Category : Blog Leichtathletik

Leichtathletik DM 2025

Revolution der Leichtathletik?

Köln, 14. April

Liebe Leserinnen und Leser,
im Vorjahr ist Germany Athletics in der deutschen Leichtathletik so richtig durchgestartet. Eine Franchise nach ähnlichem System, wie es im US-Sport seit langem gang und gäbe ist. Mit dem Ziel, dem nationalen Untergang der Sportart entgegenzuwirken – schon 2021 gründet der ehemalige Hammerwerfer Claus Dethloff die Dachmarke sowie den ersten Ablegerclub: Cologne Athletics. In der Folge wird an Konzept und Visionen gearbeitet, zur Saison 2025 schon zahlreiche namhafte Athletinnen und Athleten verpflichtet. Bessere Förderbedingungen, mehr Wertschätzung, neue Möglichkeiten – das verspricht Germany Athletics selbst, ist aber auch Feedback, das einem mehrere Leichtathleten geben, die den Wechsel „ins Unbekannte“ getätigt haben. Ganz richtig ist das natürlich nicht, denn es wird nicht in etwas Unbekanntes gestartet, sondern vielmehr in etwas Neues. In jeder Großstadt soll irgendwann ein Athletics-Verein aufzufinden sein, der sich dem Nachwuchs wie Top-Athleten gleichermaßen annimmt. Die Förderung des Leistungssports ist das Ziel und damit einhergehend auch, die Sportart für alle wieder attraktiver zu machen: für potenzielle Stars von morgen, für die Spitzengeneration von heute sowie für langjährige und neue Zuschauergruppen.
Bislang fruchtet das Konzept mindestens mal insofern, als dass Germany Athletics schon einige namhafte Leute unter Vertrag hat. Da sind gestandene Top-Athleten wie auch Newcomer zu nennen: Mohamed Abdilaahi, Imke Onnen, Bo Kanda Lita Baehre, Philina Schwartz. Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund verzeichnet das Franchise-System im zurückliegenden Winter insgesamt acht Medaillen – fünfmal trägt ein Meister sogar das Logo eines Athletics-Clubs auf der Brust. Das zeigt, dass es Dethloff und Co. verstehen, hochkarätige Namen für das innovative Konzept zu begeistern. Die Ideen sind vielversprechend, doch es bedarf für den größtmöglichen Erfolg der deutschen Leichtathletik etwa auch einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband. Dieser äußert sich eher oberflächlich zu dem Projekt – ein echtes Interesse daran, die Sportart hierzulande gemeinsam neu zu denken, ist bisher eher weniger auszumachen. Dethloff bedauert das, lässt sich davon aber nicht unterkriegen: Man habe sich auf einen langen Atem eingestellt und die eigenen Ressourcen entsprechend ausgerichtet. Er lebt zumindest: der Traum von einer Revolution der deutschen Leichtathletik.

