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24th European Athletics Championships - Day Three

MeldePFLICHT?

Köln, 5. Februar 2019

Die Diskussion um die schwedische Langstreckenläuferin Meraf Bahta kochte zum ersten Mal bei den Europameisterschaften in Berlin so richtig auf. Die Athletin soll im Zeitraum von zwölf Monaten zwei Dopingkontrollen versäumt haben und dazu noch einmal gegen die Meldepflicht verstoßen haben.

In Deutschland sind bei gleichen oder ähnlichen Versäumnissen in der Vergangenheit sportartenübergreifend schon häufiger Sperren ausgesprochen worden. Bahta hingegen durfte in Berlin starten, gewann Bronze über 10.000 Meter. Zuständig für die Frage, ob die 29-Jährige gesperrt wird oder nicht, ist das schwedische Dopingkomitee. Es hat die Athletin – bislang ohne Nennung von Gründen – freigesprochen. Die nationale Anti-Doping-Agentur Schwedens legte daraufhin Berufung ein, der Fall liegt nun beim schwedischen Sportrat, der letzten nationalen Instanz in diesen Fällen. Innerhalb der nächsten Wochen wird laut Medienberichten ein finales Urteil erwartet.

Die Frage, ob Bahta gedopt hat oder nicht, ist von außen bislang nicht zu beurteilen. Wie das Beweismaterial aussieht, darüber darf in Schweden niemand sprechen – so sind die Verbandsregeln. Die mangelnde Transparenz in Schweden ist jedoch nur das eine Problem. Das andere ist, dass eine Suspendierung laut Sportrecht selbst bei mehrfachen Verstößen gegen die Meldepflicht innerhalb eines kurzen Zeitraumes nicht zwingend ist.

Der Fall Bahta könnte Anstoß sein, diesen Punkt noch einmal neu zu diskutieren, meint

Daniel Becker

Gruppenbild

Deutscher Sportjournalistenpreis: Fachzeitschrift Leichtathletik nominiert!

Köln, 31. Januar 2019

Große Ehre für die Fachzeitschrift Leichtathletik: Deutschlands wichtigste Leichtathletik-Zeitschrift ist für den Deutschen Sportjournalistenpreis 2019 nominiert, in der Kategorie „Beste Sportfachzeitschrift“. Heißt: Ab jetzt zählt jede Stimme!

In den folgenden Wochen können Deutschlands Spitzensportlerinnen und -Sportler online abstimmen, bevor der Award dann auf einer Gala am Montag, 25. März 2019, im Hotel Grand Elysée Hamburg verliehen wird. 2005 von Sören Bauer ins Leben gerufen, wird die Trophäe seitdem alle zwei Jahre verliehen.

Das Voting für den Deutschen Sportjournalistenpreis 2019 findet online unter www.sportjournalistenpreis.de statt. Neben Leichtathletik ist das Redaktionsbüro Wipperfürth auch mit den Fachmagazinen „Basket“ und „BOXSPORT“ bei der Wahl vertreten.

Ab sofort können alle Stimmberechtigen in der Kategorie „Beste Sportfachzeitschrift“ fleißig für das BOXSPORT-Magazin voten. Hier geht’s direkt zur Abstimmung!

LANXESS ARENA Koeln Zuschauer Handball WM 2019 Hauptrunde Spiel Deutschland Spanien in Koeln in de

Basisarbeit

Köln, 30. Januar 2019

Haben Sie sich in den letzten Wochen auch erinnert gefühlt an den August letzen Jahres? Die Euphorie, die Millionen TV-Zuschauer während der Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion gepackt hatte, steckte ähnlich viele nun auch während der Handball- WM an, die Deutschland gemeinsam mit Dänemark ausgerichtet hat. Die Parallelen sind unverkennbar. Der Handball hat in Deutschland eine ähnlich große Tradition wie die Leichtathletik, heute aber fühlen sich beide Sportarten vom Fußball in den Schatten gestellt. Beide verbindet auch die Hoffnung, dass ein Großereignis auf heimischem Boden für die Wende sorgen kann und nun endlich wieder bessere Zeiten anbrechen. Wie die Leichtathletik zuvor wird sich auch der Handball nun aber erst mal auf einen Dämpfer einstellen müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach der tollen WM nun auch die heimische Liga boomen wird, ist gering. Im Free-TV ist fast nichts zu sehen. An die WM werden sich viele erst wieder bei den zahlreichen Jahresrückblicken erinnern. Der Fokus muss daher auf der Basis liegen – dem Schul- und Vereinssport. Es wird spannend sein zu sehen, ob es dem Deutschen Handballbund gelingt, die WM als Katalysator dafür zu nutzen, dass der Handball dort wieder eine wich- tigere Rolle einnimmt. Die Leichtathletik, ihre Landesverbände und der DLV, sollten genau hinschauen, am besten sogar in den direkten Austausch mit den Handballern treten. Denn auch bei ihr herrscht in dieser Hinsicht großer Nachholbedarf, meint

