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Leichtathletik Berlin 12 08 2018 Europameisterschaften EM European Athletics Championships Day 6 Oly

Eigene Stärke

Köln, 22. August 2018

Die Signale sind eindeutig: Die blaue Laufbahn bleibt dem Berliner Olympiastadion erhalten. Dem Plan, das Stadion in eine reine Fußballarena umzubauen, hat der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) wenige Tage nach Ende der Leichtathletik-EM einen Riegel vorgeschoben.

Die Jubelschreie im Lager der Leichtathleten waren verständlicherweise sehr laut. Ein Olympiastadion ohne Laufbahn, das war unvorstellbar, und das bleibt es zum Glück bis auf Weiteres auch. Doch die Worte von Innensenator Geisel wurden nicht überall nur als Sieg für die Leichtathletik, sondern auch als Niederlage für deren Lieblingsfeind, den Fußball, gefeiert. Es bleibt ein Problem der Leichtathletik, dass manche – Fans, Athleten, offizielle Vertreter – dem Fußball, wann immer möglich, gerne einen verbalen Stock in die Speichen werfen. Leider gewinnt man so bei denen, die den Weg zur Leichtathletik erst noch finden müssen, von denen man sich erhofft, dass sie Platz schaffen für eine weitere Sportart in ihrer Freizeit, keine Sympathien. Man kommt hingegen sehr gut an, wenn man Leistung zeigt, wenn man eine Wahnsinns-EM im eigenen Land abliefert, wenn man es schafft, die wenigen Gelegenheiten, die man auf der großen Bühne hat, zu nutzen – kurzum, wenn man so auftritt wie das deutsche Team bei der Heim-EM in Berlin. Die Niederlagen der anderen lässt man besser unkommentiert, meint

Daniel Becker

Berlin Deutschland 12 08 2018 Europameister Armand Duplantis Schweden jubelt neben Renaud Lavil

Die (fast) ultimative Lobhudelei

Die Europameisterschaften in Berlin waren die wohl besten aller Zeiten, alle Neuerungen haben gefruchtet, dazu kamen sportliche Glanzleistungen von deutschen und internationalen Athleten. Umso schlimmer, dass nach der großen Emotion nun die Depression droht: Die Wüsten-WM steht vor der Tür.

Die 24. Leichtathletik- Europameisterschaften sollten ein Schritt in die Zukunft der Sportart werden. Eine Menge Neuerungen wurden gewagt, und genau das ist es, was die Leichtathletik tun will und muss, um wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten: etwas wagen. In Berlin waren es zum einen kleine Änderungen wie die Einführung des „Hot Seats“, auf dem die aktuell Zeitschnellsten der Vorläufe vor laufenden Kameras um den Einzug in die nächste Runde  zitterten, oder Laserlinien in der Sandgrube, die je nach Wettbewerb die bisherige Bestweite des Wettkampfes oder die Saisonbestleistung anzeigten. Alles sicher nicht revolutionär, aber es fruchtete, machte die Abläufe leichter nachvollziehbar, baute Spannung auf, hatte mehr direkte Reaktionen des Publikums zur Folge.

Und dann waren da natürlich noch die großen Änderungen, allen voran die Ausgliederung der meisten Siegerehrungen auf die „Europäische Meile“ auf dem Breitscheidplatz. Die Entscheidung, die EM-Macher Frank Kowalski und sein Organisationsteam getroffen hatten, war im Vorfeld nicht von allen gutgeheißen worden. Doch die kritischen Stimmen verstummten schnell, auch Athleten wie beispielsweise Weitspringer Fabian Heinle, für die Siegerehrungen „eigentlich ins Stadion gehören“, waren im Anschluss überwältigt von der Stimmung in der kleinen Arena im Schatten der Gedächtniskirche und von dem kuscheligen, aber deswegen nicht weniger würdigen Rahmen, in dem die Sportler ihre hart erarbeiteten Medaillen erhielten. An die Tränen in den Augen von Thomas Röhler und Christin Hussong werden sich nicht nur die Sportler noch eine Zeit lang erinnern. Die Installation der „Europäischen Meile“ mit dem engen Rundkurs für die Geh-Wettbewerbe, dem Start- und Zielbereich der Marathonläufe und der Bühne für die Siegerehrung wurde zum großen Coup!

