Tag : Olympische Spiele

European Championships Munich22; Leichtathletik, 17.08.2022 Sophie Weissenberg (GER) - European Championships Munich22

EM als Signalwirkung?

Köln, 14. Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
verspüren Sie auch schon Vorfreude auf die anstehenden Europameisterschaften? Nur noch knapp drei Wochen sind es, bis am 7. Juni in Rom die kontinentalen Titelentscheide beginnen. Unfassbar, wie schnell die Zeit vergeht! Die Enttäuschungen der WM in Budapest sind inzwischen beinahe ein Dreivierteljahr her, Zeit also, den Blick auf die Zukunft zu richten. Wenn man dieser Tage mit deutschen Athleten spricht, ist zu spüren, dass sie alle gewillt sind, es in dieser Saison besser zu machen als in der Vergangenheit. Wenngleich eine ausreichende Motivation der DLV-Sportler wohl nie das Problem war. Anders sieht es in puncto Fokussetzung aus. Es ist irgendwo verständlich, dass in einem Jahr wie diesem die Olympischen Spiele im Mittelpunkt stehen – schließlich wollen in Paris alle Athleten bestmöglich performen. Doch die EM kann zuvor einen wichtigen Beitrag zur Stimmung in der nationalen Leichtathletik-Welt beitragen. Denken Sie doch noch mal zurück an München 2022: Was war das für eine Euphorie, die entfacht wurde – nur zwei Wochen nach dem Desaster in Eugene. Bei mir ist die Vorfreude auf diese bevorstehende EM jedenfalls groß, und ich hoffe durchaus auf eine Signalwirkung. Ein wenig Werbung in eigener Sache würde der Leichtathletik sicherlich nicht schaden. Bereits ordentlich auf sich aufmerksam gemacht hat Siebenkämpferin Sophie Weißenberg. Im vergangenen Jahr landete die sympathische Athletin in Budapest auf Rang sieben – und war damit eine der besten Deutschen bei der WM. Doch seitdem ist viel passiert. Im Herbst entschied sich Weißenberg zu einer Fuß-OP und kämpfte sich über den Winter im Training Stück für Stück zurück. Nun ist die 26-Jährige bereit für die Saison. Vor Rom geht es für sie am kommenden Wochenende nach Götzis, nach Rom soll dann auch ihre Reise in Paris enden. Was das für sie bedeuten würde, verrät sie im Interview in der aktuellen Leichtathletik-Ausgabe.

 

Alexander Dierke

 

Gina LUECKENKEMPER (Lückenkemper)(SCC Berlin) 100m Vorlauf der Frauen, am 08.07.2023 Deutsche Leichtathletik Meisterscha

Als Athletin gewachsen

Köln, 30. April

Liebe Leserinnen und Leser,
es macht stets aufs Neue Spaß, sich mit meinungsstarken deutschen Athleten zu unterhalten. Und speziell die Gespräche mit Gina Lückenkemper sind da immer ein Highlight. Schließlich ist die Sprinterin nicht nur auf der Sprintbahn stark unterwegs, sondern besitzt auch zu fast allem eine Meinung. Sympathisch sind die Interviews mit der amtierenden 100-Meter- Europameisterin ohnehin. Dieses Mal gab es durchaus viel zu besprechen, verfolgt Lückenkemper im anstehenden Sommer große Ziele: Bei der EM soll im Juni bestenfalls die Titelverteidigung gelingen und knapp zwei Monate später bei den Olympischen Spielen endlich der Traum einer Final-Teilnahme in Erfüllung gehen. Darauf ist bei ihr alles ausgerichtet. In diesem Jahr hat sie die Hallen-Saison gänzlich ausgelassen und sich stattdessen intensiv in Florida unter ihrem Coach Lance Brauman auf die kommenden Aufgaben vorbereitet. Es ist ein Schritt, welchen beide im Anschluss an ihr Halbfinal-Aus bei der Vorjahres-WM beschlossen haben. Die Wettkampfbelastung sei in der Vergangenheit zu hoch gewesen, sagt sie selbst – und vermittelt insgesamt den Eindruck, als Athletin noch einmal gewachsen zu sein. Neben starken Trainingseindrücken gibt ihr auch ihr Freiluft-Auftakt recht: Nie zuvor starte Lückenkemper schneller in eine Saison als unlängst bei einem Meeting in Florida. Ohnehin weiß die 27-Jährige ihren Status und ihre Möglichkeiten in den Staaten zu schätzen. Weil solche Ausbildungsbedingungen für die deutschen Athleten noch immer eine Ausnahme sind. Die nationalen Gegebenheiten können beispielsweise mit denen in den USA nicht mithalten – allein weil es dort einen durchaus großen Wissensvorsprung gibt, wie Lückenkemper anfügt. Im Falle der Top-Sprinterin könnte der DLV davon profitieren. Und vor allem sie selbst – in Rom und dann in Paris.