Alexander Dierke

260321 Keely Hodgkinson of Great Britain competes in women™s 800 meter semi-final during the 2026 World Athletics Indoor

Ernüchterung und Zuversicht

Köln, 31. März

Liebe Leserinnen und Leser,
das war’s. Ein letztes Mal ging es mit reichlich Tempo die Eingangs- und Ausgangsgeraden hinunter, noch einmal wurde hoch wie weit gesprungen. Oder anders ausgedrückt: Mit den Hallen-Weltmeisterschaften in Torun ist die Indoor-Saison auch offiziell zu Ende gegangen. Highlights gab es in der polnischen Stadt so einige – seien es der Siebenkampf-Weltrekord durch Simon Ehammer, die 800-Meter-Show von Keely Hodgkinson oder jene Glanzleistungen der beiden Youngster Cooper Lutkenhaus (800 Meter) und Jordan Anthony (60 Meter). Internationale Namen haben die globalen Titelkämpfe geprägt – wieder einmal. Denn aus deutscher Sicht waren diese in Summe durchaus ernüchternd. Trotzt eines im Vergleich zu den Vorjahren größeren Teams blieb die Delegation des Deutschen Leichtathletik-Verbands ohne Edelmetall. Ein schwaches Zeugnis, auch wenn eine solche Bilanz unter dem Hallendach nur eine gewisse Aussagekraft besitzt. Schließlich waren bis auf Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye keine absoluten deutschen Topstars in Torun am Start. Doch einen längst gewonnenen Eindruck bestätigte das dort gebotene dennoch einmal mehr: Der DLV ist davon abhängig, dass seine Besten (in diesem Falle Ogunleye) im entscheidenden Moment ihr Leistungspotenzial voll und ganz ausschöpfen. Was andernfalls passiert, wurde einem Outdoor als Extremfall bei den Weltmeisterschaften 2023 gezeigt. Nun also Mund abputzen und weitermachen. Die Europameisterschaften im Sommer sind das, was wirklich zählt. Auf europäischer Ebene sind mehr als eine Handvoll Medaillen Pflicht. Zugleich muss weiterhin alles daran gesetzt werden, in zahlreichen Disziplinen die Lücken zu den Weltbesten kleiner werden zu lassen.
Positiv aufzufassen ist da, was zwei deutsche Athleten unlängst schon draußen gezeigt haben. Während Amanal Petros seinen deutschen Rekord beim Berliner Halbmarathon einmal mehr verbessert, gelingt Mohamed Abdilaahi in den USA ein beinahe noch größeres Kunststück. Nach 29 Jahren knackt der 27-Jährige auf der Bahn über 10.000 Meter die zweite Bestmarke von Dieter Baumann. Diesem nimmt er mit seiner Zeit von 26:56,58 Minuten im Vergleich gar umgerechnet 152,25 Meter ab. Ein Vorstoß in neue Dimensionen sowie ein weiteres starkes Stück des Mannes, der nun fünf deutsche Rekorde innehat. Es sind Leistungen wie die von Abdilaahi und Petros, die einen dann doch wieder zuversichtlich stimmen.

Alexander Dierke

2025-03-06 European Athletics Indoor Championships Day One

Finale (für die, die wollen)

Köln, 17. März

Liebe Leserinnen und Leser,
Fokus fürs Finale: Die Hallensaison 2026 befindet sich wenige Meter vor der Ziellinie. Zumindest für die 14 Athletinnen und Athleten, die den Deutschen Leichtathletik-Verband bei den Indoor-Weltmeisterschaften im polnischen Torun vertreten werden. Für alle anderen gilt schon jetzt: voller Fokus auf die Freiluftsaison. Weit entfernt ist diese ohnehin nicht mehr, bereits Anfang Mai stehen die ersten Meetings auf dem Programm. Nicht zuletzt die Diamond League startet schon am 8 Mai. Natürlich sind Vorbereitungspläne individuell, genau wie Ziele für eine Saison. Traditionell haben internationale Meisterschaften unter dem Hallendach für viele Leichtathletik-Stars nicht denselben Stellenwert wie kontinentale oder globale Titelkämpfe im Stadion. Mit den Europameisterschaften im britischen Birmingham steht da in diesem Sommer kein unbedeutendes Event an, aus deutscher Sicht bieten sich in Europa zudem erhöhte Medaillenchancen. So kommt es, dass zahlreiche Athletinnen und Athleten von vorneherein eine Teilnahme an der Hallen-WM ausgeschlossen haben, um intensiv auf die Freiluftsaison hinarbeiten zu können. Etwa im Sprintbereich ist das der Fall. Obwohl es mehrere Normerfüller für Torun gab, ist nur eine Sprinterin im DLV-Aufgebot zu finden. Für diese ist das aber umso besonderer: Philina Schwartz, Aufsteigerin dieses Winters, wird erstmals das Nationaltrikot tragen. Und dass auch die Meisterschaften unter dem Hallendach einen besonderen Stellenwert besitzen können, beweist Hochspringerin Imke Onnen. Die direkte Norm konnte sie in den zurückliegenden Wochen nicht erfüllen, im Rankingsystem fehlte ihr jedoch nur ein Platz für eine Qualifikation. Zum Zeitpunkt der Deutschen Hallenmeisterschaften hoffte sie auf Absagen anderer – ein Wunsch, der erhört wurde. So ist Onnen nun eine der 14 deutschen Namen für den Abschluss dieses Winters. Ohnehin ist es 2026 einmal mehr spannend, einen genaueren Blick auf die Athletin von Cologne Athletics zu werfen. Nachdem sie ihre persönliche Bestleistung in der Vorsaison auf 1,98 Meter steigerte und sich fest unter den Weltbesten etablierte, wechselte sie vor dem laufenden Jahr ihren Trainer und schloss sich einer internationalen Trainingsgruppe an. Eine Neuausrichtung im Alter von 31 Jahren. Über die Beweggründe für diesen Schritt haben wir am Rande der Hallen-DM gesprochen.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Dortmund, 28.02.2026

