Author : redaktion

Freier Wille

Freier Wille

Köln, 8. November 2016

Die Motivation ist weg – Zeit aufzuhören. Das findet der ehemalige 400-Meter-Spezialist Kamghe Gaba und hat am Freitag via Facebook das Ende seiner Karriere verkündet. Seine Begründung („Ich habe einfach keinen Spaß mehr an dem Ganzen!“) lässt zwar Raum für Interpretationen, die Entscheidung scheint der dreimalige Deutsche 400-Meter-Meister jedoch aus freien Stücken getroffen zu haben. So soll es sein.

Auch Matthias Bühler würde über das Ende seiner Karriere gerne frei bestimmen – und es noch etwas nach hinten verschieben. Doch der sechsfache Deutsche Meister über 110 Meter Hürden findet keinen Verein, der sein Leben als Leistungssportler im kommenden Jahr finanzieren will – oder kann. Auf Facebook hat der 30-Jährige auf seine Situation aufmerksam gemacht. Etwas Zählbares ist dabei noch nicht herausgekommen. Bleibt das bis zum Ende der Wechselfrist am 30. November so, ist Schluss. Auch gegen seinen Willen.

Ähnliches droht Philipp Pflieger. Im Exklusiv-Interview erklärt der Marathonläufer, dass ein Jahr wie 2016 aus wirtschaftlicher Sicht für ihn nicht noch einmal in Frage kommt. Es muss sich was tun an seinen Sponsorenverträgen, ansonsten heißt es auch für ihn: Leistungssport adé!

Beide Athleten gehören in ihren Disziplinen zum Besten, was Deutschland zu bieten hat. Dass sie mit der Leichtathletik aller Wahrscheinlichkeit nach nicht reich werden würden, wussten sie sicher schon seit langem. Dass erfolgreiche Leichtathleten mit dem Sport so wenig verdienen und ans Aufhören denken müssen, ist aber mehr als bedenklich, meint

Daniel Becker

Daniel_Becker_DJV

Farce

Farce

Köln, 31. Oktober 2016

Die Zahlen sind ernüchternd, das Ergebnis deprimierend: Die WADA veröffentlichte vor ein paar Tagen einen abschließenden Bericht der unabhängigen Expertenkommission IO über die Olympischen Spiele in Rio, der dem IOC ein schlechtes Zeugnis im Zusammenhang mit Dopingkontrollen ausstellt.

Das Ergebnis ist absolut konträr zu den Äußerungen des Olympischen Komitees, an dessen Spitze der Deutsche Thomas Bach steht. Die Dopingtestes in Rio seien erfolgreich gemanagt worden, hieß es kurz nach den Spielen in Rio. Nun, die Auswertung des IO ergab „schwerwiegende logistische Mängel“.

Nur rund 50 Prozent der anvisierten Tests konnten demnach durchgeführt werden, zudem ist von einer mangelnden Ausbildung des durchführenden Personals die Rede. Nur insgesamt 28 Prozent der Athleten wurden getestet – teilweise, und das ist schlichtweg skandalös, weil die Akteure nicht auffindbar waren. Noch mehr Zahlenspiele gefällig? Gänzlich ohne einen einzigen Dopingtest im olympischen Jahr abgegeben zu haben, reisten 4.125 Athleten an die Copacabana, von denen sich 1.913 in den als Risiko eingestuften Disziplinen maßen.

Wie kann so etwas passieren? Da werden unglaubliche Summen für weltweite Dopingtests und Kontrollen ausgegeben, und dann reisen Tausende Athleten ungeprüft an und werden auch vor Ort nicht getestet?! Man kommt sich schlichtweg veräppelt vor.

Sollten die Offiziellen jedoch glauben, die Öffentlichkeit ließe sich noch lange an der Nase herumführen, wird dieser Schuss irgendwann nach hinten losgehen. Die Glaubwürdigkeit des IOC bleibt jedenfalls beschädigt, meint

Ralf Kerkeling

RFW_8046

Positive Abwechslung

Positive Abwechslung

Köln, 25 Oktober 2016

Zwei Meldungen haben aus sportpolitischer Sicht in den vergangenen Tagen für positive Abwechslung gesorgt.

