Author : redaktion

Leichtathletik-Europameisterschaften; Rom, 09.06.2024 Christina HONSEL (GER) freut sich während des Hochsprung-Finals de

Hinter den Erwartungen

Köln, 11. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
just bei Fertigstellung der neuen Leichtathletik-Ausgabe hat Hindernisläufer Karl Bebendorf am Abend des vierten EM-Tags noch sensationell Bronze gewonnen. Es ist die erste deutsche EM-Medaille in dieser Disziplin seit 26 Jahren. Bei den Frauen sah die Ausgangslage über die 3.000 Meter Hindernis im Vorfeld anders aus: Gesa Krause sorgte in den vergangenen Wochen für ein fulminantes Comeback nach ihrer Babypause. Eine Favoritin auf Edelmetall war sie als vorab europäische Jahresbeste also allemale, dieser Rolle dann aber auch wirklich gerecht zu werden gebührt große Anerkennung. Dass ihr zwischenzeitlich für einen kurzen Moment Gold zugesprochen wurde – der DLV legte Protest gegen einen „Schrittfehler“ der französischen Siegerin Alice Finot ein – ist eine andere Geschichte. Aber so viel sei gesagt: Auch mit deutscher Brille ist es im Sinne des Sports, dass die Disqualifikation Finots rückgängig gemacht wurde. Aus Sicht des deutschen Verbands möchte man jedoch natürlich möglichst erfolgreich in der italienischen Hauptstadt abschneiden (im Gepäck der „Salto Nullo“ des Vorjahres aus Budapest, aber auch 16 Medaillen bei der Heim-EM 2022 in München). Doch, es ist nach absolvierten zwei Drittel der Wettbewerbe ein „Möchte“, das man sich auf die Fahne schreibt. Denn es läuft – man könnte fast zynisch sagen – wieder einmal nicht. Lediglich vier Einzelmedaillen (nebst Bebendorf und Krause gewannen Marathonläufer Amanal Petros und Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye jeweils Bronze) und zwei Team-Erfolgen im Marathon (Silber Frauen, Bronze Männer) können auf europäischer Ebene nach vier Tagen nicht der Anspruch sein. Individuelle deutsche Erfolgsgeschichten gibt es sehr wohl abermals, aber bis dato eben auch zu viele Enttäuschungen. Allen voran im Diskuswurf und Hochsprung der Frauen. Endgültig abgerechnet wird nach sechs Tagen – schauen wir mal, was noch folgt.

 

Alexander Dierke

 

European Championships Munich22; Leichtathletik, 21.08.2022 Julian Weber (GER) - European Championships Munich22 am 21.0

Erste Bewährungsprobe

Köln, 28. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
am letzten Mai-Wochenende wurde es noch einmal heiß: Zahlreiche Top-Meetings lockten nationale wie internationale Stars vor dem Ende des Nominierungszeitraums für die Europameisterschaften in die Stadien. Im Fight um Normen haben vor allem auch deutsche Athleten überzeugt – so konnten etwa Torben Blech, Lea Meyer und Shanice Craft gar den Richtwert für die Olympischen Spiele erfüllen. Kein schlechter Zeitpunkt, wenige Tage vor dem Startschuss im Rom. Denn das Ziel aus Sicht des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist dort natürlich klar: Man möchte an die Medaillenausbeute bei der EM 2022 (16 x Edelmetall) anschließen und allgemein für einen Aufwärtstrend sorgen. Denn wenngleich es aktuell nur schwer vorstellbar ist, dass es gelingen könnte, besser abzuschneiden als vor zwei Jahren in München, so ist eine ähnliche Performance durchaus realistisch. Sprint-Titelverteidigerin Gina Lückenkemper rangiert in der europäischen Bestenliste aktuell etwa auf Rang drei, ebenso ist Julian Weber derzeit im Weltvergleich positioniert. Und das trotz eines verletzungsbedingt späten Einstiegs in die Saison. Doch der Speerwerfer fühlt sich einfach gut, wie er im exklusiven Interview in der neuen Leichtathletik-Ausgabe verrät. Und dann steht da in seiner Disziplin ja auch noch 90-Meter-Youngster Max Dehning parat, der den globalen Vergleich vor der EM gar anführt. Ohnehin sind es Newcomer wie er, Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye oder Weitspringer Simon Batz, die unbekümmert auftreten und in Rom für die ein oder andere Überraschung sorgen könnten. Ganz so schlecht sieht es aus deutscher Sicht auf europäischer Ebene dann also nicht aus. Im Zweifelsfall gilt ohnehin, einfach mal abwarten und schauen, was kommt. Positiv zu bewerten ist auf jeden Fall schon jetzt, dass die öffentlich-rechtlichen im TV über 20 Stunden der Titelkämpfe live übertragen werden. Es ist Werbung für unsere Sportart, die man gerne sieht!

