Category : Allgemein

GBR, Leichtathletik, Athletics, European Athletics Championships 2026, Leichtathletik Europameisterschaft 2026, Birmingham 2026, 09.08.2026

Weltklasse gefordert

Köln, 1. September

Liebe Leserinnen und Leser,
die Saison 2026 biegt so langsam, aber sicher auf die Zielgeraden ein. Ein wenig Zeit ist seit dem Ende der Europameisterschaften inzwischen vergangen – seitdem wurde unter anderem in der Diamond League (Weltrekordshow in Zürich) und beim Internationalen Stadionfest noch einmal Leichtathletik auf Top-Niveau geboten. Und es folgen ja noch das Diamond-League-Finale in Brüssel (4. bis 5. September) sowie die Premierenausgabe der Ultimate Championships in Budapest (11. bis 13. September). Letztere soll sich als Zukunftsformat der Sportart beweisen, eine WM 2.0 nur mit den Besten der Besten. Attraktivität ist das Stichwort – nur bekommt das Event vorab wenig Aufmerksamkeit. Wer dabei sein wird, klärt sich final erst nach dem Finale der Diamond League – neben den Diamond-Siegern sind auch Weltmeister- und Olympiasieger qualifiziert. Aufgefüllt wird das Teilnehmerfeld mit den stärksten Namen der Weltrangliste.

Europameister sind nicht qualifiziert. Es soll ein anderes Niveau herrschen, könnte man meinen. Das trifft es vielleicht auf den Punkt, wenn es darum geht, die deutschen Leistungen von Birmingham einzuordnen. Auch mit etwas Abstand lässt sich sagen, dass sich das DLV-Team insgesamt stark präsentiert hat. Das gilt nicht nur für diejenigen, die sich mit Gold belohnt haben. Oder aber für jene Namen, die einen Platz auf dem Podium ergattern konnten. Auch sonst haben vor allem der Lauf- und Wurfbereich sowie die Mehrkämpfer überzeugt. Hier wurden besonders viele Top-Acht-Platzierungen eingefahren – insbesondere bei den Männern stimmt die Entwicklung auf der Bahn. Dafür geht die Tendenz im Sprungbereich in die falsche Richtung – hier wurde auf der Insel keine Medaille gewonnen. Auch weil die Medaillen-Dauerabonnentin Malaika Mihambo dieses Mal leer ausging. Doch man darf nicht nur von der Ausnahme-Weitspringerin abhängig sein. Die Breite macht’s – das ist auch eine der Erkenntnisse, die man gewinnt, wenn man die EM-Auftritte genauer unter die Lupe nimmt. Es braucht genügend starke Namen pro Disziplingruppe, um auf Weltbühne wieder richtig konkurrenzfähig zu sein. Die Grundlagen dafür müssen von früh auf gelegt werden – sprich schon im Nachwuchsbereich. Und natürlich spielt das Thema Förderung immer wieder eine Rolle.

Alexander Dierke

27th European Athletics Championships - Birmingham 2026: Day Four

Leichtathletik ist geil

Köln, 18. August

Liebe Leserinnen und Leser,
die Realitätsfrage ist eine, die in der deutschen Leichtathletik in den vergangenen Jahren gerne gestellt wird. Lange Zeit (nach außen hin) weniger von denen da drinnen (Verband), als vielmehr von jenen im Außen – sprich Journalisten, Experten etc. Die Leichtathletik gehört zu eben diesen Medien, die seit der WM 2022 in Eugene oder spätestens den medaillenlosen globalen Titelkämpfen 2023 in Budapest viel kritisiert haben. Als Fachmagazin sollte das so sein. Gleichermaßen sollten Leistungen aber auch anerkannt werden. Realitätsfrage: Hier ordnet Dr. Jörg Bügner nach diesen Europameisterschaften in Birmingham inzwischen sehr wohl realistisch ein, was geboten wurde. Ein Unterschied zu Verbandsäußerungen der Vergangenheit. Der wichtigste Unterschied zu den Bilanzen der letzten Jahre sind aber die Medaillen, die in dieser verzeichnet sind. Und dafür sind die deutschen Athletinnen und Athleten verantwortlich. 21 Mal Edelmetall. Sechsmal Gold. Zehnmal Silber. Fünfmal Bronze. Das ist stark.

