Tag : Malaika Mihambo

GBR, Leichtathletik, Athletics, European Athletics Championships 2026, Leichtathletik Europameisterschaft 2026, Birmingham 2026, 09.08.2026

Weltklasse gefordert

Köln, 1. September

Liebe Leserinnen und Leser,
die Saison 2026 biegt so langsam, aber sicher auf die Zielgeraden ein. Ein wenig Zeit ist seit dem Ende der Europameisterschaften inzwischen vergangen – seitdem wurde unter anderem in der Diamond League (Weltrekordshow in Zürich) und beim Internationalen Stadionfest noch einmal Leichtathletik auf Top-Niveau geboten. Und es folgen ja noch das Diamond-League-Finale in Brüssel (4. bis 5. September) sowie die Premierenausgabe der Ultimate Championships in Budapest (11. bis 13. September). Letztere soll sich als Zukunftsformat der Sportart beweisen, eine WM 2.0 nur mit den Besten der Besten. Attraktivität ist das Stichwort – nur bekommt das Event vorab wenig Aufmerksamkeit. Wer dabei sein wird, klärt sich final erst nach dem Finale der Diamond League – neben den Diamond-Siegern sind auch Weltmeister- und Olympiasieger qualifiziert. Aufgefüllt wird das Teilnehmerfeld mit den stärksten Namen der Weltrangliste.

Europameister sind nicht qualifiziert. Es soll ein anderes Niveau herrschen, könnte man meinen. Das trifft es vielleicht auf den Punkt, wenn es darum geht, die deutschen Leistungen von Birmingham einzuordnen. Auch mit etwas Abstand lässt sich sagen, dass sich das DLV-Team insgesamt stark präsentiert hat. Das gilt nicht nur für diejenigen, die sich mit Gold belohnt haben. Oder aber für jene Namen, die einen Platz auf dem Podium ergattern konnten. Auch sonst haben vor allem der Lauf- und Wurfbereich sowie die Mehrkämpfer überzeugt. Hier wurden besonders viele Top-Acht-Platzierungen eingefahren – insbesondere bei den Männern stimmt die Entwicklung auf der Bahn. Dafür geht die Tendenz im Sprungbereich in die falsche Richtung – hier wurde auf der Insel keine Medaille gewonnen. Auch weil die Medaillen-Dauerabonnentin Malaika Mihambo dieses Mal leer ausging. Doch man darf nicht nur von der Ausnahme-Weitspringerin abhängig sein. Die Breite macht’s – das ist auch eine der Erkenntnisse, die man gewinnt, wenn man die EM-Auftritte genauer unter die Lupe nimmt. Es braucht genügend starke Namen pro Disziplingruppe, um auf Weltbühne wieder richtig konkurrenzfähig zu sein. Die Grundlagen dafür müssen von früh auf gelegt werden – sprich schon im Nachwuchsbereich. Und natürlich spielt das Thema Förderung immer wieder eine Rolle.

Alexander Dierke

27th European Athletics Championships - Birmingham 2026: Day Four

Leichtathletik ist geil

Köln, 18. August

Liebe Leserinnen und Leser,
die Realitätsfrage ist eine, die in der deutschen Leichtathletik in den vergangenen Jahren gerne gestellt wird. Lange Zeit (nach außen hin) weniger von denen da drinnen (Verband), als vielmehr von jenen im Außen – sprich Journalisten, Experten etc. Die Leichtathletik gehört zu eben diesen Medien, die seit der WM 2022 in Eugene oder spätestens den medaillenlosen globalen Titelkämpfen 2023 in Budapest viel kritisiert haben. Als Fachmagazin sollte das so sein. Gleichermaßen sollten Leistungen aber auch anerkannt werden. Realitätsfrage: Hier ordnet Dr. Jörg Bügner nach diesen Europameisterschaften in Birmingham inzwischen sehr wohl realistisch ein, was geboten wurde. Ein Unterschied zu Verbandsäußerungen der Vergangenheit. Der wichtigste Unterschied zu den Bilanzen der letzten Jahre sind aber die Medaillen, die in dieser verzeichnet sind. Und dafür sind die deutschen Athletinnen und Athleten verantwortlich. 21 Mal Edelmetall. Sechsmal Gold. Zehnmal Silber. Fünfmal Bronze. Das ist stark.

