Author : redaktion

„European Athletics“ hat gewählt: Femke Bol, Jakob Ingebrigtsen und Armand Duplantis (nicht im Bild) sind Europas Leichtathletin und Leichtathleten des Jahres 2022

Eine gute Wahl

Köln, 26. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
zwei Weltrekordler gemeinsam auf Platz eins – für diese einmalige Konstellation entschied sich die „European Athletics“ bei ihrer diesjährigen Wahl zu Europas Leichtathletinnen und Leichtathleten des Jahres 2022. So teilen sich der Schwede Armand Duplantis, das Maß aller Dinge im Stabhochsprung, und der norwegische Top-Läufer Jakob Ingebrigtsen, gefeierter WM- und EM-Held, dieses Mal die Ehre.

Das ist sicher nicht nach jedem Geschmack. Kritiker mögen es als Schwäche des europäischen Dachverbandes deuten, sich nicht entscheiden und keinen der beiden Ausnahme-Athleten vor den Kopf stoßen zu wollen. Unkonventionell ist es mit Sicherheit. Und doch gibt es einen alleinigen Sieger bei den Männern: Skandinaviens Leichtathletik.

Bei den Frauen ging die Auszeichnung der European Athletics Convention an Femke Bol. Eine gute Wahl, denn die Niederländerin gewann 2022 so viel EM-Gold wie Duplantis und Ingebrigtsen zusammen. Auch bei den in Estlands Hauptstadt Tallinn ausgezeichneten Nachwuchssportlern – Elina Tzengko bei den Frauen und Mykolas Alenka bei den Männern – war die vergangene Europameisterschaft entscheidend. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung dieser beiden „Rising Stars“.

Bei so vielen Bestleistungen noch ein Wort in eigener Sache. Nachdem uns zahlreiche Zuschriften zur „Ewigen deutschen Bestenliste“ (Leichtathletik Nr. 41/22) erreicht haben, veröffentlichen wir in dieser Ausgabe eine korrigierte Fassung. Vielen Dank an dieser Stelle für Ihr waches Auge und Ihre Aufmerksamkeit, liebe Leser! Solche Listen sind erfahrungsgemäß leider nie ganz fehlerfrei. Aber wir bemühen uns stets, Ihnen eine bestmögliche Version zu präsentieren

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

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Dunkle Schatten

Köln, 18. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der dunkle Schatten liegt schon lange über Kenias Laufszene. Nun wurde mit Diana Kipyokei, Siegerin des Boston-Marathons 2021 (Foto), die nächste Läuferin aus Kenia wegen Dopings vom Leichathletik-Weltverband gesperrt. Kipyokei droht eine Sperre von mindestens vier Jahren sowie die Aberkennung ihres Vorjahres-Triumphes. Mittlerweile ist die Liste der Dopingsünder aus dem Lauf-Mekka lang, umfasst allein in diesem Jahr 23 Fälle – und sie könnte bald noch länger werden, denn Untersuchungen gegen weitere kenianische Athleten sind eingeleitet.

Das Märchen ist allseits bekannt: Kenias Läufer atmen ständig Höhenluft, verfügen über ideale physische Voraussetzungen. Laufen ist Volkssport, trainiert wird auf staubigen Pisten. Deshalb sind alle so gut. Laufen Kenias Athleten dann auf Tartanbahnen, sind sie nicht mehr zu stoppen. Doch die Wirklichkeit sieht ein wenig anders aus. Häufig geraten die Läufer an Ärzte, die mitverdienen wollen. Dafür besorgen diese den vermeintlichen Wunder-Läufern verbotene Medikamente zur Leistungssteigerung. Stellen sich sportliche Erfolge ein, verlangen die Ärzte einen Anteil an Preis- und Sponsorengeldern.

Als Hochrisiko-Land wird Kenia seit Jahren besonders überwacht. Auch der nationale Verband beteuert immer wieder, den Dopingsumpf trocken legen zu wollen. Doch gelungen ist das bis heute nicht. Und weil das Jahr lange nicht zu Ende ist, müssen wir wohl damit rechnen, dass uns noch weitere Meldungen über Dopingvergehen kenianischer Läufer erreichen werden.

