Tag : Weltrekord

(SP)FRANCE-PARIS-ATHLETICS-DIAMOND LEAGUE 2026?

Jagd auf Uralt-Rekord

Köln, 7. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin mir sicher, der ein oder andere von Ihnen erinnert sich noch an das Jahr 1983. Es war in München, wo man Zeuge eines besonderen Moments wurde: Die Tschechoslowakin Jarmila Kratochvilova lief über 800 Meter in 1:53,28 Minuten zu einem neuen Weltrekord. Persönlich betrachtet war das weit vor meiner Zeit – und doch ist mir diese Bestmarke bestens bekannt. Wie wohl den allermeisten Leichtathletik-Fans. Denn das damalige Resultat Kratochvilovas ist auch heute noch – 43 Jahre später – die gültige Allzeitbestmarke. Wenngleich es immer wieder auch Zweifel an dem damaligen Rennen gab, zeigt das, wie besonders die Leistung war. Kratochvilova selbst haben wir kürzlich für ein seltenes Interview zu sprechen bekommen: Die heute 75-Jährige betont, ihre Zeit seit das Ergebnis harten Trainings gewesen. Vor allem aber ist sie der Meinung, dass die Tage als Inhaberin des ältesten bestehenden Leichtathletik-Weltrekords bald gezählt sind. Verantwortlich dafür ist eine Schweizerin. Audrey Werro stellt derzeit die Laufwelt auf den Kopf, steigert sich kontinuierlich und kommt der historischen Marke immer näher. 52 Hundertstelsekunden fehlen Werro noch, in einer Saison, die mit den Europameisterschaften noch ein großes Highlight bereit hält. Und: Werro ist überzeugt, dass sie den Weltrekord auslöschen und ihren Namen verewigen kann. Dabei ist die 22-Jährige keinesfalls die typische Spitzenathletin. Noch immer trainiert sie in ihrem Heimatort in der Schweiz, auf ihren Coach vertraut sie seit Jugendtagen. Ein gängiges Modell in der Schweiz – das Früchte trägt, wie Werro im Exklusiv-Interview verrät. Ihre starken Auftritte im Jahr 2026 fügen sich aber auch in ein Gesamtbild: Allen voran in den Laufdisziplinen sind in dieser Saison teils bemerkenswerte Entwicklungen zu bestaunen. Besonders die deutschen Läufer tragen gehörig dazu bei. Zuletzt ist es Robert Farken, der beim Diamond-League-Meeting in Eugene seinen deutschen Rekord über die Meile verbessert. Seine PB liegt nun bei 3:47,76 Minuten. Hoffentlich können die Athletinnen und Athleten des DLV solche Leistungen auch in Birmingham auf die Strecke bringen!