Lange hat deutsche Leichtathletik nicht mehr so viel Spaß gemacht wie bei dieser EM. Vor allem ob der Namen, die hinter diesen Medaillen stecken. Denn längst nicht alle dieser Namen hatte man vorab als Kandidaten auf Gold, Silber oder Bronze auf dem Zettel. In Breite ist wieder mehr möglich. Allen voran im Laufbereich hat eine starke Entwicklung stattgefunden. Aber das Niveau ist dennoch noch nicht über überall stabil – Baustellen bleiben genug. Zumal die Leistungen im kommenden Jahr auf Weltbühne bestätigt werden müssen. Erst recht 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Doch es ist positives mitzunehmen: Die Breite hat sich – nun ja – verbreitert. Bessere Trainingsgruppen, Trainingsinput aus dem Ausland, ein gutes Teamgefüge. Zumeist zumindest. Lea Meyer ließ unmittelbar nach einem Sturz im Hindernisfinale ihrem Frust freien Lauf, entschuldigte sich später aber auch öffentlich bei Gesa Krause, die ins Zentrum ihrer Kritik geraten war. Ein großer Ehrgeiz kann (in Teilen) auch hilfreich sein: Etwa Karl Bebendorf zeigte sich mit Hindernisbronze in keiner Weise zufrieden. Es gibt also erfreuliche Aspekte rund um die deutsche Leichtathletik zu nennen. Dass man zusammensteht, untermauert Smilla Kolbe. Die 800-Meter-Läuferin positioniert sich in einem Interview klar gegen Rassismus: „Ich habe so viele tolle Leute, die mich supporten. Aber ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin.“ Sie erwarte einen solchen Respekt allen Athletinnen und Athleten gegenüber. Wichtiges Statement!

Alexander Dierke

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships 2025, Weltmeisterschaft 2025, Tokio 2025, 14.09.2025

Premieren, Ziele, Hoffnungen

Köln, 4. August

Liebe Leserinnen und Leser,

1.645 Athletinnen und Athleten leben in den kommenden Tagen einen europäischen Traum. Denn ab dem 10. August starten sie endlich: die 27. kontinentalen Meisterschaften. Erstmals gehen diese in Großbritannien über die Bühne. Eine Premiere. Und auch unter den 1.645 zur Teilnahme berechtigten Leichtathleten finden sich so manche neue Namen – Premiere, die zweite. Ein Name, der in den Debütisten auftaucht, dürfte den ein oder anderen durchaus verwundern. Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer erlebt in Birmingham tatsächlich die ersten Europameisterschaften seiner Karriere. Zumindest im Aktivenbereich. Wenige Stunden vor Druckabgabe dieses Hefts haben wir ihn noch in Leverkusen getroffen. Im Interview zeigt er sich selbstbewusst – und fühlt sich gut vorbereitet für Birmingham.

Letzteres ist ohnehin das, was zählt. Aus deutscher Sicht ist die Ausgangslage gemischt. Manche Überflieger vergangener Jahre tun sich diese Saison schwer. Dafür sind die Läufer umso stärker unterwegs. Speziell im Männerbereich sind deutsche Laufmedaillen im Prinzip Pflicht. Zu gut waren eben jene Frederik Rupperts, Mohamed Abdilaahis und Co. im Jahr 2026 unterwegs. Da darf man schon mal auf den großen Wurf hoffen, zumal das DLV-Team mit 116 Athletinnen und Athleten im Vergleich zur EM 2024 (113) noch einmal ein paar Namen mehr umfasst. Spannend zu sehen sein wird auch, wie sich jene Protagonisten schlagen, die zuletzt so ihre Probleme hatten. Sprinterin Gina Lückenkemper ist angeschlagen und läuft den Erwartungen hinterher. Weitsprung-Ass Malaika Mihambo hat die Goldmedaille bei der DM zuletzt verpasst – allerdings auch schon einen Sieben-Meter-Sprung rausgehauen. Speerwerfer Julian Weber und Hochspringerin Christina Honsel konnten nur wenige Wettkämpfe bestreiten, ihr Saisoneinstieg war dafür jeweils umso stärker. Und beim deutschen Sprint-Überflieger des Jahres 2026, Owen Ansah, muss man sehen, inwiefern ihn der Wirbel rund um eine verpasste Dopingkontrolle belastet. In Bochum-Wattenscheid war dies kürzlich gar nicht der Fall. Natürlich sind aber auch weitere Disziplinen interessant: Hürdensprint, 800 Meter, Diskuswurf, Mehrkampf. Aber machen Sie sich während der Titelkämpfe einfach selbst ein Bild davon, wer Ihnen am meisten zusagt. Die gute Nachricht: ARD und ZDF berichten im Free-TV erneut umfangreich von den Europameisterschaften.

