Author : redaktion

Ende gut, alles gut?

Köln, 29. November

Liebe Leserinnen und Leser,
die Freiluftsaison 2022 neigt sich langsam wie sicher dem Ende zu. Während die einen schon ihren wohlverdienten Urlaub genießen und sich mit der Planung des nächsten Jahres beschäftigten, zogen andere im Endspurt noch einmal kräftig an. So stand für die Crossläufer bei den Deutschen Meisterschaften in Löningen einiges auf dem Spiel. Zumal es nicht nur um Titel ging, sondern auch um die letzte Chance, sich für die Cross-Europameisterschaften am 11. Dezember in Turin zu empfehlen. Wie gut das Alina Reh, Samuel Fitwi und Co. gelungen ist, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Am Ende des Jahres wird es auch wieder Zeit, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was weniger gut? Darauf blicken wir im nächsten Teil unseres großen Jahresrückblicks 2022. Diesmal richten wir den Fokus auf die Siebenkämpferinnen und Zehnkämpfer, fassen die Ereignisse der letzten Saison zusammen und ordnen ein, wie Erfolge und Enttäuschungen zu bewerten sind. Herausragend dabei: die spektakuläre Aufholjagd von Niklas Kaul bei der Leichtathletik-EM in München. Berücksichtigt man, wie der Mainzer Zehnkämpfer nach seinem bitteren Olympia-Aus im Vorjahr immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und quasi erst last minute sicher sein EM-Ticket löste, ist dieser Triumph für ihn selbst umso höher zu bewerten.

In diesem Zusammenhang gilt es, sich auch wieder Gedanken zur bevorstehenden Wahl der „Leichtathleten des Jahres“ zu machen. Die Kandidatinnen und Kandidaten dafür stellen wir Ihnen in unserer nächsten Ausgabe ausführlich vor.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Auf Sand gebaut

Köln, 15. November

Liebe Leserinnen und Leser,
an diesem Wochenende beginnt sie also: die Winter-Fußball-WM. In einem Land, das so groß ist wie Hessen und das hauptsächlich aus Sand besteht. In den vergangenen zwölf Jahren sind dort zahlreiche Gastarbeiter beim Bau der Stadien gestorben. Sie leben in dem Wüstenstaat unter menschenunwürdigen Bedingungen und erhalten nur einen Hungerlohn für ihre Arbeit. Die Welt hat in dieser Zeit mehr oder weniger tatenlos zugesehen. Die WM wird für die Elite Katars sowie für den Weltfußballverband FIFA um Präsident Gianni Infantino vor allem eins sein: eine riesige Werbeplattform.

„Sportwashing“ nennt man diesen Vorgang, bei dem ein Land mithilfe von Sport-Events seine Reputation verbessern will. Auch die Leichtathletik ist Teil des Sportwashings in Katar, wo jährlich die Diamond League stattfindet und 2019 die Leichtathletik-WM in Doha ausgetragen wurde.

Nun lädt ein Land zur Fußball-WM ein, in dem Homosexualität als „geistiger Schaden“ bezeichnet wird, Frauen eingeschränkte Rechte besitzen und in dem es keine Meinungsfreiheit gibt. Das inoffizielle Motto einer WM – die Welt zu Gast bei Freunden – wird ad absurdum geführt. Dazu kommen jede Menge eingekaufte Fans, die gegen Geld für positive Stimmung rund um den Mega- Event sorgen sollen. Es wirkt mindestens suspekt, wenn man auf kursierenden Videos Inder, Kataris und andere Bevölkerungsgruppen in Deutschland-, Argentinien- und England-Trikots durch die Straßen ziehen sieht.
Geld siegt über Ethik, so könnte man meinen. Dennoch glauben wir fest an die integrative Kraft des Sports. Möge uns diese Überzeugung nicht abhanden kommen!

Fabian Küpper

 

Der Frankfurt Marathon feierte 2022 sein Comeback nach zwei Jahren Corona-Pause (Foto: Imago/Jan Hübner).

