Tag : Sportdirektor

Ein langer Weg

Köln, 10. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
„Es wird in Zukunft wieder besser, weil wir gute Talente haben“ – mit diesen Worten reagierte DLV-Präsident Jürgen Kessing auf das enttäuschende Abschneiden in Eugene. Lediglich zwei WM-Medaillen holte das deutsche Team damals – die Wettkämpfe in den USA wurden zum historischen Tiefpunkt. Ein Desaster, welches nur drei Wochen später bei der Heim-EM wieder ausgebügelt wurde. Große Erfolge des DLV-Teams bei den vergleichsweise schwächer besetzten Kontinentalwettkämpfen sorgten in der breiten Öffentlichkeit für reichlich positive Aufmerksamkeit, wie auch später die Krönung von Gina Lückenkemper und Niklas Kaul bei der Wahl zu „Deutschlands Sportlern des Jahres 2022“.

Doch die tiefergehenden Probleme im Verband kann das nicht vertuschen. Die deutsche Leichtathletik ist – mit wenigen Ausnahmen – gegen die Weltelite aktuell nicht mehr konkurrenzfähig. Zu groß ist der Abstand zur Spitze in den letzten Jahren geworden, zu halbherzig teilweise das Herangehen der Athleten an die Wettkämpfe. Nicht zuletzt darf aber vor allem die unzureichende Förderung der Nachwuchs- und Spitzensportler kritisiert werden.

Eine Analyse des vergangenen Jahres führte auch beim DLV zu einem klaren Urteil: Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Die Wiederbesetzung des Sportdirektor-Postens soll zur Initialzündung werden für eine Reform der Leistungssportstruktur – mit dem Ziel, bis Olympia 2028 einen Platz unter den Top Fünf der Nationenwertung zu erreichen. Doch von alleine einstellen wird sich ein solcher Erfolg nicht, es bedarf kritischen Handelns und umfassender Athleten-förderung. Damit es in Zukunft wirklich wieder besser wird.

 

Alexander Dierke