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaften, Die Finals, Wattenscheid, 25.07.2026

Knallharte Entscheidungen

Köln, 28. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
das waren sie also – die 126. Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik. Rund 14.000 Fans sind an beiden Tagen im Lohrheidestadion in Bochum-Wattenscheid vor Ort. Das hat man gespürt. Die Stimmung wurde nationalen Titelkämpfen gerecht, in dieser Form wünscht man es sich für die Sportart. Vor allem wurde mit der Kulisse aber bewiesen, dass sich durchaus wieder zahlreiche Menschen dafür interessieren, wer sich die nationalen Meriten schnappt – und wer die Tickets für die anstehenden Europameisterschaften löst. Letzteres ist zahlreich geschehen, wobei natürlich so manche Hochkaräter schon vorab EM- und Leistungsbestätigungsnorm erfüllt hatten. Aber eben nicht alle. Und auch nicht jedem vermeintlichen Überflieger ist das im Herzen des Ruhrgebiets gelungen. So muss beispielsweise Hochspringerin Imke Onnen ihren Flug nach Birmingham stornieren. Zwar hat sie mit übersprungenen 1,98 Meter schon im vorangegangenen Sommer die Norm von European Athletics deutlich erfüllt und belegt im Qualifikationsranking des europäischen Verbands gar Rang sieben, doch in dieser Saison konnte sie aufgrund von Beschwerden kaum Wettkämpfe bestreiten. Die fällige Leistungsbestätigungsnorm des DLV (1,89 m) hat sie auch in der Lohrheide nicht erreicht. So muss eine starke deutsche Athletin in zwei Wochen nun zu Hause bleiben. Es darf jeder selbst beurteilen, ob die Leistungsbestätigungsnorm in solchen Fällen Sinn macht. Onnen hat 2025 acht Wettkämpfe mit einem Resultat von mindestens 1,90 Meter beendet, inklusive der PB von 1,98 Meter. Aber wo es Enttäuschte gibt, gibt es auf der anderen Seite natürlich auch glückliche Protagonisten. So ist der Sport. Im Hochsprung hat sich die erst 19-jährige Dorothea Gantert sensationell zur Deutschen Meisterin gekürt. Ihre Entwicklungsgeschichte ist noch außergewöhnlicher – und gipfelt nun vorerst in ihrer ersten EM-Teilnahme. Die echten Überflieger des Sommers wie Frederik Ruppert, Robert Farken und Owen Ansah haben ihre Form in Bochum-Wattenscheid jedenfalls bestätigt. Dennoch waren es insgesamt Titelkämpfe auf eher mäßigem sportlichen Niveau. Unschön war angesichts der tollen Atmosphäre auch, dass die Siegerehrungen auf einer kleinen Bühne im Stadionumfeld abgehalten wurden – so kam es im DM-Zeitplan zwar nicht zu Verzögerungen, doch den Siegerinnen und Sieger wurde die Ehrung vor großer Kulisse genommen.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften; Dresden, 03.08.2025 Gina Lückenkemper (SCC Berlin) auf den 200m; Deutsche Leich