Eine EM zur richtigen Zeit

Doch bei Großveranstaltungen im Sport ist auch die beste Planung nur die halbe Miete, ohne große sportliche Momente kann man keine Euphorie entfachen – weder bei den Zuschauern im Stadion noch bei denen vor den TV-Bildschirmen. Und so grandios die Heim-WM 2009 war, in der aktuellen Situation hat es für die deutsche Leichtathletik keinen weltweiten, sondern einen kontinentalen Vergleich gebraucht. Ein Ereignis, bei dem jeden Abend Medaillen möglich sind, bei dem sich die Athleten nicht der teilweise übermächtigen Konkurrenz von der anderen Seite des Atlantiks gegenübersehen, ein Ereignis, bei dem auch mal 8,13 Meter für Weitsprung-Silber und 63 Meter für Diskus-Silber reichen können. Und fast immer, wenn sich den deutschen Athleten die Chance bot, nutzten sie sie, lieferten reihenweise Saisonbestleistungen und sorgten insgesamt für ein überragendes Abschneiden bei der Heim-EM.

Dazu kamen die immer wieder eingestreuten internationalen Weltklasseleistungen. Es bedarf keiner Glaskugel, um vorhersagen zu können, dass Athletinnen bzw. Athleten wie die britische Sprinterin Dina Asher-Smith, die dreimal Gold mit nach Hause nehmen durfte, oder der junge Norweger Jakob Ingebrigtsen die Leichtathletik im kommenden Jahrzehnt auch im weltweiten Vergleich mitbestimmen werden. Und dann war da natürlich am Abschlusstag noch der Stabhochsprung der Männer, mit einem unglaublichen Renaud Lavillenie, einem überragenden Timur Morgunov und einem Armand Duplantis wie vom anderen Stern. Die rund zwei magischen Wettkampfstunden von Berlin werden nicht nur als bester Wettbewerb dieser Disziplin bei allen Großereignissen in die Geschichte eingehen, sondern als der vielleicht beste Stabhochsprung-Wettbewerb, den es überhaupt je gegeben hat. Und er fand, wie alle anderen Wettkämpfe auch, in einem würdigen Rahmen in einem Olympiastadion statt, das man sich nun weniger denn je ohne blaue Laufbahn vorstellen kann, und vor einem Publikum, das nicht nur die Leistungen der eigenen, sondern auch die aller anderen Athleten zu würdigen wusste.

Die 24. Leichtathletik-Europameisterschaften waren die besten der Geschichte. Sie haben gezeigt, dass die Leichtathletik mit ihrer Vielfalt begeistern kann. Umso bitterer ist es,dass der Sportart nun ein Problemjahr bevorsteht. Nach der Emotion droht die Depression, denn 2019, das ist Doha, Katar. WM in der Wüste. Emotionen adé.

Die Leichtathletik muss das Jahr 2019 überstehen, danach folgt ein Olympiajahr, und in dem ticken die Uhren auch in Deutschland noch immer etwas anders. Es ist dann nicht immer „Viertel vor Fußball“. Und in vier Jahren kommt hoffentlich auch die nächste Ausgabe der European Championships. Die dürfen dann gerne komplett in Berlin stattfinden – und die Leichtathletik im Berliner Olympiastadion darf erneut als „Lokomotive“ dienen.

Bilder des Tages SPORT Leichtathletik Pressekonferenz zur Leichtathletik EM 2017 in Berlin Masko

Endlich EM

Köln, 31. Juli 2018

Das Warten hat ein Ende. Endlich EM, Berlin, Olympiastadion, Heimspiel. Leichtathletik-Herz, was willst du mehr? Eingebettet sind die Europameisterschaften in die „European Championships“. Die Zusammenlegung der kontinentalen Titelwettkämpfe soll vor allem für eine höhere TV-Präsenz sorgen. Während Filme und Serien längst bei Streaming-Diensten wie „Netflix“ oder „Amazon Prime“ ein neues Zuhause gefunden haben, sind Übertragungszeiten im TV für Sportarten noch immer der mit Abstand wichtigste Faktor, um in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Wer es mit der Leichtathletik hält, der drückt in diesem Zuge am besten auch den anderen Sportarten die Daumen und schaltet ein – denn sollte sich am Ende doch niemand Turnen, Rudern oder Golf anschauen, dann kann es auch ganz schnell wieder vorbei sein mit dem neuen Format.

