Author : redaktion

Day 1 - World Athletics Championships Tokyo 2025

Spitzen-Läufer

Köln, 10. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
Mohamed Abdilaahi, Frederik Ruppert, Owen Ansah. Nummer eins (3.000 Meter), Nummer zwei (3.000 Meter Hindernis), Nummer 18 (100 Meter) der Welt. In Europa führen alle drei deutschen Athleten sogar die Bestenliste des Jahres 2026 an. Drei DLV-Männer aus dem Laufbereich mischen unter den Besten mit – ein starkes Signal. Speziell, wenn man betrachtet, dass es in der Vorsaison bei der WM in Tokio von 40 Einzelstarterinnen und -startern lediglich vier Namen aus dem Lauf- und Sprintbereich in ein Finale schafften. Einer davon gewann eine Medaille: Marathonläufer Amanal Petros. Sein beinahe mit Gold belohnter Auftritt war einer Sensation gleichzusetzen, auf europäischer Ebene hingegen ist er in diesem Jahr ein echter Favorit. Und er erweitert das eingangs genannte Trio, das in den ersten Wochen dieses Sommers so sehr geglänzt hat. Wie auch Florian Bremm. In Turku bestreitet der 25-Jährige die 5.000 Meter zuletzt in 12:56,80 Minuten – und führt damit ebenfalls die Weltjahresbestenliste an. Ruppert und Abdilaahi folgen in selbiger Disziplin aktuell auf den Rängen vier und fünf. Das sind schon mal eine Handvoll Namen an Mittel- und Langstrecklern, die derzeit für Furore sorgen. Zudem ist mit Ansah ein Sprinter dabei. Mit Blick auf die EM sind Hoffnungen zu schüren: Gina Lückenkemper kann (zumindest) auf europäischer Ebene um die vorderen Plätze mitlaufen, mit der Staffel sowieso. Wie auch das Männer-Quartett über 100 Meter. Zusätzlich sind etwa Robert Farken oder die Hürdensprinter Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz zu nennen. Auch etwa eine Smilla Kolbe über 800 Meter kann einem Freude bereiten. Auf Kontinentalebene sind also durchaus Chancen vorhanden, dass mehrfaches Edelmetall abgeräumt wird. Das derzeit mehrere positive Überraschungen zu nennen sind, ist ohnehin eine gute Nachricht. Nicht zuletzt ob der miserablen Bilanzen der Vorjahre. Und klar: Es ist nicht von jetzt auf gleich alles besser, auch wenn etwa Frederik Ruppert die europäische Laufelite gegenüber Nationen wie Kenia oder Äthiopien nicht mehr zwingend im Nachteil sieht. Dass es derzeit insbesondere wieder schnelle DLV-Männer gibt, kann dem einstigen „Läufer-Verband“ jedenfalls nur gefallen. Mit Blick auf die Zukunft muss das wieder zum Standard in der Breite werden!

