Category : Blog Leichtathletik

ROEHLER Thomas verletzte sich im ersten Durchgang DLF Deutsche Leichtathletik Meisterschaften 2021 in Braunschweig 1.Tag

Das wird eng

Köln, 8. Juni

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin ein Verfechter der Deutschen Leichtathletik und glaube, dass sich bis zum Auftakt der Olympischen Spiele noch einiges zum Positiven verändern wird. Dennoch müssen wir darüber sprechen, dass die ­Deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende eher Anlass zur Sorge bereiten. Fangen wir aber mit dem Positiven an: Corona-Regeln wurden eingehalten, Abstände waren geregelt, generell war das Hygienekonzept des DLV und der Stadt Braunschweig (erneut) exzellent umgesetzt und ein wichtiger Eckpfeiler für kommende Großveranstaltungen.

Vom sportlichen Geschehen konnte dies jedoch auch nicht ablenken. In den Tagen vor DM-Beginn wurde die Erwartungshaltung aufgrund zahlreicher Absagen enorm gedrosselt. Erst musste Johannes Vetter passen, Kevin Kranz war ohnehin bereits abgemeldet. Hinzu kamen Gina Lückenkemper und Deniz Almas. Von Konstanze Klosterhalfen ganz zu schweigen, mit ihr hatten wohl ohnehin die wenigsten gerechnet. Auch war klar, dass acht Wochen vor ­Olympia keine herausragenden Leistungen zu erwarten sind, wenn die Athleten auf den Saisonhöhepunkt hintrainieren. Allerdings war es dann doch ein wenig zu durchwachsen. In Alexandra Burghardt gab es am gesamten Wochenende EIN großes Highlight. Misst man diese Meisterschaften am internationalen Niveau der Weltspiele, so wird dort nicht viel zu holen sein. ­Leider waren es dieses Mal „Durchgangsmeisterschaften“ auf dem Weg nach Tokio, die für einige Teilnehmer nicht den höchsten Stellenwert hatten. Aber noch sind ja acht Wochen Zeit …

Jonas Giesenhagen

Sport Bilder des Tages Javelin thrower Johannes Vetter of Germany competes in javelin throw during the Zlata tretra (Gol

„Vettes“ Jahr

Liebe Leserinnen und Leser, faszinierend, was Johannes Vetter nahezu wöchentlich abliefert. Keine Frage, der Speerwerfer von der LG Offenburg ist längst der Top-Favorit auf die Olympische Goldmedaille – auch wenn er dies selbst nicht allzu gern kundtut. Gerade der Speerwurf sei eine Wundertüte, hört man immer wieder von dem Modell­athleten. Ganz falsch liegt er damit sicherlich nicht, wie man auch beim Blick auf die Weltbestenliste feststellt.

Hinter Vetter fehlen dort noch einige illustre Namen. Viele Sportler haben noch gar nicht aktiv in die Saison eingegriffen. Mit Spannung erwartet wird das Comeback des Olympiasiegers Thomas Röhler, auch der Este Magnus Kirt wird in diesem Jahr mit keinem gültigen Versuch geführt. Aber ob einer von ihnen wirklich einen Kaltstart über 90 Meter hinlegen kann? Beeindruckend ist ja nicht nur Vetters Weite, sondern auch die Art und Weise, wie er Sieg um Sieg einfährt. In Ostrava war der erste Durchgang gleich der beste. Was folgte waren ein weiterer Wurf über 90 sowie zwei über 88 Meter. Jeder davon so gut, dass Vetter damit in der Weltbestenliste ganz oben läge.