So manche Fragen

Köln, 21. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
wenige Tage vor den Deutschen Meisterschaften steht die nationale Leichtathletik aufgrund einer anderen Thematik unter besonderer Beobachtung. Ausgerechnet einem der Besten dieses Sommers wird von der NADA vorgeworfen, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Die Rede ist von Owen Ansah. Der Sprinter wurde vor seinem Abflug zum Diamond-League-Meeting in Monaco von einem Kontrolleur „überrascht“. Aufgrund von Zeitstress und der körperlich bedingten fehlenden Möglichkeit, unmittelbar eine Dopingprobe abzugeben, fand kein Test statt. Eine spätere Abnahme am Flughafen sei nicht möglich gewesen. Gleichermaßen seien ihm keine Konsequenzen aufgezeigt worden – der Umstand sei in dem Moment akzeptiert worden. So schildert es Ansah selbst. Die NADA hingegen spricht im Nachgang von einer Verweigerung. Natürlich ist das Dopingthema in der Leichtathletik durchaus eine große Nummer, doch in diesem Fall spricht erst einmal vieles dafür, dass Owen Ansah in seiner Stellungnahme die Wahrheit geschildert hat. Wenngleich man auch sagen muss, dass er in der Situation möglicherweise klüger hätte reagieren müssen. Es gab in der Vergangenheit schon so manche ähnliche Fälle, die teils jahrelange Sperren nach sich gezogen haben. Entscheidend sein wird die Beurteilung des Ablaufs der Kontrolle. Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Fragen schnell geklärt werden – auch mit Blick auf die Europameisterschaften. Zunächst aber stehen nun die nationalen Titelkämpfe in Bochum-Wattenscheid an. Mit Owen Ansah. Doch er ist bei Weitem nicht der Einzige, der unter Beobachtung steht. Vor allem über die Mittel- und Langstreckendistanzen wird es spannend zu sehen sein, wie sich etwa Frederik Ruppert, Florian Bremm, Mohamed Abdilaahi und Robert Farken schlagen. Auch Weitsprung-Ass Malaika Mihambo hat sich zuletzt rechtzeitig für die heiße Saisonphase leistungstechnisch zurückgemeldet. Zudem freue ich persönlich mich darauf, Julian Weber nach seinem Comeback wieder dabei zuzuschauen, wie er seinen Speer durch die Lüfte katapultiert. Und natürlich leben so manche Disziplinen auch in diesem Jahr von engen Duellen – teils sind sogar Drei- oder Vierkämpfe um die Meriten zu erwarten. Kurzum: Endlich DM! Danach EM-Nominierung, dann Birmingham.

Alexander Dierke

(SP)FRANCE-PARIS-ATHLETICS-DIAMOND LEAGUE 2026?

Jagd auf Uralt-Rekord

Köln, 7. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin mir sicher, der ein oder andere von Ihnen erinnert sich noch an das Jahr 1983. Es war in München, wo man Zeuge eines besonderen Moments wurde: Die Tschechoslowakin Jarmila Kratochvilova lief über 800 Meter in 1:53,28 Minuten zu einem neuen Weltrekord. Persönlich betrachtet war das weit vor meiner Zeit – und doch ist mir diese Bestmarke bestens bekannt. Wie wohl den allermeisten Leichtathletik-Fans. Denn das damalige Resultat Kratochvilovas ist auch heute noch – 43 Jahre später – die gültige Allzeitbestmarke. Wenngleich es immer wieder auch Zweifel an dem damaligen Rennen gab, zeigt das, wie besonders die Leistung war. Kratochvilova selbst haben wir kürzlich für ein seltenes Interview zu sprechen bekommen: Die heute 75-Jährige betont, ihre Zeit seit das Ergebnis harten Trainings gewesen. Vor allem aber ist sie der Meinung, dass die Tage als Inhaberin des ältesten bestehenden Leichtathletik-Weltrekords bald gezählt sind. Verantwortlich dafür ist eine Schweizerin. Audrey Werro stellt derzeit die Laufwelt auf den Kopf, steigert sich kontinuierlich und kommt der historischen Marke immer näher. 52 Hundertstelsekunden fehlen Werro noch, in einer Saison, die mit den Europameisterschaften noch ein großes Highlight bereit hält. Und: Werro ist überzeugt, dass sie den Weltrekord auslöschen und ihren Namen verewigen kann. Dabei ist die 22-Jährige keinesfalls die typische Spitzenathletin. Noch immer trainiert sie in ihrem Heimatort in der Schweiz, auf ihren Coach vertraut sie seit Jugendtagen. Ein gängiges Modell in der Schweiz – das Früchte trägt, wie Werro im Exklusiv-Interview verrät. Ihre starken Auftritte im Jahr 2026 fügen sich aber auch in ein Gesamtbild: Allen voran in den Laufdisziplinen sind in dieser Saison teils bemerkenswerte Entwicklungen zu bestaunen. Besonders die deutschen Läufer tragen gehörig dazu bei. Zuletzt ist es Robert Farken, der beim Diamond-League-Meeting in Eugene seinen deutschen Rekord über die Meile verbessert. Seine PB liegt nun bei 3:47,76 Minuten. Hoffentlich können die Athletinnen und Athleten des DLV solche Leistungen auch in Birmingham auf die Strecke bringen!