Alexander Dierke

Diamond League meeting  Shanghai/Keqiao  2026

Die großen Ziele

Köln, 26. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist immer so eine Sache. Zu den klassischen Disziplinen der Leichtathletik zählen Extremläufe, Ultramarathons und Co. nicht. Dennoch sind Athleten wie Arda Saatci irgendwo natürlich in derselben Sportart angesiedelt, wenngleich es weniger um Vergleiche im Wettkampf als vielmehr um Extremleistungen geht. Mit dem Namen Saatci ist in den vergangenen Tagen wohl nahezu jeder in irgendeiner Form mal in Berührung gekommen – über 600 Kilometer hat der 28-Jährige in der Wüste Kaliforniens zurückgelegt. In 123 Stunden. Eine schier unglaubliche Leistung. Also haben wir uns entschlossen, mit ihm über seine unglaubliche Leistung zu sprechen. „Es geht mir darum, mich weiterzuentwickeln, neue Grenzerfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern“, verrät Saatci in einem seiner ersten – und wenigen – Interviews nach dem Ultramarathon gegenüber Leichtathletik. Was neben Hochachtung vor seiner Leistung herauszustellen ist: Der gebürtige Berliner will Vorbild sein, vor allem für junge Menschen, im Sport wie darüber hinaus. „Egal wie schwer der Weg ist: Es gibt immer irgendwie eine Möglichkeit, ans Ziel zu kommen“, sagt Saatci. Apropos Ziele: Die klassischen Leichtathleten arbeiten in diesem Sommer bekanntlich auf die Europameisterschaften in Birmingham hin, zum Auftakt der Freiluftsaison sind einige Athleten ordentlich gestartet. Aus deutscher Sicht ist aber ein Mann besonders hervorzuheben: Mohamed Abdilaahi. Nach nationalen Rekorden über 5.000 und 10.000 Meter ist der 27-Jährige nun auch deutscher Rekordhalter über 3.000 Meter. Sein Auftritt beim Diamond-League-Auftakt in Shanghai hat auch internationaler Konkurrenz imponiert. Kann er dieses Leistungsniveau, das er schon im Vorjahr wiederholt angeboten hat, über den Sommer halten, ist eine EM-Medaille mehr als ein realistisches Ziel. Edelmetall sollte auch im Marathon möglich sein, nicht zuletzt durch Vizeweltmeister Amanal Petros. Der 31-Jährige ist einer von 17 Athletinnen und Athleten, die schon jetzt durch den Deutschen Leichtathletik-Verband für die Titelkämpfe auf der britischen Insel nominiert wurden.

Alexander Dierke

(SP)BOTSWANA-GABORONE-WORLD ATHLETICS RELAYS-MEN'S 4X100m RELAY-FINAL

Blick in die Zukunft

Köln, 12. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
37,67 Sekunden! Die deutsche 4×100-Meter-Staffel der Männer hat bei den World Relays in Gaborone Geschichte geschrieben. Denn nie zuvor war ein nationales Quartett über diese Distanz schneller unterwegs. Nach der Glanzleistung im Vorlauf hat die Staffel um Kevin Kranz, Marvin Schulte, Owen Ansah und Lucas Ansah-Peprah im Finale ein weiteres Top-Resultat in die Bahn gebrannt und sich über ein Ticket für die Weltmeisterschaften 2027 hinausgehend noch mit der Bronzemedaille belohnt. Doch die WM ist das Stichwort: Man blickt langfristig voraus und hat nun Planungssicherheit, wie auch drei weitere Quartette des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Vor allem aber scheint das Männer-Team gereift, das sind nicht zuletzt für die diesjährigen Europameisterschaften gute Aussichten. Ordnet man die Zeit mit Blick auf die kontinentalen Resultate der vergangenen Jahre ein, besitzt die 4×100-Meter-Delegation sogar Goldambitionen. Seit einiger Zeit arbeiten die vier Protagonisten, die in Botswana geglänzt haben, zusammen. Sie haben gemeinsame Enttäuschungen erlebt, aber auch als Team gefeiert. Wenngleich etwa bei der EM 2024 mehr drin gewesen wäre als eine Bronzemedaille. Vielleicht ist schon in diesem Jahr der Moment gekommen, in dem endgültig neben der hochdekorierten 4×100-Meter-Frauen-Staffel, diese hat das WM-Ticket standesgemäß auch gelöst, eine weitere DLV-Mannschaft strahlen kann. Und damit wären wir dann jetzt endgültig bei der Freiluftsaison 2026, die in den vergangenen Wochen bereits mit hochkarätigen Marathons angelaufen ist. Nicht zuletzt in London. Der Sommer hält einiges bereit: Am 16. Mai startet die Diamond League, in Europa steht angesprochene EM auf dem Programm und im Spätsommer gehen für die Besten der Besten erstmals die Ultimate Championships über die Bühne. Eine Frage, die sich mit Blick auf die kommenden Monate auch stellt: Können die Überflieger des Winters, also jene Jordan Anthonys, Keely Hodgkinsons, Hana Molls, Sofie Dokters, Marlene Meiers, Yemisi Ogunleyes und Co. auch unter freiem Himmel glänzen? Und noch eine Athletin steht im Fokus: Fast zwei Jahre nach ihrem schmerzvollen, bei den Olympischen Spielen 2024 erlittenen Achillessehnenriss hat Siebenkämpferin Sophie Weißenberg ihr Comeback gefeiert. Beim Dreikampf im niederländischen Lisse startete sie im Weitsprung, Sieg mit 6,35 Metern, und Kugelstoßen. Das Ende eines langen Wegs zurück. Zeit für die Zukunft!