Newcomer & Herausforderungen

Köln, 3. März

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Tage lang lud Dortmund Athleten wie Fans in die Helmut-Körnig-Halle ein. Zum 15. Mal fanden dort die Deutschen Hallenmeisterschaften statt – die Stadt im Ruhrgebiet ist ein Ort, der sich für die Ausrichtung nationaler Leichtathletik-Titelkämpfe längst bewährt hat. Da kam die Nachricht vorab nicht verwunderlich: Die Wettkämpfe am Samstag wie Sonntag werden vor ausverkauftem Hause stattfinden. Und die Halle war durchaus gut gefüllt, am zweiten Wettkampftag aber wohl doch weniger als am dritten. Das lag vielleicht auch daran, dass zum einen der öffentliche Nahverkehr streikte und zum anderen am Abend nur wenige Meter entfernt das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München stattfand. Das machte sich leider auch negativ bemerkbar: Insbesondere die Parkplatzsituation vor Ort war – sagen wir es mal so: nicht ideal. Die Leichtathletik stand im Vergleich zum Fußball hinten an. Am Sonntag, dem dritten Wettkampftag, war dieses Problem nicht gegeben – und auch die Atmosphäre in der Halle war besser. Was auch daran lag, dass Läufer Max Thorwirth einmal mehr einen Stimmungsblock imitierte. Dieser zündete das Publikum an – und dieses wiederum durfte etwa den neunten Hallentitel von Weitsprung-Ass Malaika Mihambo, den dritten 400-Meter-Coup von Youngster Johanna Martin und das erste Hochsprung-Gold von Falk Wendrich (im Alter von 30 Jahren) bejubeln.
Es sind bei der diesjährigen Hallen-DM neben ein paar Ausnahmeleistungen, allen voran durch Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, insbesondere vergleichsweise unbekannte Namen, die für Aufsehen sorgen. Im gleichen Atemzug muss man auch festhalten, dass in mehreren Disziplinen höchstens mittelmäßige Leistungen geboten wurden – ein Negativbeispiel ist etwa der Stabhochsprung der Männer. Dafür hat sich mit Peter Osazee im Dreisprung ein Newcomer behauptet, der eines Tages eine einseitige Disziplin vielleicht etwas durchmischen kann. Im Sprint der Männer war es eng wie selten, im Hürdensprint der Frauen hat Marlene Meier die Erwartungen erfüllt. Und Sprint-Youngster Philina Schwartz hat in Dortmund ohnehin gezeigt: Ihre Leistungen der vergangenen Wochen waren kein Zufall. Es ist eine Freude, der 19-Jährigen beim eine Freude, der 19-Jährigen beim Sprinten zuzuschauen!