 

Alexander Dierke

 

European Championships Munich22; Leichtathletik, 17.08.2022 Sophie Weissenberg (GER) - European Championships Munich22

EM als Signalwirkung?

Köln, 14. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
verspüren Sie auch schon Vorfreude auf die anstehenden Europameisterschaften? Nur noch knapp drei Wochen sind es, bis am 7. Juni in Rom die kontinentalen Titelentscheide beginnen. Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht! Die Enttäuschungen der WM in Budapest sind inzwischen beinahe ein Dreivierteljahr her, Zeit also, den Blick auf die Zukunft zu richten. Wenn man dieser Tage mit deutschen Athleten spricht, ist zu spüren, dass sie alle gewillt sind, es in dieser Saison besser zu machen als in der Vergangenheit. Wenngleich eine ausreichende Motivation der DLV-Sportler wohl nie das Problem war. Anders sieht es in puncto Fokussetzung aus. Es ist irgendwo verständlich, dass in einem Jahr wie diesem die Olympischen Spiele im Mittelpunkt stehen – schließlich wollen in Paris alle Athleten bestmöglich performen. Doch die EM kann zuvor einen wichtigen Beitrag zur Stimmung in der nationalen Leichtathletik-Welt beitragen. Denken Sie doch noch mal zurück an München 2022: Was war das für eine Euphorie, die entfacht wurde – nur zwei Wochen nach dem Desaster in Eugene. Bei mir ist die Vorfreude auf diese bevorstehende EM jedenfalls groß, und ich hoffe durchaus auf eine Signalwirkung. Ein wenig Werbung in eigener Sache würde der Leichtathletik sicherlich nicht schaden. Bereits ordentlich auf sich aufmerksam gemacht hat Siebenkämpferin Sophie Weißenberg. Im vergangenen Jahr landete die sympathische Athletin in Budapest auf Rang sieben – und war damit eine der besten Deutschen bei der WM. Doch seitdem ist viel passiert. Im Herbst entschied sich Weißenberg zu einer Fuß-OP und kämpfte sich über den Winter im Training Stück für Stück zurück. Nun ist die 26-Jährige bereit für die Saison. Vor Rom geht es für sie am kommenden Wochenende nach Götzis, nach Rom soll dann auch ihre Reise in Paris enden. Was das für sie bedeuten würde, verrät sie im Interview in der aktuellen Leichtathletik-Ausgabe.

 

Alexander Dierke

 

Gina LUECKENKEMPER (Lückenkemper)(SCC Berlin) 100m Vorlauf der Frauen, am 08.07.2023 Deutsche Leichtathletik Meisterscha