Alexander Dierke

2026 TCS London Marathon

Nie da gewesene Dimensionen

Köln, 28. April

Liebe Leserinnen und Leser,
der Schwerpunkt dieser Ausgabe war redaktionell eigentlich schon fertig. Als Brücke zwischen Hallensaison und dem vollumfänglichen Start des Freiluftjahres wollten wir noch einmal auf die Überflieger des Winters zurückblicken. Also auf jene Namen wie Keely Hodgkinson, Cooper Lutkenhaus und Marlene Meier. Die Frage, die im Raum stand: Wie sind ihre Leistungen mit Blick auf den Sommer einzuordnen und was ist ihnen umgerechnet an der freien Luft zuzutrauen. Doch dann der Knall. Kaum zu beschreibende Kräfte, eine Leistung, die so schnell wohl nicht zu wiederholen ist, ein Einschlag mit Wums. Als Neil Armstrong einst im Jahr 1969 als Teil der „Apollo 11“-Mission als erster Mensch den Mond betrat, war das ein Meilenstein gigantischen Ausmaßes. Elf weitere Personen betraten den Trabanten seitdem, der letzte von ihnen 1972. Doch das ist nun Geschichte: Die nächste Mondlandung steht in den Büchern. Die Mondlandung des Marathons. Als erster Mensch überhaupt bleibt der Kenianer Sabastian Sawe in London unterhalb der Zwei-Stunden-Marke! Dass der 31-Jährige damit die komplette Leichtathletik-Ausgabe auf den Kopf stellt, ist das kleinste Problem.
Es ist vielmehr ein Vorstoß in Dimensionen, wie sie lange nicht vorstellbar waren. Zumindest unter erlaubten Bedingungen, schließlich hat Eliud Kipchoge dieses Kunststück mit unzulässigen Hilfsmitteln ja schon vollbracht. Doch ganz oben blieb es beim Namen Kelvin Kiptum. Dem nur wenige Monate nach seinem 2023 aufgestellten Weltrekord (2:00:35 h) auf tragische Weise bei einem Autounfall verstorbenen Athleten war die Durchbrechung der Zwei-Stunden-Marke am ehesten zugetraut worden. Doch der Meister ist nun Sawe. 421 Mal hat er 100 Meter in 16,9–17,0 Sekunden zurücklegt! Das ist schlicht unfassbar, genau wie der daraus resultierende neue Weltrekord von 1:59:30 Stunden. Doch die Geschichte ist damit ja noch nicht beendet. Denn bei seiner Premiere bleibt Yomif Kejelcha ebenfalls unterhalb der Barriere von zwei Stunden – wem bitte kann man erzählen, dass das dennoch weder einen Weltrekord noch den Sieg bedeutet. Dank Sabastian Sawe! Und auch der im London drittplatzierte Jacob Kiplimo bleibt unterhalb der bisherigen Bestmarke. Ein ganz großes Stück Laufgeschichte!

Alexander Dierke

Leichtathletik DM 2025

Revolution der Leichtathletik?

