Tag : Malaika Mihambo

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Dortmund, 28.02.2026

Newcomer & Herausforderungen

Köln, 3. März

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Tage lang lud Dortmund Athleten wie Fans in die Helmut-Körnig-Halle ein. Zum 15. Mal fanden dort die Deutschen Hallenmeisterschaften statt – die Stadt im Ruhrgebiet ist ein Ort, der sich für die Ausrichtung nationaler Leichtathletik-Titelkämpfe längst bewährt hat. Da kam die Nachricht vorab nicht verwunderlich: Die Wettkämpfe am Samstag wie Sonntag werden vor ausverkauftem Hause stattfinden. Und die Halle war durchaus gut gefüllt, am zweiten Wettkampftag aber wohl doch weniger als am dritten. Das lag vielleicht auch daran, dass zum einen der öffentliche Nahverkehr streikte und zum anderen am Abend nur wenige Meter entfernt das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München stattfand. Das machte sich leider auch negativ bemerkbar: Insbesondere die Parkplatzsituation vor Ort war – sagen wir es mal so: nicht ideal. Die Leichtathletik stand im Vergleich zum Fußball hinten an. Am Sonntag, dem dritten Wettkampftag, war dieses Problem nicht gegeben – und auch die Atmosphäre in der Halle war besser. Was auch daran lag, dass Läufer Max Thorwirth einmal mehr einen Stimmungsblock imitierte. Dieser zündete das Publikum an – und dieses wiederum durfte etwa den neunten Hallentitel von Weitsprung-Ass Malaika Mihambo, den dritten 400-Meter-Coup von Youngster Johanna Martin und das erste Hochsprung-Gold von Falk Wendrich (im Alter von 30 Jahren) bejubeln.
Es sind bei der diesjährigen Hallen-DM neben ein paar Ausnahmeleistungen, allen voran durch Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, insbesondere vergleichsweise unbekannte Namen, die für Aufsehen sorgen. Im gleichen Atemzug muss man auch festhalten, dass in mehreren Disziplinen höchstens mittelmäßige Leistungen geboten wurden – ein Negativbeispiel ist etwa der Stabhochsprung der Männer. Dafür hat sich mit Peter Osazee im Dreisprung ein Newcomer behauptet, der eines Tages eine einseitige Disziplin vielleicht etwas durchmischen kann. Im Sprint der Männer war es eng wie selten, im Hürdensprint der Frauen hat Marlene Meier die Erwartungen erfüllt. Und Sprint-Youngster Philina Schwartz hat in Dortmund ohnehin gezeigt: Ihre Leistungen der vergangenen Wochen waren kein Zufall. Es ist eine Freude, der 19-Jährigen beim eine Freude, der 19-Jährigen beim Sprinten zuzuschauen!