Lange hat deutsche Leichtathletik nicht mehr so viel Spaß gemacht wie bei dieser EM. Vor allem ob der Namen, die hinter diesen Medaillen stecken. Denn längst nicht alle dieser Namen hatte man vorab als Kandidaten auf Gold, Silber oder Bronze auf dem Zettel. In Breite ist wieder mehr möglich. Allen voran im Laufbereich hat eine starke Entwicklung stattgefunden. Aber das Niveau ist dennoch noch nicht über überall stabil – Baustellen bleiben genug. Zumal die Leistungen im kommenden Jahr auf Weltbühne bestätigt werden müssen. Erst recht 2028 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Doch es ist positives mitzunehmen: Die Breite hat sich – nun ja – verbreitert. Bessere Trainingsgruppen, Trainingsinput aus dem Ausland, ein gutes Teamgefüge. Zumeist zumindest. Lea Meyer ließ unmittelbar nach einem Sturz im Hindernisfinale ihrem Frust freien Lauf, entschuldigte sich später aber auch öffentlich bei Gesa Krause, die ins Zentrum ihrer Kritik geraten war. Ein großer Ehrgeiz kann (in Teilen) auch hilfreich sein: Etwa Karl Bebendorf zeigte sich mit Hindernisbronze in keiner Weise zufrieden. Es gibt also erfreuliche Aspekte rund um die deutsche Leichtathletik zu nennen. Dass man zusammensteht, untermauert Smilla Kolbe. Die 800-Meter-Läuferin positioniert sich in einem Interview klar gegen Rassismus: „Ich habe so viele tolle Leute, die mich supporten. Aber ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin.“ Sie erwarte einen solchen Respekt allen Athletinnen und Athleten gegenüber. Wichtiges Statement!

Alexander Dierke

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships 2025, Weltmeisterschaft 2025, Tokio 2025, 14.09.2025

Premieren, Ziele, Hoffnungen

Köln, 4. August

Liebe Leserinnen und Leser,

1.645 Athletinnen und Athleten leben in den kommenden Tagen einen europäischen Traum. Denn ab dem 10. August starten sie endlich: die 27. kontinentalen Meisterschaften. Erstmals gehen diese in Großbritannien über die Bühne. Eine Premiere. Und auch unter den 1.645 zur Teilnahme berechtigten Leichtathleten finden sich so manche neue Namen – Premiere, die zweite. Ein Name, der in den Debütisten auftaucht, dürfte den ein oder anderen durchaus verwundern. Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer erlebt in Birmingham tatsächlich die ersten Europameisterschaften seiner Karriere. Zumindest im Aktivenbereich. Wenige Stunden vor Druckabgabe dieses Hefts haben wir ihn noch in Leverkusen getroffen. Im Interview zeigt er sich selbstbewusst – und fühlt sich gut vorbereitet für Birmingham.