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

TOPSHOT-ATHLETICS-EUR-2022

Zahlenspiele

Köln, 11. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer hatte ja seine zwei Gesichter. Wie die Wetterlagen wechselte auch das Klima in der Leichtathletik-Stimmung zügig. Waren bei den Weltmeisterschaften in Eugene die Leistungen der deutschen Athleten insgesamt eher bescheiden – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel –, sodass man nicht recht wusste, ob es sich um mangelnden Wettbewerbswillen oder mangelnde Klasse handelte, wendete sich das Blatt nur wenige Wochen später: Das Auftreten der nationalen Leichtathletik-Elite bei den Europameisterschaften in München erzeugte positive bis euphorische Meldungen. Im kontinentalen Vergleich konnte viel Renommee zurückgewonnen werden. Bei unserem Power-Ranking auf Seite 4 bis 7 schrumpfen wir nun den Vergleich der Athleten noch einmal zusammen und bilden eine reine Gewichtung deutscher Sportler untereinander ab, weiten den Blick aber insofern, als dass wir interdisziplinär vorgehen. Wie das Ranking nach Zahlen funktioniert, wird dort erläutert. Und natürlich: „Harte“ Zahlen sprechen eine reine Leistungssprache, die hinterher in Summen gemeißelt scheint. Aber auch softe Ziffern fließen ein – bezüglich der Strahlkraft der Leichtathleten in ihrem Sport und über diesen hinaus. Insofern spiegelt sich in ihm ein wenig die gesellschaftliche Relevanz der Leichtathletik. Sie als Leserin und Leser mögen unseren Zahlen nun folgen oder diese bezweifeln. Eines sollten Sie sich aber nicht nehmen lassen: Ihr Vergnügen an der Bewertung.

Korrektur zur Ausgabe 40:
Eliud Kipchoge ist natürlich Kenianer, und auch bei den Weltrekorden haben sich Fehler eingeschlichen. Den Vergleich der aktuell weltbesten Athletinnen mit bestehenden Weltrekordhalterinnen finden Sie korrigiert auf Seite 3. Wir bitten um Entschuldigung.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Legende trifft Gegenwart

Köln, 4. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
Eliud Kipchoge schrieb in Berlin Geschichte, und dies erneut. Heißt, er überschrieb seine eigene Geschichte und trägt sich nicht nur erneut als Sieger über die 42,195 Kilometer auf der schnellen Strecke Berlins in die Bücher ein, sondern er lief – man ist geneigt, legendenhaft zu sagen – einen neuen Weltrekord, der seinen zuvor errannten Weltrekord nun regelrecht pulverisiert. Ist damit ein Ende der Rekordjagd von Kipchoge absehbar?

Sicher, die Zwei-Stunden-Marke rückt immer näher, und nach der Zahlenmagie wäre das ein großes, erhabenes Ziel, die Eins vor dem Komma zu sehen, zu Leb- zeiten, endlich … So lautet vielleicht die euphorisierte Hoffnung mancher Betrachter. Doch hegt Eliud Kipchoge selbst diesen Traum? Er selbst, danach gefragt, meinte, er denke nur Schritt für Schritt, Rennen für Rennen. Und um diese bestmöglich zu gestalten und zu absolvieren, gehe es nur jeweils um die kommende Marathonstrecke. Aber was heißt das?

Ist eine Zeit das Ziel? Vermutlich auch. Doch ein Lauf stellt Athleten ja vor ganz andere Herausforderungen. Die Leistung wird eingeteilt in Kräftevermögen und Zeitabschnitte, die Einteilung der eigenen Power wird wie in der Dramaturgie abschnittweise an ihr Limit gebracht. Und genau dies ist vielleicht ein Ausdruck dafür, worum es ihm geht. Der Äthiopier scheint eben weniger an das ganz große Ziel zu denken, sondern sich eher hin zu den Zeiten, Schritt für Schritt, zu entwickeln. Insofern könnte man dies als Aufgabe eines jeden betrachten: Es ist immer gut, nicht zu weit vorauszublicken und jede kommende Aufgabe als die wichtigste zu betrachten.