Lauf gegen die Krise

Köln, 2. November

Liebe Leserinnen und Leser,
beim Doping sind die Schatten mitunter sehr lang. Im Fall von Natalya Antyukh genau gesagt zehn Jahre lang. Bei den Olympischen Spielen 2012 hatte die russische 400-Meter-Hürden-Läuferin Gold gewonnen, dies jedoch mit unerlaubten Mitteln, wie sich mittels einer Doping-Nachprobe herausstellte. Zunächst wurde Antyukh im vergangenen Jahr für andere Vergehen bis zum 6. April 2025 gesperrt, ihre Resultate zwischen 2013 und 2015 darauf annulliert.

Nun sorgte die Unabhängige Integritätskommission AIU des Leichtathletik-Weltverbandes für eine weitere Sperre der Dopingsünderin, dehnte den Disqualifikationszeitraum bis zum 15. Juli 2012 aus – und damit bis vor Beginn der Olympischen Spiele in London. Bedeutet für die betrogenen Athletinnen: Die Medaillen könnten neu vergeben werden. Dies wäre nur gerecht, denn warum soll es einer Dopingsünderin in der Leichtathletik anders ergehen als anderen Betrügern im Leistungssport? Der früheren Radsport-Legende Lance Armstrong etwa wurden wegen Dopings alle seine sieben Siege bei der Tour de France gestrichen.

Für viel Freude sorgte dagegen der Frankfurt Marathon, der nach zweijähriger coronabedingter Pause erstmals wieder stattfand. Über 11.000 Läuferinnen und Läufer gingen auf die Marathon-Strecke, dazu waren Tausende Kids in Staffelläufen unterwegs. Die Teilnehmer, teils lustig kostümiert, sorgten für gute Stimmung und starke Leistungen. Somit eine rundum gelungene Marathon-Veranstaltung, in der Krisenzeiten, wie wir sie momentan erleben, für einige Stunden keinen Platz hatten. Ganz nach dem Motto: Krisenzeiten? Wir laufen sie einfach weg.

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

„European Athletics“ hat gewählt: Femke Bol, Jakob Ingebrigtsen und Armand Duplantis (nicht im Bild) sind Europas Leichtathletin und Leichtathleten des Jahres 2022

Eine gute Wahl

Köln, 26. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
zwei Weltrekordler gemeinsam auf Platz eins – für diese einmalige Konstellation entschied sich die „European Athletics“ bei ihrer diesjährigen Wahl zu Europas Leichtathletinnen und Leichtathleten des Jahres 2022. So teilen sich der Schwede Armand Duplantis, das Maß aller Dinge im Stabhochsprung, und der norwegische Top-Läufer Jakob Ingebrigtsen, gefeierter WM- und EM-Held, dieses Mal die Ehre.

Das ist sicher nicht nach jedem Geschmack. Kritiker mögen es als Schwäche des europäischen Dachverbandes deuten, sich nicht entscheiden und keinen der beiden Ausnahme-Athleten vor den Kopf stoßen zu wollen. Unkonventionell ist es mit Sicherheit. Und doch gibt es einen alleinigen Sieger bei den Männern: Skandinaviens Leichtathletik.

Bei den Frauen ging die Auszeichnung der European Athletics Convention an Femke Bol. Eine gute Wahl, denn die Niederländerin gewann 2022 so viel EM-Gold wie Duplantis und Ingebrigtsen zusammen. Auch bei den in Estlands Hauptstadt Tallinn ausgezeichneten Nachwuchssportlern – Elina Tzengko bei den Frauen und Mykolas Alenka bei den Männern – war die vergangene Europameisterschaft entscheidend. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung dieser beiden „Rising Stars“.

Bei so vielen Bestleistungen noch ein Wort in eigener Sache. Nachdem uns zahlreiche Zuschriften zur „Ewigen deutschen Bestenliste“ (Leichtathletik Nr. 41/22) erreicht haben, veröffentlichen wir in dieser Ausgabe eine korrigierte Fassung. Vielen Dank an dieser Stelle für Ihr waches Auge und Ihre Aufmerksamkeit, liebe Leser! Solche Listen sind erfahrungsgemäß leider nie ganz fehlerfrei. Aber wir bemühen uns stets, Ihnen eine bestmögliche Version zu präsentieren