Letzteres ist ohnehin das, was zählt. Aus deutscher Sicht ist die Ausgangslage gemischt. Manche Überflieger vergangener Jahre tun sich diese Saison schwer. Dafür sind die Läufer umso stärker unterwegs. Speziell im Männerbereich sind deutsche Laufmedaillen im Prinzip Pflicht. Zu gut waren eben jene Frederik Rupperts, Mohamed Abdilaahis und Co. im Jahr 2026 unterwegs. Da darf man schon mal auf den großen Wurf hoffen, zumal das DLV-Team mit 116 Athletinnen und Athleten im Vergleich zur EM 2024 (113) noch einmal ein paar Namen mehr umfasst. Spannend zu sehen sein wird auch, wie sich jene Protagonisten schlagen, die zuletzt so ihre Probleme hatten. Sprinterin Gina Lückenkemper ist angeschlagen und läuft den Erwartungen hinterher. Weitsprung-Ass Malaika Mihambo hat die Goldmedaille bei der DM zuletzt verpasst – allerdings auch schon einen Sieben-Meter-Sprung rausgehauen. Speerwerfer Julian Weber und Hochspringerin Christina Honsel konnten nur wenige Wettkämpfe bestreiten, ihr Saisoneinstieg war dafür jeweils umso stärker. Und beim deutschen Sprint-Überflieger des Jahres 2026, Owen Ansah, muss man sehen, inwiefern ihn der Wirbel rund um eine verpasste Dopingkontrolle belastet. In Bochum-Wattenscheid war dies kürzlich gar nicht der Fall. Natürlich sind aber auch weitere Disziplinen interessant: Hürdensprint, 800 Meter, Diskuswurf, Mehrkampf. Aber machen Sie sich während der Titelkämpfe einfach selbst ein Bild davon, wer Ihnen am meisten zusagt. Die gute Nachricht: ARD und ZDF berichten im Free-TV erneut umfangreich von den Europameisterschaften.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften; Dresden, 03.08.2025 Gina Lückenkemper (SCC Berlin) auf den 200m; Deutsche Leich

So manche Fragen

Köln, 21. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
wenige Tage vor den Deutschen Meisterschaften steht die nationale Leichtathletik aufgrund einer anderen Thematik unter besonderer Beobachtung. Ausgerechnet einem der Besten dieses Sommers wird von der NADA vorgeworfen, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Die Rede ist von Owen Ansah. Der Sprinter wurde vor seinem Abflug zum Diamond-League-Meeting in Monaco von einem Kontrolleur „überrascht“. Aufgrund von Zeitstress und der körperlich bedingten fehlenden Möglichkeit, unmittelbar eine Dopingprobe abzugeben, fand kein Test statt. Eine spätere Abnahme am Flughafen sei nicht möglich gewesen. Gleichermaßen seien ihm keine Konsequenzen aufgezeigt worden – der Umstand sei in dem Moment akzeptiert worden. So schildert es Ansah selbst. Die NADA hingegen spricht im Nachgang von einer Verweigerung. Natürlich ist das Dopingthema in der Leichtathletik durchaus eine große Nummer, doch in diesem Fall spricht erst einmal vieles dafür, dass Owen Ansah in seiner Stellungnahme die Wahrheit geschildert hat. Wenngleich man auch sagen muss, dass er in der Situation möglicherweise klüger hätte reagieren müssen. Es gab in der Vergangenheit schon so manche ähnliche Fälle, die teils jahrelange Sperren nach sich gezogen haben. Entscheidend sein wird die Beurteilung des Ablaufs der Kontrolle. Letztlich bleibt zu hoffen, dass die Fragen schnell geklärt werden – auch mit Blick auf die Europameisterschaften. Zunächst aber stehen nun die nationalen Titelkämpfe in Bochum-Wattenscheid an. Mit Owen Ansah. Doch er ist bei Weitem nicht der Einzige, der unter Beobachtung steht. Vor allem über die Mittel- und Langstreckendistanzen wird es spannend zu sehen sein, wie sich etwa Frederik Ruppert, Florian Bremm, Mohamed Abdilaahi und Robert Farken schlagen. Auch Weitsprung-Ass Malaika Mihambo hat sich zuletzt rechtzeitig für die heiße Saisonphase leistungstechnisch zurückgemeldet. Zudem freue ich persönlich mich darauf, Julian Weber nach seinem Comeback wieder dabei zuzuschauen, wie er seinen Speer durch die Lüfte katapultiert. Und natürlich leben so manche Disziplinen auch in diesem Jahr von engen Duellen – teils sind sogar Drei- oder Vierkämpfe um die Meriten zu erwarten. Kurzum: Endlich DM! Danach EM-Nominierung, dann Birmingham.

