Tag : Sandrina Sprengel

Lotto Deichmeeting; Neuwied, 17.05.2025

Geschichte(n) des Aufstiegs

Köln, 10. Februar

Liebe Leserinnen und Leser,
der Titel geht einmal mehr an den TSV Bayer 04 Leverkusen. Zum dritten Mal in Folge setzt sich der Verein im Vereinsranking des Deutschen Leichtathletik-Verbands durch – die Rangliste soll quittieren, welcher Klub hierzulande die stärkste Leichtathletik-Abteilung hat. Insgesamt bringt es der Verein aus dem Rheinland auf eine Punktzahl von 406 – und streicht somit für das Jahr 2025 über 100 Punkte mehr ein als der auf Platz zwei rangierende SV Halle. Ausschlaggebend sind die Platzierungen in den DLV-Bestenlisten ab der Altersklasse M14 und W14. Vor allem in den unteren Altersklassen geben die Leverkusener eine gute Figur ab, es ist ein Zeugnis für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit, die durch Triumphe gestandener Athletinnen und Athleten wie Marike Steinacker und Konstanze Klosterhalfen vergoldet wird. Wenngleich im Vorjahr nur drei Namen des TSV für die WM in Tokio berufen wurden. Während mit der LG Stadtwerke München ein weiterer namhafter Verein unter den Top Drei vertreten ist, erzielt Cologne Athletics die beste Platzierung der Germany-Athletics-Klubs – wie auch jenen der „Neueinsteiger“ der Liste. Der Kölner Verein belegt im Ranking Platz 26 und fuhr die meisten seiner Punkte über Athletinnen und Athleten im Aktivenbereich ein.

Unter den Top 50 fehlen tut hingegen der VfB Stuttgart. Doch es lohnt sich dennoch, bei den Schwaben genauer hinzuschauen. Schließlich haben sie nicht nur Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer unter Vertrag, sondern seit Jahresbeginn auch den Rising Star im Siebenkampf: Sandrina Sprengel. Die 21-Jährige krönte ihren steilen Aufstieg 2025 vorübergehend mit einem äußerst starken fünften Rang bei ihrer Premieren-WM in Tokio. Schon jetzt ist sie, betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, die nach Punkten zweitbeste deutsche Siebenkämpferin hinter Sophie Weißenberg. Das mache sie vor allem stolz – und sei reichlich Motivation für die Zukunft, verrät die junge Siebenkämpferin in einem exklusiven Interview mit Leichtathletik . Wie ihr Alltag abseits der Sports aussieht und warum sie etwa schon von klein auf zwei Träume verfolgt – über das und mehr haben wir mit der sympathischen Mehrkämpferin gesprochen. Was dabei zwischen den Zeilen rüberkam, ist vor allem eines: In Sprengel besitzt die deutsche Leichtathletik eine junge Siebenkämpferin, die gleichermaßen über großes Talent wie große Ziele verfügt. Gute Voraussetzungen für die kommenden Jahre!