Köln, 14. April

Liebe Leserinnen und Leser,
im Vorjahr ist Germany Athletics in der deutschen Leichtathletik so richtig durchgestartet. Eine Franchise nach ähnlichem System, wie es im US-Sport seit langem gang und gäbe ist. Mit dem Ziel, dem nationalen Untergang der Sportart entgegenzuwirken – schon 2021 gründet der ehemalige Hammerwerfer Claus Dethloff die Dachmarke sowie den ersten Ablegerclub: Cologne Athletics. In der Folge wird an Konzept und Visionen gearbeitet, zur Saison 2025 schon zahlreiche namhafte Athletinnen und Athleten verpflichtet. Bessere Förderbedingungen, mehr Wertschätzung, neue Möglichkeiten – das verspricht Germany Athletics selbst, ist aber auch Feedback, das einem mehrere Leichtathleten geben, die den Wechsel „ins Unbekannte“ getätigt haben. Ganz richtig ist das natürlich nicht, denn es wird nicht in etwas Unbekanntes gestartet, sondern vielmehr in etwas Neues. In jeder Großstadt soll irgendwann ein Athletics-Verein aufzufinden sein, der sich dem Nachwuchs wie Top-Athleten gleichermaßen annimmt. Die Förderung des Leistungssports ist das Ziel und damit einhergehend auch, die Sportart für alle wieder attraktiver zu machen: für potenzielle Stars von morgen, für die Spitzengeneration von heute sowie für langjährige und neue Zuschauergruppen.
Bislang fruchtet das Konzept mindestens mal insofern, als dass Germany Athletics schon einige namhafte Leute unter Vertrag hat. Da sind gestandene Top-Athleten wie auch Newcomer zu nennen: Mohamed Abdilaahi, Imke Onnen, Bo Kanda Lita Baehre, Philina Schwartz. Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund verzeichnet das Franchise-System im zurückliegenden Winter insgesamt acht Medaillen – fünfmal trägt ein Meister sogar das Logo eines Athletics-Clubs auf der Brust. Das zeigt, dass es Dethloff und Co. verstehen, hochkarätige Namen für das innovative Konzept zu begeistern. Die Ideen sind vielversprechend, doch es bedarf für den größtmöglichen Erfolg der deutschen Leichtathletik etwa auch einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband. Dieser äußert sich eher oberflächlich zu dem Projekt – ein echtes Interesse daran, die Sportart hierzulande gemeinsam neu zu denken, ist bisher eher weniger auszumachen. Dethloff bedauert das, lässt sich davon aber nicht unterkriegen: Man habe sich auf einen langen Atem eingestellt und die eigenen Ressourcen entsprechend ausgerichtet. Er lebt zumindest: der Traum von einer Revolution der deutschen Leichtathletik.

Alexander Dierke

260321 Keely Hodgkinson of Great Britain competes in women™s 800 meter semi-final during the 2026 World Athletics Indoor

Ernüchterung und Zuversicht

Köln, 31. März

Liebe Leserinnen und Leser,
das war’s. Ein letztes Mal ging es mit reichlich Tempo die Eingangs- und Ausgangsgeraden hinunter, noch einmal wurde hoch wie weit gesprungen. Oder anders ausgedrückt: Mit den Hallen-Weltmeisterschaften in Torun ist die Indoor-Saison auch offiziell zu Ende gegangen. Highlights gab es in der polnischen Stadt so einige – seien es der Siebenkampf-Weltrekord durch Simon Ehammer, die 800-Meter-Show von Keely Hodgkinson oder jene Glanzleistungen der beiden Youngster Cooper Lutkenhaus (800 Meter) und Jordan Anthony (60 Meter). Internationale Namen haben die globalen Titelkämpfe geprägt – wieder einmal. Denn aus deutscher Sicht waren diese in Summe durchaus ernüchternd. Trotzt eines im Vergleich zu den Vorjahren größeren Teams blieb die Delegation des Deutschen Leichtathletik-Verbands ohne Edelmetall. Ein schwaches Zeugnis, auch wenn eine solche Bilanz unter dem Hallendach nur eine gewisse Aussagekraft besitzt. Schließlich waren bis auf Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye keine absoluten deutschen Topstars in Torun am Start. Doch einen längst gewonnenen Eindruck bestätigte das dort gebotene dennoch einmal mehr: Der DLV ist davon abhängig, dass seine Besten (in diesem Falle Ogunleye) im entscheidenden Moment ihr Leistungspotenzial voll und ganz ausschöpfen. Was andernfalls passiert, wurde einem Outdoor als Extremfall bei den Weltmeisterschaften 2023 gezeigt. Nun also Mund abputzen und weitermachen. Die Europameisterschaften im Sommer sind das, was wirklich zählt. Auf europäischer Ebene sind mehr als eine Handvoll Medaillen Pflicht. Zugleich muss weiterhin alles daran gesetzt werden, in zahlreichen Disziplinen die Lücken zu den Weltbesten kleiner werden zu lassen.
Positiv aufzufassen ist da, was zwei deutsche Athleten unlängst schon draußen gezeigt haben. Während Amanal Petros seinen deutschen Rekord beim Berliner Halbmarathon einmal mehr verbessert, gelingt Mohamed Abdilaahi in den USA ein beinahe noch größeres Kunststück. Nach 29 Jahren knackt der 27-Jährige auf der Bahn über 10.000 Meter die zweite Bestmarke von Dieter Baumann. Diesem nimmt er mit seiner Zeit von 26:56,58 Minuten im Vergleich gar umgerechnet 152,25 Meter ab. Ein Vorstoß in neue Dimensionen sowie ein weiteres starkes Stück des Mannes, der nun fünf deutsche Rekorde innehat. Es sind Leistungen wie die von Abdilaahi und Petros, die einen dann doch wieder zuversichtlich stimmen.