Als Athletin gewachsen

Köln, 30. April

Liebe Leserinnen und Leser,
es macht stets aufs Neue Spaß, sich mit meinungsstarken deutschen Athleten zu unterhalten. Und speziell die Gespräche mit Gina Lückenkemper sind da immer ein Highlight. Schließlich ist die Sprinterin nicht nur auf der Sprintbahn stark unterwegs, sondern besitzt auch zu fast allem eine Meinung. Sympathisch sind die Interviews mit der amtierenden 100-Meter- Europameisterin ohnehin. Dieses Mal gab es durchaus viel zu besprechen, verfolgt Lückenkemper im anstehenden Sommer große Ziele: Bei der EM soll im Juni bestenfalls die Titelverteidigung gelingen und knapp zwei Monate später bei den Olympischen Spielen endlich der Traum einer Final-Teilnahme in Erfüllung gehen. Darauf ist bei ihr alles ausgerichtet. In diesem Jahr hat sie die Hallen-Saison gänzlich ausgelassen und sich stattdessen intensiv in Florida unter ihrem Coach Lance Brauman auf die kommenden Aufgaben vorbereitet. Es ist ein Schritt, welchen beide im Anschluss an ihr Halbfinal-Aus bei der Vorjahres-WM beschlossen haben. Die Wettkampfbelastung sei in der Vergangenheit zu hoch gewesen, sagt sie selbst – und vermittelt insgesamt den Eindruck, als Athletin noch einmal gewachsen zu sein. Neben starken Trainingseindrücken gibt ihr auch ihr Freiluft-Auftakt recht: Nie zuvor starte Lückenkemper schneller in eine Saison als unlängst bei einem Meeting in Florida. Ohnehin weiß die 27-Jährige ihren Status und ihre Möglichkeiten in den Staaten zu schätzen. Weil solche Ausbildungsbedingungen für die deutschen Athleten noch immer eine Ausnahme sind. Die nationalen Gegebenheiten können beispielsweise mit denen in den USA nicht mithalten – allein weil es dort einen durchaus großen Wissensvorsprung gibt, wie Lückenkemper anfügt. Im Falle der Top-Sprinterin könnte der DLV davon profitieren. Und vor allem sie selbst – in Rom und dann in Paris.

 

Alexander Dierke

 

European Championships Munich22; Leichtathletik, 15.08.2022 Im Fokus der TV-Kameras: Alica Schmidt (GER) - European Cham

Neue Wege gehen

Köln, 16. April

Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem Auftakt-Meeting der Diamond League startet die Freiluft-Saison am 20. April auch endgültig für die internationale Elite. Es steht ein Sommer bevor, der mit den Europameisterschaften in Rom und den Olympischen Spielen in Paris zwei ganz große Highlights in petto hat. Beide Titelkämpfe werden unzählige Fans anlocken — sei es vor Ort im Stadion oder daheim vor den Fernsehbildschirmen. Es ist ein Phänomen, das fast Gesetz ist: Sportgroßereignisse begeistern die Menschen. Doch sind die Events erst einmal wieder vorbei, schwindet zumeist auch das Interesse der breiten Bevölkerung wieder. In der Leichtathletik stellt sich seit Langem die Frage, wie sich die Sportart attraktiver gestalten lässt, um speziell auch jüngere Zielgruppen zu erreichen. Mit der Idee einer Regeländerung im Weitsprung hat der Weltverband World Athletics dem Thema vor Kurzem neue Brisanz verschafft. Von einem „Wettlauf gegen die Zeit“ sprach WA-Chef Sebastian Coe hingegen schon im vergangen Jahr. Und ein solches Rennen kann sehr wohl auch abseits der Laufbahn ausgemacht werden. Wobei weniger der Umbau bestehender Disziplinen der Weg zu höherer Attraktivität zu sein scheint, als vielmehr sich die Frage gestellt werden sollte, wie Athleten und Wettkämpfe zugänglicher gemacht werden können. Die junge Generation wird etwa über die Sozialen Medien erreicht, denn auch der Sportkonsum hat sich verändert. Es ist nun mal so: Wenn eine Sportart nahbar ist, können auch Menschen dafür begeistert werden. Und auf lange Sicht geht es nicht nur hierzulande darum, wieder vermehrt junge Leute für die Leichtathletik zu begeistern. Als Fans und vor allem auch als Athleten. Ein zeitgemäßer Sport und (finanzielle) Lukrativitat kann so langfristig auch dazu beitragen, den Erfolg zurück zu bringen. Veränderung ist nicht immer leicht, und kann doch viel bewirken.

