Category : Allgemein

Team EM 2023 705	 GER HUSSONG Christin 60.05 *** Team EM 2023 705 GER HUSSONG Christin 60 05 Copyright: xBEAUTIFULxSPORT

Richtungsweisende Wochen

Köln, 27. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
der Wettkampfkalender dieser Tage ist eng getaktet. Am vergangenen Wochenende starteten potenzielle WM-Kandidaten, aufstrebende Nachwuchsathleten und so manches neue Gesicht für den DLV bei der Team-EM im polnischen Chorzow. Das Resultat des kontinentalen Vergleichs? Deutschland stellt auf dem Papier die drittbeste Mannschaft Europas. Das ist zunächst gegen internationale Konkurrenz eine positive Nachricht. Die DLV-Delegation kann mithalten: Diskus-Ass Kristin Pudenz und der Speerwurf-Europameister Julian Weber holten in ihren Disziplinen Einzelsiege, dazu präsentieren sich auch Talente wie Luis Oberbeck (internationales Debüt) ordentlich. Es ist dennoch nur ein erster Zwischenschritt mit bedingter Bedeutung. Längst nicht alle Top-Athleten waren in Polen dabei, das gilt für das DLV-Team wie für die übrigen Mannschaften. Europäisch standen die deutschen Athleten zudem auch im letzten Jahr gut da. Was in der Endabrechnung zählt, sind die Weltmeisterschaften – eine Einschätzung, die auch der Verband teilt. Und dennoch ist die Medaille besonders im Sinne des Mannschaftsgedanken nennenswert.
Um Edelmetall im Einzel wird es hingegen bereits am kommenden Wochenende wieder gehen: Am 1. und 2. Juli treffen die deutschen Hoffnungen der Zukunft aufeinander und fighten in Göttingen um die deutschen Meistertitel in der U23-Altersklasse. Manch einer der Protagonisten ist längst auch bereits im Aktivenbereich vertreten, etwa Steven Richter, und könnte dann nur eine Woche später in Kassel bei den Deutschen Meisterschaften erneut um nationale Titel kämpfen. Freuen wir uns also auf richtungsweisende Auftritte der Athleten!

Alexander Dierke

 

Track and Field: NCAA, College League, USA Championships Jun 8, 2023; Austin, TX, USA; Leo Neugebauer of Texas celebrate

Ein echter Glücksfall

Köln, 20. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
elf deutsche Zehnkampf-Rekordler hat die deutsche Leichtathletik in ihrer Historie seit 1910 bisher erlebt. Es sind Namen wie Kurt Bendlin und Guido Kratschmer, welche die Disziplin rekordtechnisch prägten. Und nicht zu vergessen natürlich Jürgen Hingsen. Seit 39 Jahren führte dieser die ewige deutsche Bestenliste an, seine 1984 aufgestellten 8.832 Zähler, sie blieben stets unerreicht. Bis zum 8. Juni 2023. Dem Tag, als in den USA die Sternstunde des Leo Neugebauer aufging: Mit 8.836 Zählern drang der College-Student in neue Sphären vor, schaffte das, was in der Vergangenheit etwa einem Frank Busemann oder Niklas Kaul nicht gelang. Mit erst 22 Jahren, am Anfang seiner Karriere stehend, kürte er sich zum zwölften deutschen Zehnkampf-Rekordler. Überhaupt haben in der Geschichte des Zehnkampfs bisher global erst acht Athleten mehr Punkte erreicht.
Vom vielversprechenden Nachwuchstalent ist Neugebauer binnen kürzester Zeit nun zu einem ernsthaften DLV-Medaillenkandidaten für die WM in Budapest sowie Olympia 2024 in Paris geworden. War es die letzten Jahre Kaul, der mehr oder weniger als alleiniges Aushängeschild des deutschen Zehnkampfs agierte, besitzt der Europameister mit Neugebauer nun einen ernsthaften Konkurrenten an seiner Seite. Und das ist ein echter Glücksfall. Denn die deutschen Leistungen wird das in Zukunft keinesfalls schmälern, vielmehr müssen beide abliefern: Kaul muss seine Position als deutsche Nummer eins neu behaupten, Neugebauer wiederum muss beweisen, dass der Wettkampf in Texas kein einmaliger Ausreißer war. Freuen wir uns also schon jetzt auf die WM!

