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Hallesche Werfertage in Halle Saale 26 05 2018 Leichtathletik Halplus Hallesche Werfertage am 26

Zeit ist alles

Köln, 20. Juni 2018

Rund zehn Jahre im Schnitt, manchmal deutlich mehr, manchmal deutlich weniger – die Zeit, in der Menschen Leistungssport betreiben, ist begrenzt. Da bleibt ohnehin kaum Raum, grundlegende Dinge zu ändern. Noch schwieriger wird es, wenn die Sorge um die finanzielle Grundversorgung dazukommt. Weil Bundeswehr und Polizei in ihren Sportfördergruppen eben jene finanzielle Grundversorgung garantieren und es den Athleten ermöglichen, sich (fast) ausschließlich um ihren Sport zu kümmern, sind die Plätze dort ziemlich begehrt. Wer einmal einen ergattert hat, will ihn so schnell nicht hergeben. Athleten in Sportfördergruppen wissen, dass sie Privilegierte sind. Kritische Äußerungen hört man selten bis nie. Vielleicht, weil es kaum Gründe für Beschwerden gibt, vielleicht, weil das Abhängigkeitsverhältnis sehr einseitig ist. Wahrscheinlich, weil beide Faktoren zusammenkommen. Doch Zeit ist manchmal auch in Sportfördergruppen rares Gut. Das zeigt die Situation von Kugelstoßer Dennis Lewke. Der Sportsoldat musste das Experiment Technikumstellung vom Angleiten zum Drehstoßen abbrechen. Zu groß war die Angst, benötigte Werte nicht zu erreichen und damit aus dem Kader und der Sportfördergruppe zu fliegen. Dann lieber wieder Angleiten. Genug, um zu überleben, zu wenig, um einen großen Schritt nach vorn machen zu können. Die Diskussion um die Kugelstoß-Technik der Zukunft zeigt auch eines der größten Probleme in der deutschen Sportförderung auf: die mangelnde Flexibilität, meint

Daniel Becker

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Eigenwerbung

Köln, 14. Juni 2018

Im öffentlichen Diskurs kommen die sozialen Medien meist ziemlich schlecht weg. Datenschutzskandale, die Themen Handy- und Internetsucht, Hass-Posts und „Fake News“ bestimmen die weltweit geführte Diskussion. Die Skepsis ist begründet. Doch es gibt auch Nischen, in denen Instagram, Facebook, Twitter & Co. ein hilfreiches Instrument sein können. Eine davon ist der Sport.

Die Chancen, die soziale Medien für Athleten bieten, die keine Fußballer sind, werden hierzulande allerdings noch unterschätzt. Denn: Es lässt sich Geld verdienen im großen, weiten Internet. Man muss hinterher sein, regelmäßig „posten“, ein paar brauch- bare Ideen haben und im besten Falle ein gutes Auge und etwas Ahnung von Bildbearbeitung. Dann kann es funktionieren, dass sich Sportler, die in Sachen Förderung von Bund und Verband durchs Raster fallen, ein zusätzliches Standbein schaffen. So wie zum Beispiel Maike Schachtschneider (Interview auf den Seiten 8/9). Auch Sportler, die schon einen hohen Bekanntheitsgrad haben, können von der direkten Interaktion mit „Followern“ profitieren, sich eine breitere Fanbasis aufbauen und dadurch zur Werbefigur werden. Früher hatten die wenigsten Sportler die Möglichkeit, als Werbe- träger aufzutreten und dadurch Geld zu verdienen. Heute liegt es in ihrer Hand. Und das ist durchaus ein positiver Aspekt der sozialen Medien, meint

Daniel Becker

27 05 2018 Moeslestadion Goetzis AUT 44 Hypo Meeting Goetzis Zehnkampf Herren im Bild Kai Ka

Money-Talk

Köln, 07. Juni 2018

Es heißt: Man redet in Deutschland nicht so gerne übers Geld. Vor allem, wenn viel davon da ist. Da mag man unken: Kein Wunder, dass sich immer mehr deutsche Spitzensportler doch zum Thema äußern. Dazu ein paar aktuelle Beispiele:

In der vergangenen Woche war die Athletenkommission des DOSB vorgeprescht und hatte eine direkte Beteiligung an den Gewinnen gefordert, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei Olympischen Spielen erwirtschaftet. „Die Athleten können und sollen partizipieren“, erklärten sie in einem offenen Brief an das IOC und dessen Präsidenten Thomas Bach.