Alexander Dierke

GER, Leichtathletik, Athletics, Erfurt Indoor, 13.02.2026

Im Rampenlicht

Köln, 24. Februar

Liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder so weit: Die Deutschen Hallenmeisterschaften ­ stehen bevor und damit die nationale Abrechnung des Winters. Ich persönlich freue mich immer, wenn die Titelkämpfe in Dortmund ausgetragen werden, denn das Interesse an der Leichtathletik ist dort jedes Mal aufs Neue zu spüren. Das ist wichtig für die Sportart, ausverkaufte Zuschauerränge tun nicht zuletzt den Athletinnen und Athleten gut. Auch wenn die Kapazität in der Helmut-Körnig-Halle natürlich begrenzt ist. Der Stimmung tut das keinen Abbruch, das Interesse der breiten Bevölkerung scheint aber weiterhin mäßig zu sein – auch 2026 wird es nur einen Bruchteil von der Hallen-DM im linearen Fernsehen zu sehen geben.
Das ist schade. Denn es stehen sehr wohl einige spannende Entscheidungen auf dem Programm. Dass auch ohne einen Start von Gina Lückenkemper die 60 Meter eine besondere Attraktion darstellen, ist übrigens auch an der ARD nicht vorbeigegangen: Wenn Youngster Philina Schwartz am Samstagabend um ihren ersten nationalen Titel im Aktivenbereich kämpft, wird das live im TV übertragen. Die 18-Jährige ist eine der – bislang – größten deutschen Gewinnerinnen des Winters. Die fünf schnellsten 60-Meter-Zeiten dieses Jahres gehen auf ihr Konto, das macht sie zur Favoritin für Dortmund. Doch es gilt auch, Erfahrungen zu sammeln und mit dem Rampenlicht umgehen zu können. Eine Herausforderung. „Ehrlich gesagt mag ich es eigentlich nicht so gerne, im Mittelpunkt zu stehen“, sagt Schwartz vor wenigen Wochen im Leichtathletik-Interview. Doch bei ihr wird hingeschaut werden – das ist Anerkennung für ihre starken Vorleistungen. Solche konnten große Namen wie Weitsprung-Ass Malaika Mihambo und Kugelstoß-Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye bislang nur bedingt zeigen. Vor allem mit Blick auf den Sommer wird es spannend sein, zu beobachten, wie Mihambo und Ogunleye im Moment der ersten Reifeprüfung auftreten.
Im Hochsprung hingegen darf sich auf das nächste Duell zwischen Christina Honsel und Imke Onnen gefreut werden, der Männersprint verspricht aufgrund der Vorleistungen von Owen Ansah, Kevin Kranz, Yannick Wolf und Co. einen echten Fight um den Meistertitel. Für den Hürdensprint der Frauen gilt das ohnehin. Es sind 2026 mal nicht (nur) die Lückenkempers und Mihambos, denen die ganz große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Alexander Dierke

World Athletics Championships; Tokyo, 14.09.2025

Zwei Vorbilder

Köln, 14. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
das Jahr 2026 beginnt mit einem letzten Blick auf das vorangegangene Jahr 2025. Traditionell präsentieren wir Ihnen Anfang Januar die Ergebnisse unserer gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband sowie dem Förderverein „Freunde der Leichtathletik“ ausgetragenen Wahl der „Leichtathleten des Jahres“. Erneut war das Interesse an der Abstimmung groß, ehe eine Expertenjury aus den Top Drei in sechs Kategorien schließlich die Siegerinnen und Sieger kürte. Und Tradition ist im Falle der Aktiven in gewisser Weise das Stichwort. Denn die Gewinner sind keinesfalls Unbekannte. Weitspringerin Malaika Mihambo und Zehnkämpfer Leo Neugebauer heimsen den Titel zum fünften beziehungsweise dritten Mal ein. Neben berechtigten Glückwünschen lässt sich vor allem eines festhalten: Die abermalige Auszeichnung beider Ausnahmekönner ist höchst verdient!Mihambo bewies 2025 einmal mehr, auf welch konstant hohem Niveau sie seit langer Zeit unterwegs ist – Sieben-Meter-Sprünge und WM-Silber quittieren das in der zurückliegenden Saison. Neugebauer bastelt mit seinem WM-Triumph ebenfalls weiter an seinem sportlichen Vermächtnis – und setzte seinen vor knapp drei Jahren begonnenen Höhenflug eindrucksvoll fort.
Doch beide Protagonisten zeichnet mehr aus als ihre sportliche Dominanz. Für Mihambo ist bereits seit längerem der soziale Aspekt des Sports von Bedeutung, nicht nur zuletzt die Arbeit in ihrem Verein „Malaikas Herzsprung“ liegt ihr besonders am Herzen. Sie wolle ihre Rolle als Sportlerin nutzen, um sich für Kinder und die Leichtathletik einzusetzen. Das betont sie einmal mehr im anlässlich der Auszeichnung mit ihr geführten Interview. Der König der Athleten reiste wiederum nur kurz nach seinem Erfolg in Tokio nach Kamerun, um dort als UNICEF-Botschafter Hilfsprojekte zu besuchen. Doch Mihambo und Neugebauer sind für die nationale Leichtathletik darüber hinaus wertvoll: als Vorbilder mit Strahlkraft. Auch über die Landesgrenzen hinaus. Athleten wie sie sind es, die der Sportart guttun!