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Erfurt Indoor, 13.02.2026

Im Rampenlicht

Köln, 24. Februar

Liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder so weit: Die Deutschen Hallenmeisterschaften ­ stehen bevor und damit die nationale Abrechnung des Winters. Ich persönlich freue mich immer, wenn die Titelkämpfe in Dortmund ausgetragen werden, denn das Interesse an der Leichtathletik ist dort jedes Mal aufs Neue zu spüren. Das ist wichtig für die Sportart, ausverkaufte Zuschauerränge tun nicht zuletzt den Athletinnen und Athleten gut. Auch wenn die Kapazität in der Helmut-Körnig-Halle natürlich begrenzt ist. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, das Interesse der breiten Bevölkerung scheint aber weiterhin mäßig zu sein – auch 2026 wird es nur einen Bruchteil von der Hallen-DM im linearen Fernsehen zu sehen geben.
Das ist schade. Denn es stehen sehr wohl einige spannende Entscheidungen auf dem Programm. Dass auch ohne einen Start von Gina Lückenkemper die 60 Meter eine besondere Attraktion darstellen, ist übrigens auch an der ARD nicht vorbeigegangen: Wenn Youngster Philina Schwartz am Samstagabend um ihren ersten nationalen Titel im Aktivenbereich kämpft, wird das live im TV übertragen. Die 18-Jährige ist eine der – bislang – größten deutschen Gewinnerinnen des Winters. Die fünf schnellsten 60-Meter-Zeiten dieses Jahres gehen auf ihr Konto, das macht sie zur Favoritin für Dortmund. Doch es gilt auch, Erfahrungen zu sammeln und mit dem Rampenlicht umgehen zu können. Eine Herausforderung. „Ehrlich gesagt mag ich es eigentlich nicht so gerne, im Mittelpunkt zu stehen“, sagt Schwartz vor wenigen Wochen im Leichtathletik-Interview. Doch bei ihr wird hingeschaut werden – das ist Anerkennung für ihre starken Vorleistungen. Solche konnten große Namen wie Weitsprung-Ass Malaika Mihambo und Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye bislang nur bedingt zeigen. Vor allem mit Blick auf den Sommer wird es spannend sein, zu beobachten, wie Mihambo und Ogunleye im Moment der ersten Reifeprüfung auftreten.
Im Hochsprung hingegen darf sich auf das nächste Duell zwischen Christina Honsel und Imke Onnen gefreut werden, der Männersprint verspricht aufgrund der Vorleistungen von Owen Ansah, Kevin Kranz, Yannick Wolf und Co. einen echten Fight um den Meistertitel. Für den Hürdensprint der Frauen gilt das ohnehin. Es sind 2026 mal nicht (nur) die Lückenkempers und Mihambos, denen die ganz große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Alexander Dierke

Lotto Deichmeeting; Neuwied, 17.05.2025

Geschichte(n) des Aufstiegs

Köln, 10. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Titel geht einmal mehr an den TSV Bayer 04 Leverkusen. Zum dritten Mal in Folge setzt sich der Verein im Vereinsranking des Deutschen Leichtathletik-Verbands durch – die Rangliste soll quittieren, welcher Klub hierzulande die stärkste Leichtathletik-Abteilung hat. Insgesamt bringt es der Verein aus dem Rheinland auf eine Punktzahl von 406 – und streicht somit für das Jahr 2025 über 100 Punkte mehr ein als der auf Platz zwei rangierende SV Halle. Ausschlaggebend sind die Platzierungen in den DLV-Bestenlisten ab der Altersklasse M14 und W14. Vor allem in den unteren Altersklassen geben die Leverkusener eine gute Figur ab, es ist ein Zeugnis für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die durch Triumphe gestandener Athletinnen und Athleten wie Marike Steinacker und Konstanze Klosterhalfen vergoldet wird. Wenngleich im Vorjahr nur drei Namen des TSV für die WM in Tokio berufen wurden. Während mit der LG Stadtwerke München ein weiterer namhafter Verein unter den Top Drei vertreten ist, erzielt Cologne Athletics die beste Platzierung der Germany-Athletics-Klubs – wie auch jenen der „Neueinsteiger“ der Liste. Der Kölner Verein belegt im Ranking Platz 26 und fuhr die meisten seiner Punkte über Athletinnen und Athleten im Aktivenbereich ein.

Unter den Top 50 fehlen tut hingegen der VfB Stuttgart. Doch es lohnt sich dennoch, bei den Schwaben genauer hinzuschauen. Schließlich haben sie nicht nur Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer unter Vertrag, sondern seit Jahresbeginn auch den Rising Star im Siebenkampf: Sandrina Sprengel. Die 21-Jährige krönte ihren steilen Aufstieg 2025 vorübergehend mit einem äußerst starken fünften Rang bei ihrer Premieren-WM in Tokio. Schon jetzt ist sie, betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, die nach Punkten zweitbeste deutsche Siebenkämpferin hinter Sophie Weißenberg. Das mache sie vor allem stolz – und sei reichlich Motivation für die Zukunft, verrät die junge Siebenkämpferin in einem exklusiven Interview mit Leichtathletik . Wie ihr Alltag abseits der Sports aussieht und warum sie etwa schon von klein auf zwei Träume verfolgt – über das und mehr haben wir mit der sympathischen Mehrkämpferin gesprochen. Was dabei zwischen den Zeilen rüberkam, ist vor allem eines: In Sprengel besitzt die deutsche Leichtathletik eine junge Siebenkämpferin, die gleichermaßen über großes Talent wie große Ziele verfügt. Gute Voraussetzungen für die kommenden Jahre!