 

Jonas Giesenhagen

 

Definiert Leistung nicht zuletzt durch immer neue Rekorde: Alleine in 2022 verbesserte der Schwede Armand Duplantis zweimal den Weltrekord im Stabhochsprung auf nun 6,21m. (Foto: Getty Images)

Die Leistung zählt

Köln, 20. September

Liebe Leserinnen und Leser,
Weltrekorde sind Weltrekorde sind Weltrekorde. Könnte man meinen. Die Leichtathletik streckt bei ihren Spitzenevents stets die Fühler aus nach den absoluten, den eingravierten Höchstleistungen, die aus einem Athleten oder einer Athletin eine Art Statue machen. Wir wissen natürlich, im Sport, ob im Leistungssport oder im Breitensport, geht es – sollte es zumindest, Stichwort Mentalhygiene – um die eigenen Maßstäbe, die Athleten, die Sportler, die wir an unsere Leistung stellen. Mit unseren eigenen Grenzen, unseren eigenen Fähigkeiten und der Formverfassung im Kopf und im Körper.

Aber im Sport gibt es eben auch das Legendenhafte. Das Einzigartige, das sich, in purer Bemessung und auf den Punkt, eben auf die Strecke, Weite oder Höhe gebracht, in einem Moment möglicherweise für die Ewigkeit einbrennt. Weltrekordler sind oft Legenden der (auch jungen) Vergangenheit, wie die Speerwerferin Barbora Spotakova, die seit 14 Jahren nun Weltrekordlerin ist, aber erst kürzlich ihre Karriere beendete, und manchmal auch sehr lange in Stein gemeißelte Athleten, deren Weltrekorde bereits seit Jahrzehnten bestehen. Siehe Jürgen Schult, seit 36 Jahren nun bereits Diskuswurf-Weltrekordler. Einige aber jagen in ihren jungen Jahren bereits ihre eigenen Rekorde – Armand Duplantis erscheint wie für seine Disziplin geboren.

Dennoch, Rekorde sind nicht alles. Die Messung der persönlichen Leistung, die Lust am Wettkampf und die Treue zur Disziplin, auch wenn das persönliche Leistungsvermögen mit dem Alter nachlassen sollte, das alles ist Leichtathletik!

Jonas Giesenhagen

Weltklasse Zürich brachte nicht die Leichtathletik zu den Leuten, sondern umgekehrt: die Leichtathletik zu den Leuten. (Foto: Urs Jaudas)

Raus in die Stadt

Köln, 13. September

Liebe Leserinnen und Leser,
das war sie also. Die Freiluftsaison hat ihren letzten Höhepunkt erreicht. Die Diamanten sind im großen Finale vergeben. Bei einem Event, das ausgesprochen attraktiv mitten in der Zürcher Innenstadt an prominentester Stelle ausgetragen wurde, gab es für die Zuschauer Stars zum Anfassen und Events zum Tingeln. Wie auf einem Markt folgte quasi räumlich Wettbewerb auf Wettbewerb, eingefasst von einem Laufrund, das auch um die Zuschauer herumführte. Nicht nur die besten und für Leichathletik-Veranstaltungen fast schon kuriosesten Austragungsplätze, sondern auch jede Menge sportliche Highlights vor historischer Kulisse gab es für die Zuschauer zu bewundern. Vor dem Opernhaus schraubten sich die Höhenjäger gen Himmel und lieferten hoch konzentrierte Wettkämpfe im Diamond-League-Finale ab, während Energieexplosionen der Kugelstoßer weltrekordverdächtig weit die schwere Kugel fliegen ließen.

Weltklasse Zürich war ein Zuschauerereignis, das Spitzenleistungen bot und im Letzigrund-Stadion schließlich in Jahresweltbestleistungen auf der Bahn mündete. Das Abschneiden der vier deutschen Teilnehmer war dabei nicht der Rede wert, zu stark war die internationale Konkurrenz, zu sehr verfehlten sie ihre besten Leistungen, aber auch zu groß war die Sehnsucht nach Regeneration. Die Saison der deutschen Athletinnen und Athleten befindet sich nach der EM im Ausklang. Aber auch das war natürlich kurios, dass andere Athleten nach der fordernden Saison in Zürich ihre beste Leistung abriefen.

Den Spitzenathleten mögen nun erholsame Wochen gegönnt sein.

