartner, Newcomer Owe Fischer Breiholz, seinen Höhenflug fort. Das gilt auch für 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe, die mit einer beeindruckenden Souveränität zu ihrem ersten DM-Titel läuft. Klug und abgeklärt sind die Auftritte der deutschen Rekordler Robert Farken und Mohamed Abdilaahi.

Doch bei all den lobenden Worten muss auch mit einer gewissen Prise Realität auf die Deutschen Meisterschaften geblickt werden. Ja, es gab einige individuelle Erfolgsgeschichten und international konkurrenzfähige Leistungen. Und ja, die großen Favoriten wie Gina Lückenkemper, Yemisi Ogunleye oder Malaika Mihambo haben sich die Titel gesichert. Doch in vielen Disziplinen war das Niveau im Weltvergleich betrachtet mäßig. Etwa im Sprint, Kugelstoßen und Weitsprung. Oder aber im Stabhochsprung und Speerwurf. Auch Leistungssprünge in einzelnen Disziplinen werden wieder einmal deutlich.

Alexander Dierke

60. Internationales Pfingstsportfest; Rehlingen-Siersburg, 08.06.2025

Bestandsaufnahme

Köln, 29. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
das hat richtig Spaß gemacht zuzuschauen: In Bergen führt der Weg der deutschen Youngster in rasantem Tempo an die Spitze. Eine Bergfahrt, die zuversichtlich stimmt – und dem Deutschen Leichtathletik-Verband bei den 23-Europameisterschaften insgesamt 26 Medaillen beschert. Fünf davon schimmern gar golden. Es ist in Norwegen eine deutliche Steigerung gegenüber 2023, damals hatte man bei der U23-EM achtmal über Edelmetall jubeln dürfen. Was sich zudem abzeichnet, ist, dass die Newcomer – die teils gar keine so großen Newcomer mehr sind – durchaus einiges an Potenzial mitbringen. Auch bei den World University Games und dem European Youth Olympic Festival bestätigt sich das aus nationaler Sicht in den vergangenen Tagen. Es geht nun darum, zu gewährleisten, dass diese Veranlagungen in Zukunft auch eine Etage höher in Erfolg umgemünzt werden können. Sprich, die Talente bis zu den Olympischen Spielen 2028 oder 2032 optimal zu fördern.

Beispielsweise im Wurfbereich mischen frisch gekürte U23-Europameister aber schon jetzt bei den Profis mit, etwa Nina Ndubuisi und Steven Richter haben somit am kommenden Wochenende das gleiche Ziel wie die Beletage der deutschen Leichtathletik: Dresden. Mit den nationalen Titelkämpfen steigt dort vom 31. Juli bis 3. August das Highlight der diesjährigen Freiluft-Saison – zumindest hierzulande. Denn es folgen im September ja noch die Weltmeisterschaften … Für diese wollen sich die DLV-Asse nun schon empfehlen, eine Teilnahme ist für die Reise nach Tokio Pflicht und kann mitunter im späteren Nominierungsprozess vorteilhaft sein. Doch im Hier und Jetzt geht es zunächst um die deutschen Meistertitel – wie auch um eine Bestandsaufnahme. In den zurückliegenden Wochen wussten insbesondere im Laufbereich einige DLV-Athleten zu überzeugen, nicht zuletzt verbesserte etwa Robert Farken beim ISTAF seinen kürzlich aufgestellten deutschen Rekord über die Meile abermals. Auch wenn über diese Distanz kein nationales Edelmetall verteilt wird, gilt für Farken (über 1.500 Meter) wie für die übrigen deutschen Athletinnen und Athleten: Jetzt zählt’s!

Alexander Dierke