Tag : Leichtathletik

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Mit der Zeit gehen

Köln, 31. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
es dauert noch knapp anderthalb Jahre, bis die Olympischen Spiele 2024 in Paris eröffnet werden. Die Vorfreude auf die 23. Sommerspiele ist jetzt schon vielerorts spürbar, ebenso große Hoffnungen, die damit verbunden sind. Wir haben mit Malaika Mihambo, der „Leichtathletin des Jahres 2022“, und mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), über dieses bevorstehende Großereignis des Sports gesprochen. Welche Werte, Erwartungen und Ziele die beiden damit verbinden, erfahren Sie in den Interviews dieser Ausgabe. Während Bach in seiner Funktion als IOC-Präsident insbesondere als Organisator gefordert ist, stellen für die Weitsprung-Weltmeisterin die nächsten Spiele in erster Linie eine sportliche Herausforderung dar.

Doch mit den Olympischen Spielen verbinden Malaika Mihambo und Thomas Bach noch viel mehr, wie sie uns erzählt haben: In Paris wird es mehr denn je darum gehen, mithilfe der olympischen Werte und der Strahlkraft dieses Events Zeichen zu setzen in der Gesellschaft. Die Botschaft lautet: Seid fair, nachhaltig, tolerant und inklusiv. Ob und wie sehr das IOC mit der Zeit geht und den Willen zur Reform (Stichwort „Olympische Agenda 2020“) auch lebt, wird sich spätestens Ende Juli 2024 in Paris zeigen. Umso wichtiger ist es, wenn darüber hinaus engagierte und reflektierende Spitzenathleten wie Malaika Mihambo die Werte des Sports zu schätzen wissen und diese sinnstiftend in die Gesellschaft transportieren.

„Paris werden die Spiele einer neuen Ära sein“, sagt Thomas Bach. Wir alle hoffen, dass es so kommt.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Siegertypen

Köln, 25. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
die vergangene Leichtathletik-Saison bot reichlich Möglichkeiten, um Geschichten zu schreiben. Geschichten über persönliche Herausforderungen, bittere Rückschläge, aber auch große Momente der Freude. Geschichten, so unterschiedlich und individuell geprägt wie die Athleten selbst. Was sie alle dabei verbindet: Es ist ihre Leidenschaft für die Leichtathletik – egal ob im Jugend-, Aktiven- oder Masters-Bereich.

Eine Begeisterung, welche wir traditionell zum Jahresbeginn mit der Wahl der „Leichtathleten des Jahres“ noch einmal wertschätzen und würdigen wollen. Auch in der vergangenen Saison gab es Sportler, die aufgrund ihrer Geschichten herausstachen, und in meinen Augen dürfen sich jene Athleten nun verdientermaßen über die Auszeichnung freuen. Erstmals stimmte nach vorausgegangener Leserwahl eine Expertenjury über die diesjährigen sechs Siegerinnen und Sieger ab. Leicht gemacht haben wir uns die Entscheidung nicht, aber wir hoffen, dass sie gerecht ist.

Als Weitsprung-Königin reiste Malaika Mihambo nach Eugene, als Weitsprung Königin kam sie anschließend auch wieder zurück. Die deutsche Gold-Heldin, inmitten einer ansonsten enttäuschenden Weltmeisterschaft. Hochverdient also, dass sie sich nun bereits zum vierten Mal in Folge „Leichtathletin des Jahres“ nennen darf. Erkämpft – im wahrsten Sinne des Wortes – hat sich auch Niklas Kaul seine Auszeichnung. Als „äußerst emotional“ bezeichnet er seinen EM-Triumph und verspürt nach zwei schwierigen Jahren vor allem eines: große Dankbarkeit. Seine und die Geschichten der übrigen Gewinner stellen wir Ihnen auf den kommenden Seiten in Interviews und Porträts vor.