Alexander Dierke

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Dortmund, 28.02.2026

Newcomer & Herausforderungen

Köln, 3. März

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Tage lang lud Dortmund Athleten wie Fans in die Helmut-Körnig-Halle ein. Zum 15. Mal fanden dort die Deutschen Hallenmeisterschaften statt – die Stadt im Ruhrgebiet ist ein Ort, der sich für die Ausrichtung nationaler Leichtathletik-Titelkämpfe längst bewährt hat. Da kam die Nachricht vorab nicht verwunderlich: Die Wettkämpfe am Samstag wie Sonntag werden vor ausverkauftem Hause stattfinden. Und die Halle war durchaus gut gefüllt, am zweiten Wettkampftag aber wohl doch weniger als am dritten. Das lag vielleicht auch daran, dass zum einen der öffentliche Nahverkehr streikte und zum anderen am Abend nur wenige Meter entfernt das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München stattfand. Das machte sich leider auch negativ bemerkbar: Insbesondere die Parkplatzsituation vor Ort war – sagen wir es mal so: nicht ideal. Die Leichtathletik stand im Vergleich zum Fußball hinten an. Am Sonntag, dem dritten Wettkampftag, war dieses Problem nicht gegeben – und auch die Atmosphäre in der Halle war besser. Was auch daran lag, dass Läufer Max Thorwirth einmal mehr einen Stimmungsblock imitierte. Dieser zündete das Publikum an – und dieses wiederum durfte etwa den neunten Hallentitel von Weitsprung-Ass Malaika Mihambo, den dritten 400-Meter-Coup von Youngster Johanna Martin und das erste Hochsprung-Gold von Falk Wendrich (im Alter von 30 Jahren) bejubeln.
Es sind bei der diesjährigen Hallen-DM neben ein paar Ausnahmeleistungen, allen voran durch Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, insbesondere vergleichsweise unbekannte Namen, die für Aufsehen sorgen. Im gleichen Atemzug muss man auch festhalten, dass in mehreren Disziplinen höchstens mittelmäßige Leistungen geboten wurden – ein Negativbeispiel ist etwa der Stabhochsprung der Männer. Dafür hat sich mit Peter Osazee im Dreisprung ein Newcomer behauptet, der eines Tages eine einseitige Disziplin vielleicht etwas durchmischen kann. Im Sprint der Männer war es eng wie selten, im Hürdensprint der Frauen hat Marlene Meier die Erwartungen erfüllt. Und Sprint-Youngster Philina Schwartz hat in Dortmund ohnehin gezeigt: Ihre Leistungen der vergangenen Wochen waren kein Zufall. Es ist eine Freude, der 19-Jährigen beim eine Freude, der 19-Jährigen beim Sprinten zuzuschauen!