Ob die EM in Berlin zum Sommermärchen wird, hängt natürlich auch vom Abschneiden des deutschen Teams ab. Aussichtsreiche Medaillenkandidaten gibt es genug, dazu kommt, dass der Zeitplan so ausgetüftelt wurde, dass an jedem Abend eine Goldmedaille für Deutschland drin sein könnte, wie Cheforganisator Frank Kowalski in unserer aktuellen Ausgabe im Interview verraten hat. Für die TV- Zuschauer und für die deutsche Leichtathletik könnte es nichts Besseres geben, als wenn dieser Plan aufgeht, meint

Daniel Becker

Berlin Deutschland 27 08 2017 Leichtathletik Meeting ISTAF 2017 Weitsprung Frauen

Ins Risiko

Köln, 24. Juli 2018

Die 119. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften finden 2019 in Berlin statt. Das Präsidium des DLV hatte schon Ende 2017 angekündigt, mit dem nationalen Höhepunkt in die Hauptstadt gehen zu wollen, am DM-Wochenende in Nürnberg wurde es nun offiziell.

Es ist ein taktischer Zug der Verantwortlichen, der nicht ganz ohne Risiko ist. Denn ob die Deutschen Meisterschaften ausreichend Zuschauer ins Olympiastadion locken, ist längst nicht sicher. Sicher ist hingegen, dass die Europameisterschaften im August als Zugpferd für die deutsche Leichtathletik und auch für deren Titelkämpfe dienen sollen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser taktische Zug, der im Kontext der Diskussionen um den Umbau des Stadions und den Erhalt der dortigen Laufbahn zu sehen ist, am Ende wirklich auszahlt. Der Blick auf weitgehend leere Ränge im Max-Morlock-Stadion am vergangenen Wochenende machte zwar nicht besonders viel Mut, und ein nur spärlich gefülltes Olympiastadion wäre erst recht keine gute Werbung für die Leichtathletik. Dennoch ist es richtig, ins Risiko zu gehen. Eine EM alleine wird nicht ausreichen, um auch in Zukunft Leichtathletik im Olympiastadion zu garantieren, es braucht weitere Argumente, um die Laufbahn zu erhalten. Die Sportart muss weiter fest in der Hauptstadt verankert werden. Für einen ersten Schritt in diese Richtung eignet sich kein Jahr so gut wie das nach einer (hoffentlich) erfolgreichen EM, meint

Daniel Becker

Max Morlock Stadion in Nürnberg Copyright Thomas Pakusch *** Max Morlock Stadium in Nuremberg Copyr

Heiße Phase

Köln, 17. Juli 2018

Deutsche Meisterschaften sind immer ein Highlight. Und auch in diesem Jahr wird im Rahmen des nationalen Höhepunktes sicher wieder etwas passieren, an das man sich noch erinnern wird. So wie letztes Jahr, als Julian Reus und Gina Lückenkemper in Erfurt groß auftrumpften. Oder wie 2016, als die DM in Kassel im Zeichen der Olympiaqualifikation stand und mit dem Diskus-Finish von Robert Harting einen wahren Leckerbissen in Sachen Sportdrama zu bieten hatte. Und denkt man an die DM 2015 – die letzte, die in Nürnberg stattfand – dann fällt einem sofort das fantastische Freitagabend-Event auf dem Hauptmarkt ein, bei dem es für Deutschlands beste Weitspringerinnen und Weitspringer vor einer Traumkulisse um Meisterehren ging.

Auch 2018 wohnt einigen Disziplinen wieder ein besonderes Dramapotenzial inne. Schafft es Robert Harting noch zur EM? Welcher Speerwerfer bringt sich vor Berlin in die beste Situation? Wer entscheidet das Hürdenduell für sich – Pamela Dutkiewicz oder Cindy Roleder? Und in welcher Disziplin gibt es die obligatorische Überraschung? Die heiße Phase der Saison wird in Nürnberg eingeläutet – und damit schlicht die beste Zeit des Jahres für uns Leichtathletikfans. Freuen wir uns darauf, fiebern wir mit und hoffen wir, dass die sportlichen Höhepunkte überwiegen und uns ein Nominierungshickhack im Nachhinein erspart bleibt, meint

Daniel Becker

Berlin Halbmarathon 2018 08 04 2018 Laeufer Philipp Pflieger 9 Berliner Halbmarathon 2017 16 Berli