Alexander Dierke

Ein langer Weg

Köln, 10. Januar

Liebe Leserinnen und Leser,
„Es wird in Zukunft wieder besser, weil wir gute Talente haben“ – mit diesen Worten reagierte DLV-Präsident Jürgen Kessing auf das enttäuschende Abschneiden in Eugene. Lediglich zwei WM-Medaillen holte das deutsche Team damals – die Wettkämpfe in den USA wurden zum historischen Tiefpunkt. Ein Desaster, welches nur drei Wochen später bei der Heim-EM wieder ausgebügelt wurde. Große Erfolge des DLV-Teams bei den vergleichsweise schwächer besetzten Kontinentalwettkämpfen sorgten in der breiten Öffentlichkeit für reichlich positive Aufmerksamkeit, wie auch später die Krönung von Gina Lückenkemper und Niklas Kaul bei der Wahl zu „Deutschlands Sportlern des Jahres 2022“.

Doch die tiefergehenden Probleme im Verband kann das nicht vertuschen. Die deutsche Leichtathletik ist – mit wenigen Ausnahmen – gegen die Weltelite aktuell nicht mehr konkurrenzfähig. Zu groß ist der Abstand zur Spitze in den letzten Jahren geworden, zu halbherzig teilweise das Herangehen der Athleten an die Wettkämpfe. Nicht zuletzt darf aber vor allem die unzureichende Förderung der Nachwuchs- und Spitzensportler kritisiert werden.

Eine Analyse des vergangenen Jahres führte auch beim DLV zu einem klaren Urteil: Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Die Wiederbesetzung des Sportdirektor-Postens soll zur Initialzündung werden für eine Reform der Leistungssportstruktur – mit dem Ziel, bis Olympia 2028 einen Platz unter den Top Fünf der Nationenwertung zu erreichen. Doch von alleine einstellen wird sich ein solcher Erfolg nicht, es bedarf kritischen Handelns und umfassender Athleten-förderung. Damit es in Zukunft wirklich wieder besser wird.

 

Alexander Dierke

 

Herausforderungen

Köln, 13. Dezember

Liebe Leserinnen und Leser,
das Leichtathletik-Superjahr geht zu Ende. WM, EM, nationale Titelkämpfe – eine derartige Häufung hat es zuvor noch nie gegeben. Die Leichtathletik ist nach Corona zurück auf der Bühne des Sports. Wo steht sie am Ende von 2022? Die WM in Eugene war die Fortsetzung der schwachen Hallen-WM von Belgrad. Malaika Mihambo als Weltmeisterin und die Frauen-Staffel mit Bronze holten die einzigen Medaillen – ein Debakel, nimmt man das Abschneiden und Auftreten des gesamten Teams als Maßstab. Kleine Nationen wie Polen, Belgien, die Schweiz oder die Niederlande sind am DLV vorbeigezogen. Und dann die EM: eine Wiederauferstehung der deutschen Leichtathletik – für den DLV, die Athleten und die Zuschauer. Es war die Fortsetzung stimmungsvoller internationaler Großereignisse auf deutschem Boden: EM und WM Stuttgart (1986, 1993), EM München (2002), WM und EM Berlin (2009, 2018) und jetzt die EM München 2022. 16 Medaillen für das deutsche Team, Zuschauerbegeisterung im Olympiastadion und der Stadt, ein kaum zu erwartendes Sommermärchen mit Stimmung, die unter die Haut ging. Am Ort, an dem der Geist der Olympischen Spiele von 1972 zurückgekehrt schien, plus eine große Medienpräsenz.

Doch es waren kontinentale Meisterschaften. Die 16 Medaillen von München geben Hoffnung, sind aber keine Garantie. Die DLV-Führung unter Gonschinska, Kessing und Co. ist gefordert, die Leichtathletik auf Kurs zu bringen. Kann sie künftig auch global wieder mitspielen? Im nächsten Sommer stehen in Budapest coronabedingt erneut Weltmeisterschaften an, danach lockt schon die Olympiade. Die Herausforderungen für die deutsche Leichtathletik werden nicht kleiner.

 

Ewald Walker

 

Ende gut, alles gut?

