Tag : DLV

Lotto Deichmeeting; Neuwied, 17.05.2025

Geschichte(n) des Aufstiegs

Köln, 10. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Titel geht einmal mehr an den TSV Bayer 04 Leverkusen. Zum dritten Mal in Folge setzt sich der Verein im Vereinsranking des Deutschen Leichtathletik-Verbands durch – die Rangliste soll quittieren, welcher Klub hierzulande die stärkste Leichtathletik-Abteilung hat. Insgesamt bringt es der Verein aus dem Rheinland auf eine Punktzahl von 406 – und streicht somit für das Jahr 2025 über 100 Punkte mehr ein als der auf Platz zwei rangierende SV Halle. Ausschlaggebend sind die Platzierungen in den DLV-Bestenlisten ab der Altersklasse M14 und W14. Vor allem in den unteren Altersklassen geben die Leverkusener eine gute Figur ab, es ist ein Zeugnis für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die durch Triumphe gestandener Athletinnen und Athleten wie Marike Steinacker und Konstanze Klosterhalfen vergoldet wird. Wenngleich im Vorjahr nur drei Namen des TSV für die WM in Tokio berufen wurden. Während mit der LG Stadtwerke München ein weiterer namhafter Verein unter den Top Drei vertreten ist, erzielt Cologne Athletics die beste Platzierung der Germany-Athletics-Klubs – wie auch jenen der „Neueinsteiger“ der Liste. Der Kölner Verein belegt im Ranking Platz 26 und fuhr die meisten seiner Punkte über Athletinnen und Athleten im Aktivenbereich ein.

Unter den Top 50 fehlen tut hingegen der VfB Stuttgart. Doch es lohnt sich dennoch, bei den Schwaben genauer hinzuschauen. Schließlich haben sie nicht nur Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer unter Vertrag, sondern seit Jahresbeginn auch den Rising Star im Siebenkampf: Sandrina Sprengel. Die 21-Jährige krönte ihren steilen Aufstieg 2025 vorübergehend mit einem äußerst starken fünften Rang bei ihrer Premieren-WM in Tokio. Schon jetzt ist sie, betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, die nach Punkten zweitbeste deutsche Siebenkämpferin hinter Sophie Weißenberg. Das mache sie vor allem stolz – und sei reichlich Motivation für die Zukunft, verrät die junge Siebenkämpferin in einem exklusiven Interview mit Leichtathletik . Wie ihr Alltag abseits der Sports aussieht und warum sie etwa schon von klein auf zwei Träume verfolgt – über das und mehr haben wir mit der sympathischen Mehrkämpferin gesprochen. Was dabei zwischen den Zeilen rüberkam, ist vor allem eines: In Sprengel besitzt die deutsche Leichtathletik eine junge Siebenkämpferin, die gleichermaßen über großes Talent wie große Ziele verfügt. Gute Voraussetzungen für die kommenden Jahre!

Alexander Dierke

World Athletics Indoor Championships; Glasgow, 01.03.2024 HONSEL, Christina (GER) beim Hochsprung-Finale der Frauen an T