Daniel Becker

214th IAAF Council Meeting

Köln, 20 November 2018

Schon letzte Woche haben wir an dieser Stelle über IAAF-Präsident Sebastian Coe und seinen Willen zur Reformierung der Leichtathletik gesprochen – und auch dieses Mal geht es wieder um das Thema Neuerungen. Nun auf der Tagesordnung: die Einführung der neuen Weltrangliste. Zwei Monate vor dem Jahreswechsel hat sich der Weltverband dazu entschlossen, diese nun doch nicht als Basis für die Qualifikation zur WM in Katar zu nutzen und hat damit auf kritisch Stimmen reagiert, die unter anderem aus dem Lager der Athleten kamen (mehr dazu lesen Sie auf den Seiten 6 und 7). Mit anderen Worten: Man hat einen Fehler eingestanden. Und Fehler, auch das stand hier schon geschrieben, gehören im Rahmen eines Erneuerungsprozesses dazu. Doch es kommt auch auf die Art der Fehler an. Es ist das eine, neue, sich schließlich als unbrauchbar herausstellende Wettkampfmodi auszuprobieren. Es ist aber etwas völlig anderes, eine so elementare Neuerung wie die Einführung der Weltrangliste und die Installation dieser als Basis für WM- und Olympia-Quali kurzerhand zu streichen – nicht, weil Fehler nicht eingestanden und korrigiert werden sollten, sondern weil der geplanten Einführung offensichtlich eine unzureichende Vorbereitung zugrunde lag. Das wirft auch ein neues Licht auf andere Ansätze des IAAF-Präsidenten und Reformators. Das Missverständnis rund um die Weltrangliste sollte ein Warnschuss sein, denn schließlich die Zukunft der Sportart auf dem Spiel, meint

Daniel Becker

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Kopf an Kopf

Köln, 7. November 2018

Die Leichtathletik soll reformiert werden. Neuigkeiten sind das nicht, IAAF- Präsident Sebastian Coe ist schon seit seinem Amtsantritt dabei, jeden Stein einzeln umzudrehen. Testfelder gab es bis jetzt schon reichlich, zuletzt bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires. Dort und woanders wurde deutlich, dass längst nicht jede Neuerung auch eine Verbesserung bedeutet, doch der Ansatz, es immer wieder zu probieren, bleibt der richtige. Die Leichtathletik muss wieder mehr in den Fokus gerückt werden, und nicht jeder Versuch kann sich auch auf Anhieb auszahlen.

Das Titelthema unserer aktuellen Ausgabe sind die Topduelle 2019, die Zweikämpfe also, die in der kommenden Saison, an deren Ende als Krönung die Weltmeisterschaften in Katar stehen wer- den, die spannendsten Auseinandersetzungen zwischen zwei Top-Athleten versprechen. Die Stabhochspringer Armand Duplantis und Timur Morgunov finden sich in der Liste, ebenso wie die Sprinter Noah Lyles und Christian Coleman oder die Weitspringer Juan Miguel Echevarria und Luvo Manyonga.

In der Geschichte der Leichtathletik gab es zahlreiche Duelle, die den Fans bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Sie sind das Salz in der Suppe der Sportart, und man kann nur hoffen, dass auch IAAF-Präsident Coe das so sieht. Denn eine Modifikation von Abläufen, die den Kampf Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau mehr in den Fokus stellt, könnte der Sportart verdammt gut zu Gesicht stehen, meint

Daniel Becker

Sport Themen der Woche KW43 Sport Bilder des Tages 28 10 2018 xfux Leichtathletik Marathon Mainov