Platz zwei geht derzeit an den Inder Neeraj Chopra mit 88,07 Metern. Die nächsten Wochen dürften dann spannender werden, die Liste wird sich füllen. Ob sich Vetter davon wirklich beeindrucken lässt? In Dessau hat man davon nichts gesehen. Auch dort warf der deutsche Rekordhalter wieder über 93 Meter weit. Ich freue mich, wenn in Braunschweig 2 .000 Zuschauer über diese Weiten jubeln dürfen! Dies wird Vetters Jahr, meint

Jonas Giesenhagen

Protest against Tokyo Olympics People protest around Heiwadai Athletic Stadium in Fukuoka, southwestern Japan, on May 11

Zwei Welten

Köln, 18. Mai

Liebe Leserinnen und Leser, zwei ­Welten, die aufeinandertreffen. Gemeint ist damit nicht die derzeitige Impfsituation in Deutschland, obwohl auch dies hervorragend passen würde. Nein, gemeint sind die verschiedenen Lager der Olympia-­Befürworter und -Gegner. 80 Prozent der japanischen Bevölkerung sind laut der jüngsten repräsentativen Befragung gegen eine Austragung der Spiele – 80 Prozent! Schwierig, eine solche Mehrheit zu überhören. Möchte man meinen. Kann man aber. Denn längst ist alles geplant. Unter Pandemiebedingungen natürlich. Da kann der Druck noch so groß werden, die Konzepte stehen, die Spritzen sind schon aufgezogen, damit es endlich losgehen kann. Der größte Trumpf des IOC: Es hat die Sportlerinnen und Sportler auf seiner Seite. Nur sie sind diejenigen, die genug Druck ausüben könnten, um eine erneute Verlegung von Olympia herbeizuführen. Doch solange sich das IOC seiner Aushängeschilder sicher sein kann, wähnt sich der Ringe-Orden auf der sicheren Seite. Völlig zu Recht übrigens. Sport und Politik gehen zumindest bei dem Thema Hand in Hand, da können die Aufstände der Bevölkerung noch so groß sein. Natürlich werden auch wir weiterhin beide Seiten zeigen und darüber berichten. Dabei ist es aber keine wirkliche Frage, wer am längeren Hebel sitzt und sich letztendlich auch durchsetzen wird. Schön wäre natürlich, wenn es noch eine Annäherung gäbe. Doch zurzeit erleben wir bei der Thematik eher eine Spaltung. Schade, denn das ist sicherlich nicht das, wofür Olympische Spiele grundsätzlich stehen. Meint

Jonas Giesenhagen

Kurpfalz Gala light; Weinheim, 01.08.2020 Malaika Mihambo (LG Kurpfalz); Kurpfalz Gala light am 01.08.2020 im Sepp-Herbe

Gefährliche Sprints

Köln, 04. Mai

Liebe Leserinnen und Leser, Malaika Mihambo startet auf „krummen Strecken“ in Pliezhausen in die Saison. Eine tolle Nachricht für alle Leichtathletik-Fans und natürlich vor allem für die Macher des Läufermeetings, die damit die nächste hochkarätige Sportlerin auf den ungewohnten Distanzen willkommen heißen dürfen. Umso trauriger ist es, dass auch diese Veranstaltung natürlich ohne Zuschauer stattfinden wird. Wie dem auch sei: Ein Gewinn für die Veranstalter ist eine Zusage der Weitsprung-Weltmeisterin auf jeden Fall. Und aus sportlicher Sicht? Da habe ich ehrlich gesagt meine Zweifel.

In der letzten Saison gab es kaum einen Freiluft-Wettkampf, bei dem die Athletin der LG Kurpfalz das Brett getroffen hat. Und jetzt – nur elf Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele – sprintet Mihambo erneut in die Saison. Ob das dem Anlauf-Rhythmus für den Weitsprung wirklich hilft? Einige ehemalige und auch aktive Weitspringer haben die Doha-Weltmeisterin genau davor gewarnt. Hinzu kommt, dass die „krummen Strecken“ in Pliezhausen noch mal andere Distanzen sind, die völlig ungewohnt sind. Oder schielt die deutsche Aushängesportlerin doch nebenbei auf die 4×100-Meter-Staffel in Tokio? Eine Teilnahme hatte sie nie ausgeschlossen, auf Kosten ihrer Paradedisziplin sollte dies aber nicht gehen. So sehr ich mich auch freue, dass Mihambo in Pliezhausen an den Start geht, so sehr zweifle ich, ob dies wirklich der richtige Aufgalopp in die Olympia-Saison ist, die Mihambo in allererster Linie als Weitspringerin bestreiten sollte. Hoffen wir, dass alles klappt. Ich drücke die Daumen.