Alexander Dierke

Leichtathletik-Europameisterschaften; Rom, 08.06.2024 Impression: Start 100m Runde 1 der Frauen mit Jennifer MONTAG (GER

Diskusionswürdrig

Köln, 26. August

Liebe Leserinnen und Leser,
„unsere Philosophie bei World Athletics ist der Schutz und die Wahrung der Integrität des Frauen- sports“ – mit diesen Worten erklärt Sebastian Coe, Präsident des Weltverbands, die Einführung verpflichtender Geschlechtstest für Athletinnen. „Wir sagen: Auf Eliteebene darf man nur dann in der Frauenkategorie antreten, wenn man biologisch weiblich ist.“ Das gilt auch schon für die bevorstehenden Weltmeisterschaften. Denn zum 1. September wird die neue Regel kurzfristig in Kraft treten. Und genau das sorgt unter anderem für große Kritik. Gefordert ist, dass Athletinnen sich einem einmaligen SRY-Gentest unterziehen, der Aufschluss über ihr biologisches Geschlecht liefert. Die Analyse der Proben dauert rund zwei Wochen, zum Zeitpunkt der Bekanntgebung verblieben bis zum Start der Weltmeisterschaften noch rund drei Wochen … „Für ein sehr kleines Problem werden enorme Ressourcen aufgewendet, während die wirklich drängenden Themen – Doping, Missbrauch, Gewalt im Sport – weiter bestehen. Wenn wir von Integrität sprechen, dann müssen wir genau dort mindestens genauso entschlossen handeln“, vermisst Weitspringerin Malaika Mihambo die Verhältnismäßigkeit des Schritts.

Doch das fragwürdige Timing des Schritts ist nur das eine, denn es geht auch um die Frage, ab wann eine Frau eine Frau ist – oder dies eben Tests zufolge nicht ist. „Ich finde das merkwürdig, dass wir als Frau jetzt beweisen müssen, dass wir eine Frau sind“, zeigt sich Diskuswerferin Kristin Pudenz genau darüber irritiert, merkt aber auch an: „Wir werden uns dem beugen müssen.“ Natürlich lässt sich über solche Tests diskutieren, darüber, dass erhöhte Testosteronwerte einen Vorteil bringen können. Doch das Vorschreiben eines Geschlechts ist ein ganz anderes Thema. Nicht zuletzt die südafrikanische Mittelstrecklerin Caster Semenya kämpfte jahrelang (mehr oder weniger erfolglos) dagegen an. Es geht auch um die Tatsache, was es vermeintlich mit Athletinnen, die sich als Frau identifizieren, macht, wenn man ihnen fortan die Teilnahme an Wettkämpfen verbieten würde. Zumal durch die kurze verbleibende Periode bis zum WM-Start quasi keine Möglichkeit besteht, gegen die Beschlüsse vorzugehen. Die Sinnhaftigkeit (zum jetzigen Zeitpunkt) darf durchaus infrage gestellt werden.

Alexander Dierke

ISTAF Indoor; Duesseldorf, 09.02.2025

Innovativ in die Grube

Köln, 11. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
ein 34 Zentimeter langes Brett, dahinter eine sechs Zentimeter lange Anlaufbahn: Es sind diese 40 Zentimeter, über die in den vergangenen Tagen (erneut) lebhaft diskutiert wurde. Denn kurz vor dem ISTAF Indoor in Düsseldorf verkündeten die Veranstalter so etwas wie eine Sensation – die erstmalige Austragung eines Weitsprung-Wettkampfs mit Take-off-Zone. Entsprechende Gedanken sind beim Weltverband World Athletics schon vor längerer Zeit aufgekommen, bei den Weltmeisterschaften 2023 in Budapest seinen laut WA-Präsident Sebastian Coe rund ein Drittel aller Versuche im Frauen-Weitsprung ungültig gewesen. Die Schlussfolgerung: Dies sei langweilig für die Zuschauer. Aber ist das wirklich so? Schließlich ist der Punkt Anlauf und Brett treffen doch das schwierigste Element des Weitsprungs – und geht es nicht darum, die kompletteste Weitspringerin oder den komplettesten Weitspringer zu ermitteln? Zeichnet nicht exakt das Weltklasse aus? Und vor allem sorgt doch genau das auch für Spannung! Sicherlich, die Leichtathletik muss attraktiver werden, nicht nur für neue Zielgruppen. Doch muss man deshalb die Regeln der einzelnen Disziplinen grundsätzlich verändern? Man stelle sich vor, man würde im Basketball den Korb vergrößern, nur weil es nicht genug Treffer gibt. Eine unsinnige Idee, nicht zuletzt für US-Leichtathletik-Ikone Carl Lewis, der diesen Gedanken aufgebracht hat. Anders sieht es Deutschlands Beste. Malaika Mihambo machte nach dem Test in Düsseldorf sportlich „nur positive Aspekte“ aus. Und natürlich hat sie Recht damit, dass mit einer solchen Regeländerung die tatsächlichen Weiten ermittelt würden. Aber: An ihre starken 7,07 Meter aus Karlsruhe ist die 31-Jährige beim ISTAF nicht ansatzweise herangekommen – ihr bester Versuch wurde bei einer Weite von 6,87 Metern markiert. Und genau hier kommt das nächste Problem auf: Denn es wird zwar die tatsächliche Weite ermittelt, für die Zuschauer ist jedoch im ersten Moment in Düsseldorf nicht ersichtlich gewesen, wie viel ein Sprung wirklich wert war. Zudem war da die verzögerte Übermittlung der Weiten. Aber es waren eben von insgesamt 42 Versuchen auch nur fünf ungültig – die entsprechende Quote sank verglichen mit Budapest auf zwölf Prozent. Doch ist das tatsächlich so wichtig?