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Erfurt Indoor, 13.02.2026

Im Rampenlicht

Köln, 24. Februar

Liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder so weit: Die Deutschen Hallenmeisterschaften ­ stehen bevor und damit die nationale Abrechnung des Winters. Ich persönlich freue mich immer, wenn die Titelkämpfe in Dortmund ausgetragen werden, denn das Interesse an der Leichtathletik ist dort jedes Mal aufs Neue zu spüren. Das ist wichtig für die Sportart, ausverkaufte Zuschauerränge tun nicht zuletzt den Athletinnen und Athleten gut. Auch wenn die Kapazität in der Helmut-Körnig-Halle natürlich begrenzt ist. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, das Interesse der breiten Bevölkerung scheint aber weiterhin mäßig zu sein – auch 2026 wird es nur einen Bruchteil von der Hallen-DM im linearen Fernsehen zu sehen geben.
Das ist schade. Denn es stehen sehr wohl einige spannende Entscheidungen auf dem Programm. Dass auch ohne einen Start von Gina Lückenkemper die 60 Meter eine besondere Attraktion darstellen, ist übrigens auch an der ARD nicht vorbeigegangen: Wenn Youngster Philina Schwartz am Samstagabend um ihren ersten nationalen Titel im Aktivenbereich kämpft, wird das live im TV übertragen. Die 18-Jährige ist eine der – bislang – größten deutschen Gewinnerinnen des Winters. Die fünf schnellsten 60-Meter-Zeiten dieses Jahres gehen auf ihr Konto, das macht sie zur Favoritin für Dortmund. Doch es gilt auch, Erfahrungen zu sammeln und mit dem Rampenlicht umgehen zu können. Eine Herausforderung. „Ehrlich gesagt mag ich es eigentlich nicht so gerne, im Mittelpunkt zu stehen“, sagt Schwartz vor wenigen Wochen im Leichtathletik-Interview. Doch bei ihr wird hingeschaut werden – das ist Anerkennung für ihre starken Vorleistungen. Solche konnten große Namen wie Weitsprung-Ass Malaika Mihambo und Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye bislang nur bedingt zeigen. Vor allem mit Blick auf den Sommer wird es spannend sein, zu beobachten, wie Mihambo und Ogunleye im Moment der ersten Reifeprüfung auftreten.
Im Hochsprung hingegen darf sich auf das nächste Duell zwischen Christina Honsel und Imke Onnen gefreut werden, der Männersprint verspricht aufgrund der Vorleistungen von Owen Ansah, Kevin Kranz, Yannick Wolf und Co. einen echten Fight um den Meistertitel. Für den Hürdensprint der Frauen gilt das ohnehin. Es sind 2026 mal nicht (nur) die Lückenkempers und Mihambos, denen die ganz große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Alexander Dierke

World Athletics Championships; Tokyo, 14.09.2025

Zwei Vorbilder

Köln, 14. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
das Jahr 2026 beginnt mit einem letzten Blick auf das vorangegangene Jahr 2025. Traditionell präsentieren wir Ihnen Anfang Januar die Ergebnisse unserer gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband sowie dem Förderverein „Freunde der Leichtathletik“ ausgetragenen Wahl der „Leichtathleten des Jahres“. Erneut war das Interesse an der Abstimmung groß, ehe eine Expertenjury aus den Top Drei in sechs Kategorien schließlich die Siegerinnen und Sieger kürte. Und Tradition ist im Falle der Aktiven in gewisser Weise das Stichwort. Denn die Gewinner sind keinesfalls Unbekannte. Weitspringerin Malaika Mihambo und Zehnkämpfer Leo Neugebauer heimsen den Titel zum fünften beziehungsweise dritten Mal ein. Neben berechtigten Glückwünschen lässt sich vor allem eines festhalten: Die abermalige Auszeichnung beider Ausnahmekönner ist höchst verdient!Mihambo bewies 2025 einmal mehr, auf welch konstant hohem Niveau sie seit langer Zeit unterwegs ist – Sieben-Meter-Sprünge und WM-Silber quittieren das in der zurückliegenden Saison. Neugebauer bastelt mit seinem WM-Triumph ebenfalls weiter an seinem sportlichen Vermächtnis – und setzte seinen vor knapp drei Jahren begonnenen Höhenflug eindrucksvoll fort.
Doch beide Protagonisten zeichnet mehr aus als ihre sportliche Dominanz. Für Mihambo ist bereits seit längerem der soziale Aspekt des Sports von Bedeutung, nicht nur zuletzt die Arbeit in ihrem Verein „Malaikas Herzsprung“ liegt ihr besonders am Herzen. Sie wolle ihre Rolle als Sportlerin nutzen, um sich für Kinder und die Leichtathletik einzusetzen. Das betont sie einmal mehr im anlässlich der Auszeichnung mit ihr geführten Interview. Der König der Athleten reiste wiederum nur kurz nach seinem Erfolg in Tokio nach Kamerun, um dort als UNICEF-Botschafter Hilfsprojekte zu besuchen. Doch Mihambo und Neugebauer sind für die nationale Leichtathletik darüber hinaus wertvoll: als Vorbilder mit Strahlkraft. Auch über die Landesgrenzen hinaus. Athleten wie sie sind es, die der Sportart guttun!