Glaube an sich selbst

Köln, 27. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
egal ob Sieg mit persönlicher Hallenbestzeit, Indoor-Weltrekord oder Auftritte, die aufhorchen lassen. Die ersten Tage dieser jungen Hallensaison 2026 haben schon richtig Spaß gemacht. Dafür verantwortlich sind unter anderem Namen wie Jean Paul Bredau, Josh Hoey und Philina Schwartz. Vor allem letztgenannter zuzuschauen macht ordentlich Freude: Die 19-Jährige steigerte sich im Januar über 60 Meter zunächst auf 7,22 und zuletzt auf 7,21 Sekunden – und klopft national bei den Besten an. Sie will noch dieses Jahr das Nationaltrikot tragen, ein Ziel, das ihr Selbstvertrauen untermauert, zugleich aber auch realistisch ist. Schließlich fehlt ihr etwa für die Erfüllung der Hallen-WM-Norm nur noch eine Hundertstel. Gänzlich neu ist ihr Name übrigens nicht: Schon 2025 war Schwartz über 100 Meter siebtschnellste Athletin, startete jedoch hauptsächlich bei Nachwuchs-Meetings. Grund genug, sich mit dieser interessanten Personalie mal genauer zu befassen: Kann sie eine neue Sprinthoffnung für den DLV werden? Dass sie ihre Ausbildung fortan bei einem der Ableger-Klubs des Franchisesystems „Germany Athletics“ erfährt, passt jedenfalls. Schließlich sollen „Berlin Athletics“ und Co. die Konkurrenzfähigkeit deutscher Leichtathletinnen und Leichtathleten wieder erhöhen. Welche weiteren namhaften Athleten die Franchise fortan unter Vertrag hat und welche weiteren Wechsel es gab, lesen Sie in dieser Ausgabe.
Ihrem Verein hingegen treu geblieben ist Hochspringerin Christina Honsel. Die 28-Jährige setzt seit 2020 auf den TV Wattenscheid und arbeitet seit Jahren erfolgreich mit ihrer Trainerin Brigitte Kurschilgen zusammen. Die vorübergehende Krönung erlebte Honsel 2025: Nie zuvor war die gebürtige Dorstenerin auf einem so konstant hohen Niveau unterwegs wie in der Vorsaison. Belohnt wurde das mit ihrem ersten Zwei-Meter-Sprung der Karriere. „Wenn nicht heute, wann dann?“, habe sie sich vor ihrem dritten Versuch in Heilbronn gedacht. Klingt so einfach, doch dem vorausgegangen sind auch Phasen, in denen Honsel aufgrund einer vermeintlichen Stagnation Zweifel plagten. Warum sie allgemein als Athletin gewachsen ist, inwiefern sie mit ihrem Abschneiden bei der WM zufrieden und enttäuscht zugleich ist und weshalb die zwei Meter keine Eintagsfliege bleiben sollen – darüber haben wir in einem interessanten wie sympathischen exklusiven Interview gesprochen.

Alexander Dierke

World Athletics Championships; Tokyo, 14.09.2025

Zwei Vorbilder

Köln, 14. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
das Jahr 2026 beginnt mit einem letzten Blick auf das vorangegangene Jahr 2025. Traditionell präsentieren wir Ihnen Anfang Januar die Ergebnisse unserer gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband sowie dem Förderverein „Freunde der Leichtathletik“ ausgetragenen Wahl der „Leichtathleten des Jahres“. Erneut war das Interesse an der Abstimmung groß, ehe eine Expertenjury aus den Top Drei in sechs Kategorien schließlich die Siegerinnen und Sieger kürte. Und Tradition ist im Falle der Aktiven in gewisser Weise das Stichwort. Denn die Gewinner sind keinesfalls Unbekannte. Weitspringerin Malaika Mihambo und Zehnkämpfer Leo Neugebauer heimsen den Titel zum fünften beziehungsweise dritten Mal ein. Neben berechtigten Glückwünschen lässt sich vor allem eines festhalten: Die abermalige Auszeichnung beider Ausnahmekönner ist höchst verdient!Mihambo bewies 2025 einmal mehr, auf welch konstant hohem Niveau sie seit langer Zeit unterwegs ist – Sieben-Meter-Sprünge und WM-Silber quittieren das in der zurückliegenden Saison. Neugebauer bastelt mit seinem WM-Triumph ebenfalls weiter an seinem sportlichen Vermächtnis – und setzte seinen vor knapp drei Jahren begonnenen Höhenflug eindrucksvoll fort.
Doch beide Protagonisten zeichnet mehr aus als ihre sportliche Dominanz. Für Mihambo ist bereits seit längerem der soziale Aspekt des Sports von Bedeutung, nicht nur zuletzt die Arbeit in ihrem Verein „Malaikas Herzsprung“ liegt ihr besonders am Herzen. Sie wolle ihre Rolle als Sportlerin nutzen, um sich für Kinder und die Leichtathletik einzusetzen. Das betont sie einmal mehr im anlässlich der Auszeichnung mit ihr geführten Interview. Der König der Athleten reiste wiederum nur kurz nach seinem Erfolg in Tokio nach Kamerun, um dort als UNICEF-Botschafter Hilfsprojekte zu besuchen. Doch Mihambo und Neugebauer sind für die nationale Leichtathletik darüber hinaus wertvoll: als Vorbilder mit Strahlkraft. Auch über die Landesgrenzen hinaus. Athleten wie sie sind es, die der Sportart guttun!