Alexander Dierke

2026 TCS London Marathon

Nie da gewesene Dimensionen

Köln, 28. April

Liebe Leserinnen und Leser,
der Schwerpunkt dieser Ausgabe war redaktionell eigentlich schon fertig. Als Brücke zwischen Hallensaison und dem vollumfänglichen Start des Freiluftjahres wollten wir noch einmal auf die Überflieger des Winters zurückblicken. Also auf jene Namen wie Keely Hodgkinson, Cooper Lutkenhaus und Marlene Meier. Die Frage, die im Raum stand: Wie sind ihre Leistungen mit Blick auf den Sommer einzuordnen und was ist ihnen umgerechnet an der freien Luft zuzutrauen. Doch dann der Knall. Kaum zu beschreibende Kräfte, eine Leistung, die so schnell wohl nicht zu wiederholen ist, ein Einschlag mit Wums. Als Neil Armstrong einst im Jahr 1969 als Teil der „Apollo 11“-Mission als erster Mensch den Mond betrat, war das ein Meilenstein gigantischen Ausmaßes. Elf weitere Personen betraten den Trabanten seitdem, der letzte von ihnen 1972. Doch das ist nun Geschichte: Die nächste Mondlandung steht in den Büchern. Die Mondlandung des Marathons. Als erster Mensch überhaupt bleibt der Kenianer Sabastian Sawe in London unterhalb der Zwei-Stunden-Marke! Dass der 31-Jährige damit die komplette Leichtathletik-Ausgabe auf den Kopf stellt, ist das kleinste Problem.
Es ist vielmehr ein Vorstoß in Dimensionen, wie sie lange nicht vorstellbar waren. Zumindest unter erlaubten Bedingungen, schließlich hat Eliud Kipchoge dieses Kunststück mit unzulässigen Hilfsmitteln ja schon vollbracht. Doch ganz oben blieb es beim Namen Kelvin Kiptum. Dem nur wenige Monate nach seinem 2023 aufgestellten Weltrekord (2:00:35 h) auf tragische Weise bei einem Autounfall verstorbenen Athleten war die Durchbrechung der Zwei-Stunden-Marke am ehesten zugetraut worden. Doch der Meister ist nun Sawe. 421 Mal hat er 100 Meter in 16,9–17,0 Sekunden zurücklegt! Das ist schlicht unfassbar, genau wie der daraus resultierende neue Weltrekord von 1:59:30 Stunden. Doch die Geschichte ist damit ja noch nicht beendet. Denn bei seiner Premiere bleibt Yomif Kejelcha ebenfalls unterhalb der Barriere von zwei Stunden – wem bitte kann man erzählen, dass das dennoch weder einen Weltrekord noch den Sieg bedeutet. Dank Sabastian Sawe! Und auch der im London drittplatzierte Jacob Kiplimo bleibt unterhalb der bisherigen Bestmarke. Ein ganz großes Stück Laufgeschichte!

Alexander Dierke

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Künftiger Weltstar?

Köln, 6. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist durchaus heiß an diesem Augusttag in Berlin. Die Temperaturen liegen bei hochsommerlichen 30 Grad – auch am Abend ist es noch hitzig. Das liegt zum einen daran, dass es nicht wirklich abkühlt, zum anderen liegt es an dem, was an diesem Tag in der deutschen Hauptstadt geboten wird. Wir schreiben das Jahr 2009, und im Olympiasta- dion steht im Rahmen der Leichtathletik-Weltmeisterschaften das 100-Meter-Finale der Männer auf dem Programm. Die Größten ihrer Zeit messen sich auf der Bahn und fighten um den Titel – mit dabei etwa der US-Amerikaner Tyson Gay. Und natürlich Usain Bolt. Der jamaikanische Sprinter überstrahlt damals alle. An diesem 16. August 2009 setzt er die Grenzen in der Königsdisziplin der Leichtathletik neu. Denn ab dem 30. Meter wird es die erhoffte Bolt-Show mit einem Ausgang, der noch einmal alle Erwartungen toppt: Nach 9,58 Sekunden stürmt der Ausnahmeläufer über die Ziellinie. Weltrekord. Bis heute ist niemand mehr ansatzweise in diese Region vorgedrungen. Tyson Gay noch im selben Jahr und Yohan Blake sind mit Zeiten von 9,69 Sekunden diejenigen, die am nächsten herangekommen sind. Aber eben nur am nächsten.

„Er sieht aus wie mein junges Ich“, schreibt der schnellste Mann der Welt im Dezember vergangenen Jahres auf Instagram. Gemeint ist mit diesen Worten ein Athlet, der Bolt über seine zweite Fabeldistanz, die 200 Meter – Bolts Weltrekord liegt hier bei 19,19 Sekunden –, kürzlich besiegt hat. Zumindest, wenn man die einstigen Zeiten des 16-jährigen Bolt zum Vergleich herbeizieht. Gout Gout heißt der junge Mann, über den in den vergangenen Wochen und Monaten immer häufiger gesprochen wird. Ein Australier, der inzwischen 17 Jahre jung ist und schon im Winter über 200 Meter brilliert. Kürzlich läuft er dann zweifach in 9,99 Sekunden über die 100 und in 19,84 Sekunden über die 200 Meter. Das weckt Hoffnungen, große Hoffnungen sogar. Doch kann dieses „Wunderkind“ tatsächlich eines Tages für solche Sportmomente sorgen, wie sie Bolt geliefert hat – mit sporthistorischen Momenten wie dem eingangs beschriebenen in Berlin? Der Frage gehen wir in unserem Top-Thema in der aktuellen Leichtathletik-Ausgabe nach.

Alexander Dierke

PARIS, FRANCE - 4 AUGUST, 2024: MAHUCHIKH Yaroslava, High Jump, Olympic Games, Olympische Spiele, Olympia, OS 2024 PUBLI

Verdiente Sieger

Köln, 5. November

Liebe Leserinnen und Leser,
Jaroslawa Mahutschich und Armand Duplantis sind die europäischen Leichtathleten des Jahres. Die ukrainische Hochspringerin und der schwedische Stabhochspringer haben die Jury des Kontinentalverbandes European Athletics bei deren Betrachtung der Saison 2024 überzeugt. Und mal ehrlich: Das war nicht schwer! Selten habe ich in den letzten Jahren in der Leichtathletik eine solch große Dominanz erlebt, wie die beiden Höhenflieger sie in den zurückliegenden Monaten ausgestrahlt und hingelegt haben. Gewiss, beide sind keine Neulinge mehr – trotzt ihres noch immer jungen Alters von gerade einmal 23 (Mahutschich) beziehungsweise 24 (Duplantis) Jahren. Doch bei den sportlichen Highlights anno 2024 haben sie der Konkurrenz schlicht keine Chance gelassen: Beide haben den EM-Titel gewonnen, aus Paris eine olympische Goldmedaille entführt und zum Abschluss auch noch den Gesamtsieg in der Diamond League errungen. Ganz schön eindrucksvoll? Na ja! Denn die zwei Protagonisten haben natürlich noch viel mehr zu bieten gehabt: Ganze drei Weltrekorde an der Zahl hat Armand Duplantis in diesem Jahr aufgestellt. Die zehn besten Sprünge aller Zeiten gehen nun auf das Konto des Ausnahmekönners, der seit Sommer 2023 keinen Wettkampf mehr verloren hat. Perfekter als den Olympiasieg mit einem (inzwischen von ihm geknackten) Weltrekord von 6,25 Metern zu besiegeln, hätte es für ihn kaum laufen können. Paris ist diese Saison schlicht ein gutes Pflaster gewesen. Denn hier trumpft auch Mahutschich auf – wenngleich ihr ergebnistechnisches Highlight gut einen Monat vor Olympia ansteht: Beim Diamond-League-Meeting knackt sie den seit 1987 bestehenden Hochsprung-Weltrekord der Bulgarin Stefka Kostadinowa. 2,10 Meter sind in Relation eine gleichermaßen imponierende Leistung, wenngleich Mahutschich sich im Hochsprung – anders als Duplantis im Stabhochsprung – noch halbwegs einer Konkurrenz ausgesetzt sieht. Bleibt die spannende Frage, wohin es für beide Athleten in Zukunft noch gehen kann. Und vor allem: wie hoch hinaus?

 

Alexander Dierke

Running: Chicago Marathon Oct 13, 2024; Chicago, IL, USA; Ruth Chepngetich of Kenya finishes first in the women’s race,