 

Alexander Dierke

 

European Championships Munich22; Leichtathletik, 15.08.2022 Im Fokus der TV-Kameras: Alica Schmidt (GER) - European Cham

Neue Wege gehen

Köln, 16. April

Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem Auftakt-Meeting der Diamond League startet die Freiluft-Saison am 20. April auch endgültig für die internationale Elite. Es steht ein Sommer bevor, der mit den Europameisterschaften in Rom und den Olympischen Spielen in Paris zwei ganz große Highlights in petto hat. Beide Titelkämpfe werden unzählige Fans anlocken — sei es vor Ort im Stadion oder daheim vor den Fernsehbildschirmen. Es ist ein Phänomen, das fast Gesetz ist: Sportgroßereignisse begeistern die Menschen. Doch sind die Events erst einmal wieder vorbei, schwindet zumeist auch das Interesse der breiten Bevölkerung wieder. In der Leichtathletik stellt sich seit Langem die Frage, wie sich die Sportart attraktiver gestalten lässt, um speziell auch jüngere Zielgruppen zu erreichen. Mit der Idee einer Regeländerung im Weitsprung hat der Weltverband World Athletics dem Thema vor Kurzem neue Brisanz verschafft. Von einem „Wettlauf gegen die Zeit“ sprach WA-Chef Sebastian Coe hingegen schon im vergangen Jahr. Und ein solches Rennen kann sehr wohl auch abseits der Laufbahn ausgemacht werden. Wobei weniger der Umbau bestehender Disziplinen der Weg zu höherer Attraktivität zu sein scheint, als vielmehr sich die Frage gestellt werden sollte, wie Athleten und Wettkämpfe zugänglicher gemacht werden können. Die junge Generation wird etwa über die Sozialen Medien erreicht, denn auch der Sportkonsum hat sich verändert. Es ist nun mal so: Wenn eine Sportart nahbar ist, können auch Menschen dafür begeistert werden. Und auf lange Sicht geht es nicht nur hierzulande darum, wieder vermehrt junge Leute für die Leichtathletik zu begeistern. Als Fans und vor allem auch als Athleten. Ein zeitgemäßer Sport und (finanzielle) Lukrativitat kann so langfristig auch dazu beitragen, den Erfolg zurück zu bringen. Veränderung ist nicht immer leicht, und kann doch viel bewirken.

 

Alexander Dierke

 

World Athletics Championships Oregon22 - Day Six

Schwierig zu beurteilen

Köln, 6. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Fall Sara Benfares hat Ende Januar in der deutschen Leichtathletik- und Sportwelt für großes Aufsehen gesorgt. Das Bekanntwerden eines positiven Dopingtests bei der DLV-Langstrecklerin, welcher die beiden verbotenen Substanzen Epo und Testosteron aufwies, hat sich sechs Monate vor Beginn der Olympischen Spiele zunächst wie ein dunkler Schatten über die Sportart gelegt. Besonders, weil es in der Leichtathletik der erste deutsche Doping-Verdachtsfall seit geraumer Zeit ist. Für den DLV, der darauf bedacht ist, Anti-Doping-Maßnahmen großzuschreiben, wäre die Bestätigung des Verdachts zunächst einmal eine durchaus bitter zu schluckende Pille. Wenngleich ein Einzelfall nicht direkt einem Skandal gleichzusetzen ist. So zumindest sah die Lage anfangs aus.
Denn in den letzten Tagen hat der Fall eine andere Wendung genommen. Benfares’ Vater äußerte gegenüber dem französischen Leichtathletik-Portal „SPE15“, seine Tochter sei im vergangenen Spätsommer an Knochenkrebs erkrankt, die beiden Substanzen habe Sara im Zuge dessen aus medizinischen Gründen zu sich genommen. Eine Nachricht, die durchaus bestürzt macht, aber auch mit Fragen verbunden ist. Etwa weshalb die Nationale Anti-Doping- Agentur, kurz NADA, nicht vorab über die Erkrankung informiert wurde – ist dies auch in solchen Fällen Pflicht. Das Argument der Dringlichkeit einer Behandlung ist in meinen Augen aus menschlicher Sicht aber nachvollziehbar. Denn: Sollte sich die Krebserkrankung bestätigen, geht es um wichtigere Dinge als den Sport oder mögliche Verbote. Aber auch der Wahrheitsgehalt der Äußerungen über die gesundheitliche Situation Benfares ist noch unklar – und birgt manche Zweifel. Aufgrund der unklaren Lage sollte man sich als neutraler Außenstehender demnach auch kein vorschnelles Urteil bilden, sondern die Entwicklungen abwarten.

Alexander Dierke

 

GERMANY-OLYMPICS-OLY1972-MUNICH-ANNIVERSARY

Mit der Zeit gehen

Köln, 31. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
es dauert noch knapp anderthalb Jahre, bis die Olympischen Spiele 2024 in Paris eröffnet werden. Die Vorfreude auf die 23. Sommerspiele ist jetzt schon vielerorts spürbar, ebenso große Hoffnungen, die damit verbunden sind. Wir haben mit Malaika Mihambo, der „Leichtathletin des Jahres 2022“, und mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), über dieses bevorstehende Großereignis des Sports gesprochen. Welche Werte, Erwartungen und Ziele die beiden damit verbinden, erfahren Sie in den Interviews dieser Ausgabe. Während Bach in seiner Funktion als IOC-Präsident insbesondere als Organisator gefordert ist, stellen für die Weitsprung-Weltmeisterin die nächsten Spiele in erster Linie eine sportliche Herausforderung dar.

Doch mit den Olympischen Spielen verbinden Malaika Mihambo und Thomas Bach noch viel mehr, wie sie uns erzählt haben: In Paris wird es mehr denn je darum gehen, mithilfe der olympischen Werte und der Strahlkraft dieses Events Zeichen zu setzen in der Gesellschaft. Die Botschaft lautet: Seid fair, nachhaltig, tolerant und inklusiv. Ob und wie sehr das IOC mit der Zeit geht und den Willen zur Reform (Stichwort „Olympische Agenda 2020“) auch lebt, wird sich spätestens Ende Juli 2024 in Paris zeigen. Umso wichtiger ist es, wenn darüber hinaus engagierte und reflektierende Spitzenathleten wie Malaika Mihambo die Werte des Sports zu schätzen wissen und diese sinnstiftend in die Gesellschaft transportieren.

„Paris werden die Spiele einer neuen Ära sein“, sagt Thomas Bach. Wir alle hoffen, dass es so kommt.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes