Category : Blog Leichtathletik

Bemerkenswert

Bemerkenswert

Köln, 26. April

Da haben die DLV-Sprintdamen am Wochenende aber einen rausgehauen.

Deutschland gewinnt Gold in der 4 x 100-Meter-Sprintstaffel bei den World-Relays. Das hat es so noch nicht gegeben. So wurde der silberne Platz auf dem Podium vom Vortag über die 4 x 200 Meter sogar noch getoppt. Das war so nicht zu erwarten, zumal unsere Staffel nicht in Bestbesetzung antreten konnte und auf Gina Lückenkemper verzichten musste. Dies zeigt, wie breit unser Sprintkader aufgestellt ist, absolut positiv und bemerkenswert.

Natürlich könnte man jetzt den Ausrutscher der Amerikanerinnen in den Vordergrund rücken und hier die Ursache für den Gewinn des goldenen Edelmetalls finden. Das wäre jedoch zu einfach und nicht einmal fair. Denn die deutschen Damen sind seit ein paar Jahren auf einem guten Weg in die Weltspitze. Die Hoffnungen, die in sie gesetzt wurden, konnten sie nun bestätigen. Dass die deutschen Herren sich mit ihrem siebten Platz auch für die WM in London qualifizieren konnten, rundet das gelungene Relay-Wochenende ab.

Bemerkenswert war am letzten Wochenende auch der Marathonsieg der Kenianerin Mary Keitany. 2:17:01 h in einem reinen Frauenrennen. Das wäre ein Weltrekord, wären da nicht die Statuten des IAAF und ein gescheiterter Versuch, diese abzuändern. Aber eins muss man den Damen und Herren des Weltverbandes lassen, kreativ sind sie. Für Keitany wurde das Etikett „Women’s only“–Marathon ausgegeben. Kann man machen, meint

Ralf Kerkeling

Echt was wert!

Echt was wert!

Köln, 11. April 2017

Am Wochenende gab es Erfreuliches zu beobachten. In Hannover fanden der City- Marathon und die Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon statt – und das Interesse an der Veranstaltung war groß. Mit Sabrina Mockenhaupt und Arne Gabius waren in Hannover zwei echte Zugpferde am Start. Gabius und Mockenhaupt sind, obwohl beide schon 36 Jahre alt, noch immer die beiden größten Namen in der deutschen Laufszene.

Die überregional starke Rezeption hat gezeigt: Die Leichtathletik braucht dringend große Namen. Dass dieser Umstand am Wochenende anhand eines Laufevents deutlich wurde, hat in der aktuellen Diskussion um Spitzensportförderung einen säuerlichen Beigeschmack.

Große Läufer sprießen nicht einfach so aus der Erde. Sie müssen durch gute und schlechte Zeiten begleitet werden. Gerade im Laufbereich steht genau das jedoch auf dem Spiel.

Arne Gabius und Sabrina Mockenhaupt waren auf der Bahn auch zu ihren besten Zeiten ebenso weit davon entfernt, olympische oder WM-Medaillen zu gewinnen, wie aktuell Florian Orth, Timo Benitz und andere. Dass sie weiterhin Werbung für den Laufsport, für die gesamte Leichtathletik betreiben können, hat das Wochenende gezeigt – und sollte denen zu denken geben, die die aktuelle Läufergeneration nicht mehr für unterstützenswert erachten – jene Generation, die einmal in die Fußstapfen von Arne Gabius und Sabrina Mockenhaupt treten könnte, meint

Daniel Becker

Sportliche Vielfalt

Sportliche Vielfalt

Köln, 04. April 2017

Von Nicht-Fußballern wird ja gerne und viel über die Rolle des Fußballs in der nationalen Sportlandschaft geschimpft. Und ihr Ärger ist verständlich.

Doch der Weg zu mehr sportlicher Vielfalt – im TV und im gesellschaftlichen Diskurs – kann nicht nur darüber führen, gegen den Fußball zu wettern. Vielmehr sollte im Fokus stehen, die eigene Außendarstellung zu verbessern. Die Leichtathletik gibt sich aktuell dabei viel Mühe, braucht aber auch Hilfe von außen.