Sportliche Mondlandung

Köln, 22. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
als Chicago – die Metropole des Mittleren Westens – Mitte Oktober in das Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, hat das ausnahmsweise mal nichts mit dem US-Wahlkampf zu tun. Für einen kurzen Moment sind weder ein TV-Interview der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris mit dem Haussender (Fox) ihres Kontrahenten Donald Trump noch eine wenige Tage später stattfindende Wahlkampf-Farce eben jenes Republikaners in einer Fast- Food-Kette Gesprächsstoff Nummer eins. Die Schlagzeilen schlagen dennoch hohe Wellen, die Dimensionen, in denen sich bewegt wird, reichen sogar hin bis zu einer Mondlandung. Einer sportlichen wohlgemerkt: Als die Kenianerin Ruth Chepngetich beim Chicago Marathon die rotgefärbte Ziellinie überquert, ist die Sport-Welt eine andere. 2:09:56 Stunden leuchten über ihr auf dem Zielbogen auf. Eine Fabelzeit, von der man noch am Morgen dachte, dass diese niemals würde möglich sein. Schlicht zu exzellent ist dieses Resultat, das vergleichbar ist mit einer Männer-Zeit von unter zwei Stunden. Der Tod der Leichtathletik? So zumindest reagiert der irische Mittelstreckler Stephen Kerr auf die Leistungsexplosion der 30-Jährigen. Um fast viereinhalb Minuten hat Chepngetich ihre vorherige Bestzeit verbessert, im Vergleich zum erst 2023 durch die Äthiopierin Tigist Assefa aufgestellten Weltrekord stoppen die Uhren in der Stadt am Lake Michigan beinahe zwei Minuten früher. „Es ist fast so, als würde man jemanden auf dem Mond landen sehen“, beschreibt die ehemalige US-Mittelstrecklerin Carrie Tollefson das Ausmaß einer real gewordenen Utopie. Kann nicht mehr mithalten, wer sauber ist? Chepngetich hat sich bislang nichts zuschulden kommen lassen. Aber Zweifel kommen durchaus auf, nicht zuletzt wird die Athletin durch Federico Rosa betreut – zwei ehemalige Sprösslinge von ihm wurden in der Vergangenheit des Dopings überführt. Hinzu kommt das allgemeine Doping-Problem in Kenia. Zumal der dortigen Nationalen Anti-Doping-Agentur die finanziellen Mittel unlängst drastisch gekürzt wurden. Aber: Eine Sportart entwickelt sich auch weiter – Training und Ausstattung (Stichwort Carbon-Schuhe) sind heute ein anderes als noch vor 20 Jahren. Genau hinschauen lohnt sich definitiv – das gilt für den US-Wahlkampf wie auch sportliche Fabelleistungen an der Grenze des Möglichen.

 

Alexander Dierke

Chicago Marathon

Rekord und Rückkehr

Köln, 10. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
was war das für ein packender Marathon in Chicago. Nachdem vor zwei Wochen bei den Frauen Tigst Assefa ein neuer Weltrekord gelang, tat es ihr Kelvin Kiptum in der US-Metropole nun gleich. Der Kenianer ist der erste Mensch, der die Marke von 2:01 Stunden unterbieten konnte – und sorgt mit seiner Bestmarke für reichlich Gesprächsstoff. Zum einen ob seiner Fabelzeit, aber zum anderen auch, weil eben solche Resultate die Frage aufkommen lassen, inwiefern ein Sportler solche Ergebnisse tatsächlich (ohne Hilfsmittel) erzielen kann.
Unverändert ist das Ziel des deutschen Mittel- und Langstrecken-Asses Konstanze Klosterhalfen, endlich wieder mit voller Fitness auf die Laufbahn zurück zu kehren. Seit Anfang des Jahres plagt „Koko“ eine Fußverletzung, welche sie den Großteil der zurückliegenden Saison zum Zuschauen verdammte. Im Rahmen eines Events ihres Ausrüsters konnte ich mit ihr beim Köln Marathon über ihren langwierigen Weg zurück sprechen und dabei vor allem eines feststellen: Die positive Ausstrahlung hat Klosterhalfen nicht verloren, auch wenn sie ihrer großen Leidenschaft im Moment nicht nachgehen kann. Nichts überstürzen mit einem möglichen Comeback lautet ihre Devise. Und das ist auch gut so, schließlich stehen auch für sie mit der EM und den Olympischen Spiele im kommenden Jahr zwei große Highlights an. Und wo, wenn nicht dort, würden wir alle sie am liebsten wieder jubeln sehen.