Zum einen wurde am Mittwoch letzter Woche der Journalist Hajo Seppelt in Hamburg mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird an Fernsehjournalisten verliehen, die in ihrer Arbeit Herausragendes geleistet haben. Das hat Seppelt in der Tat. Zeichen dafür zu setzen, dass Journalisten frei berichten dürfen und Belohnungen dafür, dass sie sich gegen viele Widerstände durchgesetzt haben, kann es nicht genug geben.

Maßgeblich unterstützt wurde Seppelt in seiner Arbeit von der russischen Leichtathletin Julia Stepanowa und ihrem Ehemann Witali Stepanow, einem früheren Angestellten der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA. Diese hatten Beweise für systematisches Doping in ihrer Heimat geliefert, leben seitdem wegen anhaltender Drohungen aber an einem geheimen Ort in den USA.

Eine Woche nach der Preisverleihung an Hajo Seppelt gab es nun aber auch in dieser Hinsicht endlich Erfreuliches zu vermelden. Am Montag hat das IOC bekannt gegeben, das russische Ehepaar finanziell zu unterstützen.

Es sind zwei Meldungen über voneinander völlig unabhängige Entscheidungen. Dennoch gehören sie zusammen – und erscheinen endlich in einem positiven Kontext, meint

Daniel Becker

Daniel_Becker_DJV

Frodeno ist ein Muss!

Frodeno ist ein Muss!

Köln, 18. Oktober 2016

Jan Frodeno hat es also getan. Zum zweiten Mal in Folge gewann der gebürtige Kölner den Ironman auf Hawaii, das wichtigste Event im Triathlon-Kalender. Dass dem 35-Jährigen damit Ovationen sicher sind, ist klar. Kaum ein deutscher Sportstar ließ es sich nehmen, „Frodo“ über die sozialen Netzwerke zu gratulieren. Alles schön und gut. Aber: Was hat Radfahren (auch wenn es stolze 180,2 Kilometer sind) und Schwimmen (bei allem Respekt vor 3,86 Kilometern im Wasser) hier verloren? Gehört ein Triathlon-Thema in die Leichtathletik?

Ich finde: Unbedingt! Denn konzentrieren wir Jan Frodenos Leistung einfach mal auf die reine Leichtathletik-Schiene, dann muss man staunen. Auf Hawaii lief er den abschließenden Marathon in 2:45:34 Stunden, seine Bestzeit von Roth 2016 liegt sogar bei 2:39:18! Und jetzt wird’s wirklich spannend. Denn mit dieser Zeit liegt Frodeno nur gut elf Minuten hinter einem Eintrag in die deutsche Jahresbestenliste. Mit dem feinen Unterschied, dass unsere Marathonelite vor ihren Rennen keine fünfeinhalb Stunden im Pazifik und auf dem Fahrrad verbracht hat. Ich mache mir jetzt nicht die Mühe auszurechnen, was für den Ausnahmeathleten auf der reinen Marathonstrecke möglich wäre. Das wäre nicht mal seriös. Aber dass Jan Frodeno, Deutschlands Sportler des Jahres und bester Triathlet der Welt, ganz nebenbei auch ein überragender Leichtathlet ist, steht außer Frage. Und für solche muss immer Platz im Heft sein, findet

Andreas Spohr

Andreas_Edi

Schlechtes Zeichen

Schlechtes Zeichen

Köln, 12. Oktober 2016

Helmut Digel hat während seiner langen Karriere als Sportfunktionär und Wissenschaftler viele kluge Dinge gesagt.