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

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Dunkle Schatten

Köln, 18. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der dunkle Schatten liegt schon lange über Kenias Laufszene. Nun wurde mit Diana Kipyokei, Siegerin des Boston-Marathons 2021 (Foto), die nächste Läuferin aus Kenia wegen Dopings vom Leichathletik-Weltverband gesperrt. Kipyokei droht eine Sperre von mindestens vier Jahren sowie die Aberkennung ihres Vorjahres-Triumphes. Mittlerweile ist die Liste der Dopingsünder aus dem Lauf-Mekka lang, umfasst allein in diesem Jahr 23 Fälle – und sie könnte bald noch länger werden, denn Untersuchungen gegen weitere kenianische Athleten sind eingeleitet.

Das Märchen ist allseits bekannt: Kenias Läufer atmen ständig Höhenluft, verfügen über ideale physische Voraussetzungen. Laufen ist Volkssport, trainiert wird auf staubigen Pisten. Deshalb sind alle so gut. Laufen Kenias Athleten dann auf Tartanbahnen, sind sie nicht mehr zu stoppen. Doch die Wirklichkeit sieht ein wenig anders aus. Häufig geraten die Läufer an Ärzte, die mitverdienen wollen. Dafür besorgen diese den vermeintlichen Wunder-Läufern verbotene Medikamente zur Leistungssteigerung. Stellen sich sportliche Erfolge ein, verlangen die Ärzte einen Anteil an Preis- und Sponsorengeldern.

Als Hochrisiko-Land wird Kenia seit Jahren besonders überwacht. Auch der nationale Verband beteuert immer wieder, den Dopingsumpf trocken legen zu wollen. Doch gelungen ist das bis heute nicht. Und weil das Jahr lange nicht zu Ende ist, müssen wir wohl damit rechnen, dass uns noch weitere Meldungen über Dopingvergehen kenianischer Läufer erreichen werden.

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

TOPSHOT-ATHLETICS-EUR-2022

Zahlenspiele

Köln, 11. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer hatte ja seine zwei Gesichter. Wie die Wetterlagen wechselte auch das Klima in der Leichtathletik-Stimmung zügig. Waren bei den Weltmeisterschaften in Eugene die Leistungen der deutschen Athleten insgesamt eher bescheiden – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel –, sodass man nicht recht wusste, ob es sich um mangelnden Wettbewerbswillen oder mangelnde Klasse handelte, wendete sich das Blatt nur wenige Wochen später: Das Auftreten der nationalen Leichtathletik-Elite bei den Europameisterschaften in München erzeugte positive bis euphorische Meldungen. Im kontinentalen Vergleich konnte viel Renommee zurückgewonnen werden. Bei unserem Power-Ranking auf Seite 4 bis 7 schrumpfen wir nun den Vergleich der Athleten noch einmal zusammen und bilden eine reine Gewichtung deutscher Sportler untereinander ab, weiten den Blick aber insofern, als dass wir interdisziplinär vorgehen. Wie das Ranking nach Zahlen funktioniert, wird dort erläutert. Und natürlich: „Harte“ Zahlen sprechen eine reine Leistungssprache, die hinterher in Summen gemeißelt scheint. Aber auch softe Ziffern fließen ein – bezüglich der Strahlkraft der Leichtathleten in ihrem Sport und über diesen hinaus. Insofern spiegelt sich in ihm ein wenig die gesellschaftliche Relevanz der Leichtathletik. Sie als Leserin und Leser mögen unseren Zahlen nun folgen oder diese bezweifeln. Eines sollten Sie sich aber nicht nehmen lassen: Ihr Vergnügen an der Bewertung.

Korrektur zur Ausgabe 40:
Eliud Kipchoge ist natürlich Kenianer, und auch bei den Weltrekorden haben sich Fehler eingeschlichen. Den Vergleich der aktuell weltbesten Athletinnen mit bestehenden Weltrekordhalterinnen finden Sie korrigiert auf Seite 3. Wir bitten um Entschuldigung.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Legende trifft Gegenwart

Köln, 4. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
Eliud Kipchoge schrieb in Berlin Geschichte, und dies erneut. Heißt, er überschrieb seine eigene Geschichte und trägt sich nicht nur erneut als Sieger über die 42,195 Kilometer auf der schnellen Strecke Berlins in die Bücher ein, sondern er lief – man ist geneigt, legendenhaft zu sagen – einen neuen Weltrekord, der seinen zuvor errannten Weltrekord nun regelrecht pulverisiert. Ist damit ein Ende der Rekordjagd von Kipchoge absehbar?