Alexander Dierke

2025-03-06 European Athletics Indoor Championships Day One

Finale (für die, die wollen)

Köln, 17. März

Liebe Leserinnen und Leser,
Fokus fürs Finale: Die Hallensaison 2026 befindet sich wenige Meter vor der Ziellinie. Zumindest für die 14 Athletinnen und Athleten, die den Deutschen Leichtathletik-Verband bei den Indoor-Weltmeisterschaften im polnischen Torun vertreten werden. Für alle anderen gilt schon jetzt: voller Fokus auf die Freiluftsaison. Weit entfernt ist diese ohnehin nicht mehr, bereits Anfang Mai stehen die ersten Meetings auf dem Programm. Nicht zuletzt die Diamond League startet schon am 8 Mai. Natürlich sind Vorbereitungspläne individuell, genau wie Ziele für eine Saison. Traditionell haben internationale Meisterschaften unter dem Hallendach für viele Leichtathletik-Stars nicht denselben Stellenwert wie kontinentale oder globale Titelkämpfe im Stadion. Mit den Europameisterschaften im britischen Birmingham steht da in diesem Sommer kein unbedeutendes Event an, aus deutscher Sicht bieten sich in Europa zudem erhöhte Medaillenchancen. So kommt es, dass zahlreiche Athletinnen und Athleten von vorneherein eine Teilnahme an der Hallen-WM ausgeschlossen haben, um intensiv auf die Freiluftsaison hinarbeiten zu können. Etwa im Sprintbereich ist das der Fall. Obwohl es mehrere Normerfüller für Torun gab, ist nur eine Sprinterin im DLV-Aufgebot zu finden. Für diese ist das aber umso besonderer: Philina Schwartz, Aufsteigerin dieses Winters, wird erstmals das Nationaltrikot tragen. Und dass auch die Meisterschaften unter dem Hallendach einen besonderen Stellenwert besitzen können, beweist Hochspringerin Imke Onnen. Die direkte Norm konnte sie in den zurückliegenden Wochen nicht erfüllen, im Rankingsystem fehlte ihr jedoch nur ein Platz für eine Qualifikation. Zum Zeitpunkt der Deutschen Hallenmeisterschaften hoffte sie auf Absagen anderer – ein Wunsch, der erhört wurde. So ist Onnen nun eine der 14 deutschen Namen für den Abschluss dieses Winters. Ohnehin ist es 2026 einmal mehr spannend, einen genaueren Blick auf die Athletin von Cologne Athletics zu werfen. Nachdem sie ihre persönliche Bestleistung in der Vorsaison auf 1,98 Meter steigerte und sich fest unter den Weltbesten etablierte, wechselte sie vor dem laufenden Jahr ihren Trainer und schloss sich einer internationalen Trainingsgruppe an. Eine Neuausrichtung im Alter von 31 Jahren. Über die Beweggründe für diesen Schritt haben wir am Rande der Hallen-DM gesprochen.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Dortmund, 28.02.2026