Köln, 29. November

Liebe Leserinnen und Leser,
die Freiluftsaison 2022 neigt sich langsam wie sicher dem Ende zu. Während die einen schon ihren wohlverdienten Urlaub genießen und sich mit der Planung des nächsten Jahres beschäftigten, zogen andere im Endspurt noch einmal kräftig an. So stand für die Crossläufer bei den Deutschen Meisterschaften in Löningen einiges auf dem Spiel. Zumal es nicht nur um Titel ging, sondern auch um die letzte Chance, sich für die Cross-Europameisterschaften am 11. Dezember in Turin zu empfehlen. Wie gut das Alina Reh, Samuel Fitwi und Co. gelungen ist, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Am Ende des Jahres wird es auch wieder Zeit, Bilanz zu ziehen. Was war gut, was weniger gut? Darauf blicken wir im nächsten Teil unseres großen Jahresrückblicks 2022. Diesmal richten wir den Fokus auf die Siebenkämpferinnen und Zehnkämpfer, fassen die Ereignisse der letzten Saison zusammen und ordnen ein, wie Erfolge und Enttäuschungen zu bewerten sind. Herausragend dabei: die spektakuläre Aufholjagd von Niklas Kaul bei der Leichtathletik-EM in München. Berücksichtigt man, wie der Mainzer Zehnkämpfer nach seinem bitteren Olympia-Aus im Vorjahr immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und quasi erst last minute sicher sein EM-Ticket löste, ist dieser Triumph für ihn selbst umso höher zu bewerten.

In diesem Zusammenhang gilt es, sich auch wieder Gedanken zur bevorstehenden Wahl der „Leichtathleten des Jahres“ zu machen. Die Kandidatinnen und Kandidaten dafür stellen wir Ihnen in unserer nächsten Ausgabe ausführlich vor.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Auf Sand gebaut

Köln, 15. November

Liebe Leserinnen und Leser,
an diesem Wochenende beginnt sie also: die Winter-Fußball-WM. In einem Land, das so groß ist wie Hessen und das hauptsächlich aus Sand besteht. In den vergangenen zwölf Jahren sind dort zahlreiche Gastarbeiter beim Bau der Stadien gestorben. Sie leben in dem Wüstenstaat unter menschenunwürdigen Bedingungen und erhalten nur einen Hungerlohn für ihre Arbeit. Die Welt hat in dieser Zeit mehr oder weniger tatenlos zugesehen. Die WM wird für die Elite Katars sowie für den Weltfußballverband FIFA um Präsident Gianni Infantino vor allem eins sein: eine riesige Werbeplattform.

„Sportwashing“ nennt man diesen Vorgang, bei dem ein Land mithilfe von Sport-Events seine Reputation verbessern will. Auch die Leichtathletik ist Teil des Sportwashings in Katar, wo jährlich die Diamond League stattfindet und 2019 die Leichtathletik-WM in Doha ausgetragen wurde.

Nun lädt ein Land zur Fußball-WM ein, in dem Homosexualität als „geistiger Schaden“ bezeichnet wird, Frauen eingeschränkte Rechte besitzen und in dem es keine Meinungsfreiheit gibt. Das inoffizielle Motto einer WM – die Welt zu Gast bei Freunden – wird ad absurdum geführt. Dazu kommen jede Menge eingekaufte Fans, die gegen Geld für positive Stimmung rund um den Mega- Event sorgen sollen. Es wirkt mindestens suspekt, wenn man auf kursierenden Videos Inder, Kataris und andere Bevölkerungsgruppen in Deutschland-, Argentinien- und England-Trikots durch die Straßen ziehen sieht.
Geld siegt über Ethik, so könnte man meinen. Dennoch glauben wir fest an die integrative Kraft des Sports. Möge uns diese Überzeugung nicht abhanden kommen!