Alexander Dierke

 

Niklas KAUL (Deutschland) enttaeuscht Leichtathletik, Zehnkampf Hochsprung, am 04.08.2021 Olympische Sommerspiele 2020,

Weitsicht gefragt

Köln, 6. Juni

Liebe Leserinnen und Leser,
langsam beginnen diese Wochen in der Leichtathletik, in denen es bei zahlreichen nationalen und internationalen Meetings ernst wird für die Athleten – noch bis Ende Juli haben die Sportler in den meisten Disziplinen Zeit, die WM-Normen zu knacken. Darüber hinaus besteht schon jetzt die Möglichkeit der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Für Niklas Kaul ist letzteres in dieser Saison bereits ein festes Ziel, wie er uns vor seinem Zehnkampf-Auftakt in Ratingen erzählt hat. Doch die Qualifikationen für internationale Top-Veranstaltungen sind das eine. Das andere sind letztlich die Leistungen der DLV-Athleten bei eben solchen Meisterschaften. Ein Niklas Kaul ist da aus deutscher Sicht in puncto Konkurrenzfähigkeit gegen die Weltelite eher die Ausnahme.
Etwas, das sich in den vergangenen Jahren durch die deutsche Leichtathletik zog, sind Nachwuchssorgen. Besonders in den Leistungssport stoßen immer weniger Talente von Weltklasse-Format. Ob das etwa an unzureichender Nachwuchsarbeit oder mangelnden Fördermaßnahmen liegt, ist eine der Fragen, die es zu beantworten gilt. Auf die Agenda geschrieben hat sich das Dr. Jörg Bügner. Seit Anfang März ist der Leichtathletik-„Neuling“ als Sportdirektor des DLV aktiv – und überzeugt im Interview mit Leichtathletik gleich mit fachlich guten Ansätzen. Das Ziel einer Rückkehr unter die Top Fünf der Nationenwertung bis 2028 findet Bügner dabei äußerst ambitioniert. Eine Einschätzung, die von Ehrlichkeit zeugt. Der Weg zurück in die Erfolgsspur kann nicht von heute auf morgen geschehen. Gut, dass dies auch der DLV-Sportdirektor weiß.

Alexander Dierke

 

Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar, DLV 607), Gina Lueckenkemper (SCC Berlin, DLV 612), Lisa Marie Kwayie (Neukoellner SF

Das gewisse Extra

Köln, 23. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
die Freiluft-Meetings in der deutschen Leichtathletik haben stets einen besonderen Flair. Traditions-Veranstaltungen wie die Kurpfalz-Gala in Weinheim oder die Sparkassen-Gala in Regensburg rücken Ende Mai beziehungsweise Anfang Juni im Wettkampf-Kalender in den Blickpunkt. Aber was macht den speziellen Geist solcher Meetings aus? Um diesen zu ergründen, schauen wir in Regensburg nicht nur auf Top-Athleten und Rekorde, sondern werfen gemeinsam mit Organisationsdirektor Kurt Ring einmal einen Blick hinter die Kulissen der schnellen Bahn. Dabei wurde auch so manch schöne Anekdote zutage gefördert. Mehr dazu erfahren Sie ab Seite 6 dieser Ausgabe.
Das Label „Meeting mit besonderem Flair“ trägt ohne Zweifel auch das Mehrkampf-Meeting in Götzis. Das Möslestadion in Vorarlberg hat schon so manchen Rekord hervorgebracht, doch in diesem Jahr wird das internationale Who-is-Who der Siebenkämpferinnen und Zehnkämpfer sicher noch mal eine Schippe drauflegen – schließlich geht es auch in Götzis um WM-Normen für Budapest. Der Startschuss im österreichischen Mehrkampf-Mekka fällt am 27. Mai.
Das Thema WM-Norm hat auch Thomas Röhler noch nicht ad acta gelegt. Verletzungen zwangen den Speerwurf- Olympiasieger von 2016 zu einer langen Pause. Jetzt aber ist der Jenaer in den Wettkampf-Modus zurückgekehrt und will seine sportlichen Ziele wieder aufnehmen. Selbst die WM im August ist bei ihm noch „im Hinterkopf“, wie Röhler uns verraten hat. Mehr über diesen außergewöhnlichen Athleten lesen Sie in unserer Story auf Seite 10.