Alexander Dierke

World Athletics Indoor Championships; Glasgow, 01.03.2024 HONSEL, Christina (GER) beim Hochsprung-Finale der Frauen an T

Glaube an sich selbst

Köln, 27. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
egal ob Sieg mit persönlicher Hallenbestzeit, Indoor-Weltrekord oder Auftritte, die aufhorchen lassen. Die ersten Tage dieser jungen Hallensaison 2026 haben schon richtig Spaß gemacht. Dafür verantwortlich sind unter anderem Namen wie Jean Paul Bredau, Josh Hoey und Philina Schwartz. Vor allem letztgenannter zuzuschauen macht ordentlich Freude: Die 19-Jährige steigerte sich im Januar über 60 Meter zunächst auf 7,22 und zuletzt auf 7,21 Sekunden – und klopft national bei den Besten an. Sie will noch dieses Jahr das Nationaltrikot tragen, ein Ziel, das ihr Selbstvertrauen untermauert, zugleich aber auch realistisch ist. Schließlich fehlt ihr etwa für die Erfüllung der Hallen-WM-Norm nur noch eine Hundertstel. Gänzlich neu ist ihr Name übrigens nicht: Schon 2025 war Schwartz über 100 Meter siebtschnellste Athletin, startete jedoch hauptsächlich bei Nachwuchs-Meetings. Grund genug, sich mit dieser interessanten Personalie mal genauer zu befassen: Kann sie eine neue Sprinthoffnung für den DLV werden? Dass sie ihre Ausbildung fortan bei einem der Ableger-Klubs des Franchisesystems „Germany Athletics“ erfährt, passt jedenfalls. Schließlich sollen „Berlin Athletics“ und Co. die Konkurrenzfähigkeit deutscher Leichtathletinnen und Leichtathleten wieder erhöhen. Welche weiteren namhaften Athleten die Franchise fortan unter Vertrag hat und welche weiteren Wechsel es gab, lesen Sie in dieser Ausgabe.
Ihrem Verein hingegen treu geblieben ist Hochspringerin Christina Honsel. Die 28-Jährige setzt seit 2020 auf den TV Wattenscheid und arbeitet seit Jahren erfolgreich mit ihrer Trainerin Brigitte Kurschilgen zusammen. Die vorübergehende Krönung erlebte Honsel 2025: Nie zuvor war die gebürtige Dorstenerin auf einem so konstant hohen Niveau unterwegs wie in der Vorsaison. Belohnt wurde das mit ihrem ersten Zwei-Meter-Sprung der Karriere. „Wenn nicht heute, wann dann?“, habe sie sich vor ihrem dritten Versuch in Heilbronn gedacht. Klingt so einfach, doch dem vorausgegangen sind auch Phasen, in denen Honsel aufgrund einer vermeintlichen Stagnation Zweifel plagten. Warum sie allgemein als Athletin gewachsen ist, inwiefern sie mit ihrem Abschneiden bei der WM zufrieden und enttäuscht zugleich ist und weshalb die zwei Meter keine Eintagsfliege bleiben sollen – darüber haben wir in einem interessanten wie sympathischen exklusiven Interview gesprochen.