Fabian Küpper

 

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Dunkle Schatten

Köln, 18. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der dunkle Schatten liegt schon lange über Kenias Laufszene. Nun wurde mit Diana Kipyokei, Siegerin des Boston-Marathons 2021 (Foto), die nächste Läuferin aus Kenia wegen Dopings vom Leichathletik-Weltverband gesperrt. Kipyokei droht eine Sperre von mindestens vier Jahren sowie die Aberkennung ihres Vorjahres-Triumphes. Mittlerweile ist die Liste der Dopingsünder aus dem Lauf-Mekka lang, umfasst allein in diesem Jahr 23 Fälle – und sie könnte bald noch länger werden, denn Untersuchungen gegen weitere kenianische Athleten sind eingeleitet.

Das Märchen ist allseits bekannt: Kenias Läufer atmen ständig Höhenluft, verfügen über ideale physische Voraussetzungen. Laufen ist Volkssport, trainiert wird auf staubigen Pisten. Deshalb sind alle so gut. Laufen Kenias Athleten dann auf Tartanbahnen, sind sie nicht mehr zu stoppen. Doch die Wirklichkeit sieht ein wenig anders aus. Häufig geraten die Läufer an Ärzte, die mitverdienen wollen. Dafür besorgen diese den vermeintlichen Wunder-Läufern verbotene Medikamente zur Leistungssteigerung. Stellen sich sportliche Erfolge ein, verlangen die Ärzte einen Anteil an Preis- und Sponsorengeldern.

Als Hochrisiko-Land wird Kenia seit Jahren besonders überwacht. Auch der nationale Verband beteuert immer wieder, den Dopingsumpf trocken legen zu wollen. Doch gelungen ist das bis heute nicht. Und weil das Jahr lange nicht zu Ende ist, müssen wir wohl damit rechnen, dass uns noch weitere Meldungen über Dopingvergehen kenianischer Läufer erreichen werden.

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

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Zahlenspiele

Köln, 11. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
der Sommer hatte ja seine zwei Gesichter. Wie die Wetterlagen wechselte auch das Klima in der Leichtathletik-Stimmung zügig. Waren bei den Weltmeisterschaften in Eugene die Leistungen der deutschen Athleten insgesamt eher bescheiden – Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel –, sodass man nicht recht wusste, ob es sich um mangelnden Wettbewerbswillen oder mangelnde Klasse handelte, wendete sich das Blatt nur wenige Wochen später: Das Auftreten der nationalen Leichtathletik-Elite bei den Europameisterschaften in München erzeugte positive bis euphorische Meldungen. Im kontinentalen Vergleich konnte viel Renommee zurückgewonnen werden. Bei unserem Power-Ranking auf Seite 4 bis 7 schrumpfen wir nun den Vergleich der Athleten noch einmal zusammen und bilden eine reine Gewichtung deutscher Sportler untereinander ab, weiten den Blick aber insofern, als dass wir interdisziplinär vorgehen. Wie das Ranking nach Zahlen funktioniert, wird dort erläutert. Und natürlich: „Harte“ Zahlen sprechen eine reine Leistungssprache, die hinterher in Summen gemeißelt scheint. Aber auch softe Ziffern fließen ein – bezüglich der Strahlkraft der Leichtathleten in ihrem Sport und über diesen hinaus. Insofern spiegelt sich in ihm ein wenig die gesellschaftliche Relevanz der Leichtathletik. Sie als Leserin und Leser mögen unseren Zahlen nun folgen oder diese bezweifeln. Eines sollten Sie sich aber nicht nehmen lassen: Ihr Vergnügen an der Bewertung.

Korrektur zur Ausgabe 40:
Eliud Kipchoge ist natürlich Kenianer, und auch bei den Weltrekorden haben sich Fehler eingeschlichen. Den Vergleich der aktuell weltbesten Athletinnen mit bestehenden Weltrekordhalterinnen finden Sie korrigiert auf Seite 3. Wir bitten um Entschuldigung.