Jonas Giesenhagen

Dortmund, Deutschland 09. Februar 2020: PSD Bank Indoor Meeting Dortmund - 2020 Cindy Roleder (GER/SV Halle e.V.) vernei

Niemals aufgeben

Köln, 28. April

Liebe Leserinnen und Leser, ist eine Schwangerschaft gleichbedeutend mit dem Karriereende? Definitiv nicht. Das will uns, aber vor allem auch sich selbst, nun auch Cindy Roleder beweisen. Die Hürdensprinterin erzählt im Interview ihren Comeback-Plan und spricht über die Rolle zwischen Hochleistungssportlerin und Muttersein. Wie man beides in der Leichtathletik unter einen Hut bekommt, zeigt seit Monaten Christina Schwanitz. Die Zwillingsmama hat eine gute Balance gefunden. Zu Hause versucht sie, ihre Kinder so gut wie möglich in das Training einzubeziehen. Hinzu kommt eine klare Aufgabenverteilung, welche die Ausübung von Leistungssport überhaupt erst ermöglicht. Ab 17 Uhr übernimmt ihr Mann die Kinder, dadurch kann die Kugelstoßerin vier Mal in der Woche abends im Sportforum zu Chemnitz trainieren. 2017 wurden ihre Kinder geboren, 2019 wurde Schwanitz in Doha WM-Dritte. Nicht das einzige positive Beispiel in der Leichtathletik. Auch Allyson Felix und Shelly-Ann ­Fraser-Pryce haben als Mütter große Siege gefeiert. Felix durfte zudem auch auf privater Ebene jubeln. Nach ihrer Schwangerschaft bot ihr Sportartikelhersteller Nike zunächst einen schlechter dotierten Vertrag an. Es folgte ein Protest mehrerer US-Sportlerinnen, der dazu führte, dass Nike ankündigte, schwangere Leistungssportlerinnen künftig nicht mehr finanziell zu diskriminieren. Und selbst während einer Schwangerschaft ist vieles möglich. So gewann Schwanitz den Titel bei den Deutschen Meisterschaften, während sie im fünften Monat mit ihren Zwillingen war. Stark, meint

Jonas Giesenhagen

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Fairer Umgang wichtig

Köln, 21. April

Liebe Leserinnen und Leser, im Juni 2018 haben Sie hier im Leichtathletik-­Magazin eine Titelstory zum Thema „­Soziale Medien in der deutschen Leichtathletik“ gelesen.

Das Fazit lautete damals: Viele Athletinnen und Athleten haben das Potenzial der digitalen Netzwerke noch nicht erkannt. Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht bestehen bei ­Instagram und Co. durch Werbeposts oder ­Kooperationen durchaus Verdienstmöglichkeiten – vorausgesetzt man hat genug Follower hinter sich. Für Profisportler, die es finanziell nicht leicht haben, ist das eine große Chance. Deswegen haben wir nun, drei Jahre später, noch einmal einen ausgiebigen Blick in die sozialen Medien geworfen und dort nach deutschen Leichtathletinnen und Athleten Ausschau gehalten. Und tatsächlich, es hat sich etwas getan! Fast alle geförderten Sportler sind mittlerweile in den sozialen Medien aktiv.

Viele von ihnen betreiben extrem hohen Aufwand für die Pflege ihrer Online-Accounts, obwohl nur ein Bruchteil tatsächlich wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen kann. Das ist nicht selbstverständlich und verdient Respekt! Denn in erster Linie profitieren von diesem Engagement die Fans, die unmittelbar am Trainings- und Wettkampfalltag ihrer Idole teilhaben können. Schade ist derweil, dass der Druck in den sozialen Medien nach wie vor enorm groß ist. Das gilt auch für Profisportler. Eine schlechte Leistung, ein nicht perfekt inszeniertes Bild und schon droht ein Shitstorm. Das muss aufhören! Schließlich soll Social Media nicht nur den Fans, sondern auch den Athleten Spaß machen. Meint