 

Alexander Dierke

 

WM 2023 Budapest, World Athletics, Leichtathletik, athletics, Track and Field, World athletics Championships 2023 Budape

Im Scheinwerferlicht

Köln, 2. April

Liebe Leserinnen und Leser,
mit den Cross-Weltmeisterschaften in Belgrad und den Texas Relays in Austin ist die Freiluft-Saison langsam aber sicher angerollt. Während in Serbien die beiden Vorjahressieger, Jacob Kiplimo aus Uganda und die Kenianerin Beatrice Chebt, zum zweiten Mal in Serie triumphierten, überragte in den USA einmal mehr Leo Neugebauer. Das deutsche Zehnkampf-Ass ließ nur wenige Wochen nach seinem deutschen Hallen-Rekord, den zweitbesten Outdoor-Wettkampf seiner Karriere folgen: 8.708 Punkte. „Leo the German“ rockt die Leichtathletik-Welt – und ist einer der großen Favoriten für den Sommer. Der Sportler des VfB Stuttgart ist im weltweiten Vergleich bei weitem nicht der einzige Athlet, der eine solche Titulierung innehat, doch national gesehen ist er schon fast so etwas wie ein Unikat. Denn wohl keiner aus der DLV-Riege dürfte bei den Olympischen Spielen in Paris bessere Chancen besitzen als der 23-jährige Schwabe. Nicht einmal eine Malaika Mihambo.
Doch dieses Jahr verspricht, nun wo die Türen für den Sommer öffnen, noch wesentlich mehr Stars. Wesentlich mehr Spektakel und Hochkarätiges. Im internationalen Feld sind es Namen wie Armand Duplantis, Femke Bol, Yulimar Rojas und Noah Lyles, welche wie keinen Zweiten das Scheinwerferlicht auf sich ziehen. Sie alle können für sich persönlich in diesem Jahr historisches schaffen. Sei es mit einem möglichen ersten Olympiasieg oder gar – ja, unrealistisch – olympischen Vierfach-Triumph. Was in den kommenden Monaten drin ist, und wie die Weltbesten aktuell drauf sind, lesen Sie in unserem Top-Thema. Zudem wirft Leichtathletik auch den Blick auf junge Hoffnungsträger, die in diesem Jahr endgültig durchstarten könnten. Einer davon ist Molly Caudery. Die britische Stabhochspringerin kürte sich zuletzt zur Hallen-Weltmeisterin und ist nun auch für Rom und Paris eine der großen Favoritinnen auf Edelmetall.

 

Alexander Dierke

 

Tokyo 2021, Olympische Sommerspiele, Olympics, Oylmpic Summer Games, 23.07-08.08.2021, Olympiastadion Tokyo, 4x100m Staf

Meinungskonfrontation

Köln, 19. März

Liebe Leserinnen und Leser,
nicht nur in der Leichtathletik ist das deutsche Leistungspotenzial verglichen mit der Weltelite seit Jahren rückläufig. Auch in anderen Sportarten geht die Erfolgskurve nationaler Athleten seit längerem zurück. Besonders davon betroffen ist das Abschneiden der in Schwarz-Rot-Gold gekleideten Sportler bei Olympischen Spielen. Holte man einst 1992 nach der Wiedervereinigung noch 82 Medaillen, konnte Deutschland 2021 bei den Spielen in Tokio lediglich noch 37 Mal über Edelmetall jubeln. Ein zentraler Punkt, mit dem das sinkende Leistungsvermögen begründet wird, ist die unzureichende Sportförderung hierzulande. Entsprechend groß waren die Erwartungen an den ersten Entwurf des geplanten neuen Sportfördergesetzes. Mit diesem soll die seit Jahren anvisierte Spitzensportreform endlich vorangetrieben werden. Eine unabhängige Sportagentur soll künftig über die Verteilung der Fördermittel – für den Spitzensport werden vorerst weiterhin knapp 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – entscheiden. So zumindest die Idee. Denn der Anfang März vorgelegte Entwurf des Bundesinnenministeriums stößt im organisierten Sport auf reichlich Kritik. Weil, anders als wohl zwischen Bund und DOSB ursprünglich vorgesehen, dem Sport kein alleiniges Entscheidungsrecht über die Mittelverteilung zugestanden wird. Inzwischen haben nach den Landessportverbänden und den Spitzensportverbänden auch die Trainer scharfe Kritik an dem Entwurf geäußert. Der Votwurf: Die seit langem geforderte Verbesserung der Trainersituation werde in dem Entwurf ignoriert. Was also lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt festhalten? Die beteiligten Parteien haben unterschiedliche – begründete – Auffassungen über zentrale Inhalte des Gesetzes. Doch ein Entgegenkommen ist zunächst nicht in Sicht. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn es Bund und Sport abermals nicht schaffen, die Spitzensportreform voranzutreiben.