Hintertür-Politik

Köln, 10. Juli 2018

Auch 2018 führen die Nominierungen des DLV für ein Großereignis wieder zu Diskussionen. Neu in diesem Jahr ist, dass der Verband schon vor den Deutschen Meisterschaften eine erste umfangreiche Nominierungsliste veröffentlicht hat. Der Sinn dahinter: Nominierte Athleten sollen sich in Ruhe auf die EM vorbereiten können – ohne den Druck, bei der DM in Nürnberg noch abliefern zu müssen. Was wie eine nachvollziehbare Idee klingt, hat sich jedoch längst als Fehlgriff herausgestellt. Begründungen für die Nominierungen blieben fast komplett aus, die Nominierungsrichtlinien, die eigentlich einen nachvollziehbaren Leitfaden darstellen sollen, wurden erneut zu unkonkret formuliert. In Sachen Nominierungsangelegenheiten betreibt der DLV Hintertür-Politik. Ein Eindruck, der verstärkt wird, wenn man den Fall von Langstreckenläufer Philipp Pflieger betrachtet. Der hat zwei Normen erfüllt, wurde aber – trotz seines Wunsches, über beide Strecken zu starten – nur für eine Strecke nominiert. Der vom Verband dafür angeführte Grund (im Laufbereich werden Doppelstarts nur bei „begründeten Medaillenchancen“ genehmigt) ist nicht in den Nominierungsrichtlinien festgeschrieben, sondern wurde erst nachträglich mitgeliefert.

Und so hat es der DLV nach den chaotischen Nominierungen der vergangenen Jahre erneut verpasst, für Transparenz und klare Verhältnisse zu sorgen. Wenn nach Veröffentlichung einer Liste, die für Klarheit sorgen soll, mehr Fragen offen sind als vorher, dann ist mal wieder einiges schief gelaufen, meint

Daniel Becker

Meeting of Paris - Diamond League

Diskussion auf drei

Köln, 05. Juli 2018

Um ein ganz besonderes Thema in der Leichtathletik war es in den vergangenen Monaten ziemlich ruhig geworden: die Weltrekorde. 2017 war Mary Keitany mit ihrer Bestmarke im Frauenlauf-Marathon die einzige Athletin, die einen neuen Freiluft-Weltrekord aufstellte, während im Olympiajahr 2016 gleich vier Athleten neue Bestmarken erzielten: Wayde van Niekerk (400 m), Anita Wlodarczyk (Hammerwurf), Almaz Ayana (10.000 m) und Kendra Harrison (100 m Hürden). Immer wurde im Anschluss die Frage gestellt, ob eine solche Leistung sauber erbracht werden könne – sie musste gestellt werden. Das Misstrauen springt, läuft und wirft immer mit, doch nie drängt es sich so weit in den Vordergrund, wie wenn ein neuer Weltrekord aufgestellt wird.

Gut möglich, dass es bald wieder so weit ist. Am Wochenende zeigten gleich drei Athleten, dass sie in der Lage zu sein scheinen, Uralt-Bestwerte zu knacken: Abderrahman Samba, Juan Miguel Echevarria und Caster Semenya. Samba und Echevarria sind Emporkömmlinge, die in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt um Siege auf höchstem internationalen Niveau kämpfen. Caster Semenya hingegen ist seit Langem in der Weltspitze und aufgrund der Hyperandrogenismus-Debatte wie kaum eine andere Leichtathletin im Fokus der Medien. Ein Weltrekord von ihr würde wohl die größte Aufmerksamkeit erzeugen. Es ist sicher und es ist richtig, dass im Falle neuer Weltrekorde die Diskussionen kommen. Wichtig ist, wie wir sie führen. Und wie viel wir aus den Diskussionen der Vergangenheit gelernt haben, meint

Daniel Becker

39 Internationales Hochsprungmeeting Eberstadt 27 08 2017 27 08 2017 xmhx Leichtathletik 39 I

Türe zu, Türe auf

Köln, 27. Juni 2018

In der letzten Ausgabe hatten wir über die neuen „Bayer Classics“ noch von einem „Meeting mit Zukunft“ gesprochen, nun müssen wir uns mal wieder da- mit anfreunden, dass ein hochklassiges Event zum „Meeting der Vergangenheit“ wird. Das Aus von Eberstadt (lesen Sie mehr dazu auf Seite 3) trifft die deutsche Leichtathletik-Szene hart. Unter den renommierten deutschen Spezial- Meetings war es vielleicht das beste, das wichtigste, das hochklassigste. Bald ist es Geschichte. 40.000 Euro machen den Unterschied, ein Betrag, der anlässlich der Summen, über die gerade rund um die Fußball-WM in Russland berichtet wird, lächerlich erscheint. Bitter ist auf den ersten Blick auch, dass das Eberstadt-Ende gerade im Jahr der Heim-EM in Berlin verkündet wird – dem Jahr, das der deutschen Leichtathletik wieder einen ordentlichen Schub verschaffen soll. Und das kann es noch immer, denn das EM-Organisationsteam rührt die Werbetrommel so professionell, wie es wohl bei noch keiner EM zuvor der Fall war. Nach Ende der Fußball-WM soll die nächste Werbe-Stufe gezündet werden. So ge- sehen, ist zumindest der Zeitpunkt für das Eberstadt-Aus vielleicht nicht ganz so schlimm, denn wenn es eine Chance gibt, Sponsoren für die Leichtathletik zu begeistern, dann beim großen Spektakel im August im Berliner Olympiastadion. Selbst wenn die Tür zur Eberfürst-Arena dauerhaft geschlossen bleiben sollte, so könnten sich durch eine inspirierende EM andere öffnen, meint

