Tag : Hochsprung

World Athletics Indoor Championships; Glasgow, 01.03.2024 HONSEL, Christina (GER) beim Hochsprung-Finale der Frauen an T

Glaube an sich selbst

Köln, 27. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
egal ob Sieg mit persönlicher Hallenbestzeit, Indoor-Weltrekord oder Auftritte, die aufhorchen lassen. Die ersten Tage dieser jungen Hallensaison 2026 haben schon richtig Spaß gemacht. Dafür verantwortlich sind unter anderem Namen wie Jean Paul Bredau, Josh Hoey und Philina Schwartz. Vor allem letztgenannter zuzuschauen macht ordentlich Freude: Die 19-Jährige steigerte sich im Januar über 60 Meter zunächst auf 7,22 und zuletzt auf 7,21 Sekunden – und klopft national bei den Besten an. Sie will noch dieses Jahr das Nationaltrikot tragen, ein Ziel, das ihr Selbstvertrauen untermauert, zugleich aber auch realistisch ist. Schließlich fehlt ihr etwa für die Erfüllung der Hallen-WM-Norm nur noch eine Hundertstel. Gänzlich neu ist ihr Name übrigens nicht: Schon 2025 war Schwartz über 100 Meter siebtschnellste Athletin, startete jedoch hauptsächlich bei Nachwuchs-Meetings. Grund genug, sich mit dieser interessanten Personalie mal genauer zu befassen: Kann sie eine neue Sprinthoffnung für den DLV werden? Dass sie ihre Ausbildung fortan bei einem der Ableger-Klubs des Franchisesystems „Germany Athletics“ erfährt, passt jedenfalls. Schließlich sollen „Berlin Athletics“ und Co. die Konkurrenzfähigkeit deutscher Leichtathletinnen und Leichtathleten wieder erhöhen. Welche weiteren namhaften Athleten die Franchise fortan unter Vertrag hat und welche weiteren Wechsel es gab, lesen Sie in dieser Ausgabe.
Ihrem Verein hingegen treu geblieben ist Hochspringerin Christina Honsel. Die 28-Jährige setzt seit 2020 auf den TV Wattenscheid und arbeitet seit Jahren erfolgreich mit ihrer Trainerin Brigitte Kurschilgen zusammen. Die vorübergehende Krönung erlebte Honsel 2025: Nie zuvor war die gebürtige Dorstenerin auf einem so konstant hohen Niveau unterwegs wie in der Vorsaison. Belohnt wurde das mit ihrem ersten Zwei-Meter-Sprung der Karriere. „Wenn nicht heute, wann dann?“, habe sie sich vor ihrem dritten Versuch in Heilbronn gedacht. Klingt so einfach, doch dem vorausgegangen sind auch Phasen, in denen Honsel aufgrund einer vermeintlichen Stagnation Zweifel plagten. Warum sie allgemein als Athletin gewachsen ist, inwiefern sie mit ihrem Abschneiden bei der WM zufrieden und enttäuscht zugleich ist und weshalb die zwei Meter keine Eintagsfliege bleiben sollen – darüber haben wir in einem interessanten wie sympathischen exklusiven Interview gesprochen.

Alexander Dierke

(240802) -- PARIS, Aug. 2, 2024 -- Christina Honsel of Germany competes during the women s high jump qualification of At

So nah, so fern?!

Köln, 28. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Auftakt in die Hallensaison 2025 ist geglückt. Was für zahlreiche deutsche Athletinnen und Athleten gilt – Jessica-Bianca Wessolly läuft 22,84 Sekunden über 200 Meter, Yemisi Ogunleye stößt in ihrem zweiten Wettkampf des Jahres 19,77 Meter, Weitspringer Simon Batz setzt 8,05 Meter in den Sand und Gina Lückenkemper spult die 60 Meter in 7,32 Sekunden ab – hat insbesondere für die nationalen Hochspringerinnen Bestand. Christina Honsel und Imke Onnen sind die beiden Protagonistinnen, um die sich hierzulande in der jüngeren Vergangenheit alles dreht, wenn man gewollt ist, das Wort „Weltklasse“ zu verwenden. Zum Saisoneinstand geht es für die 27-Jährige und die 30-Jährige über 1,90 und 1,93 Meter; das ist mit Blick auf ihre bisherige Laufbahn für Honsel der beste und für Onnen der zweitbeste Auftakt unter dem Hallendach.

Mit solchen Leistungen gehört man zu den weltbesten Athletinnen, mit jedem Zentimeter mehr steigert sich das Ansehen noch einmal – das DLV-Duo belegte im Vorjahr Rang acht bei den Europameisterschaften (Onnen) und Platz sechs bei den Olympischen Spielen (Honsel). Das sei gepriesen – und doch belegten die beiden DLV-Hochspringerinnen in der Weltjahresbestenliste 2024 „nur“ die Ränge 16 und 24. Ganz nah dran an der Spitze und den Medaillen, aber dennoch (so weit) entfernt. Im Höhenbereich zwischen 1,90 und 2,00 Meter kann schon ein Zentimeter Grenzen verschieben. Es sei gesagt: Es braucht die zwei Meter, um sich selbst ein Denkmal zu setzen. Christina Honsel und Imke Onnen ist das zuzutrauen. Aber wenn man ehrlich ist, ist auch anzumerken: Beide scheinen gerade nahe des Peaks ihrer Leistungsfähigkeit zu sein. Ein solcher Zustand hält nicht ewig an.

Gut also, dass mit Johanna Göring auch noch ein äußerst vielversprechendes deutsches Talent anklopft. Seit Jahren. Obgleich sie gerade einmal 19 Jahre alt ist. Was all diese Parameter für die Ausgangslage im nationalen Hochsprung der Frauen bedeuten, beleuchten wir im Top-Thema der neuen Leichtathletik-Ausgabe genauer.

Alexander Dierke