Offen und ehrlich sprach er über den Kampf gegen das Doping („Verlorener Kampf“) sowie über Werte im Sport im Allgemeinen und bei Olympischen Spielen im Speziellen („Sotschi ist für mich ein Mahnmal“). Er galt als unbequemer, als ehrlicher Verfechter für sauberen Sport. Doch seit einigen Tagen beginnt sich ein Schatten auf die Karriere, die Arbeit und das sportpolitische Lebenswerk von Helmut Digel zu legen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat in ihrer vorletzten Wochenendausgabe einige pikante Informationen veröffentlicht. Während der IAAF-Präsidentschaft von Lamine Diack soll der gebürtige Aalener in seiner Rolle als ehrenamtlicher Marketing-Betreuer und IAAF-Vizepräsident ein regelmäßiges Salär kassiert haben – in Höhe von rund 3.000 Dollar pro Monat. Eine Rechtsgrundlage für diese Zahlungen scheint es nicht zu geben. In diesem Zuge stellt die Zeitung in Frage, dass Digel von mittlerweile nachgewiesenen krummen Geschäften Diacks (verhaftet und unter Hausarrest) und dessen Sohn (von Interpol gejagt) – wie Digel immer vorgegeben hat – nichts gewusst haben will. Es ist mal wieder eine Nachricht zum Kopfschütteln.

Der langjährige DLV-Präsident schwieg bislang zu den Anschuldigungen. Helmut Digel hat in seiner Karriere viele kluge Dinge gesagt. Ein schlechteres Zeichen, als jetzt zu schweigen, kann es nicht geben, meint

Daniel Becker

Daniel_Becker_DJV

Superhelden-Weltrekord

Superhelden-Weltrekord

Köln, 04. Oktober 2016

Beim Cardiff Halbmarathon in Wales am 02.10.16 machte Mike Kallenberg mit einer ganz besonderen Performance auf der Laufstrecke auf sich aufmerksam:

Verkleidet als „Robin“ ließ er nicht nur einige Eliteläufer hinter sich, sondern knackte auch gleichzeitig den Weltrekord als schnellster Läufer in einem Superheldenkostüm. Das ganze in einer Zeit von 63:34 Minuten!

Wir ziehen den Hut vor dieser Leistung! Seht selbst

Philin Hoga

LA Pr

Startschuss geglückt!

Startschuss geglückt!

Köln, 27. September 2017

Drehen wir die Uhr noch einmal ein wenig zurück. Etwas mehr als einen Monat ist es nun schon her, dass der Kenianer Eliud Kipchoge den olympischen Marathon in Rio de Janeiro für sich entscheiden und sein erstes Olympiagold gewinnen konnte. Der absolute Top- Favorit, der schon bei seinen fünf Marathonstarts zuvor immer als Erster ins Ziel gelaufen war, siegte in Rio in einem Rennen, in dem mit Julian Flügel und Philipp Pfllieger auch zwei deutsche Marathon-Hoffnungen am Start waren und sich so ihren Traum von einer Olympiateilnahme erfüllen konnten.

Logisch, dass im Olympiajahr die Uhren anders ticken, dass sich alles auf das nur alle vier Jahre stattfindende Top-Event konzentriert. Aufgrund der hohen Belastung haben die Marathonläufer gar keine Chance, im Herbst noch einmal ernsthaft ins Geschehen einzugreifen. So werden wir bei den nun anstehenden Höhepunkten auf die deutschen Straßenlaufstars verzichten müssen. Julian Flügel, Philipp Pflieger, Anja Scherl und die Hahner-Zwillinge Anna und Lisa werden nicht mehr an den Start gehen, Hendrik Pfeiffer ist noch verletzt, und auch Arne Gabius, der zwar auf der Startliste beim New-York-Marathon steht, wird kaum in Top-Form zu sehen sein. Dennoch: Der Marathon-Herbst kann trotzdem richtig gut werden.

Mit Wilson Kipsang und Kenenisa Bekele haben am Wochenende zwei Weltklasseläufer, die nicht in Rio dabei waren, für den perfekten Startschuss in mit vielen Höhepunkten gespickten Wochen gesorgt – auch ohne Weltrekord.
Der Marathon-Herbst ist immer etwas Besonderes. Dass er trotz der Olympischen Spiele auch in diesem Jahr nicht weniger attraktiv ist, hat der Start in Berlin bewiesen, meint

Daniel Becker

Daniel_Becker_DJV

Chapeau, Herr Bayer

Chapeau, Herr Bayer

Köln, 23. September 2016

Sebastian Bayer hatte einen großen Traum. Der einstige Weltklasse-Weitspringer wollte ein drittes Mal in seiner Karriere bei Olympischen Spielen teilnehmen. Doch seine Hoffnungen auf eine Qualifikation zerplatzten Anfang Juli jäh, als er den erbitterten Kampf gegen seinen Körper ein weiteres Mal verlor. Ein Muskelfaserriss im Oberschenkel besiegelte das Olympia-Aus des 30-Jährigen. Er war allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Seit Anfang des Jahres laboriert Bayer bereits an einer Knieverletzung. Die erste Behandlung fand im Februar statt: ein unerheblicher Eingriff, um Olympia nicht zu gefährden.