 

Frank Schwantes Portrait

Frank Schwantes

 

Legende trifft Gegenwart

Köln, 4. Oktober

Liebe Leserinnen und Leser,
Eliud Kipchoge schrieb in Berlin Geschichte, und dies erneut. Heißt, er überschrieb seine eigene Geschichte und trägt sich nicht nur erneut als Sieger über die 42,195 Kilometer auf der schnellen Strecke Berlins in die Bücher ein, sondern er lief – man ist geneigt, legendenhaft zu sagen – einen neuen Weltrekord, der seinen zuvor errannten Weltrekord nun regelrecht pulverisiert. Ist damit ein Ende der Rekordjagd von Kipchoge absehbar?

Sicher, die Zwei-Stunden-Marke rückt immer näher, und nach der Zahlenmagie wäre das ein großes, erhabenes Ziel, die Eins vor dem Komma zu sehen, zu Leb- zeiten, endlich … So lautet vielleicht die euphorisierte Hoffnung mancher Betrachter. Doch hegt Eliud Kipchoge selbst diesen Traum? Er selbst, danach gefragt, meinte, er denke nur Schritt für Schritt, Rennen für Rennen. Und um diese bestmöglich zu gestalten und zu absolvieren, gehe es nur jeweils um die kommende Marathonstrecke. Aber was heißt das?

Ist eine Zeit das Ziel? Vermutlich auch. Doch ein Lauf stellt Athleten ja vor ganz andere Herausforderungen. Die Leistung wird eingeteilt in Kräftevermögen und Zeitabschnitte, die Einteilung der eigenen Power wird wie in der Dramaturgie abschnittweise an ihr Limit gebracht. Und genau dies ist vielleicht ein Ausdruck dafür, worum es ihm geht. Der Äthiopier scheint eben weniger an das ganz große Ziel zu denken, sondern sich eher hin zu den Zeiten, Schritt für Schritt, zu entwickeln. Insofern könnte man dies als Aufgabe eines jeden betrachten: Es ist immer gut, nicht zu weit vorauszublicken und jede kommende Aufgabe als die wichtigste zu betrachten.

 

Jonas Giesenhagen

 

Definiert Leistung nicht zuletzt durch immer neue Rekorde: Alleine in 2022 verbesserte der Schwede Armand Duplantis zweimal den Weltrekord im Stabhochsprung auf nun 6,21m. (Foto: Getty Images)

Die Leistung zählt

Köln, 20. September

Liebe Leserinnen und Leser,
Weltrekorde sind Weltrekorde sind Weltrekorde. Könnte man meinen. Die Leichtathletik streckt bei ihren Spitzenevents stets die Fühler aus nach den absoluten, den eingravierten Höchstleistungen, die aus einem Athleten oder einer Athletin eine Art Statue machen. Wir wissen natürlich, im Sport, ob im Leistungssport oder im Breitensport, geht es – sollte es zumindest, Stichwort Mentalhygiene – um die eigenen Maßstäbe, die Athleten, die Sportler, die wir an unsere Leistung stellen. Mit unseren eigenen Grenzen, unseren eigenen Fähigkeiten und der Formverfassung im Kopf und im Körper.

Aber im Sport gibt es eben auch das Legendenhafte. Das Einzigartige, das sich, in purer Bemessung und auf den Punkt, eben auf die Strecke, Weite oder Höhe gebracht, in einem Moment möglicherweise für die Ewigkeit einbrennt. Weltrekordler sind oft Legenden der (auch jungen) Vergangenheit, wie die Speerwerferin Barbora Spotakova, die seit 14 Jahren nun Weltrekordlerin ist, aber erst kürzlich ihre Karriere beendete, und manchmal auch sehr lange in Stein gemeißelte Athleten, deren Weltrekorde bereits seit Jahrzehnten bestehen. Siehe Jürgen Schult, seit 36 Jahren nun bereits Diskuswurf-Weltrekordler. Einige aber jagen in ihren jungen Jahren bereits ihre eigenen Rekorde – Armand Duplantis erscheint wie für seine Disziplin geboren.

Dennoch, Rekorde sind nicht alles. Die Messung der persönlichen Leistung, die Lust am Wettkampf und die Treue zur Disziplin, auch wenn das persönliche Leistungsvermögen mit dem Alter nachlassen sollte, das alles ist Leichtathletik!

Jonas Giesenhagen

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