Alexander Dierke

Leichtathletik Weltmeisterschaften 2025 in Tokyo

Herz, Haltung, Höhenflug

Köln, 21. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Interviews, die bleiben im Kopf, weil sie mehr sind als ein Rückblick. Das Gespräch mit Frank Busemann war so eines. Ein Mann, der in Atlanta 1996 Silber gewann, aber über Gold heute kaum spricht – weil er längst andere Dinge wichtiger findet. Haltung etwa. Leidenschaft. Und die Fähigkeit, über Jahrzehnte für eine Sportart zu brennen, die ständig im Wandel ist. Wenn Busemann über Leo Neugebauer redet, klingt das wie ein Staffelstab zwischen Generationen: der ehemalige Zehnkämpfer, der in jedem Satz mitschwingen lässt, wie viel Herzblut in dieser Disziplin steckt – und der junge Weltmeister, der die Geschichte weiterschreibt. Beide zeigen, dass Erfolg im Mehrkampf nie Zufall ist, sondern eine Haltung: dranbleiben, egal wie viele Disziplinen gerade nicht perfekt laufen.
Diese Haltung findet sich auch bei zwei Athletinnen, die geografisch auf der anderen Seite des Globus, aber geistig ganz nah an diesem Spirit trainieren: Amanda und Hana Moll. Zwei Schwestern aus einem Ort, der symbolischer kaum heißen könnte – Olympia, Washington. Die Zwillinge könnten den Stabhochsprung in Zukunft mit einer Konsequenz prägen, die man selten sieht. Rekorde, Titel, gemeinsame WM-Finals – und doch geht es ihnen nie um den schnellen Effekt. „Wir sind prozessorientiert, nicht ergebnisorientiert“, sagt Amanda. Diese Generation denkt anders: weniger Pathos, mehr Plan. Und genau darin liegt vielleicht die Zukunft einer Sportart, die vom Feilen lebt – nicht vom Funkeln allein.
Und während die Molls die Disziplin neu definieren, zeigen andere, wie global Leichtathletik inzwischen geworden ist. Julien Alfred, die erste WM-Medaillengewinnerin für St. Lucia, und Alex Rose, der Samoa mit Bronze Geschichte schreiben ließ, sind Gesichter einer Entwicklung, die zeigt: Talent hat längst keinen Pass mehr. 53 Nationen holten in Tokio Medaillen – so viele wie nie zuvor. Vielleicht ist genau das die schönste Entwicklung: dass Leichtathletik heute mehr Stimmen hat, mehr Geschichten, mehr Farben. Frank Busemann würde das vermutlich gefallen. Denn in seiner Welt zählt nicht nur, wer am höchsten springt oder am weitesten wirft – sondern, wer sich dem Sport mit Herz, Haltung und einer guten Portion Menschlichkeit verschreibt.

Robin Josten

JPN, Leichtathletik, Athletics, World Athletics Championships Tokyo 25, Leichtathletik Weltmeisterschaften, 20.09.2025,

Richtige Richtung

Köln, 7. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser, „der Weg zurück in die Weltspitze ist noch lang und anspruchsvoll.“ Es sind beinahe ungewohnt ehrliche Worte, die man zwischen Lobeshymnen für Leo Neugebauer und Co. zum Abschluss der Weltmeisterschaften in Tokio beim Vorstand Leistungssport des Deutschen Leichtathletik-Verbands vernehmen kann. Dr. Jörg Bügner arbeitet heraus, dass es trotz fünf gewonnener Medaillen reichlich Arbeit für die Zukunft gibt. Längst nicht in allen Disziplinen stimmte die Richtung bei dieser zurückliegenden WM – und doch titelte auch die ­ Leichtathletik anschließend: „Der nächste Schritt“. Denn ein eben solcher waren die globalen Meisterschaften. Vor allem im Mehrkampf waren die deutschen Leistungen gut, nicht zuletzt bedingt durch Neugebauers WM-Titel. Youngster Sandrina Sprengel glänzte ebenfalls, Hammerwurf-Silbermedaillengewinner Merlin Hummel setzte gar noch ein größeres Zeichen für die deutsche Leichtathletik-Zukunft. „Die deutsche Leichtathletik lebt, sie ist nicht tot, wie es nach Budapest behauptet wurde“, befand Sprinterin Gina Lückenkemper. Auch sie hat Recht mit dieser Aussage. Doch es sind eben auch so manche negative Aspekte auszumachen. Über die flachen Laufdistanzen waren die Auftritte trotz guter deutscher Vorleistungen insgesamt enttäuschend. Und die Geschichte vom Leistungspeak im richtigen Moment ist eine, die nicht nur Lückenkemper betrifft: Nur acht persönliche Bestleistungen wurden in Tokio durch DLV-Athletinnen und Athleten aufgestellt. Positiv zu deuten ist wiederum ein vierter Rang in der Nationenwertung. Und jetzt? Eine Frage mit Blick auf die Zukunft, der wir genauer nachgehen.

Alexander Dierke