Newcomer & Herausforderungen

Köln, 3. März

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Tage lang lud Dortmund Athleten wie Fans in die Helmut-Körnig-Halle ein. Zum 15. Mal fanden dort die Deutschen Hallenmeisterschaften statt – die Stadt im Ruhrgebiet ist ein Ort, der sich für die Ausrichtung nationaler Leichtathletik-Titelkämpfe längst bewährt hat. Da kam die Nachricht vorab nicht verwunderlich: Die Wettkämpfe am Samstag wie Sonntag werden vor ausverkauftem Hause stattfinden. Und die Halle war durchaus gut gefüllt, am zweiten Wettkampftag aber wohl doch weniger als am dritten. Das lag vielleicht auch daran, dass zum einen der öffentliche Nahverkehr streikte und zum anderen am Abend nur wenige Meter entfernt das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München stattfand. Das machte sich leider auch negativ bemerkbar: Insbesondere die Parkplatzsituation vor Ort war – sagen wir es mal so: nicht ideal. Die Leichtathletik stand im Vergleich zum Fußball hinten an. Am Sonntag, dem dritten Wettkampftag, war dieses Problem nicht gegeben – und auch die Atmosphäre in der Halle war besser. Was auch daran lag, dass Läufer Max Thorwirth einmal mehr einen Stimmungsblock imitierte. Dieser zündete das Publikum an – und dieses wiederum durfte etwa den neunten Hallentitel von Weitsprung-Ass Malaika Mihambo, den dritten 400-Meter-Coup von Youngster Johanna Martin und das erste Hochsprung-Gold von Falk Wendrich (im Alter von 30 Jahren) bejubeln.
Es sind bei der diesjährigen Hallen-DM neben ein paar Ausnahmeleistungen, allen voran durch Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, insbesondere vergleichsweise unbekannte Namen, die für Aufsehen sorgen. Im gleichen Atemzug muss man auch festhalten, dass in mehreren Disziplinen höchstens mittelmäßige Leistungen geboten wurden – ein Negativbeispiel ist etwa der Stabhochsprung der Männer. Dafür hat sich mit Peter Osazee im Dreisprung ein Newcomer behauptet, der eines Tages eine einseitige Disziplin vielleicht etwas durchmischen kann. Im Sprint der Männer war es eng wie selten, im Hürdensprint der Frauen hat Marlene Meier die Erwartungen erfüllt. Und Sprint-Youngster Philina Schwartz hat in Dortmund ohnehin gezeigt: Ihre Leistungen der vergangenen Wochen waren kein Zufall. Es ist eine Freude, der 19-Jährigen beim eine Freude, der 19-Jährigen beim Sprinten zuzuschauen!

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Erfurt Indoor, 13.02.2026

Im Rampenlicht

Köln, 24. Februar

Liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder so weit: Die Deutschen Hallenmeisterschaften ­ stehen bevor und damit die nationale Abrechnung des Winters. Ich persönlich freue mich immer, wenn die Titelkämpfe in Dortmund ausgetragen werden, denn das Interesse an der Leichtathletik ist dort jedes Mal aufs Neue zu spüren. Das ist wichtig für die Sportart, ausverkaufte Zuschauerränge tun nicht zuletzt den Athletinnen und Athleten gut. Auch wenn die Kapazität in der Helmut-Körnig-Halle natürlich begrenzt ist. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, das Interesse der breiten Bevölkerung scheint aber weiterhin mäßig zu sein – auch 2026 wird es nur einen Bruchteil von der Hallen-DM im linearen Fernsehen zu sehen geben.
Das ist schade. Denn es stehen sehr wohl einige spannende Entscheidungen auf dem Programm. Dass auch ohne einen Start von Gina Lückenkemper die 60 Meter eine besondere Attraktion darstellen, ist übrigens auch an der ARD nicht vorbeigegangen: Wenn Youngster Philina Schwartz am Samstagabend um ihren ersten nationalen Titel im Aktivenbereich kämpft, wird das live im TV übertragen. Die 18-Jährige ist eine der – bislang – größten deutschen Gewinnerinnen des Winters. Die fünf schnellsten 60-Meter-Zeiten dieses Jahres gehen auf ihr Konto, das macht sie zur Favoritin für Dortmund. Doch es gilt auch, Erfahrungen zu sammeln und mit dem Rampenlicht umgehen zu können. Eine Herausforderung. „Ehrlich gesagt mag ich es eigentlich nicht so gerne, im Mittelpunkt zu stehen“, sagt Schwartz vor wenigen Wochen im Leichtathletik-Interview. Doch bei ihr wird hingeschaut werden – das ist Anerkennung für ihre starken Vorleistungen. Solche konnten große Namen wie Weitsprung-Ass Malaika Mihambo und Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye bislang nur bedingt zeigen. Vor allem mit Blick auf den Sommer wird es spannend sein, zu beobachten, wie Mihambo und Ogunleye im Moment der ersten Reifeprüfung auftreten.
Im Hochsprung hingegen darf sich auf das nächste Duell zwischen Christina Honsel und Imke Onnen gefreut werden, der Männersprint verspricht aufgrund der Vorleistungen von Owen Ansah, Kevin Kranz, Yannick Wolf und Co. einen echten Fight um den Meistertitel. Für den Hürdensprint der Frauen gilt das ohnehin. Es sind 2026 mal nicht (nur) die Lückenkempers und Mihambos, denen die ganz große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Alexander Dierke