Die hat sie – der ein oder andere mag es kaum glauben – am Wochenende ausgerechnet von einem Fußballtrainer erhalten. Norbert Meier, Übungsleiter des Bundesliga-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, war zusammen mit Deutschlands bester Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause zu Gast bei „SWR Sport“ im Südwestrundfunk. Er brach, als er über Fußball hätte sprechen können, stattdessen eine Lanze für Einzelsportarten wie die Leichtathletik, zeigte sich beeindruckt von den Entbehrungen, die die anwesende Krause für den sportlichen Erfolg in Kauf nimmt, und ärgerte sich darüber, dass es immer nur um Medaillen gehe und „vierte Plätze bei Olympia nichts zählen“.

Ganz sicher hat der Fußballtrainer Norbert Meier klare Präferenzen, wenn es um das Thema „Lieblingssportart“ geht. Schön, dass ihn das nicht daran gehindert hat, trotzdem für sportliche Vielfalt zu werben, meint

Daniel Becker

Ein guter Tag

Ein guter Tag

Köln, 28. März 2017

Der 3. April wird ein guter Tag für die Leichtathletik werden. Dann nämlich veröffentlicht der Naturwissenschaftler Simon Krivec seine Dissertation, in der er sich mit Doping in der Bundesrepublik zur Zeit der deutschen Zweistaatlichkeit beschäftigt hat.

Wichtige Informationen sind schon jetzt bekannt: 31 ehemalige DLV-Athleten haben zugegeben, unerlaubte Mittel zur Leistungssteigerung zu sich genommen zu haben. Fünf davon haben die Nennung ihres Namens freigegeben. Dass sich die Wissenschaft intensiv um Aufklärung bemüht, ist ebenso wichtig wie ein glaubwürdiger Anti-Doping-Kampf von Seiten der Medien, der Verbände und der Sportler selber. Nur wenn der Kampf auf allen Ebenen geführt wird, kann man an Erfolg überhaupt nur denken.

Beachtlich ist, dass es die Arbeit von Krivec, dessen Vater selber einmal Leichtathlet war, ohne das Zutun ehemaliger Athleten überhaupt nicht gegeben hätte. Die Russin Yulia Stepanova hat es scheinbar vorgemacht, nun hat Deutschland seine eigenen Leichtathletik-Whistleblower. Sie werden zum Glück und aus vielen Gründen nicht mit ähnlichen, teilweise lebensbedrohlichen Konsequenzen zu rechnen haben wie die 800-Meter-Läuferin. Sie haben aber ein ähnlich wichtiges Signal an den Sport der Gegenwart gesendet, meint

Daniel Becker

Schöne Aussichten

Schöne Aussichten

Köln, 21. März 2017

Es geht nach draußen. Endlich! Die Hallensaison hat uns 2017 zwar etliche Leckerbissen serviert. Aber trotzdem überkommt mich ein angenehmer Schauer, wenn ich an die anstehende Freiluftsaison mit dem Highlight London denke. Im Hinblick auf die deutschen Athleten stellen sich dabei die meisten natürlich zunächst einmal die „Frage aller Fragen“: Wer hat die besten Chancen auf Erfolge – allen voran auf WM-Medaillen?

Wir haben in der aktuellen Ausgabe ein Ranking entwickelt, in dem wir die 25 größten deutschen Hoffnungsträger für die Freiluftsaison ermitteln. Natürlich spielen dabei Asse wie Thomas Röhler oder Christoph Harting eine tragende Rolle. Wer 2016 Olympiasieger wird, der lädt auch 2017 zum Träumen ein. Doch am Ende kann und darf es bei der Einordnung unserer Athleten nicht ausschließlich um prozentuale Medaillenchancen gehen. Und auch nicht nur um das Erreichte in der jüngeren Vergangenheit. Perspektiven und Potenziale spielen eine ebenso große Rolle!

Nein, eine Medaille von Gina Lückenkemper über die 200 Meter ist in London nicht zu erwarten. Und wer ein Vermögen auf Edelmetall für Konstanze Klosterhalfen über 1.500 Meter wettet, dem ist Geld wahrscheinlich nicht so wichtig. Dennoch zählen die beiden selbstverständlich zum elitären Kreis unserer Hoffnungsträger. Ebenso wie andere junge, ambitionierte DLV-Starter. Und genau so wie die Granden der Branche. Lassen Sie sich überraschen! Viel Spaß beim Lesen wünscht

Andreas Spohr

Geweckte Hoffnungen

Geweckte Hoffnungen

Köln, 07. März 2017

Der Sommer kann kommen. Die Zeit der Hallenwettkämpfe neigt sich dem Ende zu, und die Sportart kann endlich wieder ihre komplette Vielfalt unter freiem Himmel entfalten. Die Vorfreude auf den kommenden Wettkampfsommer mit dem Höhepunkt der Weltmeisterschaften in London ist seit den Wettkämpfen von Belgrad noch einmal deutlich gestiegen.