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Dortmund, 22.02.2025

Schnelligkeit ist Key

Köln, 23. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
es fing einst über Umwege an: Die Faszination der Alexandra Burghardt galt als junges Mädchen dem Tennissport. Mit fünf Jahren steht sie selbst regelmäßig auf dem Court und beherrscht das Spiel mit dem Schläger „ganz gut“. Doch eine Trainerin sieht in ihr noch etwas anderes: Mit ihrer Schnelligkeit und Sprungkraft ist Burghardt eine für die Leichtathletik. 27 Jahre später kehrt Burghardt zurück auf den Tenniscourt. Okay, eigentlich hat sie hobbymäßig nie aufgehört mit dem Tennisspielen. Doch nun kann sie noch befreiter aufschlagen. Denn auf den Rat ihrer Tennislehrerin folgte eine Weltkarriere als Profisportlerin. In der Leichtathletik – und zwischenzeitlich auch im Wintersport als Bob-Anschieberin. Sie ist erst die weltweit achte Athletin, die im Laufe ihrer Karriere sowohl bei olympischen Sommer- als auch olympischen Winterspielen Edelmetall gewonnen hat. Im Kosmos der Leichtathletik ist Bronze mit der 4×100-Meter-Staffel, errungen 2024 in Paris, der größte Beleg ihrer Arbeit. Doch die 32-Jährige sieht das anders: Am wertvollsten ist für Burghardt das Erreichen des 100-Meter-Halbfinals bei den Olympischen Sommerspielen 2021. „Damit habe ich mir meinen Kindheitstraum erfüllt.“ Alexandra Burghardt hat im Verlaufe ihrer Laufbahn immer wieder gegen Rückschläge angekämpft – und so Sportgeschichte geschrieben. Vor allem aber ist sie immer die sympathische Athletin geblieben. Eine Frau, die nun mehr Zeit für ihre Familie und Freunde hat – der nationalen Leichtathletik jedoch fehlen wird.
Erfreulich ist da, dass es dieser Tage in der deutschen Laufszene außerordentlich gut läuft. Nicht nur Burghardts (Ex-)Sprintkollege Owen Ansah hat kürzlich mit einem neuerlichen Rekord für Aufsehen gesorgt, sondern vor allem die Langstreckler sind in bestechender Form. Unter den Weltbesten mischen Mohamed Abdilaahi, Frederik Ruppert und Co. vorne mit und dürfen sich berechtigte Medaillenhoffnungen für die Europameisterschaften in Birmingham machen. Dieser Meinung dürfte nicht nur die verantwortliche DLV-Bundestrainerin Isabelle Baumann sein. Ihre Einschätzung lautet: „Wir sind im Gesamten in einer neuen Dimension angekommen.“ Über die Gründe dafür haben wir mit ihr im Interview gesprochen.