Sicher, die Zwei-Stunden-Marke rückt immer näher, und nach der Zahlenmagie wäre das ein großes, erhabenes Ziel, die Eins vor dem Komma zu sehen, zu Leb- zeiten, endlich … So lautet vielleicht die euphorisierte Hoffnung mancher Betrachter. Doch hegt Eliud Kipchoge selbst diesen Traum? Er selbst, danach gefragt, meinte, er denke nur Schritt für Schritt, Rennen für Rennen. Und um diese bestmöglich zu gestalten und zu absolvieren, gehe es nur jeweils um die kommende Marathonstrecke. Aber was heißt das?

Ist eine Zeit das Ziel? Vermutlich auch. Doch ein Lauf stellt Athleten ja vor ganz andere Herausforderungen. Die Leistung wird eingeteilt in Kräftevermögen und Zeitabschnitte, die Einteilung der eigenen Power wird wie in der Dramaturgie abschnittweise an ihr Limit gebracht. Und genau dies ist vielleicht ein Ausdruck dafür, worum es ihm geht. Der Äthiopier scheint eben weniger an das ganz große Ziel zu denken, sondern sich eher hin zu den Zeiten, Schritt für Schritt, zu entwickeln. Insofern könnte man dies als Aufgabe eines jeden betrachten: Es ist immer gut, nicht zu weit vorauszublicken und jede kommende Aufgabe als die wichtigste zu betrachten.

 

Jonas Giesenhagen

 

Definiert Leistung nicht zuletzt durch immer neue Rekorde: Alleine in 2022 verbesserte der Schwede Armand Duplantis zweimal den Weltrekord im Stabhochsprung auf nun 6,21m. (Foto: Getty Images)

Die Leistung zählt

Köln, 20. September

Liebe Leserinnen und Leser,
Weltrekorde sind Weltrekorde sind Weltrekorde. Könnte man meinen. Die Leichtathletik streckt bei ihren Spitzenevents stets die Fühler aus nach den absoluten, den eingravierten Höchstleistungen, die aus einem Athleten oder einer Athletin eine Art Statue machen. Wir wissen natürlich, im Sport, ob im Leistungssport oder im Breitensport, geht es – sollte es zumindest, Stichwort Mentalhygiene – um die eigenen Maßstäbe, die Athleten, die Sportler, die wir an unsere Leistung stellen. Mit unseren eigenen Grenzen, unseren eigenen Fähigkeiten und der Formverfassung im Kopf und im Körper.

Aber im Sport gibt es eben auch das Legendenhafte. Das Einzigartige, das sich, in purer Bemessung und auf den Punkt, eben auf die Strecke, Weite oder Höhe gebracht, in einem Moment möglicherweise für die Ewigkeit einbrennt. Weltrekordler sind oft Legenden der (auch jungen) Vergangenheit, wie die Speerwerferin Barbora Spotakova, die seit 14 Jahren nun Weltrekordlerin ist, aber erst kürzlich ihre Karriere beendete, und manchmal auch sehr lange in Stein gemeißelte Athleten, deren Weltrekorde bereits seit Jahrzehnten bestehen. Siehe Jürgen Schult, seit 36 Jahren nun bereits Diskuswurf-Weltrekordler. Einige aber jagen in ihren jungen Jahren bereits ihre eigenen Rekorde – Armand Duplantis erscheint wie für seine Disziplin geboren.

Dennoch, Rekorde sind nicht alles. Die Messung der persönlichen Leistung, die Lust am Wettkampf und die Treue zur Disziplin, auch wenn das persönliche Leistungsvermögen mit dem Alter nachlassen sollte, das alles ist Leichtathletik!