Alexander Dierke

NEUGEBAUER Leo Team GER 110m Huerden 10-Kampf 2.Tag LA Weltmeisterschaften 2023 in Budapest am 26.08.2022 in Budapest **

So lasset die Spiele beginnen

Köln, 30. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
drei Jahre des Wartens haben ein Ende. Drei Jahre seit den Spielen in Tokio, in denen Athleten gereift sind, Höhen und Tiefen erlebt haben. Drei Jahre, in denen Sportler gegangen und neue Sportler hinzugekommen sind. Und drei Jahre, in denen Träume gereift, aber auch Träume zerplatzt sind. Am 1. August heißt es für die Leichtathleten: Lasset die Spiele beginnen. Für jeden einzelnen der 79 Athletinnen und Athleten, die für das deutsche Team in Paris starten, geht mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen ein Traum in Erfüllung. Egal ob es das erste, zweite oder dritte Mal ist. Es steht und fällt zunächst einmal mit dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles. Denn nichts ist in der Karriere höher zu werten als ein Olympia-Start. Oder etwa doch? Was ist größer als ein Olympiasieg?! Die besten Leichtathleten dieser Tage nehmen sich genau diesen Triumph vor – ob in der Rolle des Jägers oder gar als amtierender Olympiasieger. Es sind die Armand Duplantis’, Jakob Ingebrigtsens und Jaroslawa Mahutschichs, die in der französischen Hauptstadt wohl nicht zu schlagen sein werden. Doch es stehen auch elektrisierende Duelle um die Medaillen an: Etwa über die 400 Meter Hürden zwi- schen der Niederländerin Femke Bol und der US-Amerikanerin Sydney McLaughlin-Levrone. Oder über die 100 Meter zwischen Dreifach-Weltmeister Noah Lyles (USA) und dem Jamaikaner Kishane Tompson. Und natürlich im Weitsprung der Frauen zwischen der US-Amerikanerin Tara Davis- Woodhall und Deutschlands Ausnahmekönnerin Malaika Mihambo. Es ist die Europameisterin, der im DLV-Team wieder einmal die größten Medaillenchancen zugesprochen werden dürfen. Doch auch Speerwerfer Julian Weber und Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye besitzen das Potenzial dazu. Und natürlich Zehnkämpfer Leo Neugebauer. Es ist also Zeit für die ganz große Show!

 

Alexander Dierke

 

Imke Onnen (Hannover 96, 859), Hochsprung Frauen, GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaften, 30.06.2024,