 

Alexander Dierke

 

World Athletics Indoor Championships; Glasgow, 01.03.2024 OGUNLEYE, Yemisi (GER) kann ihre Silbermedaille im Kugelstosse

Hoffnungen geweckt

Köln, 6. März

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Tage lang haben die Athletinnen und Athleten bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Glasgow alles gegeben und sich selbst und den Fans ein würdiges Ende dieser Indoor-Saison geboten. Für den DLV, der nur mit einem siebenköpfigen Team nach Schottland reiste, ist insgesamt ein positives Fazit zu ziehen. Endlich mal wieder. Eine Silbermedaille und drei vierte Plätze sind auch deshalb ordentlich, weil vor allem die Kandidaten, die für diese Resultate verantwortlich waren, Hoffnungen für die Zukunft wecken. Allen voran: Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye. Die Newcomerin steigerte sich abermals deutlich gegenüber ihrer bisherigen Saisonbestleistung aus Nordhausen und ist in Glasgow in den Kreis der 20-Meter-Stoßerinnen emporgestiegen. Eine Entwicklung, die begeistert und der ein tiefer Glaube an sich selbst zugrunde liegt. Ogunleye wurde in ihrer bisherigen Karriere schon vor so manche Herausforderung gestellt, doch aufgegeben hat die 25-Jährige nie. Weil sie stets die notwendige Zuversicht verspürt hat. Und diese nun endgültig in Zählbares umgemünzt hat: Ihre 20,19 Meter sind das erste deutsche Ergebnis mit einer 20 vor dem Komma seit 2018. Die Weite ist ein Inbegriff von absoluter Weltklasse – das wird auch deutlich, wenn man sieht, dass eine Weltmeisterin wie Chase Jackson mit relativ großem Abstand hinter der DLV-Athletin landet. Ogunleye ist eine Hoffnungsträgerin für die Zukunft. Das ist eine gute Nachricht, wie auch, dass die Weitspringer Mikaelle Assani und Simon Batz sowie Christina Honsel in Glasgow ebenfalls gute Leistungen abliefern.
Dennoch sind es nur Hallen-Weltmeisterschaften gewesen, die Priorisierung liegt seit jeher stets auf der EM und Olympia. Die wahren Herausforderungen kommen im Sommer – in gewisser Weise für eine Yemisi Ogunleye, aber besonders für die deutsche Leichtathletik als solche.

 

Alexander Dierke

 

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Leipzig, 18.02.2024 Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) auf dem Sprung zum Deut

Noch immer einzigartig!