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Große Ziele

Köln, 16. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
es war einer dieser Meeting-Klassiker, der mit Pliezhausen am vergangenen Wochenende auf dem Programm stand. Die Wettkämpfe über die „Krummen Strecken“ in der baden-württembergischen Gemeinde bieten nationale und internationale Topathleten, ordentlich Spannung und reichlich Zuschauer. Da darf dann auch ein Star nicht fehlen – im Vorfeld war Malaika Mihambo angekündigt worden. Die Weitsprung-Weltmeisterin musste den geplanten Freiluftauftakt in ihrer Zweitdisziplin jedoch krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Besagte Rolle wurde dann unverhofft von einer anderen Protagonistin eingenommen, und das gleich doppelt: Lisa Nippgen brannte über die ungewöhnlichen Sprintdistanzen zwei Hochkaräter in die Bahn und überschrieb über 80 und 150 Meter in der 32. Ausgabe der Prestigeveranstaltung die Allzeit-Bestmarken. Unter anderem von? Na klar, Malaika Mihambo. Da ist es legitim, dass sich Nippgen ambitionierte Ziele setzt: Die 26-Jährige träumt von ihrem ersten internationalen Einsatz im August bei der WM in Budapest.
Den Weg in die ungarische Hauptstadt antreten möchte auch Lisa Mayer. Die Athletin des Sprintteams Wetzlar gehörte nach langer Leidenszeit bereits im vergangenen Sommer bei der EM zur deutschen Gold-Staffel und legte in der diesjährigen Hallensaison leistungstechnisch noch einen drauf. Einzig Gina Lückenkemper musste sie sich geschlagen geben. Spannende Duelle sind da vorprogrammiert – und mit guten Ergebnissen will sich auch Mayer einen Traum erfüllen: die Olympia-Teilnahme 2024 in Paris.
Übrigens: Schon bereits kommendes Wochenende steht die Team-EM der Geher an, wofür wir im Vorfeld mit Bundestrainer Ronald Weigel gesprochen haben.
Kommen Sie gut durch die Woche!

Alexander Dierke

 

Siegerin Gina LUECKENKEMPER (Lückenkemper) SCC Berlin/ 1.Platz). Finale 100m der Frauen am 25.06.2022 Deutsche Leichtath

Spannung in der WM-Quali

Köln, 9. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
im vorolympischen Jahr gibt es für die meisten Top-Athletinnen und -Athleten vor allem ein Ziel: sich für die WM in Budapest zu qualifizieren und dort bestmöglich abzuschneiden. Dafür arbeiten die deutschen Spitzensportler hart und konsequent. Doch dass dies keine Garantie auf Erfolg ist, zeigt sich zum Start in diese Freiluftsaison einmal mehr. Wie bei Alina Reh und Hanna Klein. Die beiden Top-Läuferinnen traten als Favoritinnen bei der Langstrecken-DM in Mittweida an, um dort auf Titeljagd zu gehen und zugleich die WM-Norm zu erfüllen. Funktioniert hat das nicht, sowohl Klein als auch Reh mussten im 10.000-m-Rennen dem hohen Tempo Tribut zollen; den Titel eroberte schließlich „Außenseiterin“ Domenika Mayer. Doch für Reh und Klein wird es weitere WM-Chancen geben.
Für einen frühen Saisonstart entschied sich Konstanze Klosterhalfen beim Auftakt-Meeting der Diamond League. Zwar konnte die Europameisterin im 1.500-m-Rennen in Doha nicht im Kampf um die Spitzenplätze eingreifen, war mit ihrem Auftritt aber zufrieden. Ihre Erkenntnis: Es gibt noch Arbeit, um die Form zu erreichen. Wie es wiederum um die Form von Gina Lückenkemper bestellt ist, erzählt sie uns im Interview dieser Ausgabe. Die Ausnahme-Sprinterin trainiert in Florida ihre Stärken, arbeitet aber ebenso fokussiert an ihren Schwächen. Zum Lohn schaffte Lückenkemper den besten Saisoneinstieg ihrer Karriere, wie sie uns berichtet.
So individuell die Wege sind, welche die Athleten für ihren Saisoneinstieg wählen – den einen Erfolgsweg gibt es nicht. Insofern freuen wir uns auf spannende Wochen im Kampf um die WM-Qualifikation, bis am 19. August in Budapest der Startschuss fällt.