Vor wenigen Tagen äußerte sich auch der deutsche Zehnkämpfer Kai Kazmirek ganz ähnlich. Er will vor allem, dass das Geld, das der DLV ansammelt, sinnvoll und transparent reinvestiert wird – und dabei auch für die Athleten etwas abfällt (mehr dazu auf Seite 3).

Auch in der kommenden Ausgabe von Leichtathletik, so viel sei vorweggenommen, wird es um das Thema Geld gehen, genauer gesagt um neue Wege und Möglichkeiten für Athleten, sich während ihrer sportlichen Laufbahn finanziell über Wasser zu halten.

Man spricht in Deutschland nicht gerne übers Geld, doch man sollte es in der Leichtathletik unbedingt weiterhin tun. Und zwar nicht trotz, sondern weil bei nationalen und internationalen Verbänden ja eigentlich genug davon vorhanden ist, meint

Daniel Becker

Diskuswerfer Robert Harting SCC Berlin Werfermeeting Schoenebecker SoleCup 2018 in Schoenebeck

Dramatik zum Saisonstart

Köln, 23. Mai 2018

In der Leichtathletik ist es ja meistens so, dass sich die richtige Spannung erst im Laufe der Saison entwickelt. Das wird auch in diesem Jahr wieder so sein. In allen Disziplinen? Nein, nicht in allen. Denn: Die Diskuswurf-Saison in Deutschland ist gerade einmal zwei Wettkämpfe alt und schon haben vier Athleten die DLV-Norm von 64 Metern überboten. Nur drei Startplätze stehen bei der EM in Berlin zur Verfügung. Bis jetzt in der Verlosung: Christoph Harting (67,59 m), Martin Wierig (66,98 m), David Wrobel (65,98 m) und Daniel Jasinski (65,09 m). Seit Monaten ist die Rede vom großen Abschied des Robert Harting im Rahmen der Heim-EM. Doch er ist bislang der einzige der Topwerfer, der noch nicht 64 Meter oder mehr geworfen hat. Seit diesem Wochenende ist klar, dass die Einladungen für die große Abschiedsparty erst mal noch nicht gedruckt werden sollten.

Es wäre aber auch keine Überraschung, wenn es Harting wieder so machen würde, wie im Jahr 2016, als er bei der DM in Kassel, ebenfalls von Verletzungen geplagt, auch unter Zugzwang stand. Im letzten Versuch verdrängte er damals dennoch dank mentaler Über-Leistung seinen Bruder von Platz eins und sicherte sich die Olympiateilnahme. Der deutsche Meister ist bei gleichzeitiger Normerfüllung auch in Berlin sicher dabei – ganz egal, wie weit die Konkurrenz vorher geworfen hat. Es spricht jetzt schon einiges dafür, dass die DM in Nürnberg für Ro- bert Harting der wichtigste Wettkampf des ganzen Jahres werden kann, meint

Daniel Becker

Hajo SEPPELT ARD Doping Experte ARD ZDF Olympia und Paralympics Pressekonferenz in Berlin De

Klares Zeichen

Köln, 15. Mai 2018

Mit dem Ausschluss der meisten russischen Athleten von den letzten (und wohl auch den kommenden) Großereignissen in der Leichtathletik hat sich der Weltverband IAAF nicht überall Freunde gemacht – erst recht nicht in Russland selbst. Jetzt zeigt allerdings erneut ein Beispiel, dass es richtig war und ist, in dieser Causa so lange standhaft zu bleiben, bis tiefgreifende Änderungen wirklich umgesetzt werden. Dem ARD-Journalisten Hajo Seppelt, verantwortlich unter anderem für die Sendung „Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik“, soll die Einreise zur im Juni beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft verweigert werden. Zwar haben sich sowohl Bundesregierung als auch das Auswärtige Amt schon geäußert und von Russland verlangt, Seppelt die Einreise doch zu ermöglichen. Doch ein Einlenken von russischer Seite ist nicht zu erwarten, solange keine Konsequenzen drohen.

Anfang des Monats hatte der Leichtathletik-Weltverband fünf russischen Gehern kurzfristig den Status als neutrale Athleten aberkannt und somit eine Teilnahme am Weltcup im chinesischen Taicang verhindert. Ob sie bei den Europameisterschaften in Berlin starten dürfen, ist noch fraglich. Es ist gut, dass der Weltverband nicht locker lässt. In der Causa Seppelt wäre aber eine Unterstützung seitens des IAAF und auch der nationalen Verbände wichtig und wünschenswert. Denn in dieser Hinsicht geht die WM in Russland alle an – nicht nur die Fußballer, meint