Alexander Dierke

Leichtathletik Weltmeisterschaften 2025 in Tokyo

Herz, Haltung, Höhenflug

Köln, 21. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Interviews, die bleiben im Kopf, weil sie mehr sind als ein Rückblick. Das Gespräch mit Frank Busemann war so eines. Ein Mann, der in Atlanta 1996 Silber gewann, aber über Gold heute kaum spricht – weil er längst andere Dinge wichtiger findet. Haltung etwa. Leidenschaft. Und die Fähigkeit, über Jahrzehnte für eine Sportart zu brennen, die ständig im Wandel ist. Wenn Busemann über Leo Neugebauer redet, klingt das wie ein Staffelstab zwischen Generationen: der ehemalige Zehnkämpfer, der in jedem Satz mitschwingen lässt, wie viel Herzblut in dieser Disziplin steckt – und der junge Weltmeister, der die Geschichte weiterschreibt. Beide zeigen, dass Erfolg im Mehrkampf nie Zufall ist, sondern eine Haltung: dranbleiben, egal wie viele Disziplinen gerade nicht perfekt laufen.
Diese Haltung findet sich auch bei zwei Athletinnen, die geografisch auf der anderen Seite des Globus, aber geistig ganz nah an diesem Spirit trainieren: Amanda und Hana Moll. Zwei Schwestern aus einem Ort, der symbolischer kaum heißen könnte – Olympia, Washington. Die Zwillinge könnten den Stabhochsprung in Zukunft mit einer Konsequenz prägen, die man selten sieht. Rekorde, Titel, gemeinsame WM-Finals – und doch geht es ihnen nie um den schnellen Effekt. „Wir sind prozessorientiert, nicht ergebnisorientiert“, sagt Amanda. Diese Generation denkt anders: weniger Pathos, mehr Plan. Und genau darin liegt vielleicht die Zukunft einer Sportart, die vom Feilen lebt – nicht vom Funkeln allein.
Und während die Molls die Disziplin neu definieren, zeigen andere, wie global Leichtathletik inzwischen geworden ist. Julien Alfred, die erste WM-Medaillengewinnerin für St. Lucia, und Alex Rose, der Samoa mit Bronze Geschichte schreiben ließ, sind Gesichter einer Entwicklung, die zeigt: Talent hat längst keinen Pass mehr. 53 Nationen holten in Tokio Medaillen – so viele wie nie zuvor. Vielleicht ist genau das die schönste Entwicklung: dass Leichtathletik heute mehr Stimmen hat, mehr Geschichten, mehr Farben. Frank Busemann würde das vermutlich gefallen. Denn in seiner Welt zählt nicht nur, wer am höchsten springt oder am weitesten wirft – sondern, wer sich dem Sport mit Herz, Haltung und einer guten Portion Menschlichkeit verschreibt.

Robin Josten

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Tokyo 25, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 20.09.2025,