Alexander Dierke

Day 1 - World Athletics Championships Tokyo 2025

Spitzen-Läufer

Köln, 10. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
Mohamed Abdilaahi, Frederik Ruppert, Owen Ansah. Nummer eins (3.000 Meter), Nummer zwei (3.000 Meter Hindernis), Nummer 18 (100 Meter) der Welt. In Europa führen alle drei deutschen Athleten sogar die Bestenliste des Jahres 2026 an. Drei DLV-Männer aus dem Laufbereich mischen unter den Besten mit – ein starkes Signal. Speziell, wenn man betrachtet, dass es in der Vorsaison bei der WM in Tokio von 40 Einzelstarterinnen und -startern lediglich vier Namen aus dem Lauf- und Sprintbereich in ein Finale schafften. Einer davon gewann eine Medaille: Marathonläufer Amanal Petros. Sein beinahe mit Gold belohnter Auftritt war einer Sensation gleichzusetzen, auf europäischer Ebene hingegen ist er in diesem Jahr ein echter Favorit. Und er erweitert das eingangs genannte Trio, das in den ersten Wochen dieses Sommers so sehr geglänzt hat. Wie auch Florian Bremm. In Turku bestreitet der 25-Jährige die 5.000 Meter zuletzt in 12:56,80 Minuten – und führt damit ebenfalls die Weltjahresbestenliste an. Ruppert und Abdilaahi folgen in selbiger Disziplin aktuell auf den Rängen vier und fünf. Das sind schon mal eine Handvoll Namen an Mittel- und Langstrecklern, die derzeit für Furore sorgen. Zudem ist mit Ansah ein Sprinter dabei. Mit Blick auf die EM sind Hoffnungen zu schüren: Gina Lückenkemper kann (zumindest) auf europäischer Ebene um die vorderen Plätze mitlaufen, mit der Staffel sowieso. Wie auch das Männer-Quartett über 100 Meter. Zusätzlich sind etwa Robert Farken oder die Hürdensprinter Emil Agyekum und Owe Fischer-Breiholz zu nennen. Auch etwa eine Smilla Kolbe über 800 Meter kann einem Freude bereiten. Auf Kontinentalebene sind also durchaus Chancen vorhanden, dass mehrfaches Edelmetall abgeräumt wird. Das derzeit mehrere positive Überraschungen zu nennen sind, ist ohnehin eine gute Nachricht. Nicht zuletzt ob der miserablen Bilanzen der Vorjahre. Und klar: Es ist nicht von jetzt auf gleich alles besser, auch wenn etwa Frederik Ruppert die europäische Laufelite gegenüber Nationen wie Kenia oder Äthiopien nicht mehr zwingend im Nachteil sieht. Dass es derzeit insbesondere wieder schnelle DLV-Männer gibt, kann dem einstigen „Läufer-Verband“ jedenfalls nur gefallen. Mit Blick auf die Zukunft muss das wieder zum Standard in der Breite werden!

Alexander Dierke

Diamond League meeting  Shanghai/Keqiao  2026

Die großen Ziele

Köln, 26. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
es ist immer so eine Sache. Zu den klassischen Disziplinen der Leichtathletik zählen Extremläufe, Ultramarathons und Co. nicht. Dennoch sind Athleten wie Arda Saatci irgendwo natürlich in derselben Sportart angesiedelt, wenngleich es weniger um Vergleiche im Wettkampf als vielmehr um Extremleistungen geht. Mit dem Namen Saatci ist in den vergangenen Tagen wohl nahezu jeder in irgendeiner Form mal in Berührung gekommen – über 600 Kilometer hat der 28-Jährige in der Wüste Kaliforniens zurückgelegt. In 123 Stunden. Eine schier unglaubliche Leistung. Also haben wir uns entschlossen, mit ihm über seine unglaubliche Leistung zu sprechen. „Es geht mir darum, mich weiterzuentwickeln, neue Grenzerfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern“, verrät Saatci in einem seiner ersten – und wenigen – Interviews nach dem Ultramarathon gegenüber Leichtathletik. Was neben Hochachtung vor seiner Leistung herauszustellen ist: Der gebürtige Berliner will Vorbild sein, vor allem für junge Menschen, im Sport wie darüber hinaus. „Egal wie schwer der Weg ist: Es gibt immer irgendwie eine Möglichkeit, ans Ziel zu kommen“, sagt Saatci. Apropos Ziele: Die klassischen Leichtathleten arbeiten in diesem Sommer bekanntlich auf die Europameisterschaften in Birmingham hin, zum Auftakt der Freiluftsaison sind einige Athleten ordentlich gestartet. Aus deutscher Sicht ist aber ein Mann besonders hervorzuheben: Mohamed Abdilaahi. Nach nationalen Rekorden über 5.000 und 10.000 Meter ist der 27-Jährige nun auch deutscher Rekordhalter über 3.000 Meter. Sein Auftritt beim Diamond-League-Auftakt in Shanghai hat auch internationaler Konkurrenz imponiert. Kann er dieses Leistungsniveau, das er schon im Vorjahr wiederholt angeboten hat, über den Sommer halten, ist eine EM-Medaille mehr als ein realistisches Ziel. Edelmetall sollte auch im Marathon möglich sein, nicht zuletzt durch Vizeweltmeister Amanal Petros. Der 31-Jährige ist einer von 17 Athletinnen und Athleten, die schon jetzt durch den Deutschen Leichtathletik-Verband für die Titelkämpfe auf der britischen Insel nominiert wurden.