Persönliche Geschichten

Köln, 16. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nur noch zwei Wochen verbleiben bis zum Beginn der Olympischen Spiele in Paris. Die deutsche Leichtathletik wird dort mit insgesamt 79 Athletinnen und Athleten vertreten sein – es ist ein breites Team, das durchaus Bunt gemischt ist. Von Newcomern über Routiniers bis hin zu Medaillenhoffnungen ist alles dabei. Wenngleich sich letztere Kandidaten realistisch gesehen wohl auf die bekannten Namen Mihambo, Neugebauer, Ogunleye und Weber beschränken. Doch es wurde in der Vergangenheit so viel Kritik geäußert, da darf man, finde ich, vor den Spielen auch mal das olympische Motto zitieren: Dabei sein ist alles. Denn wenn man mit den Athleten spricht und diese beobachtet, ist zu vernehmen, wie groß für jeden einzelnen von ihnen die Freude über eine Olympia-Teilnahme ist. Und es sind teilweise die individuellen Geschichten, die beim – berechtigen – Bemängeln des deutschen Leistungspotenzials untergehen. Ein Beispiel ist der Hochsprung der Frauen: Nach der EM war allgemein eine Enttäuschung über das Abschneiden von Imke Onnen und Christina Honsel zu vernehmen. Doch etwa im Falle von Onnen besitzt man eine Athletin, die nach unzähligen Verletzungen in den letzten Jahren in dieser Saison endlich von Beschwerden verschont bleibt und mit starken Leistungen dankt. Wie es die 29-Jährige geschafft hat, das Leiden vergangener Zeiten hinter sich zu lassen, lesen sie in dieser Ausgabe. Wie auch ein Interview mit Weitsprung-Ass Malaika Mihambo. Ihre 7,22 Meter bei der EM waren eine Ansage, in Paris könnte sie sich nun zum zweiten Mal im Folge zur Olympiasiegerin küren. Doch Erfolg hin oder her: Mihambo definiert sich über viel mehr als ihre sportliche Performances, das beweist sie auch im Gespräch mit gewohnt meinungsstarken Gedanken. Die pre-olympische Zeit wird vor allem von persönlichen Geschichten geprägt!

 

Alexander Dierke

 

Deutsche Leichtathletik-Hallenmeisterschaften; Leipzig, 18.02.2024 Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) auf dem Sprung zum Deut

Noch immer einzigartig!

Köln, 20. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
das erste nationale Highlight der Saison bot reichlich Gesprächsstoff. Die Hallen-DM in Leipzig konnte durchaus als eine Art Reifeprüfung für die Athleten und die deutsche Leichtathletik angesehen werden, war es schließlich im Kollektiv der erste Wettkampf seit den Weltmeisterschaften in Budapest. Na ja, zumindest fast, denn längst nicht alle deutschen Stars waren in der sächsischen Metropole dabei. Der Fokus gilt schließlich dem Sommer, das machte auch DLV-Sportdirektor Dr. Jörg Bügner deutlich: Olympia ist das, was zählt. Es war zudem auch durchaus interessant zu sehen, wie die Fans die Leichtathletik annehmen würden. Die Hütte, oder besser gesagt die Arena in Leipzig war ausverkauft, die Menschen sind dort auch weiterhin verrückt nach ihrer Sportart. Im TV blickte man bis auf wenige Highlights am Sonntag hingegen in die Röhre. Sicher, das liegt auch am dominanten Wintersport, aber etwa im vergangen Jahr ließ sich eine Übertragung der Titelkämpfe unter dem Hallendach auch noch umsetzen. Bei dieser Hallen-DM blieb so nur ein verbandseigener Stream. Nicht die beste Werbung für die gebeutelte Sportart. Dabei hat die Reifeprüfung durchaus einige Erkenntnisse geliefert. Beispielsweise, dass etwa im Stabhochsprung gerade nur viel Mittelmaß zu sehen ist. Oder über so manche Laufdistanzen ebenfalls nicht das ganz große Niveau erreicht wird. Aber auch, dass es weiterhin Rekorde, Comebacks und Youngster-Coups zu bestaunen gibt. Und es sind die Geschichten von Marius Probst, Jean Paul Bredau, Malaika Mihambo, Gesa Krause, Rosina Schneider, Johanna Martin und Co., welche diesen Sport so einzigartig machen. Und einem dann doch ein gutes Gefühl geben. Wenngleich, aber das ist ja ohnehin klar, der deutschen Leichtathletik noch viel Arbeit bevorsteht.