Richtige Richtung

Köln, 7. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser, „der Weg zurück in die Weltspitze ist noch lang und anspruchsvoll.“ Es sind beinahe ungewohnt ehrliche Worte, die man zwischen Lobeshymnen für Leo Neugebauer und Co. zum Abschluss der Weltmeisterschaften in Tokio beim Vorstand Leistungssport des Deutschen Leichtathletik-Verbands vernehmen kann. Dr. Jörg Bügner arbeitet heraus, dass es trotz fünf gewonnener Medaillen reichlich Arbeit für die Zukunft gibt. Längst nicht in allen Disziplinen stimmte die Richtung bei dieser zurückliegenden WM – und doch titelte auch die ­ Leichtathletik anschließend: „Der nächste Schritt“. Denn ein eben solcher waren die globalen Meisterschaften. Vor allem im Mehrkampf waren die deutschen Leistungen gut, nicht zuletzt bedingt durch Neugebauers WM-Titel. Youngster Sandrina Sprengel glänzte ebenfalls, Hammerwurf-Silbermedaillengewinner Merlin Hummel setzte gar noch ein größeres Zeichen für die deutsche Leichtathletik-Zukunft. „Die deutsche Leichtathletik lebt, sie ist nicht tot, wie es nach Budapest behauptet wurde“, befand Sprinterin Gina Lückenkemper. Auch sie hat Recht mit dieser Aussage. Doch es sind eben auch so manche negative Aspekte auszumachen. Über die flachen Laufdistanzen waren die Auftritte trotz guter deutscher Vorleistungen insgesamt enttäuschend. Und die Geschichte vom Leistungspeak im richtigen Moment ist eine, die nicht nur Lückenkemper betrifft: Nur acht persönliche Bestleistungen wurden in Tokio durch DLV-Athletinnen und Athleten aufgestellt. Positiv zu deuten ist wiederum ein vierter Rang in der Nationenwertung. Und jetzt? Eine Frage mit Blick auf die Zukunft, der wir genauer nachgehen.

Alexander Dierke

Day 9 - World Athletics Championships Tokyo 2025

Deutsche Realität in Tokio

Köln, 23. September

Liebe Leserinnen und Leser,
der abschließende Tag der Weltmeisterschaften in Tokio hatte noch mal reichlich zu bieten. Es regnete teils ergiebig, doch gleichermaßen hagelte es auch noch so manche richtig starke Leistungen. Insbesondere aus deutscher Sicht war das Finale der globalen Titelkämpfe durchaus erfolgreich. Das hat der Deutsche Leichtathletik-Verband vor allem einem Athleten zu verdanken: Leo Neugebauer. Der Zehnkämpfer ließ im wahrsten Sinne des Wortes sein Herz auf der Bahn und krönte seinen persönlichen Erfolgsweg mit der Goldmedaille. Für ihn wie auch die nationale Leichtathletik der nächste Schritt. Man hat wieder einen Weltmeister in seinen Reihen. Es ist das, was vor zwei Jahren in Budapest nicht gelungen war. Und auch die 4×100-Meter-Staffel der Frauen lief noch zu Edelmetall. Bronze. Der insgesamt fünfte Podiumsplatz des DLV-Teams im Land der aufgehenden Sonne. Denn auch Weitspringerin Malaika Mihambo sowie auf sensationelle Art und Weise Marathonläufer Amanal Petros und Hammerwerfer Merlin Hummel haben sich einen Platz unter den Top Drei ihrer Disziplin gesichert. Es ist auf dem Papier ein Aufschwung: Platz zwölf im Medaillenspiegel, gar Platz vier in der Nationenwertung. Und auch weitere Athleten wie etwa Siebenkämpferin Sandrina Sprengel, Zehnkämpfer Niklas Kaul, Mittelstreckler Robert Farken und Hürdensprinter Emil Agyekum haben überzeugt. Doch nicht alles war gut. Vor allem in den Laufdisziplinen bot sich insgesamt eine Enttäuschung. Die stärksten des Jahres um Mohamed Abdilaahi und Frederik Ruppert konnten nicht überzeugen. Auch im Hochsprung der Frauen und insbesondere im Speerwurf der Männer lief es nicht wie erhofft. Wobei im Falle von Julian Weber ihm wohl auch ein eingefangener Infekt die sicher geglaubte Medaille kostete. Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye ist wiederum inzwischen weit entfernt von ihrer Form des Vorjahres. Ohnehin: Ja, diese Titelkämpfe in Japan waren eine Steigerung, lassen einen wieder etwas zuversichtlicher auf die deutsche Leichtathletik blicken. Doch weiß man beispielsweise die Marathon-Medaille von Petros einzuordnen und rechnet noch zwei weitere, grundsätzlich höchstens realistische Podiumsplätze ein, so hat sich in Tokio die deutsche Realität der Leichtathletik abgebildet. Vier bis sechs Podiumsplätze ist das, was für die aktuelle Leichtathletik-Generation bei globalen Wettkämpfen maximal möglich ist. Die Trendumkehr ist gelungen, die Rückkehr unter die Top Fünf der Welt bis 2028 jedoch mehr als ambitioniert!