Alexander Dierke

World Athletics Championships; Tokyo, 14.09.2025

Zwei Vorbilder

Köln, 14. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
das Jahr 2026 beginnt mit einem letzten Blick auf das vorangegangene Jahr 2025. Traditionell präsentieren wir Ihnen Anfang Januar die Ergebnisse unserer gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband sowie dem Förderverein „Freunde der Leichtathletik“ ausgetragenen Wahl der „Leichtathleten des Jahres“. Erneut war das Interesse an der Abstimmung groß, ehe eine Expertenjury aus den Top Drei in sechs Kategorien schließlich die Siegerinnen und Sieger kürte. Und Tradition ist im Falle der Aktiven in gewisser Weise das Stichwort. Denn die Gewinner sind keinesfalls Unbekannte. Weitspringerin Malaika Mihambo und Zehnkämpfer Leo Neugebauer heimsen den Titel zum fünften beziehungsweise dritten Mal ein. Neben berechtigten Glückwünschen lässt sich vor allem eines festhalten: Die abermalige Auszeichnung beider Ausnahmekönner ist höchst verdient!Mihambo bewies 2025 einmal mehr, auf welch konstant hohem Niveau sie seit langer Zeit unterwegs ist – Sieben-Meter-Sprünge und WM-Silber quittieren das in der zurückliegenden Saison. Neugebauer bastelt mit seinem WM-Triumph ebenfalls weiter an seinem sportlichen Vermächtnis – und setzte seinen vor knapp drei Jahren begonnenen Höhenflug eindrucksvoll fort.
Doch beide Protagonisten zeichnet mehr aus als ihre sportliche Dominanz. Für Mihambo ist bereits seit längerem der soziale Aspekt des Sports von Bedeutung, nicht nur zuletzt die Arbeit in ihrem Verein „Malaikas Herzsprung“ liegt ihr besonders am Herzen. Sie wolle ihre Rolle als Sportlerin nutzen, um sich für Kinder und die Leichtathletik einzusetzen. Das betont sie einmal mehr im anlässlich der Auszeichnung mit ihr geführten Interview. Der König der Athleten reiste wiederum nur kurz nach seinem Erfolg in Tokio nach Kamerun, um dort als UNICEF-Botschafter Hilfsprojekte zu besuchen. Doch Mihambo und Neugebauer sind für die nationale Leichtathletik darüber hinaus wertvoll: als Vorbilder mit Strahlkraft. Auch über die Landesgrenzen hinaus. Athleten wie sie sind es, die der Sportart guttun!

Alexander Dierke

Leichtathletik Weltmeisterschaften 2025 in Tokyo

Danke, Ende

Köln, 16. Dezember

Liebe Leserinnen und Leser,
kennen Sie das? Wenn am Ende eines Jahres die Weihnachtsfeiertage bevorstehen und man sich noch einmal ganz besonders Gedanken um seine Liebsten macht? Womit kann man Familie und Freunden eine Freude machen – und vor allem: Welche Worte möchte man diesen noch einmal mitteilen? Ich persönlich bin ein Freund davon, an die wichtigsten Menschen in meinem Umfeld Grußkarten zu verteilen, darin enthalten: Rückblicke, Emotionen, herzliche Wünsche. Und der Rest ist dann doch privat! Beschäftigen wir uns nun lieber einmal damit, ein paar Worte an und über die Liebe zu verlieren, die wir alle teilen: die Leichtathletik. Ganz speziell natürlich die nationale – samt all jenen Athletinnen und Athleten, die diese Sportart zu so etwas Einzigartigem machen. Erst die Persönlichkeiten und Geschichten eines jeden Einzelnen machen die Leichtathletik lebendig. Mit dieser Auffassung sind wir auch unseren Leichtathletik-Jahresrückblick der etwas anderen Art angegangen. Das Ergebnis lesen Sie ab Seite sechs.
Doch jetzt wirklich noch einmal Fokus auf die deutsche Leichtathletik. Rein sportlich. Was würde man über diese in einer Karte verlieren wollen? Zunächst einmal, dass es nach Jahren der Tristesse wieder bergauf geht mit ihr. Das Tief von 2023 scheint überwunden zu sein, der im Vorjahr angedeutete Aufwärtstrend hat sich bislang als ein solcher bestätigt. Das liegt primär an den fünf in Tokio gewonnenen WM-Medaillen. Aber auch an Glanzleistungen über das Jahr hinweg. Angefangen bei Mehrkämpfer Till Steinforth, der im Winter bei Hallen-EM und Hallen-WM zweimal eine Bronzemedaille gewann, über die nationalen Laufrekorde von Frederik Ruppert, Mohamed Abdilaahi, Robert Farken und Co. bis hin zu erzielten persönlichen Bestleistungen von Weltklasseformat. Denken Sie an Julian Weber und Christina Honsel. Doch die Gesamtbilanz bleibt dennoch ambivalent. Denn von den genannten High-Performern konnte bei der WM keiner eine Medaille gewinnen. Vor allem aber sind im Sprint- und Laufbereich weiterhin große strukturelle Schwächen auszumachen. Nur viermal war Deutschland hier in Tokio unter den Top Acht vertreten. Auch im Sprungbereich war die Ausbeute dürftig. Doch lassen Sie uns positiv aufhören: Die deutsche Leichtathletik hat sich stabilisiert. Und: Der Weg zurück in die erweiterte Weltspitze muss langfristig, strukturell und international gedacht werden.
Abschließend bleibt mir nun noch, mich bei Ihnen für die uns 2025 gegenübergebrachte Treue zu bedanken. Im Namen unserer Redaktion wünsche ich Ihnen besinnliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch in das Jahr 2026.