Lotto Deichmeeting; Neuwied, 17.05.2025

Geschichte(n) des Aufstiegs

Köln, 10. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Titel geht einmal mehr an den TSV Bayer 04 Leverkusen. Zum dritten Mal in Folge setzt sich der Verein im Vereinsranking des Deutschen Leichtathletik-Verbands durch – die Rangliste soll quittieren, welcher Klub hierzulande die stärkste Leichtathletik-Abteilung hat. Insgesamt bringt es der Verein aus dem Rheinland auf eine Punktzahl von 406 – und streicht somit für das Jahr 2025 über 100 Punkte mehr ein als der auf Platz zwei rangierende SV Halle. Ausschlaggebend sind die Platzierungen in den DLV-Bestenlisten ab der Altersklasse M14 und W14. Vor allem in den unteren Altersklassen geben die Leverkusener eine gute Figur ab, es ist ein Zeugnis für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die durch Triumphe gestandener Athletinnen und Athleten wie Marike Steinacker und Konstanze Klosterhalfen vergoldet wird. Wenngleich im Vorjahr nur drei Namen des TSV für die WM in Tokio berufen wurden. Während mit der LG Stadtwerke München ein weiterer namhafter Verein unter den Top Drei vertreten ist, erzielt Cologne Athletics die beste Platzierung der Germany-Athletics-Klubs – wie auch jenen der „Neueinsteiger“ der Liste. Der Kölner Verein belegt im Ranking Platz 26 und fuhr die meisten seiner Punkte über Athletinnen und Athleten im Aktivenbereich ein.

Unter den Top 50 fehlen tut hingegen der VfB Stuttgart. Doch es lohnt sich dennoch, bei den Schwaben genauer hinzuschauen. Schließlich haben sie nicht nur Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer unter Vertrag, sondern seit Jahresbeginn auch den Rising Star im Siebenkampf: Sandrina Sprengel. Die 21-Jährige krönte ihren steilen Aufstieg 2025 vorübergehend mit einem äußerst starken fünften Rang bei ihrer Premieren-WM in Tokio. Schon jetzt ist sie, betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, die nach Punkten zweitbeste deutsche Siebenkämpferin hinter Sophie Weißenberg. Das mache sie vor allem stolz – und sei reichlich Motivation für die Zukunft, verrät die junge Siebenkämpferin in einem exklusiven Interview mit Leichtathletik . Wie ihr Alltag abseits der Sports aussieht und warum sie etwa schon von klein auf zwei Träume verfolgt – über das und mehr haben wir mit der sympathischen Mehrkämpferin gesprochen. Was dabei zwischen den Zeilen rüberkam, ist vor allem eines: In Sprengel besitzt die deutsche Leichtathletik eine junge Siebenkämpferin, die gleichermaßen über großes Talent wie große Ziele verfügt. Gute Voraussetzungen für die kommenden Jahre!

Alexander Dierke