Daniel Becker

180504 DOHA May 4 2018 Javelin Thrower Thomas Rohler of Germany speaks during the press co

Livestream olé

Köln, 9. Mai 2018

Anfang März 2018 konnte man in Deutschland jede Session der Hallen-WM live vor dem Bildschirm verfolgen. Für die deutschen TV-Sender war das Ereignis allerdings nicht attraktiv genug, man musste sich bei Facebook einloggen und die Seite von ESPN UK besuchen, wo der einzige Livestream lief. Ein Trauerspiel, ja. Und dennoch könnte man aus deutscher Sicht seit dem vergangenen Freitag sagen: „Hach, was waren das noch für wunderbare Zeiten.“ Denn das Diamond-League- Meeting in Doha und der sensationelle Auftritt von Thomas Röhler, Johannes Vetter und Andreas Hofmann fand (mehr oder weniger) unter Ausschluss der deutschen TV-Öffentlichkeit statt. Nur beim Bezahlsender Eurosport 2 HD Xtra war das 90-Meter-Spektakel zu sehen und niemand, der nicht ohnehin die Leichtathletik liebt, wird da zufällig reingeschaltet haben (können).

Die Leichtathletik-Fans wissen längst, zu welchen Leistungen die Speerwerfer in der Lage sind – und keiner zweifelt daran, dass sich die drei sympathischen Modellathleten auch für eine breite Öffentlichkeit gut vermarkten ließen.

Immerhin haben einige Tageszeitungen und Online-Portale vom Geschehen in Doha erzählt. Und vielleicht hat sich ja beim Lesen irgendwo ein TV-Verantwortlicher beim Frühstück am Kaffee verschluckt, als auch ihm endlich klar wurde, welche Story er da erzählen kann. Wir sollten es hoffen. Denn wenn das Starpotenzial der deutschen Speerwerfer unerkannt bleibt, dann freuen wir uns bald auch über einen Livestream auf Facebook, meint

Daniel Becker

Athletics - Commonwealth Games Day 9

„Falscher“ gibt es nicht

Köln, 03. Mai 2018

Kann man sportliche Wettbewerbsgleichheit und ethisch korrektes Verhalten gegeneinander aufwiegen? Der Weltverband IAAF musste genau das im Fall hyperandrogener Athletinnen tun, und so wenig in dieser Diskussion klar zu sein scheint, zwei Dinge sind es doch. Erstens: Caster Semenya ist seit etwa einem Jahrzehnt aufgrund eines zu hohen Testosteronwertes, für den sie nichts kann, ein sportpolitischer Spielball. Zweitens: Die Konkurrentinnen der Südafrikanerin waren in der Zeit, in der diese keine Hormone zur Testosteronsenkung nehmen musste, völlig chancenlos.

Durch Einsetzen der „Testosteron-Regel“ der IAAF haben die hyperandrogenen Athletinnen nun also endgültig das Nachsehen. Will etwa Caster Semenya weiterhin über 800 Meter an den Start gehen, muss sie, wie schon vor 2015, erneut ihren Testosteronwert künstlich senken. Sie muss Mittel einnehmen, die unter Umständen nicht nur die Leistungsfähigkeit reduzieren, sondern – wie beispielsweise die Antibabypille – auch andere Auswirkungen auf den Körper haben. Wäre Semenya hingegen dauerhaft ein uneingeschränktes Startrecht zugesprochen worden, wären ihre Konkurrentinnen weiterhin chancenlos geblieben. Klingt nach: Die eine Lösung ist falsch, die andere ist „falscher“. Doch eine Steigerung von falsch gibt es nicht, und auch wenn bei jeder Entscheidung Verlierer mit guten Argumenten zurückbleiben, kann es nicht der richtige Weg sein, Sportler dazu zu zwingen, ihren Körper durch die Einnahme von Medikamenten zu verändern, meint

Daniel Becker

Bilder des Tages SPORT 16 04 2018 Leichtathletik PK zur Deutschen Meisterschaft in Nürnberg

Kollisionen vermeiden

Köln, 26. April 2018

Es ist schon ein paar Wochen her, da hat der deutsche Top-Handballverein Rhein- Neckar Löwen an einem Tag innerhalb von vier Stunden zwei wichtige Pflichtspiele bestreiten müssen – eines in der Champions League und eines in der Bundesliga. Der Grund für diese peinliche Terminierung war ein Streit zwischen dem deutschen und dem europäischen Handball-Dachverband, bei dem es um die Abstimmung nationaler und internationaler Spielpläne sowie um TV-Übertragungszeiten ging.