Peter Stroß

13.09.2020, xkaix, Leichtathletik, Frankfurt Half Marathon Invitational 2020 emspor, v.l. Arne Gabius (TherapieReha Bot

Nicht verdient

Köln, 14. April

Liebe Leserinnen und Leser, ist das nicht ein unschöner, ja nahezu unwürdiger Abschluss der Karriere des Arne Gabius!? Ich hätte ihm die Olympia-Teilnahme sehr gegönnt. Damit möchte ich sicherlich keine anderen deutschen Athleten diskreditieren, jedoch gibt es doch in nahezu jeder Disziplin die eine Person, die gefühlt seit Ewigkeiten dabei ist und zu der man eine ganz besondere Verbindung aufgebaut hat. Dies meine ich selbstverständlich rein sportlich. Wenn ich zurückdenke, so war Gabius stets mit dabei. Erst auf der Bahn, dann später auf der Straße. Jedenfalls war und ist er das Gesicht der ­deutschen Langstrecken-Szene. Aber in Tokio wird er eben nicht dabei sein. Wirklich schade. Hatte er doch 2016 in Rio de Janeiro verletzungsbedingt absagen müssen. So bleibt seine Geschichte leider unvollendet – auch weil der 40-Jährige zu seinem Dienst als Assistenzarzt in der Kardiologie in Stuttgart am kommenden Sonntag steht. Absagen, verlegen oder einen Ersatz suchen kommt für Gabius nicht infrage. Menschlichkeit über ­seinen persönlichen Traum zu stellen, verdient höchsten Respekt. Im Alter von 40 noch mal bei Olympia teilzunehmen – es wäre ein schöner Abschluss gewesen.
Heute gilt der Dank nicht nur Gabius für eine tolle Karriere, auch bei Ihnen möchte ich mich herzlich für die reichlichen Zuschriften zum Thema „Genderfrage“ bedanken! Es hat mich gefreut zu lesen, wie viele Leser sich aktiv einschalten. Der Tenor: Sprache und Leserlichkeit vor ­Gendern. Das nehmen wir so mit! Bleiben Sie gesund, wir lesen uns kommende Woche wieder. Herzlich

Jonas Giesenhagen

Spitzenleichtathletik Luzern Lueckenkemper Gina Pinto Tatjana *** Top athletics Lucerne Lueckenkemp

Die Genderfrage

Köln, 30. März

Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich, dass wir Ihnen in dieser Woche wieder eine spannende Doppelausgabe mit vielen interessanten Themen anbieten können. Unser Nachbericht von der Superspreader-EM mit einem Interview von Mateusz Przybylko, der klare Missstände des Hygienekonzeptes offenlegt, dazu ein Gespräch mit Heike Drechsler, in dem sie offen über ihre Dopingvergangenheit spricht.

Trotz der starken Inhalte soll es heute an dieser Stelle mal um etwas ganz anderes gehen: Die Genderfrage. Immer mehr Medien nehmen sich den Wünschen der Leserschaft an und gendern konsequent in Artikeln. Wie Sie sicherlich schon gemerkt haben, gibt es bei uns ganz bewusst (noch) keine festen Regeln, weil wir dies den Autor/innen selbst überlassen möchten. Die eine schreibt so, der andere so. Einige Kolleg*innen nutzen zum Beispiel ein Sternchen, andere verzichten gänzlich aufs Gendern, um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen. Ich selbst halte es recht simpel und gendere im Falle einer Ersterwähnung, im fortlaufenden Text verzichte ich dann darauf.