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Große Hoffnungen

Köln, 25. April

Liebe Leserinnen und Leser,
beinahe drei Jahre ist es her, da holte Kugelstoßerin Alina Kenzel 2020 ihren ersten Deutschen Meistertitel im Freien. Zuvor war die 25-Jährige bereits Junioren-Welt- und Europameisterin. Ihre Zukunft – sie versprach eine rosige zu werden. Doch 2021 kommt alles anders. Plötzlich ist es nicht mehr die Frage nach den Zielen bei WM oder EM, sondern eine existenzielle, welche die Athletin des VfL Waiblingen umtreibt: „Wer kann mir helfen?“ Es ist eine Art Hilfeschrei einer Sportlerin und in allererster Linie eines Menschen, der nach zwei Corona-Infektionen im zweiten Jahr der Pandemie an Post Covid erkrankt. An Leistungssport war für Kenzel seitdem nicht mehr zu denken, ganz langsam arbeitet sich die sympathische Athletin gemeinsam mit ihren Ärzten und Trainern etappenweise zurück in das ägliche Leben. Denn der Leistungssport ist es, in den die Sportsoldatin zurückkehren möchte – der große Traum ist jener einer Olympia-Teilnahme im kommenden Jahr bei den Spielen in Paris.
Auch bis zu einer möglichen ersten Teilnahme an einem Diamond-League-Meeting von Alina Kenzel wird noch einige Zeit vergehen. Am 5. Mai jedenfalls startet die Elite-Serie in Doha in die neue Saison und wird aller Voraussicht nach auch einen deutschen Rückkehrer begrüßen dürfen. Johannes Vetter arbeitet nach einjähriger Zwangspause intensiv an seinem Comeback und plant in der katarischen Hauptstadt erstmals wieder einen Speerwurf auf Wettkampfebene. Eine durchaus positive Nachricht für diese besondere WM-Saison, der Erfolgsgeschichten gut zu Gesicht stehen würden.
Kommen Sie gut durch die Woche!

Alexander Dierke

 

Sport Bilder des Tages Running: Boston Marathon Apr 17, 2023; Boston, MA, USA; Evans Chebet of Kenya (left) and Hellen O

Starke Geschichten

Köln, 18. April

Liebe Leserinnen und Leser,
das hat richtig Spaß gemacht zuzuschauen. Kurz vor Redaktionsschluss der neuen Ausgabe von Leichtathletik fand am Montagnachmittag der prestigeträchtige Marathon in Boston statt. Aus deutscher Sicht galt der Blick bei dem US-Lauf besonders einem Mann: Hendrik Pfeiffer. Denn der Deutsche erfüllte sich mit seinem Start in Massachusetts einen großen Traum und reihte sich mit seiner vorherigen Bestzeit auf Startplatz 27 des Teilnehmerfeldes ein. Entsprechend ambitioniert gab
sich der Hannoveraner im Vorfeld und wollte darüber hinaus vor allem eines: die „verrückte Strecke“ und die „verrückten Menschenmassen“ genießen. Umso bemerkenswerter, dass Pfeiffer am Ende beides gelang: Als 16. im Endklassement belohnte er sich für den Aufwand der letzten Monate. Dass der Favorit Eliud Kipchoge sich hingegen deutlich geschlagen geben musste, war durchaus eine Überraschung. Doch mit Evans Chebet und Hellen Obiri brachte der Kultlauf auch in diesem Jahr zwei würdige Sieger hervor. Nun bewegt sich die Marathon-Saison so langsam auf die Sommerpause hin, während die Freiluftsaison in den anderen Disziplinen in den Startlöchern steht.
Um Meistertitel ging es für die deutschen Geher. Neben Bianca Maria Dittrich und Christopher Linke jubelten in Erfurt Saskia Feige und Karl Junghannß – und die letztgenannten buchten damit bereits eindrucksvoll ihr WM-Ticket. Apropos eindrucksvoll: Das trifft auch auf die lange Laufbahn des Meeting-Machers Rudi Thiel zu. Anlässlich seines 95. Geburtstags würdigen wir den „Architekten“ des ISTAF.
Kommen Sie gut durch die Woche!