Von einem abgestimmten Terminplan ist man aber auch in der Leichtathletik weit entfernt. Das zeigt nun wieder ein aktuelles Beispiel. Aufgrund der erstmaligen Auslagerung des Kugelstoßens beim Diamond-League-Meeting in Monaco und der damit verbundenen Neu-Terminierung wäre dieser Wettkampf mit dem ebenfalls ausgelagerten DM-Kugelstoßen auf dem Nürnberger Hauptmarkt kollidiert. Den deutschen Disziplin-Stars David Storl und Christina Schwanitz wäre damit ein lukrativer und in der Vorbereitung auf die EM auch sportlich wichtiger Wettkampf durch die Lappen gegangen.

Anders als im Handball hat in diesem Fall der nationale Verband nachgegeben und seinen Termin verschoben. Eine richtige Entscheidung, aber eben auch eine, die zeigt, dass dem Thema Meeting-Terminierung und der Abstimmung nationaler so- wie internationaler Interessen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Die oben beschriebene Handball-Farce sollte Antrieb genug sein, meint

Daniel Becker

London Großbritannien 13 08 2017 Leichtathletik WM London 2017 Tag 10 20km Gehen Männer Chris

Leichtathletik-Schere

Köln, 19. April 2018

„Die Schere geht ziemlich weit auseinander.“ – Im gesellschaftspolitischen Diskurs ist das in Deutschland aktuell einer der am häufigsten zitierten Sätze, und auch in der Leichtathletik kann man ihn anwenden – gerade dann, wenn es um das Thema Geld geht. In der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ erklärte Pamela Dutkiewicz in der vergangenen Woche: „Die armen Leichtathleten? Das ist Quatsch.“ Sobald man ein gewisses Erfolgs-Level erreicht habe, so die Hürdensprinterin, könne man in der Leichtathletik durchaus gut von seinem Sport leben. Anders sieht es bei Geher Christopher Linke aus. Der ist zwar in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und kann aus diesem Grund dem Sport seine volle Aufmerksamkeit widmen. Linke ist außerdem auch vielfacher Deutscher Meister, erreichte bei Olympia und bei Weltmeisterschaften je einen hervorragenden fünften Rang. Trotzdem sagte er uns im Interview (siehe Seiten 4 und 5): „Ich kaufe mir alle meine Sportsachen selber.“ Einen Ausrüstervertrag habe er noch nie gehabt.

Die Erfolge der beiden sind durchaus miteinander vergleichbar. Während Dutkiewicz schon eine Medaille ihr Eigen nennen darf, ist Linke schon seit längerer Zeit in der internationalen Spitze vertreten. Und gerade deshalb sind die Hürdensprinterin und der Geher gute Beispiele dafür, wie abhängig der finanzielle Erfolg in der Leichtathletik auch von der ausgeübten Disziplin ist – und wie weit die Schere auseinandergehen kann, meint

Daniel Becker

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Gänsehaut-Motto

Köln, 11. April 2018

„Lauf, Junge! Das kann dein Rennen werden!“ Die meisten von Ihnen, liebe Leser, werden sicher sofort wissen, wann diese Worte gefallen sind. 2006 beim EM-Finale über 10.000 Meter in Göteborg, als Jan Fitschen zu seinem unnachahmlichen Sprint ansetzte und die Kommentatoren Ralf Scholt und Wilfried Hark die Emotionen aus dem Stadion unter anderem mit diesen Worten so erfolgreich in die deutschen Wohnzimmer transportierten. Über 150.000 Mal wurde das Video von Fitschens Sieg mittlerweile auf Youtube angeklickt, kaum ein Rennen hat sich in den letzten 20 Jahren so sehr ins kollektive Gedächtnis der Leichtathletik-Fans eingebrannt. Und auch der Europameister selbst erinnert sich gerne und oft an den wichtigsten Tag seines Berufslebens zurück, wie er uns im Interview (S. 14–15) verraten hat. Das Gespräch mit ihm ist der Start in eine lose Serie, die nicht nur an große historische Momente erinnern, sondern gleichzeitig noch mehr Lust auf die EM in Berlin machen soll. Währenddessen hat die erste Straßenlauf- Woche des Frühlings schon einmal gezeigt, dass eine Riege ambitionierter deutscher Läuferinnen und Läufer auf einem guten Weg in Richtung EM unterwegs ist. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die meisten dieser Läuferinnen und Läufer auch schon ein paar Mal das Rennen von 2006 auf Youtube angesehen und jedes Mal Gänsehaut bekommen haben, wenn es hieß: „Das kann dein Rennen werden!“. Klingt ja auch nach einem verdammt guten Motto für die diesjährige EM, meint

Daniel Becker