Mehr davon

Köln, 31. Oktober 2018

Ist es nicht unfassbar langweilig, Men- schen beim Laufen zuzuschauen? Vielleicht kommt Ihnen die Frage ja bekannt vor, und jemand hat Sie auch Ihnen schon gestellt, wenn Sie – mehr als zwei Stunden – gebannt vor dem Fernseher einen Marathon verfolgt haben und danach aus dem Schwärmen gar nicht mehr herausgekommen sind. Zugegeben, für Menschen, die sich nicht sonderlich viel mit der Leichtathletik oder dem Laufen beschäftigen, ist es nicht so leicht, die Faszination Marathon auf den ersten Blick zu erkennen. Man wird eben nicht so auf Anhieb mitgerissen wie bei einem explosiven 100-Meter-Finale, gerät nicht direkt ins Staunen bei den für jedermann erkennbaren turnerischen Höchstleistungen der Athleten wie beim Stabhochsprung. Umso wichtiger ist es, dass die Fernsehübertragung eines Marathons sich die größte Mühe gibt, auch Leichtathletik-Novizen einen Zugang zur Sportart zu verschaffen. Bei der Übertragung des Marathons in Frankfurt ist das gelungen. Mit einem guten Mix aus Hintergrundinformationen, direktem Einblick ins Renngeschehen, den der „Rennreporter“, der die Gruppe um Arne Gabius begleitet hat, auf dem Fahrrad lieferte, und einem meist erfolgreichen Hin und Her zwischen Kommentator und Experten, das Unterhaltung und Information gleichermaßen diente. So kann man den Frankfurt Marathon präsentieren – in Zukunft auch gerne im Hauptprogramm von ARD oder ZDF, meint

Daniel Becker

2018 PyeongChang Olympic Games German Team Kit Handover

Eine Ausrede weniger

Köln, 23. Oktober 2018

Das hört man beim DOSB und den Spitzensportverbänden doch gerne: Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass dem deutschen Spitzensport aller Voraussicht nach in der Bereinigungssitzung der Haushaltspolitiker im Bundestag am 8. November die so lange gewünschte Finanzspritze verpasst wird. Von bis zu 80 Millionen Euro mehr ist die Rede, insgesamt könnten die Verbände dann rund 300 Millionen Euro unter sich verteilen.

Klar ist: Das neue Geld ändert nichts an der Versteifung auf Medaillen (ganz im Gegenteil) und auch nichts daran, dass Sportler, die sich (noch) nicht im absoluten Spitzenbereich bewegen, weiterhin Probleme haben werden, sich voll auf den Sport zu konzentrieren. Dem steht nach wie vor die Spitzensportreform im Wege, die sich auf (potenzielle) Medaillenkandidaten konzentriert. Aber: Es ist Geld, das dem deutschen Sport dabei helfen kann, im absoluten Spitzenbereich Rückstände im internationalen Vergleich zu verkleinern. Außerdem kann endlich das umstrittene Potenzialanalysesystem „PotAS“, wichtiger Bestandteil der Reform, auf den Prüfstand gestellt werden. Bislang war die Spitzensportreform eher eine Neuerung zum Vergessen, nun kommt Bewegung ins Spiel. Durch die neuen Mittel wird eine Basis für eine ernsthafte Bewertung geschaffen. Wie schnell die Schritte nun nach vorne gehen, wie sinnvoll das Geld eingesetzt wird, daran werden sich DOSB und Spitzensport- verbände in Zukunft messen lassen müssen. Die Ausrede, es sei nicht genug Geld vorhanden gewesen, zählt dann nicht mehr, meint

Daniel Becker

Olympic Medalists Giving Black Power Sign

Köln, 17. Oktober 2018

Black Power – mit diesem Begriff sind die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko, die in diesen Tagen vor 50 Jahren stattfanden, untrennbar verbunden. Der frisch gebackene Olympiasieger über 200 Meter, Tommie Smith, und der Drittplatzierte John Carlos hatten sich dazu entschlossen, während der der Siegerehrung, bei der die Nationalhymne lief, ihre jeweils schwarz behandschuhte rechte Hand zur Faust geballt in den Himmel zu recken. So wollten sie auf Diskriminierungen und Rassenhass in den USA aufmerksam zu machen. Die Folge: Beide flogen (nachdem das IOC Druck gemacht hatte) aus dem Olympiateam, erhielten keine Förderung mehr, dafür aber Morddrohungen. Anerkennung für ihren Mut und die Möglichkeit, ein normales Leben zu führen, gab es für beide erst viele Jahre später. Doch die Themen, auf die die Sprinter aufmerksam machen wollten, sind auch heute noch aktuell. Jüngst darauf aufmerksam gemacht hat Football-Star Colin Kaepernick. Der ehemalige Quaterback der San Francisco 49ers entschied sich 2016 dafür, sich während der traditionell vor jedem Spiel laufenden Nationalhymne nicht zu erheben, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. In den Wochen und Monaten danach folgten ihm NFL-weit einige Spieler. Ein Affront, der US-Präsident Donald Trump dazu verleitete, die Protestler als „Hurensöhne“ zu bezeichnen. Seit 2017 findet Kaepernick in der Liga keinen Job mehr. Nachdem der Sportartikelhersteller Nike ihn in diesem Jahr zum Star einer Werbekampagne machte, veröffentlichten zahlreiche Menschen in den sozialen Medien Fotos und Videos, wie sie Kleidung und Schuhe der Firma verbrannten. Die Anerkennung für Kaepernick lässt von vielen Seiten noch auf sich warten. Wünschen wir ihm, dass es nicht so lange dauert wie einst bei Tommie Smith und John Carlos, meint