Nun gehören die olympischen Spiele der Vergangenheit an. Sie gingen ohne Bayer über die Bühne. Der Athlet vom Hamburger SV unterzieht sich stattdessen in zwei Schritten einem umfassenden operativen Eingriff, um den Knorpelschaden im Knie zu beheben. Der erste Teil der Operation ist bereits erfolgreich vonstatten gegangen. Und Bayer, im Juni Vater geworden, denkt schon wieder an sein Comeback. Mit der Heim-EM in Berlin möchte der Sensations-Halleneuropameister von 2009 (8,71 Meter) seine bewegte Sportlerlaufbahn beenden. Es wäre ein würdiger Abschluss. Aber woher nimmt der Wahl-Hamburger nur seine Kraft? Seinen unbändigen Kampfeswillen? Rückschläge über Rückschläge prägten die sportliche Karriere des gebürtigen Aacheners in den vergangenen Jahren.

Unfassbar, aber wahr: Bei den Europameisterschaften in Zürich 2014 bestritt Bayer seinen letzten Wettkampf! Er hat die Sandgrube seither nur noch im Training gesehen. 2015 zog er sich eine schwere Fußverletzung zu, die Geschichte in diesem Jahr ist bekannt. Und eines steht bereits jetzt schon fest: Auch in 2017 wird sich Bayer als Folge der OP nicht in Wettkämpfen messen können – das dritte Jahr in Folge. Die Leidenszeit soll 2018 bei der Heim-EM in Berlin beendet werden. Dann möchte Bayer einen Schlussstrich unter seine Karriere setzten. „Ich weiß, wie geil die Heim-WM war und wenn die Heim-EM nur halb so gut sein wird, wird das ein Riesenerfolg“, sagte der Weitspringer hoffnungsvoll. Respekt, Herr Bayer, für diesen bemerkenswerten Willen, für diese unglaubliche Kraft, für diesen unbändigen Ehrgeiz! Bleibt zu hoffen, dass der Kopf diesmal den Kampf gegen den Körper gewinnt. Es wäre Sebastian Bayer zu wünschen!

Tim Kullmann

DSC_9188x

Chancengleichheit

Chancengleichheit

Es läuft gut für die deutschen Athleten bei den Paralympics in Rio. Überzeugende Leistungen und spannende Wett- kämpfe rücken die behinderten Sportler zu Recht ins Licht der Öffentlichkeit. Dass dies nur alle vier Jahre im Nach- gang zu den Olympischen Spielen der Nichtbehinderten geschieht, darf man zumindest hinterfragen.

In einer Welt, die in großen Teilen aus Glitzer und Glamour besteht, gibt es im Alltäglichen wenig Platz für Menschen mit amputierten Beinen, fehlenden Ar- men und anderen körperlichen „Män- geln“. Behinderte Menschen stoßen in unserer Gesellschaft auf zu wenig Ak- zeptanz. Integration wird in Deutsch- land nicht gelebt, vielleicht auch weil sie nicht verstanden wird. Auf dem Weg zu mehr Integration ist es jedoch wichtig, allen Menschen die gleichen Chancen und Wertigkeiten zuzugestehen. Dazu gehört auch eine mediale Aufmerksam- keit, gerne auch nach den jetzigen Para- lympics.