Neben den herausragenden Vorstellungen einer Laura Muir oder Ivana Spanovic machte auch das deutsche Team mit guten Leistungen auf sich aufmerksam. In London könnte aus deutscher Sicht auch in Sachen Medaillen einiges möglich sein. Beeindruckend, wie Cindy Roleder die durch technische Probleme ausgelöste Fehlstart-Arie wegsteckte und sich anschließend souverän ihre Goldmedaille sicherte. Auch Konstanze Klosterhalfen lässt immer wieder aufhorchen. Atemberaubend, wie sie in ihren jungen Jahren von Rekord zu Rekord rennt. Da wächst eine Große heran.

Das Wochenende hätte also ein aus Leichtathletiksicht ganz ungetrübtes werden können, wäre da nicht die Geschichte von Timo Benitz gewesen. Kurz und knapp: Obwohl Benitz zu den deutschen Topläufern gehört und er auch in Belgrad das Finale erreichte, ist er aus den Fördertöpfen gefallen. Die Geschichte erinnert an die von Florian Orth. Gerade in der Disziplin Laufen ist es jedoch für einen europäischen Läufer nahezu unmöglich, in die Weltspitze vorzustoßen. Das Signal ist ein Schritt in die falsche Richtung und wird die Laufszene nachhaltig beeinflussen, die Maßstäbe sind falsch gesetzt, meint

Ralf Kerkeling

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Leisere Töne, bitte!

Leisere Töne, bitte!

Köln, 21. Februar 2017

Samstagnachmittag in Leipzig, gegen 15:30 Uhr. Die ansonsten alle Gehörgänge besetzende Musik in der Arena Leipzig ist ausgeschaltet. Vielleicht ist die Anlage überhitzt und braucht eine kurze Pause.

Sonntagnachmittag, gleicher Ort, gleiche Uhrzeit. Die Halle tobt. Von Beginn an – sagen wir es, wie es ist – geht die Post ab. Beim 800-Meter-Finale trägt die Halle Lokalmatador Robert Farken zum Sieg, kurz darauf Christina Hering über die gleiche Strecke und Lara Hoffmann, Marc Koch und Marvin Schlegel zur EM-Norm über 400 Meter.

Was die Stimmung in der Arena betrifft, erlebte Leipzig zwei unterschiedliche Tage. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Die Zuschauer lassen sich nicht nur von Weltklasseleistungen wie am Vorabend im Sprint mitreißen. Der packende Kampf um den Titel auf der Laufbahn, der Zweikampf an der Sprunggrube oder auf der Hochsprunganlage finden auch dann Anerkennung, wenn es nicht um deutsche oder internationale Rekorde, sondern „nur“ um die neue persönliche Bestleistung oder die EM-Norm geht.

Und so sollte man die Stimmung am Samstagvormittag nicht falsch bewerten. Auch das Publikum muss erst einmal warm werden, und die Phase der Vorläufe ist dafür genau die richtige Zeit. Leipzig hat in diesem Jahr erneut gezeigt, dass die Stadt ein perfekter Ort für die Ausrichtung der Hallenmeisterschaften ist – und dass die DM eines sicher nicht braucht: laute Musik, die versucht, ruhigere Phasen sinnlos zu übertönen, meint

Daniel Becker

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Leichtathletik ohne Rio

Leichtathletik ohne Rio

Köln, 14. Februar 2017

Gut, dass sie wieder vorbei ist. – Gemeint ist nicht die Hallensaison. Denn die hat nicht nur bis jetzt in großen Teilen Freude bereitet, sondern hat bis in die erste Märzwoche hinein auch noch eine ganze Menge zu bieten. Nein, gemeint ist die Zeit, in der jedes Leichtathletik-Meeting im Schatten der Olympischen Spiele stand. Das spürt man, so finde ich, gerade jetzt, wo es in den Hallen Deutschlands, Europas und der Welt in die entscheidende Phase der Wintersaison geht.