Nicht, weil ich nicht jede/n Leser/in einzeln ansprechen möchte, jedoch, weil die vielen Sternchen und Striche den Textfluss nicht unbedingt angenehmer machen. Ich möchte Sie fragen, wie Sie zu dieser Thematik stehen! Schreiben Sie uns eine Mail an ­leichtathletik@rfw-koeln.de und erklären Sie uns, warum sie darauf bestehen, dass in Texten gegendert wird – oder eben nicht. Nach dem kleinen Grammatik-Exkurs wünsche ich Ihnen nun viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe! Bleiben Sie gesund,

Jonas Giesenhagen

2020/11/17 Tokyo, IOC President Thomas Bach visits the National Stadium (Olympic Stadium) during his 3 Day stay in Tokyo

Keine Diskussion

Köln, 16. März

Liebe Leserinnen und Leser, ein Fass aufmachen wegen Olympia? Das lassen wir vom Leichathletik-Magazin in diesem Jahr sein! Selbstverständlich nicht, wenn es um die Vergabe kommender Spiele geht, aber, wenn wir von Tokio 2021 reden. Das Internationale Olympische Komitee hat sich entschieden und wird eine Austragung gewähren. Daran habe ich keine Zweifel mehr. Gerne können wir darüber diskutieren, in welcher Form die Spiele stattfinden können, dass sie stattfinden, dürfte hingegen klar sein. Weltweit finden wieder internationale Turniere – teilweise mit Zuschauern, teilweise ohne – statt.

Der Tennis-Zirkus ist längst wieder unterwegs, die Europameisterschaft der besten Fußballer unter 21 steht in den Startlöchern, und auch die Olympia-Pläne schreiten voran. Wenn dafür die Fans draußen bleiben müssen, so wird man dies in Kauf nehmen. Die Frage, ob (einheimische) Fans vor Ort sein dürfen, soll noch im März fallen – wir dürfen gespannt sein. „Sichere und geschützte“ Spiele sollen es laut IOC-Präsident Thomas Bach werden. Ob seine Aussagen, den Athletinnen und Athleten eine Gratis-Impfung anbieten zu wollen, dabei helfen wird, bleibt abzuwarten. Die Verschiebung und die Mehrkosten durch Corona-Maßnahmen beläuft sich dabei wohl auf bis zu 2,3 Milliarden Dollar.

Nicht gerade wenig. In diesen Zeiten wohl nicht das beste Zeichen. Wie dem auch sei, es gibt kaum Zweifel an den Olympischen Spielen – zumindest nicht in Funktionärs- und Athletenkreisen. Wird schon irgendwie klappen.

Jonas Giesenhagen

Torun Polen, Athletics, Leichtathletik, European athletics indoor Championships 2021, Leichtathletik-Europa-Hallenmeiste

Kein Spektakel

Köln, 9. März

Liebe Leserinnen und Leser,
mit welchen Gefühlen haben Sie die Hallen-Europameisterschaften in Torun am Wochenende verfolgt? Schön, dass es wieder einen umfassenden Livestream gab. Schade allerdings, dass im TV kaum Bilder zu sehen waren und sich das Medienecho auch ansonsten in Grenzen hielt. Ich bin ehrlich zu Ihnen: Mein Gefühl ist, dass das Interesse an der Leichtathletik derzeit immens abnimmt. Nicht bei Ihnen, nicht bei mir, aber beim „normalen“ Zuschauer, der eben nur dann einschaltet, wenn eine Gina Lückenkemper im Finale vor 60.000 Zuschauern sprintet oder Malaika Mihambo vor einer WM- oder Olympia-Kulisse über sieben Meter springt.
Aber so eine Hallen-EM ohne Zuschauer, ohne Atmosphäre, ohne echte (TV-)Präsenz? Das lockt vielleicht uns vor den Livestream oder Ticker, mehr aber auch nicht. Ohne Zuschauer, ohne Atmosphäre gehen die Wettkämpfe einfach vorüber. Es gibt keine Hochs, keine Tiefs. Am Wochenende, so zumindest mein Gefühl, war man darum bemüht, alles möglichst glimpflich über die Bühne zu bringen und sich an alle Regeln zu halten. Das ist auch richtig so, aber wie lange kann das noch gutgehen?
Während die Menschen bei Fußballspielen vor leerer Kulisse einschalten, schalten sie bei der Leichtathletik ab. Jeder Sport, der nicht König Fußball ist, braucht Fans und Emotionen, um die Menschen daran zu binden. Bitte bald auch wieder in der Leichtathletik!

Jonas Giesenhagen