Erfrischend sind diese Leistungssport- ler, sowohl in ihren jeweiligen Diszipli- nen als auch in den Interviews nach den Wettkämpfen. Da wird offen und klar geantwortet, in einer Art und Weise, wie man sie im Leistungssport gar nicht mehr gewohnt ist. Und der Sport selbst kann auch begeistern. Wer den Wett- kampf von Niko Kappel live verfolgt hat, wird dies sicherlich bestätigen. Zuspruch bekommen die paralympischen Athleten auch von den Zuschauern in Rio. Die Stimmung ist gut, die Stadien sind gut gefüllt, das hätte man so nicht unbedingt erwarten können, meint

Ralf Kerkeling

a003_ALK2016_Edi

Vorbild Berlin

Vorbild Berlin

„Wenn das so weitergeht, wie lange haben wir dann überhaupt noch Meetings wie Berlin?“. Diese Frage warf Bernard Lagat im Anschluss an den letzten Auftritt seiner Karriere auf der Laufbahn beim Berliner ISTAF in den Raum. Eine eindringliche Frage, zurecht gestellt, die nachdenklich macht. Der „alte“ Haudegen Lagat, mittlerweile 41 Jahre, hat so manches in seiner ausgedehnten Laufbahn erlebt und wirft im Moment seines Abgangs mit ein wenig Wehmut einen Blick zurück. „Als ich 1999 nach Deutschland gekommen bin, gab es so viele Rennen, die mittlerweile verschwunden sind“, monierte der US-Amerikaner. Sorgenfalten lagen im Gesicht des Doppelweltmeisters von 2007, der auch nach Beendigung des aktiven Karriere seiner Herzenssportart als Trainer erhalten bleiben möchte. Lagats Lösungsvorschlag: „Wir müssen den Sport wieder besser zu unseren Fans bringen, um wieder Interesse zu gewinnen.“

Dessen sind sich auch die Verantwortlichen der Leichtathletik offensichtlich bewusst. In den letzten Jahren erhielten immer mehr Formate Einzug, die die Sportart aus dem Stadion heraus in die Mitte der Bevölkerung bringen. Eine kleine Revolution ist bereits im Gange. Man erinnere sich an das Marktplatzspringen im Rahmen der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg vor einem Jahr oder die Wurfwettbewerbe am Museumsplein in Amsterdam während der EM. Ganz aktuell basteln fast schon etablierte Meetings wie das NetAachen Domspringen (am 7. September zum 12. Mal ausgetragen) oder „Berlin fliegt!“ (am 11. September zum 6. Mal ausgetragen) weiter in ihrer eigenen Erfolgsgeschichte.

Gerade Berlin schafft es in besonderem Maße, das Traditionelle und das Moderne unter einen Hut zu bekommen. So gingen in der Landeshauptstadt innerhalb von acht Tagen zwei Meetings über die Bühne, die jeweils auf ihre Weise dazu beitragen, den Charme der Leichtathletik zu bewahren und zugleich neue Wege zu bestreiten. Auf der einen Seite das alteingesessene ISTAF, das bei seiner 75. Auflage zum wiederholten Male zum besucherstärksten Meeting der Welt avancierte (44.500 Zuschauer). Auf der anderen Seite gut eine Woche später „Berlin fliegt!“, das dem neugierigen Publikum vor zauberhafter Kulisse am Brandenburger Tor die Disziplinen Stabhochsprung, Weitsprung und Sprint näher brachte. Der Sprintwettbewerb, frisch ins Programm aufgenommen, gestaltete sich nicht wie gewohnt Mann gegen Mann, sondern begeisterte mit einer innovativen Umsetzung.

Auf dem langen Sprint-Steg sollten die Athleten möglichst nach etwas 40 Metern ihre Höchstgeschwindigkeit erreichen, denn an dieser Stelle wurde das Tempo gemessen. In mehreren Durchgängen wurden die Punkte je nach Reihenfolge vom Schnellsten bis zum Langsamsten vergeben. „Das kann man wieder so machen“, resümierte Julian Reus, der für Deutschland an den Start gegangen war. Ebenso wie der deutsche Sprint-Star dürften auch die Berliner Zuschauer einem Wiedersehen bei „Berlin fliegt!“ im kommenden Jahr nicht abgeneigt sein. Das Format fruchtet, es besitzt Potential. Wenn den Funktionären und den Sportlern die schmale Gratwanderung zwischen der traditionellen Leichtathletik im Stadion und den innovativen Show-Events außerhalb gelingt, hat das Modell Zukunft und Bernard Lagat dürfte sich seiner nicht ganz ungerechtfertigte Sorgen entledigen.

Tim Kullman

DSC_9188x