Alexander Dierke

Leichtathletik DM 2025

Zeit, abzuliefern!

Köln, 12. August

Liebe Leserinnen und Leser,
sie sind wieder da: diese heißen Sommerwochen, in denen es in der Leichtathletik Schlag auf Schlag geht. Auf die U23-Europameisterschaften folgten in Deutschland und in aller Welt die nationalen Meisterschaften, auf die Titelkämpfe in Dresden und Co. die kontinentalen Medaillenentscheide der U20 in Tampere. Und, und, und … Doch U20-EM ist zunächst ein gutes Stichwort, denn in die Stadt im Süden Finnlands war der Deutsche Leichtathletik-Verband mit einem durchaus großköpfigen, 99 Namen umfassenden Aufgebot angereist. Abgereist ist Deutschland nach vier Wettkampftagen mit zehn Medaillen im Gepäck – es ist keine solch starke Bilanz, wie sie dem DLV der U23-Nachwuchs in Bergen (26 x Edelmetall) beschert hat. Doch es ist durchaus ein Umstand, in dem Positives steckt – zunächst einmal sind da drei Goldmedaillen von Jana Marie Becker, Judith Bilepo Mokobe und Nova Kienast zu nennen. Zudem sind 33 Top-Acht-Platzierungen „eine gute Grundlage, auf der wir aufbauen können“. Findet zumindest Björn Weisheit, der seit Beginn des Jahres als Chefbundestrainer für die Altersklassen U20/U23 agiert. Und sicherlich sind zehn Medaillen eine ordentliche Bilanz, auch wenn man 2023 noch 23 Mal Edelmetall gewinnen konnte. Im Medaillenspiegel wird diese Ausbeute mit Rang vier belohnt, die Nationenwertung führt Deutschland sogar an. Aber: Es sind auch Schwachstellen auszumachen. Etwa, dass beim männlichen Nachwuchs nur 14 Athleten den Sprung in ein Finale schaffen und einzig im Speerwurf ein deutscher Podiumsplatz bejubelt werden kann. Mal von der 4×100-Meter-Staffel abgesehen.

Doch es gilt ja auch, über Auftritte und Bewährungsproben zu wachsen. Während der Leichtathletik-Kalender weiter volles Programm auffährt – es nähern sich Weltmeisterschaften –, sind etwa im Hochsprung zweit Athletinnen gerade richtig gut drauf: Christina Honsel und Imke Onnen. Beide stellen in Heilbronn zuletzt neue persönliche Bestleistungen auf – und Honsel knackt dort tatsächlich die Zwei-Meter-Marke! Meine ehrliche Meinung, auch mit Blick auf den jahrelang vollzogenen Reifeprozess beider Athletinnen: Als Nummer drei und fünf der Welt muss man für globale Meisterschaften als Medaillenkandidatinnen genannt werden. Nur Jaroslawa Mahutschich ist unschlagbar!