Alexander Dierke

(SP)BOTSWANA-GABORONE-WORLD ATHLETICS RELAYS-MEN'S 4X100m RELAY-FINAL

Blick in die Zukunft

Köln, 12. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
37,67 Sekunden! Die deutsche 4×100-Meter-Staffel der Männer hat bei den World Relays in Gaborone Geschichte geschrieben. Denn nie zuvor war ein nationales Quartett über diese Distanz schneller unterwegs. Nach der Glanzleistung im Vorlauf hat die Staffel um Kevin Kranz, Marvin Schulte, Owen Ansah und Lucas Ansah-Peprah im Finale ein weiteres Top-Resultat in die Bahn gebrannt und sich über ein Ticket für die Weltmeisterschaften 2027 hinausgehend noch mit der Bronzemedaille belohnt. Doch die WM ist das Stichwort: Man blickt langfristig voraus und hat nun Planungssicherheit, wie auch drei weitere Quartette des Deutschen Leichtathletik-Verbands. Vor allem aber scheint das Männer-Team gereift, das sind nicht zuletzt für die diesjährigen Europameisterschaften gute Aussichten. Ordnet man die Zeit mit Blick auf die kontinentalen Resultate der vergangenen Jahre ein, besitzt die 4×100-Meter-Delegation sogar Goldambitionen. Seit einiger Zeit arbeiten die vier Protagonisten, die in Botswana geglänzt haben, zusammen. Sie haben gemeinsame Enttäuschungen erlebt, aber auch als Team gefeiert. Wenngleich etwa bei der EM 2024 mehr drin gewesen wäre als eine Bronzemedaille. Vielleicht ist schon in diesem Jahr der Moment gekommen, in dem endgültig neben der hochdekorierten 4×100-Meter-Frauen-Staffel, diese hat das WM-Ticket standesgemäß auch gelöst, eine weitere DLV-Mannschaft strahlen kann. Und damit wären wir dann jetzt endgültig bei der Freiluftsaison 2026, die in den vergangenen Wochen bereits mit hochkarätigen Marathons angelaufen ist. Nicht zuletzt in London. Der Sommer hält einiges bereit: Am 16. Mai startet die Diamond League, in Europa steht angesprochene EM auf dem Programm und im Spätsommer gehen für die Besten der Besten erstmals die Ultimate Championships über die Bühne. Eine Frage, die sich mit Blick auf die kommenden Monate auch stellt: Können die Überflieger des Winters, also jene Jordan Anthonys, Keely Hodgkinsons, Hana Molls, Sofie Dokters, Marlene Meiers, Yemisi Ogunleyes und Co. auch unter freiem Himmel glänzen? Und noch eine Athletin steht im Fokus: Fast zwei Jahre nach ihrem schmerzvollen, bei den Olympischen Spielen 2024 erlittenen Achillessehnenriss hat Siebenkämpferin Sophie Weißenberg ihr Comeback gefeiert. Beim Dreikampf im niederländischen Lisse startete sie im Weitsprung, Sieg mit 6,35 Metern, und Kugelstoßen. Das Ende eines langen Wegs zurück. Zeit für die Zukunft!

Alexander Dierke