Daniel Becker

Hallesche Werfertage in Halle Saale 26 05 2018 Leichtathletik Halplus Hallesche Werfertage am 26

Zeit ist alles

Köln, 20. Juni 2018

Rund zehn Jahre im Schnitt, manchmal deutlich mehr, manchmal deutlich weniger – die Zeit, in der Menschen Leistungssport betreiben, ist begrenzt. Da bleibt ohnehin kaum Raum, grundlegende Dinge zu ändern. Noch schwieriger wird es, wenn die Sorge um die finanzielle Grundversorgung dazukommt. Weil Bundeswehr und Polizei in ihren Sportfördergruppen eben jene finanzielle Grundversorgung garantieren und es den Athleten ermöglichen, sich (fast) ausschließlich um ihren Sport zu kümmern, sind die Plätze dort ziemlich begehrt. Wer einmal einen ergattert hat, will ihn so schnell nicht hergeben. Athleten in Sportfördergruppen wissen, dass sie Privilegierte sind. Kritische Äußerungen hört man selten bis nie. Vielleicht, weil es kaum Gründe für Beschwerden gibt, vielleicht, weil das Abhängigkeitsverhältnis sehr einseitig ist. Wahrscheinlich, weil beide Faktoren zusammenkommen. Doch Zeit ist manchmal auch in Sportfördergruppen rares Gut. Das zeigt die Situation von Kugelstoßer Dennis Lewke. Der Sportsoldat musste das Experiment Technikumstellung vom Angleiten zum Drehstoßen abbrechen. Zu groß war die Angst, benötigte Werte nicht zu erreichen und damit aus dem Kader und der Sportfördergruppe zu fliegen. Dann lieber wieder Angleiten. Genug, um zu überleben, zu wenig, um einen großen Schritt nach vorn machen zu können. Die Diskussion um die Kugelstoß-Technik der Zukunft zeigt auch eines der größten Probleme in der deutschen Sportförderung auf: die mangelnde Flexibilität, meint

Daniel Becker

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Eigenwerbung

Köln, 14. Juni 2018

Im öffentlichen Diskurs kommen die sozialen Medien meist ziemlich schlecht weg. Datenschutzskandale, die Themen Handy- und Internetsucht, Hass-Posts und „Fake News“ bestimmen die weltweit geführte Diskussion. Die Skepsis ist begründet. Doch es gibt auch Nischen, in denen Instagram, Facebook, Twitter & Co. ein hilfreiches Instrument sein können. Eine davon ist der Sport.

Die Chancen, die soziale Medien für Athleten bieten, die keine Fußballer sind, werden hierzulande allerdings noch unterschätzt. Denn: Es lässt sich Geld verdienen im großen, weiten Internet. Man muss hinterher sein, regelmäßig „posten“, ein paar brauch- bare Ideen haben und im besten Falle ein gutes Auge und etwas Ahnung von Bildbearbeitung. Dann kann es funktionieren, dass sich Sportler, die in Sachen Förderung von Bund und Verband durchs Raster fallen, ein zusätzliches Standbein schaffen. So wie zum Beispiel Maike Schachtschneider (Interview auf den Seiten 8/9). Auch Sportler, die schon einen hohen Bekanntheitsgrad haben, können von der direkten Interaktion mit „Followern“ profitieren, sich eine breitere Fanbasis aufbauen und dadurch zur Werbefigur werden. Früher hatten die wenigsten Sportler die Möglichkeit, als Werbe- träger aufzutreten und dadurch Geld zu verdienen. Heute liegt es in ihrer Hand. Und das ist durchaus ein positiver Aspekt der sozialen Medien, meint

Daniel Becker