Köln, 20. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
das erste nationale Highlight der Saison bot reichlich Gesprächsstoff. Die Hallen-DM in Leipzig konnte durchaus als eine Art Reifeprüfung für die Athleten und die deutsche Leichtathletik angesehen werden, war es schließlich im Kollektiv der erste Wettkampf seit den Weltmeisterschaften in Budapest. Na ja, zumindest fast, denn längst nicht alle deutschen Stars waren in der sächsischen Metropole dabei. Der Fokus gilt schließlich dem Sommer, das machte auch DLV-Sportdirektor Dr. Jörg Bügner deutlich: Olympia ist das, was zählt. Es war zudem auch durchaus interessant zu sehen, wie die Fans die Leichtathletik annehmen würden. Die Hütte, oder besser gesagt die Arena in Leipzig war ausverkauft, die Menschen sind dort auch weiterhin verrückt nach ihrer Sportart. Im TV blickte man bis auf wenige Highlights am Sonntag hingegen in die Röhre. Sicher, das liegt auch am dominanten Wintersport, aber etwa im vergangen Jahr ließ sich eine Übertragung der Titelkämpfe unter dem Hallendach auch noch umsetzen. Bei dieser Hallen-DM blieb so nur ein verbandseigener Stream. Nicht die beste Werbung für die gebeutelte Sportart. Dabei hat die Reifeprüfung durchaus einige Erkenntnisse geliefert. Beispielsweise, dass etwa im Stabhochsprung gerade nur viel Mittelmaß zu sehen ist. Oder über so manche Laufdistanzen ebenfalls nicht das ganz große Niveau erreicht wird. Aber auch, dass es weiterhin Rekorde, Comebacks und Youngster-Coups zu bestaunen gibt. Und es sind die Geschichten von Marius Probst, Jean Paul Bredau, Malaika Mihambo, Gesa Krause, Rosina Schneider, Johanna Martin und Co., welche diesen Sport so einzigartig machen. Und einem dann doch ein gutes Gefühl geben. Wenngleich, aber das ist ja ohnehin klar, der deutschen Leichtathletik noch viel Arbeit bevorsteht.

 

Alexander Dierke

 

World Athletics Championships Oregon22 - Day Six

Schwierig zu beurteilen

Köln, 6. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Fall Sara Benfares hat Ende Januar in der deutschen Leichtathletik- und Sportwelt für großes Aufsehen gesorgt. Das Bekanntwerden eines positiven Dopingtests bei der DLV-Langstrecklerin, welcher die beiden verbotenen Substanzen Epo und Testosteron aufwies, hat sich sechs Monate vor Beginn der Olympischen Spiele zunächst wie ein dunkler Schatten über die Sportart gelegt. Besonders, weil es in der Leichtathletik der erste deutsche Doping-Verdachtsfall seit geraumer Zeit ist. Für den DLV, der darauf bedacht ist, Anti-Doping-Maßnahmen großzuschreiben, wäre die Bestätigung des Verdachts zunächst einmal eine durchaus bitter zu schluckende Pille. Wenngleich ein Einzelfall nicht direkt einem Skandal gleichzusetzen ist. So zumindest sah die Lage anfangs aus.
Denn in den letzten Tagen hat der Fall eine andere Wendung genommen. Benfares’ Vater äußerte gegenüber dem französischen Leichtathletik-Portal „SPE15“, seine Tochter sei im vergangenen Spätsommer an Knochenkrebs erkrankt, die beiden Substanzen habe Sara im Zuge dessen aus medizinischen Gründen zu sich genommen. Eine Nachricht, die durchaus bestürzt macht, aber auch mit Fragen verbunden ist. Etwa weshalb die Nationale Anti-Doping- Agentur, kurz NADA, nicht vorab über die Erkrankung informiert wurde – ist dies auch in solchen Fällen Pflicht. Das Argument der Dringlichkeit einer Behandlung ist in meinen Augen aus menschlicher Sicht aber nachvollziehbar. Denn: Sollte sich die Krebserkrankung bestätigen, geht es um wichtigere Dinge als den Sport oder mögliche Verbote. Aber auch der Wahrheitsgehalt der Äußerungen über die gesundheitliche Situation Benfares ist noch unklar – und birgt manche Zweifel. Aufgrund der unklaren Lage sollte man sich als neutraler Außenstehender demnach auch kein vorschnelles Urteil bilden, sondern die Entwicklungen abwarten.

Alexander Dierke