Alexander Dierke

 

2022 Gymnastics World Championships - Day Seven

Zeichen setzen

Köln, 4. April

Liebe Leserinnen und Leser,
die IOC-Empfehlung, russische und belarussische Sportler unter Neutralität wieder an internationalen Sportwettbewerben teilnehmen zu lassen, wirkt wie ein Akt der Hilflosigkeit. Als könnte der Verzicht auf Fahne und Hymne darüber hinwegtäuschen, dass Athleten aus Russland und Belarus in der öffentlichen Wahrnehmung symbolisch für den Angriffskrieg gegen die Ukraine stehen. Den Athleten selbst kann man nicht verübeln, dass sie in ihrem Sportlerdasein um Medaillen kämpfen möchten. Aber spätestens, wenn ihre Erfolge in der Heimat von Wladimir Putin zu Propagandazwecken missbraucht werden, lassen sich Sport und Politik nicht mehr trennen. „Die Entscheidung des IOC ist ein Schlag ins Gesicht der ukrainischen Sportlerinnen und Sportler“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Dem ist wenig hinzuzufügen angesichts 262 toter ukrainischer Sportler und Trainer, an die auch der ukrainische Sportminister erinnerte. IOC-Präsident Thomas Bach argumentiert, würde die Politik entscheiden, wer an Olympischen Spielen teilnehme oder nicht, so wäre es das Ende des Sports auf dieser Welt. Doch der Sport scheint überfordert, das Problem allein lösen zu können. Aufgrund der IOC-Empfehlung droht in vielen Fachverbänden die Zerreißprobe, es seien nur Beispiele wie im Boxen oder Fechten genannt. Insofern wird in diesem Konflikt vermutlich die Politik (mit)entscheiden müssen – so, wie sie es in der Vergangenheit schon bei den Olympia-Boykotts 1980 und 1984 getan hat. Deshalb muss der Sport ein klares Zeichen setzen gegen diesen Angriffskrieg, mit aller Konsequenz. Eine Zulassung russischer und belarussischer Athleten wird ihn nicht beenden.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Sympathisch und erfolgreich

Köln, 28. März

Liebe Leserinnen und Leser,
die Hallensaison brachte uns eine Premieren-Europameisterin, Hanna Klein. Im Gespräch gibt die Mittel- und Langstreckenläuferin, die zurzeit für ein Trainingslager in Südafrika weilt, spannende Einblicke zu ihrem Gold-Lauf über 3.000 Meter – einem der aus deutscher Sicht packendsten Wettkämpfe der jüngeren Leichtathletik-Historie. Von Nervosität über Übelkeit bis zur absoluten Ekstase nach dem Zieleinlauf: Die sympathische Athletin erlebte einen Tag voller Auf und Abs. Auch fast einen Monat nach ihrem EM- Triumph war ihr die Freude über das in Istanbul Erreichte anzuhören.

Nun hat die Athletin des LAV Stadtwerke Tübingen ihren Fokus auf die Freiluftsaison gerichtet. In Südafrika trainiert Hanna Klein gemeinsam mit Alina Reh und anderen an den Grundlagen für einen erfolgreichen Sommer. Dann wird sie sich sowohl bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel als auch – so ihr Plan – bei den Weltmeisterschaften in Budapest vermutlich erneut mit Konkurrentin und Freundin Konstanze Klosterhalfen messen.

Und wer weiß, vielleicht gelingt den beiden deutschen Läuferinnen bei den anstehenden Titelkämpfen im August der nächste großen internationale Triumph. Einen Doppelerfolg wie bei der Hallen-EM würden sowohl Klein wie auch Klosterhalfen mit Sicherheit unterschreiben – egal, wer im Endeffekt den Platz ganz vorne erreichen wird.

 

Robin Josten