Daniel Becker

214th IAAF Council Meeting

Durchschwingen

Köln, 10. Oktober 2018

„Wir müssen den Schwung mitnehmen“, erklärt Frank Kowalski im exklusiven Interview mit Leichtathletik, das Sie im Heft auf den Seiten 10 bis 11 lesen können und in dem der Cheforganisator der EM in Berlin eben nicht nur auf das Großereignis vom August zurück-, sondern auch in die Zukunft der Leichtathletik vorausblickt. Es brauche „nun in der Folge starke Konzepte“, erklärt er, und wenn man – mit diesem Satz im Hinterkopf – daran denkt, dass in genau einem Jahr die WM in Katar stattfindet, dann fragt man sich heute, welches Konzept denn damals wohl hinter der Vergabe gesteckt hat.

In unserem Titelthema beleuchten wir noch einmal die Situation rund um die Wüsten-WM und stellen fest: IAAF- Präsident Sebastian Coe verteidigt zwar nach außen die Vergabe-Entscheidung seines (korrupten) Vorgängers Lamine Diack, innerlich weiß er aber ganz genau, dass nach den traumhaften Sportfesten in Berlin (EM) und London (WM), bei denen auch er sich im Rampenlicht sonnen durfte, eine stimmungsmäßige Flop-WM, mit einem Bruchteil von Zuschauern im Stadion, auf ihn zurückfallen wird. Coe wird versuchen, mit großen Innovationen die möglicherweise herrschende Trauerstimmung vor Ort aufzufangen. Das wird schwer genug. Ein Jahr vor der WM sieht es eher danach aus, als müsste die internationale Leichtathletik versuchen, sich so schmerzfrei wie möglich durch das Jahr vor den Olympischen Spielen 2020 hindurchzuquälen. Hoffen wir, dass noch genug Schwung übrig ist, meint

Daniel Becker

IAAF Continental Cup - Day 2

Konsequenzen

Köln, 12. September 2018

Nach der EM stand an dieser Stelle geschrieben, dass trotz des großen Erfolges der Woche von Berlin der Ansatz von IAAF-Präsident Sebastian Coe und anderen Reformern auf nationaler und internationaler Ebene, neue Formate der Leichtathletik auszuprobieren, der richtige ist. Dass aber nicht jedes Format automatisch funktioniert, nur weil es neu ist, wird auch Coe klar sein, und mit ziemlicher Sicherheit wird er Rückschläge während der Zeit der Reform (wie lange sie auch immer dauern mag) eingeplant haben.

Nach dem Continental Cup am vergangenen Wochenende wird der oberste Mann des Weltverbandes aber auch zeigen müssen, dass er aus missglückten Experimenten Konsequenzen zieht. Der Ansatz, auf der Laufbahn nach jeder Runde den bzw. die Letztplatzierte(n) aus dem Rennen zu nehmen, könnte noch weitergedacht und bei dem einen oder anderen Meeting in Zukunft tatsächlich zum Einsatz kommen. Allerdings ist die Idee, in den technischen Disziplinen einen Finaldurchgang mit nur zwei Teilnehmern durchzuführen, vor dem die Leistungen aus den ersten fünf Durch- gängen gelöscht werden, keine, die der Leichtathletik auf Dauer guttun würde. An dem Grundsatz, dass der beste aller Versuche am Ende auch der ist, der zum Sieg reicht, darf nicht gerüttelt werden.

Wenn aus diesen Erkenntnissen die richtigen Konsequenzen gezogen werden und wenn trotz des Gegenwindes weiter an Verbesserungen gearbeitet wird, dann war der Continental Cup am vergangenen Wochenende ein voller Erfolg, meint

Daniel Becker