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaft, Die Finals, 03.08.2025

Starke Kulisse

Köln, 5. August

Liebe Leserinnen und Leser,
diese Deutschen Meisterschaften in Dresden werden in Erinnerung bleiben. Das liegt am Gesamtpaket in der Landeshauptstadt Sachsens – als Teil der „Finals 2025“ tragen die Titelkämpfe in der Leichtathletik zu einem starken Sportfest bei. Und vor allem die Stimmung ist im Heinz- Steyer-Stadion einzigartig. Weil am Wochenende über 10.000 begeisterte Zuschauer vor Ort sind, weil diese DM nicht nur einmal von engen Duellen lebt und weil so manche Newcomer und Rückkehrer auf sich aufmerk- sam machen. Aber die Atmosphäre ist auch einzigartig ob der Kulisse vor Ort, was auch darin begründet liegt, dass Langstreckler Maximilian Thorwirth im Vorfeld der DM eine starke Idee hatte: Die Schaffung eines Stimmungsblocks. Als Capo heizt er diesen im Stadion ein, die Unterstützung für die Athletinnen und Athleten ist von den Rängen so groß wie lange nicht. Das wird etwa deutlich, als Lokalmatador Karl Bebendorf über 3.000 Meter Hindernis zu Gold läuft und im Ziel von seinen Gefühlen überwältigt – seine Mutter liegt mit einer Krebserkrankung im Sterben – gefeiert wird.

In sportlicher Hinsicht werden einem in Dresden noch ein paar mehr Highlights geboten. Die männlichen Diskuswerfer untermauern, wie stark sie als Kollektiv in diesem Jahr sind. Hammerwerfer Merlin Hummel zeigt seine Dominanz, während Hürdenläuferin Eileen Demes mit Meisterschaftsrekord glänzt. Bei den Männern setzt ihr Disziplinpartner, Newcomer Owe Fischer Breiholz, seinen Höhenflug fort. Das gilt auch für 800-Meter-Läuferin Smilla Kolbe, die mit einer beeindruckenden Souveränität zu ihrem ersten DM-Titel läuft. Klug und abgeklärt sind die Auftritte der deutschen Rekordler Robert Farken und Mohamed Abdilaahi.

Doch bei all den lobenden Worten muss auch mit einer gewissen Prise Realität auf die Deutschen Meisterschaften geblickt werden. Ja, es gab einige individuelle Erfolgsgeschichten und international konkurrenzfähige Leistungen. Und ja, die großen Favoriten wie Gina Lückenkemper, Yemisi Ogunleye oder Malaika Mihambo haben sich die Titel gesichert. Doch in vielen Disziplinen war das Niveau im Weltvergleich betrachtet mäßig. Etwa im Sprint, Kugelstoßen und Weitsprung. Oder aber im Stabhochsprung und Speerwurf. Auch Leistungssprünge in einzelnen Disziplinen werden wieder einmal deutlich.

Alexander Dierke

60. Internationales Pfingstsportfest; Rehlingen-Siersburg, 08.06.2025

Bestandsaufnahme

Köln, 29. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
das hat richtig Spaß gemacht zuzuschauen: In Bergen führt der Weg der deutschen Youngster in rasantem Tempo an die Spitze. Eine Bergfahrt, die zuversichtlich stimmt – und dem Deutschen Leichtathletik-Verband bei den 23-Europameisterschaften insgesamt 26 Medaillen beschert. Fünf davon schimmern gar golden. Es ist in Norwegen eine deutliche Steigerung gegenüber 2023, damals hatte man bei der U23-EM achtmal über Edelmetall jubeln dürfen. Was sich zudem abzeichnet, ist, dass die Newcomer – die teils gar keine so großen Newcomer mehr sind – durchaus einiges an Potenzial mitbringen. Auch bei den World University Games und dem European Youth Olympic Festival bestätigt sich das aus nationaler Sicht in den vergangenen Tagen. Es geht nun darum, zu gewährleisten, dass diese Veranlagungen in Zukunft auch eine Etage höher in Erfolg umgemünzt werden können. Sprich, die Talente bis zu den Olympischen Spielen 2028 oder 2032 optimal zu fördern.