Natürlich liegen auch in diesem Jahr die großen Saisonziele der Athleten wieder im Sommer, und die Weltmeisterschaften im August in London spielen sicher nicht nur in den Köpfen der Sportler, sondern auch in denen der Fans schon jetzt eine Rolle. Und das ist auch gut so. Dennoch geht es in diesem Leichtathletik-Winter endlich wieder befreiter zu. Das liegt auch daran, dass fast die gesamte nationale und internationale Elite schon im Januar und Februar auf den Meetings der Welt unterwegs war und ist. Die Leistungen steigen parallel zum Interesse.

Das wird auch bei den am Wochenende beginnenden Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig zu spüren sein. Mit Ausnahme von Rekordsprinter Julian Reus wird die komplette erste Garde der deutschen Leichtathletik in der Arena Leipzig an den Start gehen. Die Prognose für beide Tage: ausverkauft. Eurosport übertragt live. Die Zeit der Leichtathletik im Schatten der Olympischen Spiele ist vorbei. Gut so, meint

Daniel Becker

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Chance genutzt

Chance genutzt

Köln, 07. Februar 2017

Innerhalb der letzten Woche gab es zwei hochklassige, internationale Leichtathletik-Events auf deutschem Boden. Endlich, möchte man meinen. Die IAAF- Indoor-Serie hob das Meeting in Düsseldorf auf eine höhere Ebene, auf der Karlsruhe schon etwas länger steht. Boston, Düsseldorf, Karlsruhe, Torun, Birmingham heißt es nun in diesem Jahr. Hört sich nicht schlecht an.

Seit nunmehr 30 Jahren gibt es beispielsweise das Hallenevent im südlichen Teil Deutschlands, es ist etabliert im jährlichen Tourkalender. Athleten der Spitzenklasse, wie auch am vergangenen Wochenende, kommen gerne, auch wegen der zahlreichen, enthusiastischen Zuschauer. Dennoch müssen die Veranstalter in jedem Jahr um Sponsorengelder kämpfen und damit immer wieder aufs Neue um die Existenz eines solchen Events zittern.

Dass trotz eines international sehr gut aufgestellten Starterfeldes und absoluten Topleistungen, wie die der Britin Laura Muir, in jedem Jahr um das Sponsorengeld gekämpft werden muss, stimmt nachdenklich. Dies zeigt: Neben dem Fußball geht wenig. Dass es aber möglich ist und man die Leichtathletik sogar ins TV bekommt, macht Mut. Da keimt doch die stille Hoffnung auf, dass es den deutschen TV-Zuschauern auch in Zukunft nach mehr dürstet als überwiegende Fußballberieselung, meint

Ralf Kerkeling

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Mehr Inhalt, bitte!

Mehr Inhalt, bitte!

Köln, 31. Januar 2017

Es ist ein geeignetes Mittel, Dinge drastisch zu formulieren, um mit einer Aussage die gewünschte Aufmerksamkeit zu erregen. Nils Schumann, 800-Meter-Olympiasieger von Sydney, versuchte es Ende vergangener Woche so: „Ich würde das gesamte Anti-Doping-Kontrollsystem in die Mülltonne treten.“ Die Aufmerksamkeit war da.

Und Schumann legte nach. Wenn man klare Verhältnisse wolle, dann bleibe „nur die Freigabe aller leistungssteigernder Mittel“, erklärte er. Eine Forderung, die er schon im vergangenen Jahr in seinem Buch geäußert hatte. Die Aufmerksamkeit war gestiegen. Und hat prompt Reaktionen hervorgerufen.

Schumanns Äußerungen seien „fatal, unverantwortlich, nicht hinzunehmen und das absolut falsche Zeichen für Politik, Sportfans und Leistungssportler selbst“, empörte man sich beim Landessportbund Thüringen. Er gebe mit seinen Aussagen „ein vollständig falsches Signal in der Diskussion um die Glaubwürdigkeit und Integrität des olympischen Sports“.

Alles richtig und Ausdruck berechtigter Sorge. Doch so wirklich gut ist eine Distanzierung nur dann, wenn sie mit Argumenten gefüttert wird. Alle Nachteile von Doping sind bekannt, Argumente „pro Freigabe“ können im Handumdrehen widerlegt werden. Doch genau das muss man tun. Immer und immer wieder. Empörung allein hat noch keiner Diskussion geholfen. Inhalte hingegen schon, meint

Daniel Becker

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