Alexander Dierke

Leichtathletik-Europameisterschaften; Rom, 08.06.2024 Impression: Start 100m Runde 1 der Frauen mit Jennifer MONTAG (GER

Diskusionswürdrig

Köln, 26. August

Liebe Leserinnen und Leser,
„unsere Philosophie bei World Athletics ist der Schutz und die Wahrung der Integrität des Frauen- sports“ – mit diesen Worten erklärt Sebastian Coe, Präsident des Weltverbands, die Einführung verpflichtender Geschlechtstest für Athletinnen. „Wir sagen: Auf Eliteebene darf man nur dann in der Frauenkategorie antreten, wenn man biologisch weiblich ist.“ Das gilt auch schon für die bevorstehenden Weltmeisterschaften. Denn zum 1. September wird die neue Regel kurzfristig in Kraft treten. Und genau das sorgt unter anderem für große Kritik. Gefordert ist, dass Athletinnen sich einem einmaligen SRY-Gentest unterziehen, der Aufschluss über ihr biologisches Geschlecht liefert. Die Analyse der Proben dauert rund zwei Wochen, zum Zeitpunkt der Bekanntgebung verblieben bis zum Start der Weltmeisterschaften noch rund drei Wochen … „Für ein sehr kleines Problem werden enorme Ressourcen aufgewendet, während die wirklich drängenden Themen – Doping, Missbrauch, Gewalt im Sport – weiter bestehen. Wenn wir von Integrität sprechen, dann müssen wir genau dort mindestens genauso entschlossen handeln“, vermisst Weitspringerin Malaika Mihambo die Verhältnismäßigkeit des Schritts.

Doch das fragwürdige Timing des Schritts ist nur das eine, denn es geht auch um die Frage, ab wann eine Frau eine Frau ist – oder dies eben Tests zufolge nicht ist. „Ich finde das merkwürdig, dass wir als Frau jetzt beweisen müssen, dass wir eine Frau sind“, zeigt sich Diskuswerferin Kristin Pudenz genau darüber irritiert, merkt aber auch an: „Wir werden uns dem beugen müssen.“ Natürlich lässt sich über solche Tests diskutieren, darüber, dass erhöhte Testosteronwerte einen Vorteil bringen können. Doch das Vorschreiben eines Geschlechts ist ein ganz anderes Thema. Nicht zuletzt die südafrikanische Mittelstrecklerin Caster Semenya kämpfte jahrelang (mehr oder weniger erfolglos) dagegen an. Es geht auch um die Tatsache, was es vermeintlich mit Athletinnen, die sich als Frau identifizieren, macht, wenn man ihnen fortan die Teilnahme an Wettkämpfen verbieten würde. Zumal durch die kurze verbleibende Periode bis zum WM-Start quasi keine Möglichkeit besteht, gegen die Beschlüsse vorzugehen. Die Sinnhaftigkeit (zum jetzigen Zeitpunkt) darf durchaus infrage gestellt werden.