Alexander Dierke

 

TOPSHOT-ATHLETICS-EUR-2022

Zahlenspiele

Köln, 11. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer hatte ja seine zwei Gesichter. Wie die Wetterlagen wechselte auch das Klima in der Leichtathletik-Stimmung zügig. Waren bei den Weltmeisterschaften in Eugene die Leistungen der deutschen Athleten insgesamt eher bescheiden – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel –, sodass man nicht recht wusste, ob es sich um mangelnden Wettbewerbswillen oder mangelnde Klasse handelte, wendete sich das Blatt nur wenige Wochen später: Das Auftreten der nationalen Leichtathletik-Elite bei den Europameisterschaften in München erzeugte positive bis euphorische Meldungen. Im kontinentalen Vergleich konnte viel Renommee zurückgewonnen werden. Bei unserem Power-Ranking auf Seite 4 bis 7 schrumpfen wir nun den Vergleich der Athleten noch einmal zusammen und bilden eine reine Gewichtung deutscher Sportler untereinander ab, weiten den Blick aber insofern, als dass wir interdisziplinär vorgehen. Wie das Ranking nach Zahlen funktioniert, wird dort erläutert. Und natürlich: „Harte“ Zahlen sprechen eine reine Leistungssprache, die hinterher in Summen gemeißelt scheint. Aber auch softe Ziffern fließen ein – bezüglich der Strahlkraft der Leichtathleten in ihrem Sport und über diesen hinaus. Insofern spiegelt sich in ihm ein wenig die gesellschaftliche Relevanz der Leichtathletik. Sie als Leserin und Leser mögen unseren Zahlen nun folgen oder diese bezweifeln. Eines sollten Sie sich aber nicht nehmen lassen: Ihr Vergnügen an der Bewertung.

Korrektur zur Ausgabe 40:
Eliud Kipchoge ist natürlich Kenianer, und auch bei den Weltrekorden haben sich Fehler eingeschlichen. Den Vergleich der aktuell weltbesten Athletinnen mit bestehenden Weltrekordhalterinnen finden Sie korrigiert auf Seite 3. Wir bitten um Entschuldigung.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Legende trifft Gegenwart

Köln, 4. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
Eliud Kipchoge schrieb in Berlin Geschichte, und dies erneut. Heißt, er überschrieb seine eigene Geschichte und trägt sich nicht nur erneut als Sieger über die 42,195 Kilometer auf der schnellen Strecke Berlins in die Bücher ein, sondern er lief – man ist geneigt, legendenhaft zu sagen – einen neuen Weltrekord, der seinen zuvor errannten Weltrekord nun regelrecht pulverisiert. Ist damit ein Ende der Rekordjagd von Kipchoge absehbar?

Sicher, die Zwei-Stunden-Marke rückt immer näher, und nach der Zahlenmagie wäre das ein großes, erhabenes Ziel, die Eins vor dem Komma zu sehen, zu Leb- zeiten, endlich … So lautet vielleicht die euphorisierte Hoffnung mancher Betrachter. Doch hegt Eliud Kipchoge selbst diesen Traum? Er selbst, danach gefragt, meinte, er denke nur Schritt für Schritt, Rennen für Rennen. Und um diese bestmöglich zu gestalten und zu absolvieren, gehe es nur jeweils um die kommende Marathonstrecke. Aber was heißt das?

Ist eine Zeit das Ziel? Vermutlich auch. Doch ein Lauf stellt Athleten ja vor ganz andere Herausforderungen. Die Leistung wird eingeteilt in Kräftevermögen und Zeitabschnitte, die Einteilung der eigenen Power wird wie in der Dramaturgie abschnittweise an ihr Limit gebracht. Und genau dies ist vielleicht ein Ausdruck dafür, worum es ihm geht. Der Äthiopier scheint eben weniger an das ganz große Ziel zu denken, sondern sich eher hin zu den Zeiten, Schritt für Schritt, zu entwickeln. Insofern könnte man dies als Aufgabe eines jeden betrachten: Es ist immer gut, nicht zu weit vorauszublicken und jede kommende Aufgabe als die wichtigste zu betrachten.

 

Jonas Giesenhagen