Beispielsweise im Wurfbereich mischen frisch gekürte U23-Europameister aber schon jetzt bei den Profis mit, etwa Nina Ndubuisi und Steven Richter haben somit am kommenden Wochenende das gleiche Ziel wie die Beletage der deutschen Leichtathletik: Dresden. Mit den nationalen Titelkämpfen steigt dort vom 31. Juli bis 3. August das Highlight der diesjährigen Freiluft-Saison – zumindest hierzulande. Denn es folgen im September ja noch die Weltmeisterschaften … Für diese wollen sich die DLV-Asse nun schon empfehlen, eine Teilnahme ist für die Reise nach Tokio Pflicht und kann mitunter im späteren Nominierungsprozess vorteilhaft sein. Doch im Hier und Jetzt geht es zunächst um die deutschen Meistertitel – wie auch um eine Bestandsaufnahme. In den zurückliegenden Wochen wussten insbesondere im Laufbereich einige DLV-Athleten zu überzeugen, nicht zuletzt verbesserte etwa Robert Farken beim ISTAF seinen kürzlich aufgestellten deutschen Rekord über die Meile abermals. Auch wenn über diese Distanz kein nationales Edelmetall verteilt wird, gilt für Farken (über 1.500 Meter) wie für die übrigen deutschen Athletinnen und Athleten: Jetzt zählt’s!

Alexander Dierke

Diamond League Monaco  2025

Geduld zahlt sich aus

Köln, 15. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
als Mohamed Abdilaahi beim Diamond-League-Meeting in Monte- Carlo nach 12:53,63 Minuten die Ziellinie überquert, ist eine kleine deutsche Sensation perfekt. Der Athlet von Cologne Athletics hat gerade den nationalen Rekord über 5.000 Meter geknackt – eine Bestmarke, die zuvor seit dem Jahr 1997 zusammen mit dem Namen Dieter Baumann in der deutschen Bestenliste verankert war. Baumann – eine DLV-Ikone. Rund um die Neunzigerjahre auch international tonangebend und nicht zuletzt 1992 Olympiasieger. Über exakt jene 5.000 Meter. Dass der heute 60-Jährige zeitnah von „seinem“ Thron gestoßen werden würde – darauf hatte nicht wirklich etwas hingedeutet. Das derzeitige Niveau hierzulande ist – so schien es – schlicht nicht ausreichend. Der beste derzeit aktive deutsche Langstreckler über die Distanz fand sich in Person von Abdilaahi wieder.

Doch auch dessen persönliche Bestzeit lag noch vor wenigen Tagen knapp neun Sekunden oberhalb der Marke von Dieter Baumann (12:54,70 min). „Es kamen mir ganz kurz die Tränen, ganz ehrlich. Aber ich konnte sie zurückhalten“, untermauert der gebürtige Mönchengladbacher im Interview mit der ARD den Stellenwert seines Auftritts im Fürstentum. Denn es ist in erster Linie natürlich ein Triumph für den 26-Jährigen selbst: ein Athlet, der früh in seiner Karriere ein großes Talent offenbart. Eines, das bei Abdilaahi zwar auch in den Folgejahren unbestritten ist, das er aber nur dann und wann zeigen kann. Auch Fehleinschätzungen begleiten seinen Weg in den vergangenen Jahren. So setzt er 2024 beispielsweise darauf, sich über ausreichend viele Weltranglistenpunkte für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Ein Unterfangen, das schiefgeht. Die Norm für die diesjährigen Weltmeisterschaften hat er hingegen nun in der Tasche. Selbstreflektierend merkt er bei Sport1 an, man dürfe nicht aufgeben, „sondern man sollte seine eigene Entwicklung einfach genießen und geduldig abwarten. Irgendwann zahlen sich die vielen Kilometer aus.“ Das gilt in dieser Saison für gleich mehrere DLV-Athleten. Denn nach Hindernisläufer Frederik Ruppert und Mittelstreckler Robert Farken ist er schon der dritte deutsche Läufer, der 2025 eine Langzeit-Bestmarke knackt. Geduld zahlt sich aus. „Es geht voran in der deutschen Leichtathletik, vor allem im Laufbereich“, meint Abdilaahi. Er und seine beiden Lauf-Kompagnons liefern Argumente dafür.

Alexander Dierke