Jonas Giesenhagen

Weltklasse Zürich brachte nicht die Leichtathletik zu den Leuten, sondern umgekehrt: die Leichtathletik zu den Leuten. (Foto: Urs Jaudas)

Raus in die Stadt

Köln, 13. September

Liebe Leserinnen und Leser,
das war sie also. Die Freiluftsaison hat ihren letzten Höhepunkt erreicht. Die Diamanten sind im großen Finale vergeben. Bei einem Event, das ausgesprochen attraktiv mitten in der Zürcher Innenstadt an prominentester Stelle ausgetragen wurde, gab es für die Zuschauer Stars zum Anfassen und Events zum Tingeln. Wie auf einem Markt folgte quasi räumlich Wettbewerb auf Wettbewerb, eingefasst von einem Laufrund, das auch um die Zuschauer herumführte. Nicht nur die besten und für Leichathletik-Veranstaltungen fast schon kuriosesten Austragungsplätze, sondern auch jede Menge sportliche Highlights vor historischer Kulisse gab es für die Zuschauer zu bewundern. Vor dem Opernhaus schraubten sich die Höhenjäger gen Himmel und lieferten hoch konzentrierte Wettkämpfe im Diamond-League-Finale ab, während Energieexplosionen der Kugelstoßer weltrekordverdächtig weit die schwere Kugel fliegen ließen.

Weltklasse Zürich war ein Zuschauerereignis, das Spitzenleistungen bot und im Letzigrund-Stadion schließlich in Jahresweltbestleistungen auf der Bahn mündete. Das Abschneiden der vier deutschen Teilnehmer war dabei nicht der Rede wert, zu stark war die internationale Konkurrenz, zu sehr verfehlten sie ihre besten Leistungen, aber auch zu groß war die Sehnsucht nach Regeneration. Die Saison der deutschen Athletinnen und Athleten befindet sich nach der EM im Ausklang. Aber auch das war natürlich kurios, dass andere Athleten nach der fordernden Saison in Zürich ihre beste Leistung abriefen.

Den Spitzenathleten mögen nun erholsame Wochen gegönnt sein.

Jonas Giesenhagen

ISTAF 2022; Berlin, 04.09.2022 Noah Lyles (USA) gewinnt den 100m-Sprint der Maenner; ISTAF Berlin am 04.09.2022 im Olym

Der schönste Abschluss

Köln, 6. September

Liebe Leserinnen und Leser,
die erste halbwegs normale Sommersaison seit drei Jahren geht vorbei und endlich durfte die Leichtathletik mal wieder Feste feiern. Das größte hierzulande fand am vergangenen Wochenende in Berlin statt. WM, EM, ISTAF – eine angemessene ­Reihenfolge für das deutsche Prestige-Meeting, dessen Würdigung gar nicht groß genug sein kann. Natürlich haben wir in diesem Jahr in München die europäische Spitze hautnah im eigenen Land erleben dürfen.

Doch was wäre Deutschland ohne das ISTAF? Ja, wir haben tolle Meetings mit internationaler Beteiligung auch in Leverkusen, Pliezhausen, Weinheim und Co., aber nirgends sind das Star-Aufgebot und auch das Spektakel so enorm. Valarie Allman, Noah Lyles und Karsten Warholm würde man nie in Deutschland zu Gesicht bekommen, wenn sich das ISTAF nicht alljährlich auch um die ganz großen Namen bemühen würde. 37.000 Leichtathletik-Fans war das am Wochenende bewusst, und sie sorgten dafür, dass auch Lyles und Co. wieder in die Hauptstadt kommen werden.

Den Athletinnen und Athleten war natürlich sportlich anzumerken, dass sie bereits einen oder sogar zwei Saisonhöhepunkten in den Armen und Beinen hatten. Der Atmosphäre tat das keinen Abbruch. Und auch, wenn man sieht, welche Stimmung zwischen Sportlern und ISTAF-Offiziellen herrscht, erkennt man sofort: Die meinen es ernst. Der EM-Schwung kam in die Hauptstadt, doch die wichtigste Aufgabe steht erst noch bevor: ein nachhaltiges Konzept erarbeiten, um die Begeisterung für die Leichtathletik aufrechtzuerhalten. Aktuell sehe ich das nicht, und schon im Winter könnte die Heim-EM in Vergessenheit geraten sein.

Jonas Giesenhagen