Alexander Dierke

ISTAF Indoor; Duesseldorf, 09.02.2025

Innovativ in die Grube

Köln, 11. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
ein 34 Zentimeter langes Brett, dahinter eine sechs Zentimeter lange Anlaufbahn: Es sind diese 40 Zentimeter, über die in den vergangenen Tagen (erneut) lebhaft diskutiert wurde. Denn kurz vor dem ISTAF Indoor in Düsseldorf verkündeten die Veranstalter so etwas wie eine Sensation – die erstmalige Austragung eines Weitsprung-Wettkampfs mit Take-off-Zone. Entsprechende Gedanken sind beim Weltverband World Athletics schon vor längerer Zeit aufgekommen, bei den Weltmeisterschaften 2023 in Budapest seinen laut WA-Präsident Sebastian Coe rund ein Drittel aller Versuche im Frauen-Weitsprung ungültig gewesen. Die Schlussfolgerung: Dies sei langweilig für die Zuschauer. Aber ist das wirklich so? Schließlich ist der Punkt Anlauf und Brett treffen doch das schwierigste Element des Weitsprungs – und geht es nicht darum, die kompletteste Weitspringerin oder den komplettesten Weitspringer zu ermitteln? Zeichnet nicht exakt das Weltklasse aus? Und vor allem sorgt doch genau das auch für Spannung! Sicherlich, die Leichtathletik muss attraktiver werden, nicht nur für neue Zielgruppen. Doch muss man deshalb die Regeln der einzelnen Disziplinen grundsätzlich verändern? Man stelle sich vor, man würde im Basketball den Korb vergrößern, nur weil es nicht genug Treffer gibt. Eine unsinnige Idee, nicht zuletzt für US-Leichtathletik-Ikone Carl Lewis, der diesen Gedanken aufgebracht hat. Anders sieht es Deutschlands Beste. Malaika Mihambo machte nach dem Test in Düsseldorf sportlich „nur positive Aspekte“ aus. Und natürlich hat sie Recht damit, dass mit einer solchen Regeländerung die tatsächlichen Weiten ermittelt würden. Aber: An ihre starken 7,07 Meter aus Karlsruhe ist die 31-Jährige beim ISTAF nicht ansatzweise herangekommen – ihr bester Versuch wurde bei einer Weite von 6,87 Metern markiert. Und genau hier kommt das nächste Problem auf: Denn es wird zwar die tatsächliche Weite ermittelt, für die Zuschauer ist jedoch im ersten Moment in Düsseldorf nicht ersichtlich gewesen, wie viel ein Sprung wirklich wert war. Zudem war da die verzögerte Übermittlung der Weiten. Aber es waren eben von insgesamt 42 Versuchen auch nur fünf ungültig – die entsprechende Quote sank verglichen mit Budapest auf zwölf Prozent. Doch ist das tatsächlich so wichtig?

Alexander Dierke

NEUGEBAUER Leo Team GER 110m Huerden 10-Kampf 2.Tag LA Weltmeisterschaften 2023 in Budapest am 26.08.2022 in Budapest **

So lasset die Spiele beginnen

Köln, 30. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Jahre des Wartens haben ein Ende. Drei Jahre seit den Spielen in Tokio, in denen Athleten gereift sind, Höhen und Tiefen erlebt haben. Drei Jahre, in denen Sportler gegangen und neue Sportler hinzugekommen sind. Und drei Jahre, in denen Träume gereift, aber auch Träume zerplatzt sind. Am 1. August heißt es für die Leichtathleten: Lasset die Spiele beginnen. Für jeden einzelnen der 79 Athletinnen und Athleten, die für das deutsche Team in Paris starten, geht mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Traum in Erfüllung. Egal ob es das erste, zweite oder dritte Mal ist. Es steht und fällt zunächst einmal mit dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles. Denn nichts ist in der Karriere höher zu werten als ein Olympia-Start. Oder etwa doch? Was ist größer als ein Olympiasieg?! Die besten Leichtathleten dieser Tage nehmen sich genau diesen Triumph vor – ob in der Rolle des Jägers oder gar als amtierender Olympiasieger. Es sind die Armand Duplantis’, Jakob Ingebrigtsens und Jaroslawa Mahutschichs, die in der französischen Hauptstadt wohl nicht zu schlagen sein werden. Doch es stehen auch elektrisierende Duelle um die Medaillen an: Etwa über die 400 Meter Hürden zwi- schen der Niederländerin Femke Bol und der US-Amerikanerin Sydney McLaughlin-Levrone. Oder über die 100 Meter zwischen Dreifach-Weltmeister Noah Lyles (USA) und dem Jamaikaner Kishane Tompson. Und natürlich im Weitsprung der Frauen zwischen der US-Amerikanerin Tara Davis- Woodhall und Deutschlands Ausnahmekönnerin Malaika Mihambo. Es ist die Europameisterin, der im DLV-Team wieder einmal die größten Medaillenchancen zugesprochen werden dürfen. Doch auch Speerwerfer Julian Weber und Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye besitzen das Potenzial dazu. Und natürlich Zehnkämpfer Leo Neugebauer. Es ist also Zeit für die ganz große Show!

 

Alexander Dierke

 

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