Jonas Giesenhagen

ISTAF 2022; Berlin, 04.09.2022 Noah Lyles (USA) gewinnt den 100m-Sprint der Maenner; ISTAF Berlin am 04.09.2022 im Olym

Der schönste Abschluss

Köln, 6. September

Liebe Leserinnen und Leser,
die erste halbwegs normale Sommersaison seit drei Jahren geht vorbei und endlich durfte die Leichtathletik mal wieder Feste feiern. Das größte hierzulande fand am vergangenen Wochenende in Berlin statt. WM, EM, ISTAF – eine angemessene ­Reihenfolge für das deutsche Prestige-Meeting, dessen Würdigung gar nicht groß genug sein kann. Natürlich haben wir in diesem Jahr in München die europäische Spitze hautnah im eigenen Land erleben dürfen.

Doch was wäre Deutschland ohne das ISTAF? Ja, wir haben tolle Meetings mit internationaler Beteiligung auch in Leverkusen, Pliezhausen, Weinheim und Co., aber nirgends sind das Star-Aufgebot und auch das Spektakel so enorm. Valarie Allman, Noah Lyles und Karsten Warholm würde man nie in Deutschland zu Gesicht bekommen, wenn sich das ISTAF nicht alljährlich auch um die ganz großen Namen bemühen würde. 37.000 Leichtathletik-Fans war das am Wochenende bewusst, und sie sorgten dafür, dass auch Lyles und Co. wieder in die Hauptstadt kommen werden.

Den Athletinnen und Athleten war natürlich sportlich anzumerken, dass sie bereits einen oder sogar zwei Saisonhöhepunkten in den Armen und Beinen hatten. Der Atmosphäre tat das keinen Abbruch. Und auch, wenn man sieht, welche Stimmung zwischen Sportlern und ISTAF-Offiziellen herrscht, erkennt man sofort: Die meinen es ernst. Der EM-Schwung kam in die Hauptstadt, doch die wichtigste Aufgabe steht erst noch bevor: ein nachhaltiges Konzept erarbeiten, um die Begeisterung für die Leichtathletik aufrechtzuerhalten. Aktuell sehe ich das nicht, und schon im Winter könnte die Heim-EM in Vergessenheit geraten sein.

Jonas Giesenhagen

Athletics - Day 6 - European Championships Munich 2022

Jetzt die Chance nutzen!

Köln, 23. August

Liebe Leserinnen und Leser,
wir haben ein elektrisierendes Fest der Leichtathletik in München erlebt. Viele, teils überraschende Medaillen waren die richtige Antwort auf das WM-Desaster. Zwar gab es weniger Edelmetall als noch 2018 in Berlin. Nach der Eugene-Vorgeschichte ist das aber völlig nebensächlich, denn eines der beiden wichtigsten Ziele hat die deutsche Leichtathletik schon erreicht: Medienpräsenz. Wie auch nach Berlin 2018 ist Gina Lückenkemper wieder das Gesicht der Leichtathletik. In den Köpfen sind Bilder des vollen Olympiastadions und Medaillen in rauschender Atmosphäre. Wie 2018 in Berlin.

Hoffentlich hat der Verband da­raus gelernt und stellt jetzt die Weichen, die damals nicht gestellt worden sind. Statt den Schwung von Berlin mitzunehmen, ist die deutsche Leichtathletik fast in der Bedeutungslosigkeit versunken. Man hätte viel mehr dafür tun können, Lückenkemper, Mihambo und Kaul zu ECHTEN Stars zu machen. Für uns als Liebhaber des Sports spielt das keine Rolle; es ist manchen unter uns sogar eher ein Dorn im Auge – schließlich muss der Sport immer im Vordergrund stehen. Für den Querschnitt der Gesellschaft ist das aber wichtig. Nach der WM gab es zwei wichtige Punkte: Leistung und mediale Präsenz. Dank München ist Letzteres gegeben und muss genutzt werden!
Allerdings muss auch die Leistung stimmen. Außer Mihambo hätte kein DLV-Athlet mit dem EM-Ergebnis eine WM-Medaille geholt. Ohnehin gab es in der bayerischen Landeshauptstadt nur eine einzige Weltjahresbestleistung (Wojciech Nowicki). Aber ich werde jetzt nicht den Stellenwert der EM hinterfragen, das ginge viel zu weit. Man darf auch mal genießen! War eine tolle EM!