Alexander Dierke

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Tokyo 25, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 16.09.2025,

Besondere Verbindung

Köln, 2. Dezember

Liebe Leserinnen und Leser,
was war das für ein starkes Jahr von Hammerwerfer Merlin Hummel. Dass er reichlich talentiert ist, hat der 23-Jährige bereits in den Vorjahren angedeutet – nicht zuletzt wurde der Vize-U23-Europameister von 2023 in der Vorsaison Vierter bei den Europameisterschaften in Rom. Wer schon im Alter von 15 Jahren einen vier Kilogramm schweren Hammer auf eine Weite von 70,04 Metern zu befördern weiß, der muss mit großen Fähigkeiten ausgestattet sein. Eine Begabung, die in der zurückliegenden Wettkampfperiode bei den Aktiven erstmals so richtig belohnt wird: 82,77 Meter als neue persönliche Bestleistung – auf seine bisherigen Top-Weite (79,25 m; 2024) hat Hummel über drei Meter draufgepackt. Nicht irgendwo, sondern bei den Weltmeisterschaften in Tokio. Abgeliefert im – ob der Chancen, mit denen er in den Wettkampf ging – größten Finale seiner bisherigen Laufbahn. Das wurde mit der Silbermedaille belohnt. Merlin Hummel ist in die Weltspitze aufgestiegen. „Wenn ich an dieses Jahr denke, bekomme ich sofort Gänsehaut“, sagt der sympathische Athlet im exklusiven Leichtathletik-Interview. Er verkörpert Dankbarkeit für das, was er erlebt hat – und auch für die langjährige Ausbildung durch seinen Jugendtrainer Martin Ständner. Wenige Tage vor unserem Interview kam es zum Bruch zwischen dem Duo, das perfekt zueinander zu passen schien. Harte Vorwürfe wurden öffentlich, doch Hummel möchte nicht auf Konfrontationskurs gehen, merkt nur an, man solle nicht alles glauben, was in den Medien geschrieben wird. Er hat eine klare Vorstellung, was er in Zukunft noch erreichen will – da geistert nicht zuletzt die Zahl 85 in seinem Kopf herum. Und der zukünftig für Eintracht Frankfurt startende Hammerwerfer hat etwa dank einer eigens entwickelten App ein tiefes Verständnis für den Umgang mit seinem engsten Gefährten: dem Hammer. Nach oben hin setzt er sich weitentechnisch keine Grenzen, er weiß, welche Stellschrauben bei ihm noch nicht so ganz zusammenpassen. Es gehe in diesem Winter etwa darum, „den Eingang noch näher an die Perfektion zu bringen“, weil er glaube, „dass dort das größte Potenzial liegt“. Wenn man Merlin Hummel so zuhört, dann merkt man: Da ist ein Athlet, der wirklich für seine Sportart brennt. Das hat man nicht zuletzt in der Saison 2025 auch bei jedem seiner Wettkämpfe beobachten können.

Alexander Dierke