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27th European Athletics Championships - Birmingham 2026: Day Four

Foto: Getty Images / Michael Steele

Leichtathletik ist geil

Köln, 18. August

Liebe Leserinnen und Leser,
die Realitätsfrage ist eine, die in der deutschen Leichtathletik in den vergangenen Jahren gerne gestellt wird. Lange Zeit (nach außen hin) weniger von denen da drinnen (Verband), als vielmehr von jenen im Außen – sprich Journalisten, Experten etc. Die Leichtathletik gehört zu eben diesen Medien, die seit der WM 2022 in Eugene oder spätestens den medaillenlosen globalen Titelkämpfen 2023 in Budapest viel kritisiert haben. Als Fachmagazin sollte das so sein. Gleichermaßen sollten Leistungen aber auch anerkannt werden. Realitätsfrage: Hier ordnet Dr. Jörg Bügner nach diesen Europameisterschaften in Birmingham inzwischen sehr wohl realistisch ein, was geboten wurde. Ein Unterschied zu Verbandsäußerungen der Vergangenheit. Der wichtigste Unterschied zu den Bilanzen der letzten Jahre sind aber die Medaillen, die in dieser verzeichnet sind. Und dafür sind die deutschen Athletinnen und Athleten verantwortlich. 21 Mal Edelmetall. Sechsmal Gold. Zehnmal Silber. Fünfmal Bronze. Das ist stark.

Lange hat deutsche Leichtathletik nicht mehr so viel Spaß gemacht wie bei dieser EM. Vor allem ob der Namen, die hinter diesen Medaillen stecken. Denn längst nicht alle dieser Namen hatte man vorab als Kandidaten auf Gold, Silber oder Bronze auf dem Zettel. In Breite ist wieder mehr möglich. Allen voran im Laufbereich hat eine starke Entwicklung stattgefunden. Aber das Niveau ist dennoch noch nicht über überall stabil – Baustellen bleiben genug. Zumal die Leistungen im kommenden Jahr auf Weltbühne bestätigt werden müssen. Erst recht 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Doch es ist positives mitzunehmen: Die Breite hat sich – nun ja – verbreitert. Bessere Trainingsgruppen, Trainingsinput aus dem Ausland, ein gutes Teamgefüge. Zumeist zumindest. Lea Meyer ließ unmittelbar nach einem Sturz im Hindernisfinale ihrem Frust freien Lauf, entschuldigte sich später aber auch öffentlich bei Gesa Krause, die ins Zentrum ihrer Kritik geraten war. Ein großer Ehrgeiz kann (in Teilen) auch hilfreich sein: Etwa Karl Bebendorf zeigte sich mit Hindernisbronze in keiner Weise zufrieden. Es gibt also erfreuliche Aspekte rund um die deutsche Leichtathletik zu nennen. Dass man zusammensteht, untermauert Smilla Kolbe. Die 800-Meter-Läuferin positioniert sich in einem Interview klar gegen Rassismus: „Ich habe so viele tolle Leute, die mich supporten. Aber ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin.“ Sie erwarte einen solchen Respekt allen Athletinnen und Athleten gegenüber. Wichtiges Statement!

Alexander Dierke