 

Alexander Dierke

 

08.07.2023 xkhx Kassel Auestadion Hessischer Leichtathletik-Verband Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften 2023 200 m F

Turbulente Wochen

Köln, 25. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
die Deutschen Meisterschaften stehen in den Büchern. Zwei Wochen sind seit den Titelkämpfen in Kassel bereits vergangen, die Zeit bis zur WM scheint – so kommt es zumindest mir vor – regelrecht zu verfliegen. Eine Zeit, die zum einen gefüllt ist mit der Vorfreude auf das Saison-Highlight in Budapest, aber zum anderen auch dazu verpflichtet, sich einmal kritisch mit der aktuellen Lage in der deutschen Leichtathletik auseinanderzusetzen. Eine der Grundlagen für eine ebensolche Bestands- aufnahme bot das Abschneiden der Athleten bei den „Finals“. Die Erkenntnis: Die Leistungen der meisten deutschen Athleten sind im Vergleich mit der Weltelite nicht ausreichend. Und damit nicht genug: Die Verletzung von Malaika Mihambo stellte sich mit einem Muskelfaserriss doch als schwerwiegender heraus – für das Weitsprung-Ass ist die WM-Saison damit gelaufen. Eine Hiobsbotschaft für sie selbst sowie die gesamte deutsche Leichtathletik. Die Athletin, die es in den letzten Jahren als Titelgarantin so oft für den DLV gerichtet hat, kann eben das dieses Mal nicht tun. Bitter, wenn man zudem notieren muss, dass nach Lisa Mayer nun auch Alexandra Burghardt die WM verletzungsbedingt absagen musste – eine Wiederholung der bronzenen Staffel-Medaille der Frauen aus Eugene scheint somit ebenfalls ausgeschlossen. Es ist kein überhartes Urteil, wenn man prophezeit, dass sich das historisch schlechte Abschneiden aus dem Vorjahr in Budapest in ähnlicher Form wiederholen könnte. Dem muss sich auch der DLV bewusst werden. Aber alles ist natürlich auch nicht schlecht: Kristin Pudenz, Julian Weber, Niklas Kaul und Leo Neugebauer besitzen das Potenzial, uns alle doch positiv zu überraschen.

Alexander Dierke

 

GER, Leichtathletik, Athletics, Deutsche Meisterschaften, 08.07.2023, Kristin Pudenz (SC Potsdam, 83), Diskuswurf Frauen

Gemischtes Urteil

Köln, 11. Juli

Liebe Leserinnen und Leser,
was waren das für heiße Tage im Kasseler Auestadion. Nicht nur klimatisch, sondern auch, was die sportlichen Entscheidungen um die Deutschen Meistertitel anbelangte. Aber mal der Reihe nach. Schwülwarme Bedingungen mit Temperaturen um die 35 Grad Celsius machten den Athleten am gesamten Wochenende der „Finals“ zu schaffen. Besonders in Disziplinen wie den 5.000 Meter durfte man sich durchaus die Frage stellen, wie sinnvoll die Austragung sportlicher Wettkämpfe unter diesen Umständen ist. Die Sportler machten daraus keinen großen Hehl, wenngleich eine Vielzahl von ihnen zumindest witterungsbedingt zusätzliche Schwierigkeiten ausmachte. Umso bemerkenswerter war etwa der Doppel-Triumph von Lea Meyer. Die Spezialistin über 3.000-Meter-Hindernis ging auch über 5.000 Meter an den Start – und holte über beide Distanzen den Meistertitel. Eine weitere beachtliche Geschichte lieferte 200-Meter-Sprinter Joshua Hartmann: In 20,02 Sekunden lief er neuen deutschen Rekord. Es war einer der Momente schlechthin. Ansonsten kam man bei Betrachtung der Medaillenentscheidungen in insgesamt 34 Disziplinen – das Edelmetall im Stabhochsprung wurde bekanntlich in Düsseldorf vergeben – jedoch zu einem gemischten Urteil. Auf der einen Seite war es beeindruckend zu sehen, wie formstark etwa Speerwerfer Julian Weber und Diskuswerferin Kristin Pudenz aktuell unterwegs sind. Für beide wird eine Medaille bei der WM somit fast zur Pflichtaufgabe. Dahinter sieht die Lage anders aus: Mihambo meldete sich im Auestadion zwar leistungsmäßig endgültig zurück, verletzte sich dabei jedoch auch – bleibt abzuwarten, wie es um die Weltmeisterin steht. Ein möglicher Ausfall wäre mehr als bitter. Denn bei aller Euphorie: Die Leistungen in den übrigen als den drei genannten Disziplinen waren nicht ausreichend, um in Budapest Medaillen zu holen.

Alexander Dierke

 

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