Jonas Giesenhagen

European Championships Munich 2022; Marathon, 15.08.2022 Richard Ringer (GER), European Championships Munich 2022; Marat

Von Emotionen getragen

Köln, 16. August

Liebe Leserinnen und Leser,

das war er, der EM-Start nach Maß! Allem voran mit der überragenden Marathon-Goldmedaille von Richard Ringer, die er sich in einem unglaublichen Endspurt sicherte, als er an der Konkurrenz kurz vor der Ziellinie regelrecht vorbeiflog. Hinzu kommen Marathon-Team-Gold der Damen und -Team-Silber für die Herren-Marathonis. Und unmittelbar vor Redaktionsschluss holt auch Christopher Linke Silber über 35 Kilometer Gehen in neuer persönlicher Bestzeit. Viel besser kann der Start bei einem internationalen Großereignis nicht verlaufen.

Kein Wunder, dass man nun aus deutscher Sicht hofft, diese Euphorie in die weitere EM-Woche hineinzutragen. „Wenn wir so weiter durch die Woche gehen, ist es eine tolle Imagepflege“, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing gegenüber der dpa. Imagepflege – oder eher Aufpolierung des eingebüßten Images – hat die deutsche Leichtathletik allerdings auch bitter nötig. Nach der enttäuschenden WM vor wenigen Wochen in den USA mit Gold für Malaika Mihambo und Bronze durch die Sprintstaffel der Frauen baut man im DLV gegen die kontinentale Konkurrenz auf einen erfolgreichen EM-Verlauf. Man mag vor allem mit den Athleten mitfiebern, die wie wir Zuschauer den Heimvorteil eines ihrer Athleten im entfesselten Schlussspurt erlebten und nun auf ähnliche emotionale Effekte in ihren Wettkämpfen hoffen. Wir wünschen dem gesamten deutschen Team und uns Fans, dass dies geschehen mag. Dennoch ist der Stellenwert der deutschen Leichtathletik nicht allein an EM-Erfolgen messbar. Der WM-Verlauf wirft dafür zu tiefe Schatten.

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Im Münchner Olympiastadion finden vom 15. bis 21. August im Rahmen der European Championships Munich 2022 die Leichtathletik Europameisterschaften statt. (Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Es steht viel auf dem Spiel

Köln, 9. August

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich neulich mit Freunden und Bekannten über das deutsche Abschneiden bei der WM philosophieren wollte, musste ich mal wieder feststellen, welche geringe Bedeutung unser geliebter Sport in der breiten Masse besitzt. „Wenn Gina Lückenkemper einen Top-Start erwischt, kann sie doch mit der Elite mithalten“, sage ich. „Nie gehört, muss man die kennen?“, bekomme ich kollektiv aus der Gruppe zu hören. Aber Malaika Mihambo, unsere Olympiasiegerin? „Hm, der Name sagt mir zumindest was.“ Hätte ich selbige Leute nach ihren Lieblingsspielern der 2. Fußball-Bundesliga oder nach dem besten Tennisprofi mit einhändiger Rückhand gefragt, so hätte man mir die Antworten regelrecht um die Ohren geschossen. Das Interesse für die Leichtathletik ist bei den meisten leider begrenzt.

Die Heim-EM in München wird dazu führen, dass Menschen, denen die Namen Lückenkemper und Mihambo fremd sind, dennoch einschalten. Gute Leistungen der DLV-Asse reichen dann aber nicht aus. Es geht einzig um Medaillen und Erfolge. Wenn die deutsche Leichtathletik in München ein Bild wie bei der WM in Eugene abgibt, dann wird es düster um den Sport, der sich schon jetzt beim Normalbürger hinter König Fußball, Tennis, Handball, Basketball und mittlerweile wahrscheinlich auch Darts einreiht. Es ist schon ein wenig Sorge da, dass Länder wie die Schweiz, Polen, Italien und natürlich Großbritannien dafür sorgen, dass am Ende wieder nur wenig deutsches Edelmetall übrig bleibt. Für uns stehen individuelle Leistungen im Vordergrund. Für die meisten anderen, die sich die Heim-EM zumindest im TV anschauen, sind es Medaillen. Diese müssen geliefert werden, damit der Stellenwert des Sports nicht noch weiter sinkt.

[caption id="attachment_2891" align="alignleft" width="150"] Jonas Giesenhagen[/caption]